Ich behandle in meiner Hausarbeit zwei Themenbereiche:
Einerseits das Problem des Verhältnisses von gedanken, Wörtern und Dingen und somit auch die Schwierigkeit der Bedeutung von Wörtern. In diesem Zusammenhang beziehe ich mich auf den Textder Sprachwissenschaftler C.K. Ogden und I.A. Richards. Andrerseits beschäftige ich mich mit der Auffsassung von Sprache, die der Ethnologe Franz Boas vertritt. Dieses wird in dem genannten Text ebenfalls erörtert.
Boas befasste sich zeit seines Lebens sehr intensiv mit den Indianersprachen Nordamerikas, indem er vor allem Feldforschungen zur Untersuchung des gesellschaftlichen Lebens der Indianerstämme und deren Sprache unternahm. Seine Forschungen stellten die Ethnologie auf eine neue Grundlage. Er leistete im Rahmen seiner Forschungen aber auch einen Beitrag zur Linguistik. Deshalb ist seine Theorie im Kontext dieser Arbeit interessant.
Im Zuge dieser Hausarbeit werde ich folgende Fragen zu beantworten versuchen:
1. Inwiefern zeichnet sich das Verhältnis von Sprache und Bedeutung der Argumentation C.K. Ogdens et al. zufolge durch eine Schwierigkeit aus?
2. Wie bewerten Ogden und Richards die Theorie des Ethnologen Franz Boas zur objektiven Untersuchung von Sprachen?
Welche Auffassung von Sprache liegt Boas Theorie zugrunde?
3. Welchen Gebrauchszusammenhang gibt es in der indianischen Sprache für das Wortfeld des Körpers? Inwiefern lassen sich aufgrund der unterschiedlichen Gebrauchszusammenhänge der Wörter Rückschlüsse auf Unterschiede zwischen dem Denken und der gesellschaftlichen Praxis von Angehörigen der indianischen Kultur und Angehörigen der deutschen Kultur ziehen?
Welche Erkenntnisse lassen sich diesbezüglich aus sprachwissenschaftlicher Sicht aus Boas´Untersuchung der indianischen Sprachen ziehen?
Ich habe mir das Problem der Bedeutung von Worten, wie es von C.K. Ogden et al. in ihrem Text behandelt wird, und damit zusammenhängend die Auffassung von Sprache des Ethnologen Franz Boas als Thema meiner Hausarbeit ausgewählt, weil ich sowohl die Thesen, die C.K. Ogden et al. zum Problem der Bedeutung vertreten als auch die Boassche Auffassung von Sprache interessant finde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Problem der Bedeutung nach C.K. Ogden und I.A. Richards
3 Die Boassche Auffassung von Sprache
3.1 Jakobsons Erörterung der Boasschen Auffassung von Sprache
4 Das Wortfeld des Körpers im Lakota (Sioux- Sprache) und der Zusammenhang zur Boasschen Auffassung von Sprache
4.1 Der menschliche Körper in der Sprache des Lakóta
5 Schlusswort
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Sprache, Denken und Bedeutung, indem sie die kritische Perspektive von C.K. Ogden und I.A. Richards der linguistischen Auffassung des Ethnologen Franz Boas gegenüberstellt. Das primäre Ziel ist es, die Problematik der feststehenden Wortbedeutung zu hinterfragen, die Rolle kultureller Praxis bei der Strukturierung von Sprache zu analysieren und anhand eines konkreten Wortfeldes im Lakóta aufzuzeigen, dass grammatische Strukturen nicht als Indikator für unterschiedliche Fähigkeiten zum abstrakten Denken missverstanden werden dürfen.
- Kritische Analyse des semiotischen Dreiecks und der Theorie von Ogden und Richards
- Untersuchung der Boasschen Sprachtheorie und ihrer Bedeutung für die Ethnologie
- Sprachvergleich anhand des Wortfeldes "Körper" im Lakóta und Deutschen
- Kritik an rassistischen Klischees und eurozentrischen Vorurteilen in der Sprachwissenschaft
- Diskussion der unbewussten Kategorienbildung in der Sprache
Auszug aus dem Buch
3 Die Boassche Auffassung von Sprache
Boas weist bezüglich des Verhältnisses von Sprache und Denken auf die Behauptung hin, derzufolge die Genauigkeit sowie die Klarheit des Denkens der Menschen zu einem großen Anteil von deren Sprache abhängig seien. So werde die Ansicht vertreten, die Leichtigkeit, mittels derer in den modernen europäischen Sprachen abstrakte Vorstellungen durch einen einzigen Begriff ausgedrückt sowie die Einfachheit mit der Verallgemeinerungen in das Gerüst eines einzelnen Satzes gebracht werden, stellten einen Teil der grundlegenden Bedingungen der Klarheit der Konzepte und der logischen Kraft der Gedanken derjenigen dar, die diese Sprache verwenden.
Auch räumt er ein, einiges spreche für diese Ansicht. So offenbare der Vergleich zwischen einigen der englischen und einigen der indianischen Sprachen einen auffallenden Gegensatz, der darauf beruhe, dass einige der indianischen Sprachen am konkretesten hinsichtlich ihrer form gebenden Ausdrücke seien, wohingegen die moderne englische Sprache abstrakte Vorstellungen in ein Wort oder einen Satz zu fassen vermöge. Als Beispiel für diesen Gegensatz führt Boas folgenden Satz an: „The eye is the organ of sight“ Der Indianer könne den allgemeinen Ausdruck „the eye“ nicht bilden (wie es im modernen Englisch möglich ist).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenfelder der Bedeutungsproblematik nach Ogden und Richards sowie das Sprachverständnis von Franz Boas ein und legt die zentralen Fragestellungen der Arbeit dar.
2 Das Problem der Bedeutung nach C.K. Ogden und I.A. Richards: Das Kapitel erläutert die These, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen Wörtern und Dingen gibt, und kritisiert den unpräzisen Sprachgebrauch in der traditionellen Philologie.
3 Die Boassche Auffassung von Sprache: Hier wird Boas’ Ansatz vorgestellt, der sprachliche Unterschiede nicht biologisch, sondern kulturell erklärt und die Fähigkeit zum abstrakten Denken als universelle Eigenschaft aller Völker postuliert.
3.1 Jakobsons Erörterung der Boasschen Auffassung von Sprache: Dieser Unterpunkt vertieft Boas' Verständnis der Sprache als Ausdruck des Geistigen und hebt seine originelle Idee des unbewussten Charakters sprachlicher Kategorien hervor.
4 Das Wortfeld des Körpers im Lakota (Sioux- Sprache) und der Zusammenhang zur Boasschen Auffassung von Sprache: Das Kapitel wendet Boas’ Theorien auf das Lakóta an, um die Rückwirkung gesellschaftlicher Praxis auf sprachliche Strukturen am Beispiel anatomischer Begriffe zu demonstrieren.
4.1 Der menschliche Körper in der Sprache des Lakóta: Dieser Abschnitt analysiert konkret die Wortbildung und Metaphorik im Lakóta-Wortfeld "Körper" und vergleicht diese mit den Strukturen der deutschen Sprache.
5 Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt die Notwendigkeit, Sprachunterschiede vor dem Hintergrund kultureller Kontexte zu betrachten, anstatt sie für rassistische oder eurozentrische Klischees zu instrumentalisieren.
Schlüsselwörter
Sprache, Bedeutung, Franz Boas, Ogden, Richards, Lakóta, Wortfeld, Körper, Abstrakte Vorstellungen, Kulturanthropologie, Linguistik, Ethnologie, Sprachrelativität, Kognition, Kategorienbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Untersuchung des Verhältnisses von Sprache und Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf die kritische Auseinandersetzung mit Wortbedeutungen und die Rolle von Kultur bei der Sprachstrukturierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Sprachtheorie von Ogden und Richards, der anthropologische Ansatz von Franz Boas sowie ein exemplarischer Sprachvergleich zwischen dem Lakóta und dem Deutschen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Hypothese zu widerlegen, dass bestimmte Sprachen aufgrund fehlender abstrakter Begriffe ein geringeres logisches Abstraktionsvermögen aufweisen, und stattdessen den kulturellen Kontext als Ursache für Sprachstrukturen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode sowie eine kritische Literaturanalyse, kombiniert mit der Untersuchung eines konkreten semantischen Wortfeldes (Körper) auf Basis ethnolinguistischer Daten.
Welche Themen werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das semiotische Dreieck von Ogden und Richards diskutiert, die Boassche Theorie zur unbewussten Kategorienbildung analysiert und die anatomische Nomenklatur des Lakóta auf ihre logische Struktur geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Sprachrelativität, Boassche Sprachtheorie, semantische Analyse, kulturelle Praxis, Lakóta, Wortfelder und Abstraktionsvermögen.
Was unterscheidet das Lakóta in Bezug auf Körperteile vom Deutschen?
Im Lakóta werden Begriffe für Körperteile oft nicht zwischen Mensch und Tier unterschieden, was laut der Autorin auf eine engere Verbundenheit dieser Kultur mit der Natur hindeutet.
Warum ist das "Boassche Experiment" mit der Kwiakutl-Sprache für die Arbeit so wichtig?
Das Experiment zeigt, dass auch Sprachen ohne explizite abstrakte Formen komplexe Denkvorgänge ermöglichen, womit Boas beweist, dass das Vermögen zu abstraktem Denken eine gemeinsame menschliche Eigenschaft ist.
- Citar trabajo
- Caroline Boller (Autor), 2007, "Das Problem der Bedeutung" nach C. K. Ogden und I. A. Richards in Zusammenhang mit Franz Boas' Auffassung von Sprache, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83054