Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Französische Philologie - Literatur

Zu: Marguerite de Navarre - L'Heptameron

Die einundvierzigste Novelle

Titel: Zu: Marguerite de Navarre - L'Heptameron

Seminararbeit , 1999 , 31 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Kai-Uwe Heinz (Autor:in)

Französische Philologie - Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Als die italienischen Humanisten Anfang des 14. Jahrhunderts die klassischen Literaturen wiederentdeckten, setzte ein immer stärker werdender italienischer Einfluß auf Frankreich ein, und dies mit einer «Phasenverschiebung» von ca. einem dreiviertel Jahrhundert. Vor dem Hintergrund dieses kulturellen Einflusses aus Italien müssen wir das «Meisterwerk der Novellenkunst», das «Heptaméron des nouvelles de très illustre et très excellente Princesse Marguerite de Valois, Reine de Navarre» sehen.
1492 geboren, wurde sie 1509 mit Charles d'Alençon verheiratet, «einem langweiligen Berufssoldaten». Über das Leben fern vom Hofe war Marguerite sehr unglücklich, doch eröffnete ihr die Heirat mit Henri II d'Albret, dem König von Navarra, nach dem Tod Charles im Jahre 1525 eine neue Zukunft.
An ihrem Hofe in Nérac protegierte sie eine Vielzahl namhafter Schriftsteller wie Lefèvre d'Etaples, Clément Marot, Rabelais, Bonaventure Des Péries, Dolet, Calvin. Prägend für ihr Lebenswerk war die Auseinandersetzung zwischen Katholizismus und Protestantismus. Sie selbst stellte vielseitiges schriftstellerisches Können unter Beweis: so schrieb sie Gedichte (religiöser und profaner Thematik), Theaterstücke, Farcen und eben jene große Novellensammlung nach dem Vorbild Boccaccios, deren einundvierzigste Novelle Gegenstand dieser Interpretation sein wird.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

1.1 Marguerite de Navarre und ihre Zeit

1.2 Das Heptameron

1.3 Heptaméron und Decamerone

1.4 Andere literarische Vorbilder

1.5 Der Novellenrahmen und die 'devisants'

1.6 Entstehungszeit

2. Die Textstelle und ihre Situierung

3. Gliederung der Textstelle

4. Interpretation

4.1 Der Prolog zur einundvierzigsten Novelle

4.2 Die einundvierzigste Novelle

a) Einleitung

b) Vorstellung der Hauptpersonen

c) Die Kerngeschichte

d) Die Beichtszene

e) Der Dialog zwischen dem Beichtvater und dem jungen Mädchen

f) Auflösung und Schluß

4.3 Die anschließende Diskussion der 'devisants'

5. Schluß

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit analysiert die 41. Novelle aus dem Heptaméron von Marguerite de Navarre, um deren tiefere Bedeutungsebenen, das Zusammenspiel von Novelle und Rahmenerzählung sowie die subtile Gesellschaftskritik der Autorin freizulegen. Ziel ist es, die vordergründige Tugendgeschichte als eine ambivalent komponierte Erzählung zu demaskieren, die den Konflikt zwischen kirchlicher Autorität und individueller Moral im 16. Jahrhundert thematisiert.

  • Strukturelle Analyse der 41. Novelle
  • Wechselspiel zwischen Novelle und Rahmenerzählung
  • Rolle und Charakterisierung der 'devisants'
  • Spannungsfeld zwischen Katholizismus und Protestantismus
  • Darstellung der Geschlechterrollen und Machtdynamiken
  • Kritik an Klerus und Standeshierarchien

Auszug aus dem Buch

Die Beichtszene

«Et» leitet abrupt zum zentralen Geschehen über. Situation ist die Beichte. Zeitraffendes Erzählen bildet die Überrumpelung seitens des beau père ab, der ursprünglich so positiv gezeichnet worden war. Was zu seinem Fall führte, muß mit dem Geheimnis zusammenhängen ("connut le beau père quelque chose de son secret, qui lui donna envie et hardiesse" – 27f), das ihm die Tochter der Ehrendame in der Beichte enthüllt, wobei dieses Geheimnis, durch Alliteration "son secret" (28) hervorgehoben und vom Indefinitum "quelque chose" angeführt noch geheimnisvoller wird. "Secret" greift außerdem die genannten Vokabeln "secrète" und "fermée" (23) auf und stellt die Szene einmal mehr in den Kontext von Heimlichkeit und Versuchung.

Der Begriff "beau père" ist eine neutrale Bezeichnung für einen Mönch, bekommt hier jedoch durch den ambivalenten Charakter der Novelle einen ironischen Beigeschmack. Die in Klimaxform aufgebaute dreigliedrige Reihe secret, envie, hardiesse (28) spiegelt den psychologische Hintergrund der moralischen Versuchung wider, der der Beichtvater erliegt. Die Reihenfolge Versuchung-Lust-Sünde finden wir in der Bibel (Jak. 1,13-15): "Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde... . Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird. Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde: die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod."

Die nähere Erläuterung der Art der Buße, die der Leser erwartet, geschieht zunächst durch das Attribut "non accoutumée" (29) – spannungssteigerndes Moment, denn die Art der Buße bleibt ungenannt (leserreferentiell), das unspezifische Attribut läßt Raum für Spekulationen zu. Die Szene geht ihrem Höhepunkt zu. "Et lui dit" retardiert die Auflösung. Mit dieser Inquit-Formel beginnt die Kernszene: das Erzählen ist zeitdeckend, und es kommen fast nur Dialoge vor, so daß der Abschnitt szenenhaften Charakter erhält.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Dieses Kapitel führt in den historischen und literarischen Kontext von Marguerite de Navarre und ihrem Werk ein, wobei insbesondere der Einfluss des Humanismus und der Vergleich zu Boccaccios Decamerone beleuchtet werden.

2. Die Textstelle und ihre Situierung: Hier wird der inhaltliche Rahmen der 41. Novelle definiert, indem das Tagesmotto und die Akteure des Prologs vorgestellt werden.

3. Gliederung der Textstelle: Dieses Kapitel bietet eine tabellarische Übersicht, die den inhaltlichen und argumentativen Aufbau der Novelle und der nachfolgenden Diskussion strukturiert darstellt.

4. Interpretation: Der Hauptteil analysiert detailliert den Prolog, den Handlungsverlauf der Novelle sowie die anschließende Diskussion der Erzähler, wobei die ironischen Brüche und die theologischen Implikationen hervorgehoben werden.

5. Schluß: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet das Werk in den Kontext des Gegensatzes zwischen 'amour sacré' und 'amour profane' ein.

Schlüsselwörter

Heptaméron, Marguerite de Navarre, 41. Novelle, Beichtvater, Kleruskritik, Rahmenhandlung, devisants, Tugend, Amour sacré, Amour profane, Reformatorische Einflüsse, Geschlechterkampf, Ironie, Allegorie, Machtverhältnisse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit einer tiefgehenden literaturwissenschaftlichen Interpretation der 41. Novelle aus dem Werk 'Heptaméron' von Marguerite de Navarre.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Kritik am Klerus des 16. Jahrhunderts, den Konflikt zwischen religiöser Autorität und persönlicher Tugend sowie die Darstellung von Macht und Erotik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Novelle über ihre vordergründige moralische Botschaft hinaus eine komplexe, ironische Struktur aufweist, die das Zusammenspiel von Religion, Erotik und gesellschaftlichen Hierarchien kritisch hinterfragt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es werden textimmanente Analyse, vergleichende Literaturwissenschaft mit Bezug auf Boccaccio sowie die Analyse von Zeitgestaltung und rhetorischen Figuren eingesetzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation des Prologs, die detaillierte Untersuchung der Novellenhandlung (Beichte, Konflikt, Auflösung) und die Analyse der nachfolgenden Diskussion der Erzähler.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen 'Heptaméron', 'Kleruskritik', 'Amour sacré/profane' sowie die Dynamik der Rahmenhandlung und die Rolle der 'devisants'.

Warum spielt die Figur des Beichtvaters eine solch zentrale Rolle in der Analyse?

Er dient als Kristallisationspunkt für die Kritik an Amtsmissbrauch und moralischer Verderbtheit, wobei seine Ambivalenz zwischen religiöser Autorität und menschlicher Begierde die Novelle strukturiert.

Welche Bedeutung kommt der Rahmenhandlung im Heptaméron zu?

Die Rahmenhandlung fungiert nicht nur als einfacher Zeitvertreib, sondern als eigenständige Ebene der Auslegung, in der die Erzähler die in der Novelle aufgeworfenen Probleme gesellschaftlich und theologisch kontrovers debattieren.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zu: Marguerite de Navarre - L'Heptameron
Untertitel
Die einundvierzigste Novelle
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Interpretationskurs für Staatsexamenskandidaten
Note
1,0
Autor
Kai-Uwe Heinz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1999
Seiten
31
Katalognummer
V82960
ISBN (eBook)
9783638896733
ISBN (Buch)
9783638904902
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marguerite Navarre Heptameron Interpretationskurs Staatsexamenskandidaten
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kai-Uwe Heinz (Autor:in), 1999, Zu: Marguerite de Navarre - L'Heptameron, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82960
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  31  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum