Diese Arbeit bleibt nicht bei der Erkenntnis, dass dieses oder jenes Gedicht des schlesischen Barockdichters Logau direkt oder indirekt von Martial abhängig ist, stehen, sondern untersucht anhand textnaher Interpretation dreier typensatirischer Epigrammpaare, welche Bandbreite von Mitteln und Möglichkeiten, d.h. poetischen Techniken, Logau nutzt, um den Martialtext für seine Zeit und seine Dichtung zu aktualisieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkungen
2. Drei Beispiele der Martialrezeption bei Logau
2.1. »Tisch-Freundschafft« - eine Martialübersetzung
2.2. »Auff Technicum« - Logau im Wettstreit mit Martial
2.3. »Auff Umbriam« - Martial als Folie der Originalität
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis der satirischen Epigramme von Friedrich von Logau zur antiken Vorlage des römischen Dichters Martial. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Epigrammpaare aufzuzeigen, wie Logau durch verschiedene Techniken der Intertextualität — von der Übersetzung bis zur schöpferischen Auseinandersetzung — den Martial-Text für seine eigene Zeit aktualisiert und seine dichterische Originalität unter Beweis stellt.
- Intertextualität und Martialrezeption im Barock
- Techniken der epigrammatischen Umformung (Imitatio und Aemulatio)
- Analysen zu »Tisch-Freundschafft«, »Auff Technicum« und »Auff Umbriam«
- Die poetologische Bedeutung von Brevitas und Argutia bei Logau
- Strategien der Distanzierung vom literarischen Vorbild
Auszug aus dem Buch
2.1. »Tisch-Freundschafft« - eine Martialübersetzung
Das vierzehnte Epigramm des neunten Martialbuches ist ein für Martial typisches cena Gedicht, das den Leser in die Welt der reich ausgestatteten Gelage der Stadt Rom des 1. Jh. n. Chr. entführt:
Hunc, quem mensa tibi, quem cena paravit amicum, Esse putas fidae pectus amicitiae? Aprum amat et mullos et sumen et ostrea, non te. Tam bene si cenem, noster amicus erit.
Thema des Gedichtes ist die – auch heute sicherlich noch bekannte - Art von »Freundschaft«, die der großzügige Gastgeber bei den Gästen erwerben kann, die seine Festivität nicht vorrangig wegen des Gastgebers oder gar aus Freundschaft zu diesem besuchen, sondern vor allem des guten Essens wegen, oder weil es eben etwas umsonst gibt. »Partytourismus« im Kleinen war also schon der Antike nicht fremd.
Logau übernimmt diesen Gedanken für seine auch als solche markierte Übersetzung »Tisch-Freundschafft« (1,8,30) und es ist augenscheinlich, dass er sich möglichst nahe an der Vorlage zu orientieren sucht: VErmeinstu wol/ daß der ein treues Hertze sey, Den dir zum Freunde macht dein offte Gasterey? Dein Austern liebt er nur/ dein Wilbrät, gar nicht dich; Auch mein Freund würd er bald / wann so wie du/ lebt ich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkungen: Einführung in die Problematik der Intertextualität bei Logau und die methodische Herangehensweise an die Untersuchung der Martialrezeption.
2. Drei Beispiele der Martialrezeption bei Logau: Untersuchung von drei konkreten Epigrammpaaren zur Aufdeckung der poetischen Techniken Logaus.
2.1. »Tisch-Freundschafft« - eine Martialübersetzung: Analyse einer engen Übersetzung, die trotz Vorbildnähe bereits subtile Änderungen zur Pointierung nutzt.
2.2. »Auff Technicum« - Logau im Wettstreit mit Martial: Vergleich eines Porträts eines Wichtigtuers, bei dem Logau durch massive Erweiterung (Amplificatio) in den direkten Wettstreit tritt.
2.3. »Auff Umbriam« - Martial als Folie der Originalität: Analyse eines Epigramms, in dem sich Logau durch drastische Reduktion und Neuanordnung weit von der Vorlage emanzipiert.
3. Fazit: Zusammenfassende Darstellung der Flexibilität Logaus, der zwischen translatio, imitatio und aemulatio variiert.
Schlüsselwörter
Friedrich von Logau, Martial, Epigramm, Barocklyrik, Intertextualität, Imitatio, Aemulatio, Brevitas, Argutia, Rezeptionsgeschichte, Typensatire, Literarische Umformung, Übersetzung, Poetologie, Rhetorik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Barockdichter Friedrich von Logau den römischen Dichter Martial als literarisches Vorbild für seine eigenen satirischen Epigramme nutzt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Konzepte der Intertextualität, die poetologischen Begriffe der Brevitas und Argutia sowie die Analyse von Rezeptionstechniken wie Imitation und Wettstreit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Logau den Martialtext rezipiert, um ihn für seine Zeit zu aktualisieren und seine eigene künstlerische Originalität innerhalb der Gattung zu demonstrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine intensive textnahe Interpretation von drei exemplarischen Epigrammpaaren durchgeführt, um die intertextuellen Bezüge und poetischen Verfahrensweisen Logaus aufzudecken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Analysen, die jeweils ein Epigramm Logaus mit einer Vorlage von Martial vergleichen und dabei unterschiedliche Grade der Rezeptionsintensität beleuchten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Martial, Logau, Epigramm, Aemulatio, Intertextualität, Argutia, Brevitas und literarische Rezeption.
Wie unterscheidet sich Logaus »Tisch-Freundschafft« vom Martial-Vorbild?
Logau bleibt zwar eng an der Vorlage, strafft jedoch das Kolorit und spitzt die Pointe am Ende zu, indem er das Dichter-Ich und den Gastgeber schärfer kontrastiert.
Warum wird im Kapitel zu »Auff Technicum« von einem Wettstreit gesprochen?
Weil Logau die Vorlage von Martial nicht nur übersetzt, sondern durch massive Erweiterung des Porträts (Amplificatio) und eine geänderte Pointe versucht, den antiken Text zu überbieten.
Welche Rolle spielt der Begriff der »argutia« in der Argumentation?
Die Argutia (Spitzfindigkeit) wird als zentrale Qualität des barocken Epigramms definiert, die Logau gezielt einsetzt, um durch überraschende Wendungen am Ende eine literarische Wirkung zu erzielen.
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- Robert Igel (Author), 2007, Durch imitatio zu aemulatio, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82883