Der Name der Rose - Ein semiotischer Roman?


Seminararbeit, 2007

17 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Der Aufbau des Romans

2. Die Personen
2.1. William von Baskerville
2.2. Adson von Melk
2.3. Jorge von Burgos
2.4. Reale Personen im Roman

3. Zeichen und Symbole
3.1. Die Bibliothek
3.2. Die Rose

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Vorwort

Man kann sich kaum eine akademische Beschäftigung mit Literatur vorstellen, ohne irgendwann über Der Name der Rose zu stolpern. Dieser erste Roman des italienischen Semiotikprofessors Umberto Eco ist 1980 in seiner italienischen Erstfassung als Il nome della rosa erschienen und machte seinen Autor binnen kürzester Zeit weltberühmt. Was aber macht den besonderen Reiz dieses Buches aus? Warum wird es immer wieder mit Semiotik in Zusammenhang gebracht? Wie erklärt es sich, dass der allererste Roman eines Wissenschaftlers zum in der ganzen Welt gelesenen Bestseller werden konnte? Auf alle diese Fragen soll diese Arbeit versuchen, Antworten zu finden. Dabei wird das Augenmerk zunächst auf den Aufbau und die Personen der Geschichte gelegt, um dann in weiterer Folge Zeichen zu finden und sie und ihre Bedeutung für den Roman zu analysieren. Dabei kommt auch der Autor selbst zu Wort, hat er doch seine eigenen Gedanken und Intentionen wenig später in der Nachschrift zum ‚Namen der Rose’ niedergeschrieben.

Auf eine umfassende, zusammenhängende Wiedergabe des Inhalts wird verzichtet, da dessen Kenntnis beim interessierten Leser meiner Arbeit vorausgesetzt werden kann.

Nun aber genug der Einleitung, widmen wir uns jenen Ereignissen, „die sich zugetragen in jener Abtei, deren Lage, ja selbst deren Namen ich lieber verschweigen möchte aus Gründen der Pietät“.[1]

Wien, den 23.07.2007

1. Der Aufbau des Romans

Nimmt man Ecos Roman zur Hand und liest die ersten Seiten, ist man wohl zunächst mehr verwirrt als begeistert, zumal schon auf der Rückseite des Einbands das Buch als „furiose Kriminalgeschichte“[2] angepriesen wird. Diese vorschnelle Einordnung in die Kriminalsparte ist keineswegs eine unumstößliche und der Autor selbst macht keinen Hehl daraus, dass er einen historischen Roman schreiben wollte. Das Buch beginnt mit einer Information, in der der Leser vom Fund einer historischen Schrift informiert wird. Darin berichtet ein gewisser Abbè Vallet in der französischen Übersetzung von J. Mabillon, der über ein Manuskript des Mönchs Adson von Melk schreibt. In weiterer Folge erfährt der Leser, dass das Buch die italienische Wiedergabe dieser Schrift ist, in der wiederum der nunmehr greise Adson von Melk als Chronist referiert und seine Erlebnisse aus sieben Tagen in einer Abtei in den Hängen der Apenninen nacherzählt. Das führt zu einer Art Verpuppung dessen, der spricht: Eco sagt, „dass Vallet sagte, dass Mabillon sagte, dass Adson sagte…“[3]. Die eigentliche Geschichte ist damit in die vierte Ebene versetzt. Eco baute diese Verstrickung aus einem einfachen Motiv ein, nämlich aus Angst vor der neuen Gattung, der er sich zugewendet hatte: „Ich schämte mich zu erzählen“[4]. Die von den drei zwischengeschalteten Erzählern hervorgerufene Distanz gab ihm einerseits jene Freiheit, die er zum Romanschreiben brauchte und andererseits eine gewisse Glaubwürdigkeit. Er entzog sich damit der unmittelbaren Textherrschaft und gab zugleich einen dezenten Hinweis, dass die Texte ja gar nicht so authentisch sein können – schon hier beginnt das Spiel mit Wahrheit und Fiktion.

Eco erklärt sein Werk ausdrücklich zum historischen Roman. Doch war ihm als Literaturtheoretiker von Anfang an bewusst, dass er für den Leser schreibt, denn letztlich ist es er, der über den Erfolg eines Romans urteilt. Das bedeutet für einen Roman, dass er entweder seinen Leser finden muss, weil seine Handlung dessen Erwartungen erfüllt, oder seinen Leser erst schaffen muss, weil er sich von allem bisherigen durch seine Neuartigkeit abhebt. Der Name der Rose gehört zweifellos zur zweiten Gruppe. Also musste zuerst der Leser nach Ecos Vorstellungen „geschaffen“ werden. Sein Idealleser sollte ein Komplize im Spiel mit den Figuren und Zeichen werden, gleichzeitig aber sollte er „die Beute des Textes“[5] werden. Doch soll er an diesem Punkt nicht mehr aufhören können und erkennen, wie er irregeleitet wurde.

Eco bediente sich dem Handlungsmuster eines Kriminalromans, allerdings mit einigen untypischen Zügen. Es wird im Verhältnis zu den Ereignissen wenig aufgeklärt und der Detektiv, der zwar den Mörder überführt, scheitert letztlich in seinem Bestreben, die Bibliothek und insbesondere das 2. Buch der Poetik des Aristoteles zu retten. Nichts desto trotz macht schon der Beginn der Schilderungen Adsons unmissverständlich klar, dass – abseits des Disputs über die Armut Christi – kriminalistischem Scharfsinn eine zentrale Rolle zuteil wird: Nachdem die detektivischen Fähigkeiten Williams von Baskerville geradezu beispielhaft schon bei seiner Ankunft offenkundig werden, betraut ihn Abt Abbo von Fossanova mit der Aufklärung eines mysteriösen Todesfalls. Weitere folgen nahezu täglich. In diesem Zusammenhang sind auch die schwarzen Finger der Leichen bemerkenswert, man kann sie als Analogie zum Fingerabdruck in der Spurensicherung sehen.

Auf die Notwendigkeit des Spurenlesens, der Auseinandersetzung mit jenen Zeichen, die uns ständig entgegentreten, weist William seinen Novizen Adson schon zu Beginn hin: „Schon während unserer ganzen Reise lehre ich dich, die Zeichen zu lesen, mit denen die Welt zu uns spricht wie ein großes Buch.“[6]

Gerade den Anfang des Buches empfindet man beim erstmaligen Lesen als schwerfällig und ermüdend. Die Einteilung der sieben Tage nach den liturgischen Stunden zwingt dem Leser unweigerlich den Tagesrhythmus des Klosters auf. Eco rechtfertigt den anspruchsvollen Einstieg in den Roman so:

„Wer die Abtei betreten und darin sieben Tage verbringen will, muss ihren Rhythmus akzeptieren. Wenn ihm das nicht gelingt, wird er niemals imstande sein, das Buch bis zu Ende zu lesen. Die ersten hundert Seiten haben daher die Funktion einer Abbuße oder Initiation, und wer sie nicht mag, hat Pech gehabt und bleibt draußen, zu Füßen des Berges.“[7]

Diese Ansicht könnte man durchaus mit üblichen Aufnahmeprozeduren in Ordensgemeinschaften vergleichen. Der Neuankömmling wird geprüft, ob er sich für das Leben in der Gemeinschaft eignet. Erst wenn er sich bewährt, wird ihm Schritt für Schritt die ganze Welt der Gemeinschaft eröffnet.

[...]


[1] Eco, Der Name der Rose, S 17

[2] Eco, Der Name der Rose, Rückseite des Einbands

[3] Eco, Nachschrift, S 28

[4] Eco, Nachschrift, S 27

[5] Eco, Nachschrift, S 59

[6] Eco, Der Name der Rose, S 34

[7] Eco, Nachschrift, S 49

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Name der Rose - Ein semiotischer Roman?
Hochschule
Universität Wien
Note
1,00
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V82825
ISBN (eBook)
9783638886000
ISBN (Buch)
9783638889407
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde vom Dozenten mit "Sehr gut" benotet und als besonders gute wissenschaftliche Arbeit heraushebend gelobt.
Schlagworte
Name, Rose, Roman
Arbeit zitieren
Balazs Esztegar (Autor), 2007, Der Name der Rose - Ein semiotischer Roman?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82825

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Name der Rose - Ein semiotischer Roman?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden