Diese Arbeit befasst sich mit den Gedanken Wilhelm von Humboldts zu seinem Bildungsbegriff, inwieweit sein Bildungsideal noch als aktuell bezeichnet werden kann. Ziel ist es dabei nicht die Gesamttätigkeit Humboldts und die spätere Umsetzung seiner Bildungsvorstellungen vollständig wiederzugeben. Vielmehr soll die Bildungsphilosophie Wilhelm von Humboldt in deskriptiver Weise dargestellt werden, um somit einen Einblick in die Wesenszüge der Humboldtschen Denkart zu gewinnen.
Wenn in Deutschland von Bildung und Universitäten gesprochen wird, fällt immer wieder der Name Humboldt. Er war preußischer Resident in Rom, Reformator des preußischen Bildungswesens, Diplomat im Befreiungskrieg und Bevollmächtigter auf dem Wiener Kongress.
Wilhelm von Humboldt hatte ein ganz spezielles Verständnis von Bildung. Der Begriff der Bildung ist im Prozess der Geschichte einem ständigen Wandel unterworfen. Der Mensch soll in der Lage sein über sich hinaus zu streben, um sich in seiner ganzen Wesenseigentümlichkeit darstellen zu können – mit diesen Worten kann man das Ziel Wilhelm von Humboldt beschreiben eine dem Menschen gerecht werdende Bildung zu gestalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Leben von Wilhelm von Humboldt
2.1 Kindheit und Jugend
2.2 Humboldts Zeit der Selbstbildung
2.3 Humboldts politisches Wirken
2.4 Humboldts Altersmuße in Tegel
3. Gesellschaft und Leben zu Humboldts Zeit
4. Humboldts Reform des preußischen Bildungswesens
4.1 Schule und Pädagogik um 1800
4.2 Reform des preußischen Schulwesens unter Humboldt
4.2.1 Reform des preußischen Bildungswesens
4.2.2 Die Reform des Schulwesens unter Humboldt
5. Ideengeschichtliche Einordnung von Humboldts Bildungsbegriff
5.1 Der vorklassische Bildungsbegriff
5.1.1 Die griechische „paideia“
5.1.2 Der humanistische Bildungsbegriff
5.1.3 Der rationalistische Bildungsbegriff
5.2 Der klassische Bildungsbegriff
5.2.1 Humboldts Bildungsbegriff
5.2.2 Hegels Bildungstheorie
5.3 Bildung im 19. Jahrhundert
6. Humboldts Bildungsbegriff
6.1 Der Einfluss der griechischen Antike auf Humboldts Bildungsbegriffs
6.2 Der Begriff der Allgemeinbildung/Menschenbildung
7. Soziale Arbeit in der Bildungseinrichtung Schule
7.1 Die Funktion der Schule
7.2 Zwei Institutionen auf der Suche
7.3 Die Chance das Kooperationsmodell
7.3.1 Kooperationsverhältnisse zwischen Schulsozialarbeitern und Lehrern
7.4 Schulsozialarbeit als Handlungsfeld der Jugendhilfe
7.5 Wie kann die Soziale Arbeit in die Schule integriert werden?
7.5.1 Wirkliche Zusammenarbeit
7.6 Soziale Arbeit in der Schule
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Bildungsideal Wilhelm von Humboldts in seiner historischen Tiefe und analysiert dessen heutige Relevanz für das moderne Schulsystem und die Schulsozialarbeit. Dabei wird hinterfragt, inwieweit die humboldtschen Prinzipien in der aktuellen pädagogischen Praxis als Orientierungspunkte dienen können.
- Historische und biographische Einordnung von Wilhelm von Humboldt
- Ideengeschichtliche Entwicklung des Bildungsbegriffs
- Reformen des preußischen Schulwesens und ihre Zielsetzungen
- Funktion der Schule im Spannungsfeld von Erziehung und Selektion
- Integrationsmöglichkeiten der Schulsozialarbeit in das System Schule
Auszug aus dem Buch
6.1 Der Einfluss der griechischen Antike auf Humboldts Bildungsbegriffs
Die griechische Antike ist im Zusammenhang mit Humboldts Bildungsbegriff von Bedeutung, weil Humboldts Idealbild des Menschen, das durch Bildung und Erziehung erreicht werden sollte, identisch ist mit seinem idealisierten Griechenbild.
Latein und Griechisch gehörten im 18. Jahrhundert zum selbstverständlichen Bildungskanon adliger Kreise. Dazu wurde eigens von Friedrich dem Großen eine Kabinettsorder erlassen, die als wesentliche Unterrichtsfächer Logik, Grammatik und die beiden alten Sprachen vorsah. Dementsprechend war Humboldt zwischen 12 und 14 Jahre alt, als sein Hofmeister Kunth und sein Griechischlehrer ihn mit der antiken Welt - zuerst mit der alten Geschichte, später mit den Sprachen - vertraut machten. Sein überdurchschnittliches Interesse an diesen Fächern begründete Humboldt selbst mit einer "Empfindung, so eine Anhänglichkeit, die aus Bitterkeit gegen die Menschen entsprang" und die er beim Studieren vor allem des Griechischen empfand. Humboldt spielte in diesem Zusammenhang auch auf seine traurige frühe Jugend (Tod des Vaters) und die Einsamkeit und Verständnislosigkeit an, die ihm seiner Meinung nach seine Mitmenschen entgegenbrachten. Die Beschäftigung mit der Antike war für Humboldt in dieser frühen Zeit also auch Rückzugs- und Fluchtmöglichkeit vor der Wirklichkeit und vor den von ihm verachteten Menschen in eine griechische Idealwelt.
1787 erschien Humboldts erste Arbeit über das Altertum. Sie enthielt die Übersetzung von Bruchstücken aus Xenophons "Apomnemoneumata" und aus Platons "Gesetzen" und erschien in einem Lesebuch "zur Beförderung edler Grundsätze, echten Geschmacks und nützlicher Kenntnisse". Humboldts Bild der Antike wurde vor allem von Christian Gottlob Heyne beeinflusst. Für seine eigene Selbstbildung fand Humboldt das geeignete Lehr- und Übungsmaterial in der Antike.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert das Vorhaben, das humboldtsche Bildungsideal in einer deskriptiven Weise darzustellen, um dessen Wesenszüge und Aktualität für das heutige Bildungssystem zu untersuchen.
2. Das Leben von Wilhelm von Humboldt: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Wilhelm von Humboldts von seiner Kindheit und Jugend über seine Selbstfindungs- und Bildungsreisen bis hin zu seinem politischen Wirken und seinem Lebensabend in Tegel nach.
3. Gesellschaft und Leben zu Humboldts Zeit: Es wird der gesellschaftliche Kontext der Goethezeit bzw. des Zeitalters des Neuhumanismus beschrieben, in dem sich Bildung zu einem zentralen Lebensprinzip für das aufstrebende Bürgertum entwickelte.
4. Humboldts Reform des preußischen Bildungswesens: Hier wird der Zustand des Schulwesens um 1800 analysiert und dargelegt, wie Humboldt als Sektionschef durch die Reformen des Bildungswesens eine Mündigkeit der Bürger anstrebte.
5. Ideengeschichtliche Einordnung von Humboldts Bildungsbegriff: Dieses Kapitel bettet den humboldtschen Bildungsbegriff in den historischen Kontext ein, vom antiken Begriff der "paideia" bis hin zu den Ansätzen von Hegel.
6. Humboldts Bildungsbegriff: Es wird die zentrale Bedeutung der griechischen Antike für das humboldtsche Idealbild erläutert sowie der philosophische Begriff der Allgemeinbildung und Menschenbildung präzisiert.
7. Soziale Arbeit in der Bildungseinrichtung Schule: Das Kapitel befasst sich mit der Funktion der Schule als System und der Notwendigkeit einer Kooperation mit der Jugendhilfe, um auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren.
8. Fazit: Das Fazit bewertet die fortwährende Bedeutung Humboldts als Orientierungspunkt für eine moderne Bildungspolitik und betont die Notwendigkeit einer Anpassung an heutige Lebensrealitäten.
Schlüsselwörter
Wilhelm von Humboldt, Bildungsideal, Neuhumanismus, Menschenbildung, Allgemeinbildung, preußisches Bildungswesen, Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Kooperationsmodell, Lebensweltorientierung, Sozialisation, Pädagogik, griechische Antike, Individuum, Staat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Wilhelm von Humboldts Bildungsbegriff und untersucht, inwieweit seine bildungstheoretischen Ansätze und Ideale noch heute als Orientierungspunkte für das deutsche Schulsystem und die Schulsozialarbeit fungieren können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Biografie Humboldts, die Reform des preußischen Bildungswesens, die ideengeschichtliche Einordnung des Bildungsbegriffs sowie die theoretische und praktische Integration der Sozialen Arbeit in das System Schule.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die deskriptive Darstellung der humboldtschen Bildungsphilosophie und die Beantwortung der Frage, welche Relevanz und welche positiven oder negativen Impulse dieses historische Bildungsideal für das moderne Bildungssystem haben könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und ideengeschichtliche Analyse, kombiniert mit systemtheoretischen Ansätzen (u.a. nach Niklas Luhmann), um den Bildungsbegriff und die Rolle der Schulsozialarbeit zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Darstellung, eine historische Analyse der Bildungsreformen, eine Einordnung in die Ideengeschichte sowie eine detaillierte Erörterung der Schnittstellen zwischen Schule und Schulsozialarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Wilhelm von Humboldt, Menschenbildung, Allgemeinbildung, Neuhumanismus, Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Kooperation und Schulentwicklung.
Warum ist der Begriff der "Menschenbildung" für Humboldt so zentral?
Für Humboldt ist die "Menschenbildung" das höchste Ziel, um den Menschen zur Entfaltung seiner vollen Individualität zu führen, statt ihn lediglich für den Arbeitsmarkt oder den Staatsdienst zu instrumentalisieren.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Schulsozialarbeit im heutigen Schulsystem?
Die Autorin sieht die Schulsozialarbeit als essenzielle Ergänzung, die helfen kann, die soziale Belastungssituation von Schülern zu mildern, warnt jedoch vor unrealistischen Erwartungen an eine schnelle "Lösung" schulischer Probleme.
Inwieweit lässt sich das humboldtsche Ideal in die Praxis übertragen?
Im Fazit wird konstatiert, dass das Ideal als prinzipieller Orientierungspunkt fruchtbar bleibt, jedoch an die heutigen gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst werden muss, da eine eins-zu-eins-Umsetzung utopisch wäre.
- Quote paper
- Michaela Bublitz (Author), 2007, Wilhelm von Humboldts Bildungsbegriff - Ein Blick auf das heutige Schulsystem und Humboldts Relevanz für die Schulsozialarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83134