Beide Essays befassen sich argumentativ and auch teilweise analytisch mit zwei thematisch bedeutsamen Forschungsfeldern der Arbeits- und Organisationssoziologie.
Die notwenige Erweiterung des Professionsbegriff wird im ersten Essay diskutiert. Das Innehaben einer Profession, eines akademischen Berufs, dessen gesellschaftlich-politische Bedeutung essentiell ist und deswegen einer besonderen staatlichen Legitimation bedarf, ist und war eng mit den Attributen Macht, Einfluss und Elite verknüpft. Diese Statuszumessung verdienen aber zudem "neue" Professionen, d. h. neben Medizinern, Pharmazeuten, Rechtsgelehrten, Theologen und Lehrern auch psychologische Psychotherapeuten und Absolventen von Studien der Sozialen Arbeit, da ihre Tätigkeit ebenso relevant wie grundlegend für eine kohärente und damit funktionierende Gesellschaft ist.
Das zweite Essay konzentriert sich auf die zunehmende Arbeitsbelastung in medizinischen Berufen und macht deutlich, dass der gegenwärtige - aber deswegen nicht neue - Trend erhebliche Konsequenzen bezüglich der physischen und psychischen Verfassung der Vertreter jener Berufsgruppen (Ärzte, Schwester, Pfleger, MTAs etc.) zur Folge hat. Erschöpfungszustände, zunehmende Demotivation, Abwanderungstendenzen und weitere, im Essay näher benannte Folgen zeigen sich im Zusammenhang von marktwirtschaftlichem Effizienzdenken und der daraus resultierenden Verschlankung personeller Ressourcen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Profession als tradierte Exklusivität
2. Die Professionalisierungstendenz innerhalb des postmodernen Berufes
3. Motivationskrisen und Anerkennungsdefizite: Wenig Gewinn, viel Verlust
4. Arbeitsbelastungen – Kontinuität und Wandel
5. Politische Relevanz – Kenntnisnahme ohne Handlungsimperativ?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegenden Essays analysieren die arbeitssoziologischen Wandlungsprozesse des Professionsbegriffs im 21. Jahrhundert und untersuchen kritisch die Auswirkungen ökonomischer Optimierungsstrategien auf die Arbeitsbedingungen und das Selbstverständnis medizinischer Berufsgruppen in deutschen Krankenhäusern.
- Historische Herleitung und definitorische Abgrenzung des Begriffs "Profession"
- Konvergenz zwischen deutschen und anglo-amerikanischen Professionsverständnissen
- Ökonomisierung des Gesundheitswesens und deren Auswirkungen auf die Qualität der Versorgung
- Empirische Untersuchung von Arbeitsbelastungen und Motivationskrisen im Klinikalltag
- Politische Verantwortlichkeit bei der Gestaltung attraktiver Arbeitsbedingungen in Heilberufen
Auszug aus dem Buch
Die Profession als tradierte Exklusivität
Der Begriff der Profession, der hier allein im berufssoziologischen Sinne verstanden werden soll, entstammt dem US-amerikanischen soziologischen Diskurs und wurde erst in den späten 60er Jahren in Deutschland im Hinblick auf die Sozialgeschichte der Epoche der Industrialisierung und die Entwicklung der modernen Wissenschaften definitorisch verortet. Die historische Notwendigkeit der Implementierung von gesellschaftlicher Arbeitsteilung im Rahmen einer allumfassenden Technisierung wurde schließlich rückblickend in der Arbeitssoziologie insofern zur Kenntnis genommen, als der Arbeitsbegriff vom Beruf und schließlich der wissenschaftlich-akademisch basierte Beruf als Profession von den übrigen Berufen geschieden wurde.
Die Profession als Tätigkeit, deren theoretische Basis in einer universitären Ausbildung begründet liegt, reicht jedoch bis in die vormodernen Epoche des Feudalismus zurück, in der sie zwar noch nicht – in bezug auf heutige Maßstäbe – wissenschaftlich fundiert, jedoch schon mit einem hoheitlich verliehenem Kompetenzmonopol ausgestattet war, welches im Laufe der Jahrhunderte immer weiter, bis hin zur Alleinvertretung, ausgebaut und gegenüber konkurrierenden Berufen abgesichert wurde. Der Rede sei hier vor allem von der Theologie, der Rechtsprechung sowie der (Human-)Medizin bzw. der Pharmazie.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Profession als tradierte Exklusivität: Dieses Kapitel erläutert die soziologische Herkunft des Begriffs Profession und definiert die klassischen Merkmale wie akademische Ausbildung, Handlungskompetenz und berufsethische Kontrolle.
Die Professionalisierungstendenz innerhalb des postmodernen Berufes: Hier wird der Wandel durch Globalisierung und den Vergleich mit anglo-amerikanischen Strukturen thematisiert, wobei eine Ausweitung des Professionsbegriffs auf weitere Disziplinen gefordert wird.
Motivationskrisen und Anerkennungsdefizite: Wenig Gewinn, viel Verlust: Dieses Kapitel beleuchtet den negativen Einfluss des ökonomischen Spardrucks auf die Qualität medizinischer Dienstleistungen und die Arbeitsmotivation im Gesundheitswesen.
Arbeitsbelastungen – Kontinuität und Wandel: Hier werden die permanenten Belastungsfaktoren im Klinikbetrieb analysiert, wobei psychisch-kognitive Beanspruchungen bei Ärzten und physische bei Pflegekräften im Vordergrund stehen.
Politische Relevanz – Kenntnisnahme ohne Handlungsimperativ?: Das abschließende Kapitel hinterfragt die politische Untätigkeit trotz der vorliegenden empirischen Erkenntnisse zur prekären Situation in deutschen Krankenhäusern.
Schlüsselwörter
Profession, Berufssoziologie, Arbeitsbelastung, Gesundheitswesen, Professionalisierung, Wissensgesellschaft, Krankenhaus, Leistungsanreiz, Dienstleistung, Ökonomisierung, Patientenversorgung, Handlungskompetenz, Staatsexamen, Berufsethik, Globalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesen Texten grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und aktuelle Krise professioneller Arbeit, insbesondere im Kontext des deutschen Gesundheitswesens unter ökonomischem Druck.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Soziologie der Berufe, den Folgen der Marktlogik für das Krankenhauswesen und der Analyse von Arbeitsbedingungen in Heilberufen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem Anspruch der Profession und der prekären Wirklichkeit in deutschen Kliniken aufzuzeigen und die Notwendigkeit einer systemischen Anpassung zu untermauern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt arbeitssoziologische Analysen, den Vergleich mit internationalen Systemen (insb. angelsächsischer Raum) und den Rückgriff auf empirische Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Es werden sowohl die theoretische Definition von Professionen als auch die praktischen Probleme wie Arbeitsüberlastung, Motivationskrisen und die kontraproduktive Ökonomisierung des Klinikbetriebs dargelegt.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Profession, Professionalisierung, Krankenhaus, Arbeitsbelastung, Ökonomisierung und Dienstleistung sind die zentralen Begriffe.
Inwiefern unterscheidet sich die deutsche Situation von der angelsächsischen?
Deutschland zeigt eine Tendenz zur "over-regulation" und einen elitären, staatlich regulierten Professionsbegriff, während im angelsächsischen Raum der Begriff weiter gefasst ist und eine kollegiale Selbstkontrolle dominiert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der politischen Rolle?
Der Autor kritisiert, dass trotz zahlreicher Studien und medialer Unmutsbekundungen die politischen Verantwortlichen bisher keine effektiven Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingeleitet haben.
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- Oliver Gebel (Author), 2007, Die Profession in der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts - Expansion einer Kategorie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82938