Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Pedagogy - Pedagogic Sociology

Die Rolle der Wahrnehmung in kritischer Auseinandersetzung mit den grundlegenden Prozessen der kognitiven Entwicklung in Piagets Theorie der geistigen Entwicklung

Title: Die Rolle der Wahrnehmung in kritischer Auseinandersetzung mit den grundlegenden Prozessen der kognitiven Entwicklung in Piagets Theorie der geistigen Entwicklung

Seminar Paper , 2002 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dipl.-Soz. Stefan Bär (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Bei der Betrachtung der Entwicklung des Aufbaus "der Innenorganisation kognitiver Systeme, der sogenannten Intelligenz" (Nicolaisen 1994: 116) in seinen Ursprüngen, hat Piaget aus der Beobachtung der Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern geschlossen, dass in der von ihm so benannten "senso-motorischen Stufe" die Grundlagen dafür gelegt werden , dass die weitere kognitive Entwicklung anhand einer immer weiteren Differenzierung - bedingt durch die allen Formen des Lebens gemeinsame Tendenz zu Assimilation und das durch die Anforderungen der Umwelt bedingte Prinzip der Akkomodation (Ginsburg, Opper, 1975: 47ff.) - des handelnden Umgangs mit den Dingen der Welt fortschreitet, und schließlich in eine Ablösung vom Dinglichen, Konkreten in der "formal operationalen Phase" in abstraktes, nicht mehr figürlich gebundenes Denken einmündet.
Hieraus ergibt sich der Schluss eines handelnden Zugangs zur Welt - der Umgang mit der Welt wird am konkreten Objekt gelernt.
Auch wenn die "senso-motorische Stufe", und die sich während dieser konstituierende "senso-motorische Intelligenz" (Piaget, Inhelder 1986: 16) begrifflich die Sensorik beinhalten, und darüber hinaus Wahrnehmung als mit den Bewegungen zu koordinierende Komponente dieser praktischen Intelligenz beschrieben wird (Piaget, Inhelder 1986), kann man fragen, ob denn die Rolle der Wahrnehmung und ihre Bedeutung für den Entwicklungsprozess ausreichend dargestellt wird.
Es hat den Anschein, dass zum einen bei der Darstellung der Entwicklung der kognitiven Funktionen, insbesondere bei der Frage, wie Erkenntnis möglich ist, die Wahrnehmung ebenso wie das Verhalten des Säuglings und Kleinkindes sehr eng an die motorisch - mechanischen, materiell - dinglichen Aspekte gebunden betrachtet wird , zum anderen, dass die Auffassung, die motorische und kognitive Entwicklung differenziere sich aus den angeborenen Reflexen, die als Handlungsschemata quasi die Grundausstattung des Menschen darstellen sollen (vgl. Kesselring 1988: 115f.), überbetont und möglicherweise nicht richtig eingeschätzt wurde.

Dieser Frage wird in dieser Hausarbeit nachgegangen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Ist die Rolle der Wahrnehmung bei der Betrachtung der kognitiven Entwicklung in Piagets Theorie der geistigen Entwicklung ausreichend berücksichtigt worden?

2 Kritische Auseinandersetzung mit der Einordnung von Wahrnehmung in den ersten Stadien der senso - motorischen Stufe

2.1 Läßt sich Wahrnehmen als aktiver Vorgang begreifen?

2.2 Wahrnehmungsleistungen beim Säugling

2.3 Orientierung an den Erfordernissen der Umwelt als Steuerungsmechanismus der Wahrnehmung?

3 Versuch der Einordnung der Wahrnehmung in die Anfangsphase der Entwicklung zum denkenden und handelnden Menschen

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht kritisch, ob Jean Piagets Theorie der geistigen Entwicklung die Rolle der Wahrnehmung in den frühen Stadien der senso-motorischen Entwicklung ausreichend würdigt, und setzt der motorisch-fokussierten Sichtweise einen aktiveren, wahrnehmungsbasierten Ansatz entgegen.

  • Kritische Analyse von Piagets senso-motorischer Stufe hinsichtlich der Vernachlässigung der Wahrnehmung.
  • Untersuchung der Wahrnehmung als aktiver, strukturierender Prozess statt bloßer passiver Aufnahme.
  • Analyse der frühkindlichen sensorischen Fähigkeiten und deren Rolle im Erkenntnisprozess.
  • Diskussion von Konzepten wie "Affordances" als Ergänzung zu Piagets Schematheorie.
  • Synthese eines aktiven Zugangs zur Welt durch das Zusammenspiel von Wahrnehmung und Handlung.

Auszug aus dem Buch

2.1 Läßt sich Wahrnehmen als aktiver Vorgang begreifen?

Wahrnehmungsvorgänge definiert Thiel als: "Die Wahrnehmungen beruhen einerseits auf den physiologischen Strukturen der Wahrnehmungsorgane und neuronaler Verarbeitungsmechanismen, werden andererseits vom kognitiven System gesteuert." (Thiel 1989, S. 297). Hieraus ergeben sich mehrere Fragen: Zunächst wäre zu klären, was unter Wahrnehmung verstanden werden soll. Desweiteren, welches die physiologischen Strukturen der Wahrnehmungsorgane sind über die der Säugling verfügt. Weiterhin, wie die physiologischen Strukturen der neuronalen Verarbeitungsmechanismen beim Säugling aussehen und wie sie sich weiterentwickeln. Zuletzt, wie, wenn der Säugling über keine, oder nur minimale kognitive Substrukturen verfügt, die Steuerung der Wahrnehmung bei ihm abläuft?

Nach Ginsburg und Opper (1975, S. 28) glaubte Piaget, "daß Wissen dem passiven Beobachter unzugänglich bleibt." und dass "Kenntnis der Realität [...] von der kindlichen Aktivität entdeckt und aufgebaut werden [muß]." Dies legt zum einen nahe, dass hierbei Wahrnehmung als passiver Vorgang der Informationsaufnahme verstanden wird, zum anderen, dass der aktive Aspekt der Kenntnisnahme der Welt eher beim Handeln oder Tun gesehen wird, denn, so Kesselring über Piagets Stufentheorie der Inelligenzentwicklung: "Das elementarste Wissen ist ein "Handlungswissen" - eine Art intuitives, "unreflektiertes" Verstehen und Können, das in der Regel erst viel später bewußtseinsmäßig durchdrungen oder (in Piagets Sprache) reflexiv rekonstruiert wird." (Kesselring 1988, S. 110f.).

Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung können demgegenüber aber auch als aktive Vorgänge begriffen werden, wenn man wie Pieper (1995, S.19) unter komplexen Wahrnehmungsleistungen solche versteht, "bei denen der Wahrnehmungsapparat über die einfache Reizverarbeitung hinaus durch Integration, Differenzierung, Filterung, Strukturierung und Modifikation aktiv den Wahrnehmungsprozeß gestaltet."

Zusammenfassung der Kapitel

1 Ist die Rolle der Wahrnehmung bei der Betrachtung der kognitiven Entwicklung in Piagets Theorie der geistigen Entwicklung ausreichend berücksichtigt worden?: Dieses Kapitel hinterfragt, ob Piagets Fokus auf die motorische Entwicklung die Bedeutung der Wahrnehmung in den senso-motorischen Stadien unangemessen reduziert hat.

2 Kritische Auseinandersetzung mit der Einordnung von Wahrnehmung in den ersten Stadien der senso - motorischen Stufe: Hier wird untersucht, ob Wahrnehmung als aktiver Prozess verstanden werden kann und wie die sensorische Ausstattung des Säuglings zur kognitiven Entwicklung beiträgt.

2.1 Läßt sich Wahrnehmen als aktiver Vorgang begreifen?: Das Unterkapitel klärt Begriffsdefinitionen und stellt Piagets Fokus auf Handlungswissen einer aktiven Wahrnehmungstheorie gegenüber.

2.2 Wahrnehmungsleistungen beim Säugling: Dieses Unterkapitel beleuchtet die sensorischen Fähigkeiten des Säuglings und diskutiert den Schemabegriff im Kontext der Wahrnehmungsaktivität.

2.3 Orientierung an den Erfordernissen und Angeboten der Umwelt als Steuerungsmechanismus der Wahrnehmung?: Dieses Unterkapitel führt das Konzept der "affordances" ein, um zu erklären, wie Umwelteinflüsse die Wahrnehmung des Säuglings steuern und strukturieren.

3 Versuch der Einordnung der Wahrnehmung in die Anfangsphase der Entwicklung zum denkenden und handelnden Menschen: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet die Wahrnehmung als notwendige Basis für die kognitive Entwicklung neben der motorischen Handlung ein.

Schlüsselwörter

Piaget, Wahrnehmung, senso-motorische Stufe, kognitive Entwicklung, Assimilation, Akkomodation, Säugling, aktiver Prozess, Handlungsschemata, Affordance, Intelligenzentwicklung, Perzeption, Propriozeption, Umweltwahrnehmung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch Piagets Theorie der geistigen Entwicklung, insbesondere den Stellenwert, den er der Wahrnehmung in den frühen senso-motorischen Entwicklungsstadien beimisst.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf Entwicklungspsychologie, frühkindliche Wahrnehmungsleistungen, Piagets Stadienmodell und alternative Ansätze zur Rolle der Perzeption im Wissensaufbau.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Wahrnehmung eine aktivere und zentralere Rolle in der kognitiven Entwicklung des Säuglings spielt, als dies in Piagets primär handlungs- und motorikzentriertem Modell dargestellt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-kritische Auseinandersetzung, die auf der Analyse existierender psychologischer Literatur und der Konfrontation von Piagets Thesen mit alternativen Forschungsergebnissen zur frühkindlichen Entwicklung basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der aktiven Natur der Wahrnehmung, den sensorischen Fähigkeiten von Säuglingen sowie der Frage, wie die Umwelt durch "Affordances" (Angebote) den Wahrnehmungsprozess strukturiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Piaget, Wahrnehmung, senso-motorische Stufe, kognitive Entwicklung, aktive Informationsverarbeitung und Affordances sind die Kernbegriffe.

Inwieweit widerspricht die Arbeit Piaget?

Sie widerspricht nicht dem Grundkonzept Piagets, argumentiert aber, dass er die Bedeutung der sensorischen Prozesse als eigenständige Basis für den Wissenserwerb zugunsten motorischer Handlungen unterbewertet hat.

Was sind "Affordances" im Kontext dieser Arbeit?

In Anlehnung an J.J. Gibson werden "Affordances" als Angebote der Umwelt beschrieben, die dem Säugling ermöglichen, handlungsrelevante Informationen zu strukturieren und seine Umwelt aktiv zu erschließen.

Welche Rolle spielt die Physiologie in der Analyse?

Die Physiologie dient als Beleg dafür, dass Neugeborene bereits über funktionsfähige Sinnessysteme verfügen, was die Hypothese stützt, dass eine aktive Wahrnehmung von Beginn an möglich ist.

Excerpt out of 18 pages  - scroll top

Details

Title
Die Rolle der Wahrnehmung in kritischer Auseinandersetzung mit den grundlegenden Prozessen der kognitiven Entwicklung in Piagets Theorie der geistigen Entwicklung
College
University of Heidelberg  (Institut für Soziologie)
Course
Sozialisationstheorien
Grade
1,3
Author
Dipl.-Soz. Stefan Bär (Author)
Publication Year
2002
Pages
18
Catalog Number
V82946
ISBN (eBook)
9783638894074
Language
German
Tags
Rolle Wahrnehmung Auseinandersetzung Prozessen Entwicklung Piagets Theorie Entwicklung Sozialisationstheorien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Soz. Stefan Bär (Author), 2002, Die Rolle der Wahrnehmung in kritischer Auseinandersetzung mit den grundlegenden Prozessen der kognitiven Entwicklung in Piagets Theorie der geistigen Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82946
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  18  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint