Problemstellung: Andere Worte, andere Welten.
„Du verstehst mich einfach nicht!“ Dieser Satz steht oftmals am Ende von Diskussionen zwischen Männern und Frauen. Tatsächlich scheint es, dass Frauen und Männer unterschiedlichen Sprachen sprechen. Die Arbeit wird sich mit dem Thema der geschlechtsspezifischen Kommunikation auseinandersetzen und grundlegende Unterschiede aufführen.
Des weiteren sollen die geschlechtstypischen Kommunikationsstile unter besonderer Berücksichtigung systemlinguistischer Gesichtspunkte – in Anlehnung an das Seminar „Soziolinguistik“ – beschrieben und die Gründe für Missverständnisse zwischen Männern und Frauen beleuchtet werden.
Ziel der Arbeit ist es, so weit möglich, Lösungsansätze zu entwickeln, die zu einer besseren Verständigung der Geschlechter beitragen könnten.
Zuvor werden die Anfänge der feministischen Sprachwissenschaft und der aus ihr entstandenen Sprachkritik mit besonderem Augenmerk auf den Sexismus in der Sprache thematisiert. Als ein weiterer relevanter Themenschwerpunkt soll die Rolle der Frau im Sprachsystem und damit ihr geschlechtsspezifisches Sprachverhalten behandelt werden.
Verschiedene Autoren, Wissenschaftler und Linguisten haben sich bereits mit dem Bereich der geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Sprache, der sich als fester Bestandteil soziolinguistischer Forschung etabliert hat, befasst. Die Bücher „Frauensprache: Sprache der Veränderung“ von Senta Trömel-Plötz, „Das Deutsche als Männersprache“ von Luise F. Pusch, die „Einführung in die feministische Sprachwissenschaft“ von Ingrid Samel sowie der Forschungsbericht „Feministische Linguistik / Linguistische Geschlechterforschung“ von Gisela Schoenthal dienen daher als grundlegende Literatur für die folgende Ausarbeitung.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung: Andere Worte, andere Welten
2. Der Inhalts- und Beziehungsaspekt von Sprache
3. Feminismus und Linguistik
3.1. Die Frauenbewegung in der BRD
3.2. Anfänge der feministischen Sprachwissenschaft
3.3. Sprachkritik
3.4. Sexismus in der Sprache
3.4.1. Die Diskriminierung von Frauen in der Bibel
3.4.2. Die Diskriminierung von Frauen in Sprichwörtern
3.5. Lösungsansätze
3.5.1. Beidbenennung
3.5.2. Neutralisation
3.5.3. Das generische Femininum
3.6. Sprachwandel
4. Geschlechtsspezifisches Sprachverhalten von Frauen
4.1. Hypothesen zur Frauensprache
4.2. Die Doppelbindungssituation
5. Kommunikationsverhalten von Frauen und Männern
5.1. Geschlechtsspezifische Merkmale im weiblichen Sprachverhalten
5.2. Der feminine Gesprächsstil
5.3. Geschlechtsspezifische Merkmale in der Männersprache
5.4. Der maskuline Gesprächsstil
5.5. Nonverbales Verhalten von Frauen und Männern
6. Erklärungsansatz / Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die geschlechtsspezifische Kommunikation sowie die Gründe für Missverständnisse in der Interaktion zwischen Frauen und Männern, um basierend auf soziolinguistischen Erkenntnissen Lösungsansätze für eine verbesserte Verständigung zu entwickeln.
- Anfänge der feministischen Sprachwissenschaft und Sprachkritik
- Geschlechtstypische Kommunikationsstile und sprachliche Merkmale
- Die Doppelbindungssituation von Frauen im Beruf und Alltag
- Nonverbales Verhalten im Geschlechtervergleich
- Möglichkeiten der geschlechtergerechten Sprache
Auszug aus dem Buch
4.1. Hypothesen zur geschlechtsspezifischen Sprachdifferenzierung
(a) Defizithypothese
Der Gedanke von einer spezifisch weiblichen Sprache geht ursprünglich nicht auf die Frauenbewegung zurück, sondern wurde lediglich von ihr aufgegriffen. Ihre Ursprünge liegen in Reiseberichten aus den letzten Jahrhunderten und in der anthropologisch-ethnologischen Forschung. Zwei Vertreter der älteren Beschreibung von ´Frauensprache´ sind Fritz Mauthner und Otto Jespersen. In seinem Buch „Beiträge zu einer Kritik der Sprache/ Zur Sprache und zur Psychologie“ (3. Auflage, Stuttgart/Berlin, 1921) bezieht sich Mauthner auf den allgemeinen Sprachgebrauch und im speziellen auf das Gesprächsverhalten von Frauen. Er sieht die Unterschiede zwischen Männer- und Frauensprache in Bildung und Stand begründet. Frauen beurteilt er dabei als unfähig, die Männersprache zu erlernen.
Otto Jespersen beschreibt in „Die Sprache. Ihre Natur, Entwicklung und Entstehung.“ (Heidelberg, 1925) den Wortschatz und die Syntax der Frauensprache. Nach Jespersen bilden Frauen unvollständige Sätze, da auch ihre Gedanken unvollständig sind. Aus seiner Sicht sprechen Männer häufiger in einem Satzgefüge von Haupt- und Nebensätzen, Frauen dagegen in einfachen Satzverbindungen. Seiner Ansicht nach, sind die sprachlichen Unterschiede biologisch vorgegeben, demnach schreibt er Frauen ein Defizit zu. Sowohl Mauthner, als auch Jespersen betrachten die Sprache der Frauen nur als minderwertige Variante der Männersprache und nicht als autonome Sprache. Sie sind somit eindeutig Vertreter der Defizithypothese.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Andere Worte, andere Welten: Einleitung in die Thematik der geschlechtsspezifischen Kommunikation und die Relevanz soziolinguistischer Forschung für das Verständnis von Missverständnissen zwischen Männern und Frauen.
2. Der Inhalts- und Beziehungsaspekt von Sprache: Theoretische Grundlagen der Kommunikation als Austauschprozess zwischen Sender und Empfänger sowie die Identifikation von Störquellen in Gesprächen.
3. Feminismus und Linguistik: Darstellung der historischen Entwicklung der feministischen Sprachwissenschaft, der Sprachkritik am Sexismus im deutschen Sprachsystem und konkreter Lösungsansätze.
4. Geschlechtsspezifisches Sprachverhalten von Frauen: Analyse verschiedener wissenschaftlicher Hypothesen zur Frauensprache und Untersuchung der psychologischen sowie sozialen Doppelbindungssituation.
5. Kommunikationsverhalten von Frauen und Männern: Gegenüberstellung der spezifischen verbalen und nonverbalen Merkmale von weiblichem und männlichem Gesprächsstil.
6. Erklärungsansatz / Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse mit dem Fazit, dass gegenseitiges Verständnis und Toleranz wesentlicher für den Umgang miteinander sind als rein sprachliche Regulierungen.
Schlüsselwörter
Geschlechtsspezifische Kommunikation, Soziolinguistik, Frauensprache, Männersprache, Sprachkritik, Sexismus, Feministische Linguistik, Doing Gender, Doppelbindungssituation, Kommunikationsverhalten, Sprachwandel, Beidbenennung, Gesprächsstil, Nichtverbale Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den linguistischen Unterschieden zwischen der Kommunikation von Männern und Frauen und beleuchtet, wie gesellschaftliche Erziehung und Rollenbilder unser Sprachverhalten prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die feministische Sprachkritik, die Analyse geschlechtsspezifischer Gesprächsstile sowie die Untersuchung von Ursachen für kommunikative Missverständnisse zwischen den Geschlechtern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die geschlechtstypischen Kommunikationsweisen zu analysieren, um Wege für eine bessere Verständigung zu identifizieren und den Einfluss von Machtstrukturen auf das Sprachverhalten zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine soziolinguistische Analyse angewandt, die auf existierender Fachliteratur und theoretischen Ansätzen zur Geschlechterforschung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Sprachtheorien, die Dekonstruktion sexistischer Sprachmuster und eine detaillierte Gegenüberstellung der verbalen und nonverbalen Kommunikationsstile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Sprachkritik, geschlechtsspezifische Kommunikation, Doing Gender, feministische Linguistik und Doppelbindungssituation.
Was besagt die Defizithypothese in der Sprachwissenschaft?
Die Defizithypothese betrachtet die weibliche Sprache als minderwertige oder unvollständige Variante der Männersprache, wobei diese Unterschiede oft fälschlicherweise als biologisch gegeben interpretiert wurden.
Wie unterscheidet sich der weibliche vom männlichen Gesprächsstil laut Arbeit?
Frauen kommunizieren tendenziell kooperativer, nutzen mehr Abschwächungen und Frageintonationen, während der maskuline Stil eher statusorientiert, direkt und durch Dominanzverhalten gekennzeichnet ist.
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- M.A. (Magistra Artium) Julia Brenner (Author), 2003, Männersprache / Frauensprache. Geschlechtsspezifische Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82768