Wahlen sind in demokratischen Staaten ein wichtiges Partizipationskriterium der wahlberechtigten Bevölkerung. Es gibt verschiedene, vom politischen System abhängige, Wahlen. In ieser Hausarbeit sollen ausschließlich Wahlen kompetitiver Systeme betrachtet werden. „Soll der Wähler im eigentlichen Sinne wählen können, so muss er Auswahlmöglichkeiten und Wahlfreiheit besitzen. Nur wer als Wähler eine Auswahl zwischen mindestens zwei Angeboten hat, kann wählen. Und er muss zwischen den Angeboten frei entscheiden können, sonst hätte er nicht die Wahl. Auswahlmöglichkeiten und Wahlfreiheit dürfen aber nicht nur auf dem Papier stehen. Sie müssen rechtlich gesichert sein. Wir bezeichnen Wahlen, für die diese Voraussetzungen gelten, als kompetitive Wahlen“ (Nohlen Dieter S. 23). Diese Voraussetzungen werden im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland auch „Wahlrechtsgrundsätze“ genannt. „Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt“ (Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Artikel 38). In den westlichen Industrieländern gibt es unterschiedliche Wahlsysteme, die sich jedoch an zwei Grundtypen orientieren. Diese Grundtypen werden als Mehrheitswahl und Verhältniswahl bezeichnet. „In Mehrheitswahlsystemen wird die parlamentarische Mehrheit für eine Partei oder ein Parteienbündnis angestrebt. Dabei geht es im wesentlichen darum, eine Partei (ein Parteienbündnis), die (das) in Stimmen nicht die absolute Mehrheit erhalten hat, nach Mandaten zur parteilichen Mehrheit zu befähigen. (…) In Verhältniswahlsystemen wird im Prinzip die möglichst getreue Wiedergabe der in der Bevölkerung bestehenden sozialen Kräfte und politischen Gruppen angestrebt. Stimmanteile und Mandatsanteile sollen sich in etwa entsprechen“ (Nohlen, Dieter S.132). Aus diesen Definitionen lässt sich folgende Fragestellung ableiten: Wie unterscheiden sich europäische Wahlsysteme in Entscheidungsgerechtigkeit und Mehrheitsfindung? Dies soll an zwei Nationen exemplarisch dargestellt und erläutert werden.
Gliederung
1. Einleitung und Fragestellung
2.1 Absolute Mehrheitswahl
2.1.1 Das Wahlsystem Frankreichs
2.2. Personalisierte Verhältniswahl
2.2.1 Das Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland
3. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den fundamentalen Unterschied zwischen Mehrheits- und Verhältniswahlsystemen in europäischen Demokratien hinsichtlich ihrer Entscheidungsgerechtigkeit und Mechanismen der Mehrheitsfindung, wobei die Systeme Frankreichs und der Bundesrepublik Deutschland exemplarisch gegenübergestellt werden.
- Grundlagen kompetitiver Wahlsysteme
- Funktionsweise der absoluten Mehrheitswahl (Beispiel Frankreich)
- Das Prinzip der personalisierten Verhältniswahl (Beispiel Deutschland)
- Disproportionseffekte und Repräsentationsproblematik
- Vergleich von Mehrheitsfindung und Parteiensystemen
Auszug aus dem Buch
2.1 Absolute Mehrheitswahl
In absoluter Mehrheitswahl in Einerwahlkreisen, in der politikwissenschaftlichen Literatur auch unter two round system und two ballot system bekannt, wird im westlichen Europa nur in Frankreich gewählt. Einerwahlkreis bedeutet, dass jedem Wahlkreis ein Mandat im Parlament zur Verfügung steht. Werden also 250 Parlamentssitze vergeben, so ist das Wahlgebiet in 250 Wahlkreise unterteilt. „Besonders wichtig ist, dass man die Wahlkreiseinteilung nicht ein-für alle-Mal regeln kann. Migrationsprozesse verlangen eine stete Anpassung der Wahlkreise an veränderte Verhältnisse, entweder (im Falle von Einerwahlkreisen) durch geographische Neufestlegungen der Wahlkreisgrenzen oder (im Falle von Mehrpersonenwahlkreisen) durch Modifikation der Zahl der Mandate, die auf die Wahlkreise entfallen“ (Nohlen, Dieter S.77).
Absolute Mehrheit bedeutet, dass ein Kandidat nur dann im ersten Wahlgang ins Parlament einzieht, wenn er die absolute Mehrheit der Stimmen, also mehr als 50 Prozent, auf sich vereinen kann. Wird dieses nicht erreicht, so ist ein zweiter Wahlgang notwendig, bei dem in der Regel die relative Mehrheit, d.h. die meisten der gültigen abgegebenen Stimmen, zum Einzug ins Parlament ausreicht. Welcher der Kandidaten des ersten Wahlganges im zweiten Wahlgang antreten darf ist in Sperrklauseln der jeweiligen Wahlgesetzgebung vorgeschrieben. (In Frankreich werden bei Parlamentswahlen im zweiten Wahlgang nur Kandidaten zugelassen, die im ersten mindestens 12,5 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen erreicht haben.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Definition des Begriffs der kompetitiven Wahlen und Herleitung der Forschungsfrage zum Vergleich von Wahlsystemen.
2.1 Absolute Mehrheitswahl: Erläuterung der theoretischen Grundlagen der Mehrheitswahl und ihrer Funktionsweise in Einerwahlkreisen.
2.1.1 Das Wahlsystem Frankreichs: Analyse der historischen Entwicklung und der praktischen Anwendung des Mehrheitswahlrechts in Frankreich seit der V. Republik.
2.2. Personalisierte Verhältniswahl: Darstellung der theoretischen Herleitung einer Wahlsystemform, die Mehrheitswahl-Elemente mit proportionaler Repräsentation verbindet.
2.2.1 Das Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland: Beschreibung des deutschen Wahlsystems, insbesondere der Erst- und Zweitstimmenlogik sowie des Hare-Niemeyer-Verfahrens.
3. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Synthese der Erkenntnisse über die Auswirkungen beider Systeme auf Regierungsbildung und Repräsentation.
Schlüsselwörter
Wahlsysteme, Mehrheitswahl, Verhältniswahl, Frankreich, Deutschland, Bundestag, Demokratie, Wahlrecht, Stimmabgabe, Parteiensystem, Sperrklausel, Mandatsvergabe, Hare-Niemeyer-Verfahren, Wahlkreis, Repräsentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Unterschiede und Funktionsweisen von Mehrheits- und Verhältniswahlsystemen in europäischen Demokratien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Wahlsystem der französischen V. Republik sowie das Modell der personalisierten Verhältniswahl in Deutschland.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich europäische Wahlsysteme hinsichtlich der Entscheidungsgerechtigkeit und der Art der Mehrheitsfindung unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Vergleichsanalyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der absoluten Mehrheitswahl sowie der personalisierten Verhältniswahl anhand der Praxisbeispiele Frankreich und Deutschland.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Wahlsysteme, Repräsentation, Mehrheitsfindung und Parteiensystem charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Erst- und Zweitstimme in Deutschland?
Die Erststimme dient der Direktwahl des Wahlkreisabgeordneten, während die Zweitstimme über die proportionale Sitzverteilung der Parteien entscheidet.
Welche Rolle spielt die 12,5-Prozent-Hürde in Frankreich?
Sie ist eine Sperrklausel, die festlegt, welche Kandidaten am zweiten Wahlgang teilnehmen dürfen, sofern sie im ersten Durchgang mindestens 12,5 Prozent der Stimmen erhalten haben.
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- Martin Oppermann (Author), 2003, Wahlsysteme im Vergleich: Mehrheitswahl- / Verhältniswahlsysteme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82936