Die Moralität im anthropozentrischen Mensch-Natur-Verhältnis


Hausarbeit, 2007
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Umwelt des Menschen
2.1 Der anthropozentrische Ansatz
2.2 Der Mensch als Höhepunkt der Evolution
2.3 Die Bedürfnisse des Menschen
2.4 Die Natur als Bedürfnisbefriedigung für den Menschen

3. Die Natur an sich
3.1 Der biozentrische Ansatz
3.2 Die Ausbeutung der Natur
3.3 Eigenrechte der Natur
3.4 Verantwortlichkeit für die Natur

4. Die Moralität im anthropozentrischen Ansatz
4.1 Die Folgen für die Natur
4.2 Moralität in Handlungsmotiven

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In folgender Hauarbeit soll das anthropozentrische Mensch-Natur-Verhältnis untersucht werden. Für diese Untersuchung soll eine Differenzierung vom biozentrischen Ansatz stattfinden, weitere Ansätze werden somit bewusst vernachlässigt. Wird das Verhältnis zwischen Mensch und Natur beschrieben, stellt sich zunächst die Frage, ob der Mensch für die Natur verantwortlich ist. Diese Verantwortung soll vorausgesetzt werden. Somit ist die Frage nach dem Grund von zentraler Bedeutung. Zur Beantwortung dieser Frage sollen zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze behandelt werden. Der erste ist der anthropozentrische Ansatz, er besagt, dass der Mensch für die Natur verantwortlich ist, weil er sie braucht. Dieser soll zuerst vorgestellt werden. Es wird untersucht, was den Menschen dazu bewegt die Natur zu schützen. Hierzu werden seine Bedürfnisse und die Rolle der Natur als Bedürfnisbefriedigung beschrieben. Daraufhin wird der zweite Ansatz untersucht, der biozentrische, in diesem wird auf die Frage, ob die Natur Eigenrechte hat und somit um ihrer selbst Willen geschützt werden muss, eingegangen. Im letzten Teil soll die Moralität im anthropozentrischen Ansatz untersucht werden. Hierzu sollen die Folgen für die Natur beschrieben und die Wichtigkeit von Handlungsmotiven eingeschätzt werden. Bezüglich der Folgen für die Natur sollen eventuelle Unterschiede zwischen ihrem Zustand innerhalb des Schutzes auf Grund anthropozentrischer oder biozentrischer Grundsätze herausgestellt werden.

Letztendlich soll die Frage aufgeworfen werden, ob es verwerflich ist die Natur nur zu schützen, weil man sie braucht und nicht, weil man ihr einen eigenen Wert zugesteht. Daher sind auch nur die beiden genannten Ansätze von Interesse, andere Ansätze bleiben somit unberücksichtigt.

2. Die Umwelt des Menschen

2.1 Der anthropozentrische Ansatz

Anthropozentrik (von griechisch άνθρωπος (anthropos = Mensch) und κέντρον (kentron = Mittelpunkt)) meint eine menschliche Anschauung, in deren Zentrum der Mensch selbst steht.

Eine a.e. Theologie soll die Bedürfnisse des Menschen, sein Handeln und seine Geschichte zum Ausgangspunkt aller Überlegungen machen.[1]

Bei der Anthropozentrik muss es sich nicht zwangsläufig um eine Theologie handeln, auch Verbindungen mit Begriffen wie <Weltbild>, <Weltanschauung> oder <Weltansicht> sind möglich.[2] So kann eine anthropozentrische Ansicht auch in der Umwelt-Ethik existieren. Hier impliziert sie Begründungen für Naturschutz, die auf dem Nutzen der Natur für den Menschen basieren. Direkte moralische Pflichten bestehen im anthropozentrischen Ansatz nur gegenüber Menschen in Ansehung von Umwelt und Natur. Umwelt-, Tier- und Naturschutzbegründungen beziehen sich lediglich auf menschliche Bedürfnisse und Interessen. Hierbei kann es sich um instrumentelle oder auch um eudaimonistische Werte handeln.

Der Wert der Natur für den Menschen erschöpft sich nicht im Aspekt der Nutzbarkeit, sondern umfaßt ästhetische, religiöse und ontologische Qualitäten wie Schönheit, Heiligkeit, kosmische Ordnung usw., die sich einer komtemplativen, nicht unmittelbar auf Verfügung zielenden Haltung erschließen.[3]

Naturwesen können als Schutzgüter betrachtet werden. Keinem Naturwesen kommt jedoch moralischer Selbstwert oder Eigenwert zu. Sie haben also lediglich eine Existenzberechtigung, wenn sie dem Menschen dienen. Somit sind sie dem Menschen vollständig unterstellt. Ohne Rechte ist ihre Existenz von menschlichen Bedürfnissen und Interessen abhängig.

2.2 Der Mensch als Höhepunkt der Evolution

Dass der Mensch sich als Höhepunkt der Evolution betrachtet, ist ein möglicher Grund für die Vertretung des anthropozentrischen Ansatzes. Der Mensch schützt die Natur, weil er sie braucht. Somit stellt er sich (anthropos) in das Zentrum der Beweggründe die Natur zu schützen. Er tut dies, da ihm seine Spezies oder er selbst am wichtigsten ist. Somit ist die Erhaltung seiner Gattung oder sich selbst und seiner Nachkommen sein oberstes Gebot. Dieses oberste Gebot, ist auch bei dem Philosophen Hans Jonas vorzufinden[4]. Andere Gründe für diesen Ansatz können ausgeschlossen werden, da sich die Erhaltung der Spezies bzw. der Selbsterhaltungstrieb grundsätzlich darauf begründen lassen müssen, dass die eigene Wichtigkeit als Mensch der Beweggrund ist, die Natur zu schützen.

Der Mensch stellt sich in den Mittelpunkt. Dies zeigt, dass er sich, nach Protagoras, als Maß aller Dinge bezeichnet.[5] Er sieht sich als das Zentrum und Ziel der Schöpfung, alles dient seinen Zwecken, alles ist nur Mittel für ihn.[6]

Hintergrund dieses Welt- und Menschenbildes ist eine den historischen Humanismus mißverstehende und den Menschen maßlos überschätzende Sichtweise, nach der die Natur zur bloßen Umwelt des Menschen wird.[7]

Daraus folgt, dass der Mensch, der die Bedeutung seiner Spezies als die höchste einstuft, sich berechtigt sieht, sich die Natur Untertan zu machen und auch vor ihrer Ausbeutung zu eudaimonistischen Zwecken, oder das, was er dafür hält, nicht zurückschreckt. So kommt es zur Zerstörung der Natur, die lediglich dem Zweck der Bereicherung der Menschen dient.

Auch in der Bibel befindet sich eine mögliche Rechtfertigung für den anthropozentrischen Ansatz. In der Schöpfungsgeschichte werden die Menschen aufgefordert sich die Erde untertan zu machen und über sie zu herrschen.

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.[8]

Doch gibt es in der Bibel Stellen, die bei dieser Aussage beachtet werden müssen. Eine ist der Psalm 104, der besagt, dass die Erde Gott gehört, und nicht dem Menschen, dass Gott Herr über alles ist, und nicht der Mensch. Die zweite Stelle zeigt, wie Gott über Bäume spricht. Den Bäumen wird die Eigenschaft des Erkennens zugesprochen.

Und alle Bäume auf dem Felde sollen erkennen, daß ich der HERR bin.[9]

Selbst nicht wörtlich genommen zeigt dies, dass den Bäumen ein Status zugeschrieben wird, der über den im anthropozentrischen Ansatz hinausgeht. Bereits diese beiden anderen Bibelstellen zeigen, dass eine anthropozentrische Interpretation des oben zitierten Abschnitts des Schöpfungsberichts in die falsche Richtung geht. Bäume werden als Seinseinheit anerkannt und erhalten, bereits durch den Besitzanspruch einen Wert.

Auch Hans Jonas spricht jeder Entität einen eigenen Wert zu, jedoch stellt er den Menschen in den Mittelpunkt des Verantwortungsbegriffs.

Jedes Lebendige ist sein eigener, keiner weiteren Rechtfertigung bedürftiger Zweck und hierin hat der Mensch nichts vor anderen Lebewesen voraus – außer, daß er allein auch für sie, das heißt für die Hütung ihres Selbstzwecks, Verantwortung haben kann. […] Das Urbild aller Verantwortung ist die von Menschen für Menschen. […] Nur das Lebendige also in seiner Bedürftigkeit und Bedrohtheit – und im Prinzip alles Lebendige – kann überhaupt Gegenstand von Verantwortung sein, muß es aber darum noch nicht sein: ein Lebendes zu sein ist erst die notwendige Bedingung dafür im Gegenstande.[10]

So ist der Mensch nach Jonas nicht dazu verpflichtet Verantwortung gegenüber oder für die Natur zu übernehmen. Da in der Natur hauptsächlich lebendige Entitäten vorkommen, schreibt Jonas dem Menschen lediglich die Möglichkeit zu, an dieser Stelle Verantwortung zu übernehmen. Seiner Ansicht nach hat der Mensch die Wahl, ob er verantwortungsbewusst handelt oder nicht. Verantwortung muss der Mensch nur für seinesgleichen übernehmen.[11] So hat der Mensch auch eine Sonderstellung in seiner Verantwortungsethik.

In der Wahl zwischen Mensch und Natur, wie sie sich im Daseinskampf von Fall zu Fall immer wieder stellt, kommt allerdings der Mensch zuerst und die Natur, auch wenn ihre Würde zugestanden ist, muß ihm und seiner höheren Würde weichen.[12]

[...]


[1] Mittelstraß, J. (Hrsg.), „Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie“, Stuttgart: Verlag J.B. Metzler, 1999. Band 1: A-G.

[2] Vergl. J. Ritter (Hrsg.), „Historisches Wörterbuch der Philosophie“, Basel 1971. Band 1: A-C.

[3] Birnbacher, Dieter. „Mensch und Natur – Grundzüge der ökologischen Ethik.“ Praktische Philosophie. Grundorientierungen angewandter Ethik. Hrsg. Bayertz, Kurt. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1991. S. 281

[4] Vgl. Jonas, Hans. Das Prinzip Verantwortung. Suhrkamp Taschenbuch Verlag : Ulm. 2003. S.

[5] Vgl. Protagoras: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der Seienden, dass (wie) sie sind, der Nichtseienden, dass (wie) sie nicht sind.“ Dieser Ausspruch soll in der nicht erhaltenen Schrift „Aletheia“ (= Wahrheit) gestanden haben und wird in der Antike häufiger zitiert, besonders bei Platon in seinem Dialog theaitetos (der über die Erkenntnis handelt) und in der Metaphysik des Aristoteles. Quelle: http://www.florian-roth.com/texte/pdfs/Protagoras.pdf

[6] Vgl. Teutsch, G.M. Mensch und Tier: Lexikon der Tierschutzethik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1987. S.16.

[7] Teutsch, G.M. Lexikon der Umweltethik. Düsseldorf: Vandenhoeck & Ruprecht, 1985. S.8.

[8] Gutenberg-Bibel. Grünwald: Kölbl, 1968. 1Mos, 1, 28.

[9] Gutenberg-Bibel. Grünwald: Kölbl, 1968. Ez, 17, 24.

[10] Jonas, Hans. Das Prinzip Verantwortung. Ulm: Suhrkamp Taschenbuch Verlag, 2003. S. 184-185.

[11] Vgl. ebenda S. 185

[12] Ebenda S. 246.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Moralität im anthropozentrischen Mensch-Natur-Verhältnis
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Umwelt-Ethik
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V83039
ISBN (eBook)
9783638895361
ISBN (Buch)
9783638895422
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moralität, Mensch-Natur-Verhältnis, Umwelt-Ethik
Arbeit zitieren
Yvonne Müller (Autor), 2007, Die Moralität im anthropozentrischen Mensch-Natur-Verhältnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83039

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