Das ganze 16. Jahrhundert in Italien ist geprägt von literarischen Polemiken: die Auseinandersetzungen über Petrarca und den Petrarkismus, über Boccaccio, über Dante, die Streitschrift zwischen Caro und Castelvetro, die von Tasso aufgebrachten Diskussionen. Doch die bedeutendste Polemik ist die, der man den Namen Questione della Lingua gab: mitunter durch den Buchdruck (ab 1460) kam die Frage nach Normierung auf. Soll Latein abgelöst werden? Mit dem im 16. Jahrhundert einsetzenden Demokratisierungsprozeß, war einer breiteren Öffentlichkeit Kulturgut zugänglich gemacht worden, auch mittelständische Kultur wurde absorbiert, alte Werte wurden überdacht, und so gelangte das Latein zunehmend in eine Krise. Doch wenn nicht Latein, welches Idiom soll Volkssprache werden? Unter den Literaturzentren Sizilien und Toskana schien das Toskanische, weil von den tre corone, Dante, Petrarca, Boccaccio vertreten, das Primat zu haben. Entscheidenden Einfluß auf die Sprachendebatte übte Leonardo Salviati, ein Florentiner, aus.
Bedingt durch die Sprachenfrage kennzeichnete ein weiteres das 16. Jahrhundert in Italien: das Aufblühen der Akademien. Sie waren private Debattierklubs und reflektierten die intellektuellen Strömung der Zeit, zumal in der Questione della Lingua. Eine Akademie trat besonders hervor: die Accademia della Crusca, die bald ähnlich der Accadémie Francaise bald entscheidende sprachpflegerische Funktion haben sollte. Deren Gründer war eben jener Salviati. Unser Vorhaben soll es sein, beide, Salviati und die Accademia della Crusca, im Rahmen einer Hausarbeit näher zu beleuchten. Dabei soll zunächst auf Salviati, sein Leben, seine Position in der Questione eingegangen werden und dann im zweiten Teil auf die Akademie.
Inhaltsverzeichnis
1.0 VORBEMERKUNGEN
2.0 LEONARDO SALVIATI
2.1 Biographie
2.2 Leben und Werk im historischen Kontext
2.3 Salviatis These und Position in der Kontroverse
3.0 DIE ACCADEMIA DELLA CRUSCA
3.1 Geschicht der Akademie
3.2 Wörterbuch der Akademie
3.2.1 Norm des Wörterbuchs
3.3 Verdienste der Crusca
4.0 SCHLUSSWORT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Rolle von Leonardo Salviati und der Accademia della Crusca im Kontext der italienischen Sprachdebatte des 16. Jahrhunderts, der sogenannten Questione della Lingua, mit dem Ziel, Salviatis theoretische Positionen und deren praktische Umsetzung im ersten großen einsprachigen Wörterbuch einer Nationalsprache darzulegen.
- Die literarischen Polemiken und die Suche nach sprachlicher Normierung im 16. Jahrhundert.
- Die Biografie und das intellektuelle Wirken von Leonardo Salviati.
- Die Genese, Ausrichtung und philologische Arbeit der Accademia della Crusca.
- Die Bedeutung des Vocabolario degli Accademici della Crusca für die Normierung der italienischen Sprache.
Auszug aus dem Buch
2.2 Leben und Werk im historischen Kontext
Die erste Hälfte des 16. Jahrhundeerts ist von einer wachsenden Tendenz zum Konformismus geprägt. Diese Vereinheitlichung, Normierung macht sich in allen Bereichen bemerkbar: auf kultureller, religiöser und politischer Ebene. So propagiert Cosimo I., der damalige Herrscher, 1540 eine Fixierung der Grammatik. Nur zehn Jahre später, 1550, gibt die Accademia Fiorentina Gelli, Giambullari, Lenzoni und Varchi den Auftrag, eine Grammatik zu verfassen- der Wunsch nach Normierung im Sinne des Konformismus tritt immer deutlicher zutage. Diese vertreten die tesi fiorentina ... In seiner Schrift Ercolano (Quesito IX, p. 228) schreibt Varchi folgendes: "No, io vo dire che la Greca; e la Latina, ma voi m'interrompeste, sono belle a un modo di quella bellezza di cui ora si ragiona; ma la volgare (io non so se egli è benne innanzi che io il dica, fare una nuova protestazione, pure il dirò) la volgare è più bella della Greca e della Latina".
Diese Abwertung des Latein und Griechischen zugunsten des volgare letterario prägt Salviati nachhaltig und er verarbeitet dessen Gedanken in seiner Orazione, wie wir weiter unten sehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 VORBEMERKUNGEN: Einleitung in die literarische Situation Italiens im 16. Jahrhundert und Einführung in die Fragestellung der Questione della Lingua sowie die Rolle Salviatis und der Akademien.
2.0 LEONARDO SALVIATI: Biografische Skizze Salviatis, Einordnung seines Wirkens in den zeitgenössischen historischen Kontext und Analyse seiner spezifischen sprachwissenschaftlichen Thesen.
3.0 DIE ACCADEMIA DELLA CRUSCA: Darstellung der Entstehungsgeschichte der Akademie, ihrer philologischen Ziele und der Erarbeitung des Vocabolario sowie dessen normativen Einflusses.
4.0 SCHLUSSWORT: Zusammenfassende Würdigung von Salviatis Bedeutung für die Sprachendebatte und der langwirksamen Auswirkungen der Arbeit der Crusca.
Schlüsselwörter
Questione della Lingua, Leonardo Salviati, Accademia della Crusca, Italienisch, Normierung, Volkssprache, Vocabolario, Trecento, Cinquecento, Florentinisch, Literaturgeschichte, Sprachpflege, Philologie, Konformismus, Buon secolo.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle von Leonardo Salviati und der Accademia della Crusca in der italienischen Sprachdebatte des 16. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Suche nach sprachlicher Normierung, die Bedeutung des florentinischen Dialekts und die Entstehung des ersten großen italienischen Wörterbuchs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Salviatis theoretische Position, das sogenannte trecentesco, zu analysieren und aufzuzeigen, wie diese in die Arbeit der Accademia della Crusca einfloss.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historisch-philologische Analyse, die auf zeitgenössischen Schriften und wissenschaftlicher Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Salviatis Leben und Wirken sowie eine detaillierte Betrachtung der Geschichte und der Arbeitsprozesse der Accademia della Crusca.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Questione della Lingua, Vocabolario, Normierung, Trecento und Florentinisch.
Warum war das 16. Jahrhundert entscheidend für die italienische Sprache?
In dieser Zeit entwickelte sich durch den Buchdruck und das Aufblühen der Akademien ein verstärktes Bedürfnis nach einer einheitlichen, normierten Nationalsprache, die das Lateinische zunehmend ablöste.
Was bedeutet der Name "Accademia della Crusca"?
Der Name leitet sich von der Metapher ab, den "Weizen von der Kleie" (crusca) zu trennen, was das Ziel der Sprachreinigung symbolisiert.
Welchen Einfluss hatte die Arbeit der Akademie auf die Orthografie?
Die Akademie trug maßgeblich zur Standardisierung bei, etwa durch die Einführung der acca etimologica und eine phonologisierende Schreibweise.
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- Kai-Uwe Heinz (Author), 1995, Leonardo Salviati und die Accademia della Crusca, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82975