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Xenoi - Vom Umgang mit Fremden im antiken Griechenland

Titel: Xenoi - Vom Umgang mit Fremden im antiken Griechenland

Seminararbeit , 2007 , 16 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: David Grupe (Autor:in)

Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Wahrnehmung des Fremden kommt eine besondere Rolle zu: Sie gibt Aufschluss über die Selbstwahrnehmung und trägt wesentlich zur Selbstbestimmung des Wahrnehmenden, zur Konstruktion seiner eigenen Identität bei. Dabei können die Reaktionen von selbstzufriedener Isolation gegenüber dem Fremden bis hin zur gewaltsamen Exklusion des Fremden reichen. Der bzw. das Fremde kann aber ebenso integriert werden, er/es wird dann zum Bestandteil der eigenen Identität. Im Vergleich mit dem Fremden können die eigenen Schwächen und Stärken in ein helleres Licht gerückt werden.
Um ein passendes Selbstbild der Griechen zu erhalten, ist es aufschlussreich, zu untersuchen, wie sich die Griechen Fremden gegenüber verhalten haben. Im griechischen Leben des 4. und 5. Jahrhunderts v.C. war Fremdes allgegenwärtig: Die Polizei Athens bestand aus skythischen Staatssklaven, besonders in Adelskreisen war ausländische Namensgebung beliebt, Heiratsverbindungen mit ausländischen Häuptlingsfamilien waren bei reichen Athenern nicht nur wegen der wirtschaftliche Interessen beliebt. Auch Perikles´ Gesetz, das Bürgerrecht Athens an athenische Abkunft von Vater und Mutter zu knüpfen entsprang wohl nicht der Fremdenfeindlichkeit, sondern kann als demokrati-sche Maßnahme gegen die auswärtig verschwägerte Oberschicht gedeutet werden.

Doch war das Verhältnis zwischen Griechen und Fremden wirklich unproblematisch? So zeigt ein Vasenbild aus der Zeit um 500 v.C., wie der große Griechenheld Herakles mit einer Meute schwächlicher Ägypter umspringt und ihren König bestraft. Dieses Bild kann als unmissverständliches Zeugnis griechischen Überlegenheitsgefühls gedeutet werden.

Es stellt sich die Frage, wie die Griechen die Fremden gesehen haben, wie sind Fremde und Griechen miteinander umgegangen? Wie war es um Gastfreundschaft bestellt, wurden Gastrechte missbraucht? Stand eher die Angst vor Fremden, die Xenophobie, im Vordergrund oder lässt sich ein bereits ritualisiertes Vertrautsein mit Jedermann, die Philoxenie, nachweisen?

Verlauf der Arbeit:

Um Antworten auf diese Fragestellungen zu finden, werden zunächst die Begriffe Xenoi, Barbaren und Metöken voneinander abgegrenzt und erläutert. Aus den Historien des Herodot werden Geschichten und Anekdoten aufgezeigt, die Hinweise auf den Umgang mit Fremden im antiken Griechenland geben. Es geht um die Behandlung von Fremden, den Umgang mit Gastrecht und Beispiele für den Missbrauch der Gastfreundschaft.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Philoxenie im antiken Griechenland?

2 Fremde, Xenoi, Metöken und Barbaren

3 Xenoi bei Herodot

3.1 Herodots „Historien”

3.2 Umgang mit „Fremdlingen“ bei Herodot

4 Schlussbetrachtung: Xenophobie oder Philoxenie?

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis der Griechen zu Fremden im 4. und 5. Jahrhundert v.C. und geht dabei der zentralen Forschungsfrage nach, ob in der griechischen Antike eher eine fremdenfeindliche Haltung (Xenophobie) oder eine kultivierte Gastfreundschaft (Philoxenie) das soziale und politische Miteinander prägte.

  • Begriffsbestimmung von Xenoi, Metöken und Barbaren
  • Analyse der Darstellung fremder Kulturen bei Herodot
  • Untersuchung des Gastrechts und dessen Missbrauch
  • Einfluss politischer Konflikte auf die Wahrnehmung des Fremden
  • Vergleich zwischen theoretischen Idealen und praktizierter Ausgrenzung

Auszug aus dem Buch

3.2 Umgang mit „Fremdlingen“ bei Herodot

Herodot liefert zwei ansehnliche Beispiele über die Verpflichtung zu freundschaftlich anständigem Verhalten, die sich aus einer Gastfreundschaft ergeben. Im ersten Beispiel verletzt der Gast unfreiwillig diese Beziehung, im zweiten Beispiel geschieht der Bruch durch den Gastgeber selbst in voller Absicht.

Im Ersten Buch beschreibt Herodot, wie Adrastos zu Kroisos kommt, um sich von einem unfreiwillig begangenen Totschlag „reinigen“ zu lassen. Adrastos bleibt an Kroisos´ Hof und erhält den Auftrag, Kroisos´ Sohn Atys auf einer gefährlichen Eberjagd zu begleiten und zu beschützen. Auf dieser Jagd geschieht ihm ein grausames Ungeschick: Adrastos verfehlt mit seinem Speer den zu erlegenden Eber und trifft stattdessen den ihm anvertrauten Kroisos-Sohn Atys tödlich. Herodot betont in seiner Schilderung mehrfach den Status des Adrastos als „Fremdling“, um das Furchtbare des Geschehens noch stärker hervorzuheben: Ausgerechnet einem Fremdling widerfährt dieses tödliche Missgeschick! Adrastos stellt sich selbst und ist für den Tod als Sühne seiner Tat bereit. Doch gerade diese Selbstverurteilung weckt Kroisos´ Barmherzigkeit gegenüber dem Fremdling und er sieht sein Sühnebedürfnis durch das Schuldeingeständnis bereits ausreichend gestillt. Er spricht zu ihm: „Fremdling, meine Strafe an dir ist schon vollzogen, da du dich selber für des Todes schuldig erklärst. Nicht du hast dies Leid über mich gebracht, wenn du auch ohne es zu wollen der Täter warst, sondern einer der Götter, der mir schon lange vorher verkündet hat, was mir geschehen sollte.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Philoxenie im antiken Griechenland?: Einleitung in die Problematik der Identitätskonstruktion durch Abgrenzung vom Fremden und Darstellung des griechischen Selbstbildes.

2 Fremde, Xenoi, Metöken und Barbaren: Klärung der rechtlichen und sozialen Kategorien für Menschen, die nicht zum Kreis der griechischen Vollbürger zählten.

3 Xenoi bei Herodot: Analyse von Herodots Geschichtswerk hinsichtlich seines ethnographischen Ansatzes sowie konkreter Fallbeispiele zum Umgang mit Gastrechten.

4 Schlussbetrachtung: Xenophobie oder Philoxenie?: Resümee über Herodots positive Sicht auf den Fremden im Kontrast zur späteren Entwicklung eines griechischen Überlegenheitsgefühls.

Schlüsselwörter

Antike, Griechenland, Herodot, Fremde, Xenoi, Barbaren, Metöken, Gastfreundschaft, Philoxenie, Xenophobie, Hikesie, Identität, Perserkriege, Historien, Gastrecht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Integration von Fremden durch das Gastrecht und der gleichzeitigen Ausgrenzung von „Barbaren“ im antiken Griechenland.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit thematisiert soziale Statusgruppen wie Metöken, die Bedeutung der Sprache bei der Definition von Barbaren sowie moralische Verpflichtungen aus dem Gastverhältnis.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu analysieren, ob der Umgang mit Fremden bei Herodot von einer humanen Philoxenie geprägt war oder ob bereits Ansätze von Fremdenfeindlichkeit erkennbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse der Historien des Herodot unter Einbeziehung relevanter fachwissenschaftlicher Literatur zur griechischen Sozialgeschichte.

Welche Inhalte stehen im Zentrum des Hauptteils?

Im Hauptteil werden insbesondere die Gastfreundschafts-Anekdoten (wie die Geschichten um Adrastos, Glaukos oder Xerxes) detailliert interpretiert.

Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Konzepte der Xenophobie, Philoxenie sowie die antike Bedeutung von Fremdsein und Schutzflehen (Hikesie) definiert.

Welche Rolle spielt der Gott Proteus in den Ausführungen des Autors?

Proteus fungiert im Beispiel aus dem Zweiten Buch als moralische Instanz, die den Bruch der Gastfreundschaft durch Paris verurteilt, jedoch aufgrund des Fremdenstatus des Täters Gnade walten lässt.

Wie verändert sich laut dem Autor die Wahrnehmung von Fremden nach dem Peloponnesischen Krieg?

Der Autor führt aus, dass der Begriff „Barbar“ erst infolge des politischen Machtverlustes Athens eine zunehmend abwertende Konnotation erhielt, um das griechische Selbstwertgefühl zu stützen.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Xenoi - Vom Umgang mit Fremden im antiken Griechenland
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstaltung
Das griechische Theater: Kunst, Politik und Geschlecht
Note
1,7
Autor
David Grupe (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V82843
ISBN (eBook)
9783638889506
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Xenoi Umgang Fremden Griechenland Theater Kunst Politik Geschlecht
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
David Grupe (Autor:in), 2007, Xenoi - Vom Umgang mit Fremden im antiken Griechenland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82843
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Leseprobe aus  16  Seiten
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