Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit bildet das Hotelling-Modell zur optimalen Abbaurate erschöpfbarer Ressourcen. Nach einer theoretischen Erörterung der Eigentumsrechte werden die konkreten Eigentumsverhältnisse bezüglich Ölreserven im arabischen Raum beschrieben. Das in Folge der Explorationserfolge internationaler Ölunternehmen im Mittleren Osten etablierte Konzessionsmodell wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend erodiert und durch ein System exklusiver staatlicher Kontrolle über die Ressourcen abgelöst. Die Öl exportierenden Staaten der Region sind mit innen- und aussenpolitischen Risikofaktoren konfrontiert. Diese schränken die Wirksamkeit des Eigentumsschutzes mehr oder weniger stark ein und induzieren einen Anstieg des Ölpreises, was sich im Abbauverhalten der aktuell Verfügungsberechtigten widerspiegelt. Konkret resultiert eine Abweichung vom Hotelling-Pfad im Sinne eines „zu langsamen“ Ressourcenabbaus, da die Öl exportierenden Staaten aufgrund von Arbitrageüberlegungen bei einer im Vergleich zum Zinssatz überproportionalen Wachstumsrate des Rohstoffpreises Ölreserven den festverzinslichen Kapitalmarktanlagen vorziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Hotelling-Modell
2.1. Problemstellung und Ausgangslage
2.2. Die sozial optimale Abbaurate
2.3. Lösung bei Konkurrenz
2.4. Lösung bei Monopol
2.5. Eigentumsschutz und Marktversagen
3. Eine Heuristik der Eigentumsrechte
3.1. Formale vs. informale Eigentumsrechte
3.2. Kriterien zur Abgrenzung unterschiedlicher Systeme von Eigentumsrechten
4. Eigentumsverhältnisse an Ölreserven im arabischen Raum
4.1. Vom Konzessionsmodell zur staatlichen Souveränität
4.2. Charakterisierung des Konzessionsmodells als Eigentumsrechtssystem
4.3. Einfluss der Eigentumsordnung auf das Abbauverhalten
4.4. Besitzverhältnisse bezüglich Infrastruktur
5. Regionale sicherheitspolitische Herausforderungen und Eigentumsschutz
5.1. Innenpolitische Risikofaktoren
5.2. Aussenpolitische Risikofaktoren
5.3. Auswirkungen auf die Eigentumsverhältnisse
6. Das Abbauverhalten Öl exportierender Staaten im Lichte regionaler sicherheitspolitischer Herausforderungen
7. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Sicherheit von Eigentumsrechten an Ölreserven und dem Abbauverhalten Öl exportierender Staaten im Mittleren Osten unter Anwendung des Hotelling-Modells, um zu klären, ob politische Instabilität zu einem suboptimalen Ressourcenabbau führt.
- Grundlagen des Hotelling-Modells zur optimalen Abbaurate
- Theoretische Heuristik der Eigentumsrechte und deren institutionelle Einordnung
- Historische und aktuelle Eigentumsverhältnisse an Ölreserven im arabischen Raum
- Analyse sicherheitspolitischer Risikofaktoren und deren Einfluss auf den Eigentumsschutz
- Empirische Untersuchung des Abbauverhaltens der Golfstaaten im Zeitverlauf
Auszug aus dem Buch
3.1. Formale vs. informale Eigentumsrechte
Eigentumsrechte haben institutionellen Charakter und stellen in dieser Eigenschaft ein stabiles Set von Erwartungen bezüglich der Frage dar, wie sich das Verhalten eines Personenkreises in Abhängigkeit von unterschiedlichen Umweltzuständen verändert (Weimer, S. 2 ff.). Dabei sind formale und informale Institutionen auseinander zu halten: während erstere auf staatlichen Regelungen und Gesetzen basieren, entstehen letztere aufgrund von Normen und Konventionen. Entscheidend ist nun in beiden Fällen, welche Erwartungen sich an die jeweilige Form der Institution knüpfen.
Formale Institutionen, welche rechtsstaatlich abgesichert sind, schränken den individuellen Handlungsspielraum mehr oder weniger stark ein und mindern damit das Risiko willkürlichen und sozial schädlichen Verhaltens. Mit Bezug auf die Situation der Eigentumsrechte heisst dies, dass die Erwartungen an deren Fortbestand innerhalb eines realistisch abschätzbaren Zeitraums stabil optimistisch sind. Unter Einbezug aller Eventualitäten besteht netto eine relative Sicherheit, dass ein angemessener Eigentumsschutz gewährleistet ist. Im Falle informaler Institutionen, die sich ausserhalb rechtsstaatlicher Prozesse herausbilden, ist im Gegensatz dazu schon bei ihrer Entstehung mit Willkür zu rechnen. Normen und Konventionen sind instrumentalisierbar und werden jeweils von jenem Personenkreis beansprucht bzw. einseitig geändert, der über die effektive Machtposition verfügt. Weil informale Institutionen über keine absolut geltenden und rechtsstaatlich legitimierten Regeln verfügen, lassen sich verbindliche Prognosen über das individuelle Verhalten gegenüber derartigen Institutionen nur schwerlich ableiten und es besteht ein erhöhtes Risiko sozial schädlichen Verhaltens. Dieser hohe Unsicherheitsfaktor wirkt sich in der langen Frist negativ auf die Erwartungen bezüglich eines wirksamen Eigentumsschutzes aus, dessen Fortbestand pessimistisch betrachtet wird.
Die soeben beschriebenen Fälle rein formaler oder informaler Eigentumsrechte sind idealtypisch und in Realität kaum in dieser eindeutigen Ausprägung anzutreffen. Gerade was Eigentumsrechte in ihrer formal-institutionellen Ausprägung angeht, weist Weimer (S. 3) darauf hin, dass „laws do not always define institutions. For laws to be defining, people must expect that they will be followed“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Arbeit und erläutert, warum das Hotelling-Modell eine Erweiterung um politische Faktoren der Eigentumssicherung im Mittleren Osten benötigt.
2. Das Hotelling-Modell: Dieses Kapitel führt in die ökonomische Theorie der nicht-erneuerbaren Ressourcen ein und diskutiert die Bedingungen für optimale Abbauraten unter verschiedenen Marktformen.
3. Eine Heuristik der Eigentumsrechte: Hier werden formale und informale Eigentumsrechte unterschieden und Kriterien definiert, um die Stabilität und den Schutz von Ressourcenrechten theoretisch zu erfassen.
4. Eigentumsverhältnisse an Ölreserven im arabischen Raum: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel vom Konzessionsmodell hin zur staatlichen Souveränität nach und analysiert deren Auswirkungen auf die Ölproduktion.
5. Regionale sicherheitspolitische Herausforderungen und Eigentumsschutz: Die Analyse von innen- und aussenpolitischen Risiken zeigt, wie Instabilität die Wirksamkeit des Eigentumsschutzes gefährdet.
6. Das Abbauverhalten Öl exportierender Staaten im Lichte regionaler sicherheitspolitischer Herausforderungen: Dieses Kapitel prüft empirisch, ob sich theoretische Hotelling-Vorhersagen in der Realität der Öl exportierenden Staaten bestätigen lassen.
7. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die unterstreicht, dass politische Risiken tendenziell zu einem verlangsamten Ressourcenabbau führen.
Schlüsselwörter
Hotelling-Modell, Eigentumsrechte, Ölreserven, Ressourcenökonomie, Mittlerer Osten, Konzessionsmodell, Staatliche Souveränität, Sicherheitspolitik, Marktversagen, Abbauverhalten, Rentier-Staat, Politische Instabilität, Erdöl, Infrastruktur, Diskontierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Ressourcenmanagement von Öl exportierenden Staaten im Mittleren Osten unter dem Blickwinkel, wie politische Sicherheit und Eigentumsrechte die Abbaustrategien beeinflussen.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft Ressourcenökonomie (Hotelling-Modell) mit Politikwissenschaft, insbesondere im Kontext von Eigentumsschutz, nationaler Souveränität und geopolitischer Instabilität.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, wie sich institutionelle Defizite und Sicherheitsbedrohungen in arabischen Ölstaaten auf das Abbauverhalten auswirken und ob diese Akteure den optimalen Abbaupfad einhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Analyserahmen basierend auf dem Hotelling-Modell sowie eine empirische Überprüfung mittels Preis- und Produktionsdaten im Vergleich zu Zinssätzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Heuristik der Eigentumsrechte, eine historische Aufarbeitung des Wandels vom Konzessionsmodell zur staatlichen Kontrolle sowie eine detaillierte sicherheitspolitische Umweltanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Eigentumsrechte, Hotelling-Modell, Ölreserven, Rentier-Staat und politische Sicherheit im Mittleren Osten.
Wie wirkt sich das Sicherheitsdefizit auf die Infrastruktur aus?
Im Gegensatz zu den Ölreserven selbst, die aufgrund der staatlichen Macht relativ geschützt sind, ist die physische Ölinfrastruktur (Pipelines, Raffinerien) durch terroristische Anschläge hochgradig exponiert und gefährdet.
Führt politische Instabilität zu einem Raubbau an den Ölreserven?
Nein, die empirische Analyse zeigt, dass die betroffenen Staaten in riskanten Phasen paradoxerweise ihre Abbauraten verlangsamen, was eine Abweichung vom klassischen Modell darstellt.
- Quote paper
- M.A. Simon M. Ingold (Author), 2004, Die Eigentumsverhältnisse an Ölreserven. Das Hotelling-System zum optimalen Abbau von Ressourcen im arabischen Raum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83094