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Rembrandts "Judenbraut" - Bewegung der Gefühle im Helldunkel

Title: Rembrandts "Judenbraut" - Bewegung der Gefühle im Helldunkel

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 22 Pages , Grade: 1-

Autor:in: Christoph Urwyler (Author)

Art - Painting
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1. Einleitung

Kunstgeschichtliche Publikationen unterschiedlicher Provenienz erkennen in dem von Rembrandt (1606-1669) um 1666 geschaffenen Gemälde „Die Judenbraut“ ein Beleg für seine ausserordentliche Meisterschaft in der Darstellung feinster Nuancen menschlicher Beziehungen. Dieser Eindruck, darin sind sich die besagten Autoren einig, beruhe massgeblich auf der ebenso einfühlsamen wie präzisen Erfassung der „Gebärden, Haltungen und Körpersprachen“ , welche gemeinhin mit Liebespaaren assoziiert werden. Diese Einsichten grundsätzlich teilend, möchte ich im Folgenden mein Augenmerk auf ein maltechnisches Mittel lenken, welches die Liebe zwischen Isaak und Rebekka ebenfalls eindringlich suggeriert und in seiner anschaulichen Wirkung durchaus unabhängig ist von den ikonographischen Motiven. Es soll dargelegt werden, wie Rembrandt sich des Helldunkels bedient, um die Lebendigkeit und seelische Verbundenheit des biblischen Paares auszudrücken. Dieser Gedanke gründet auf der Annahme, dass Licht, Dunkel und Farbe nicht bloss der „allgemeinen Sichtbarmachung des Gegenständlichen“ dienen, sondern über ihre reine Darstellungsfunktion hinaus als geistig-seelische Aspekte dem Betrachter etwas mitzuteilen haben.

Zunächst soll im 2. Kapitel als Grundlage für diese Überlegung gezeigt werden, wie über die Entwicklung des Helldunkels die Ausdrucksfähigkeit der Malkunst gegenüber der hochmittelalterlichen Malerei sich ganz grundsätzlich erweitert hat, was Rembrandt schliesslich das bildnerische Mittel in die Hand gab, seelische und psychologische Zustände auf ungewohnte und neue Weise zu thematisieren. Der anschliessenden kurzen Bildbeschreibung folgen im dritten Kapitel einige Gedanken zu den Möglichkeiten und Grenzen einer ikonographischen Lesart. Im Anschluss daran, widme ich mich eingehender der formalen Bestimmung des Helldunkels. Geknüpft an diese Erklärungen ist die mit dem Helldunkel verbundene Erfahrung von Zeit und Raum als das Liebesmotiv akzentuierende Gestaltungselemente. Ich will veranschaulichen, inwieweit die Beziehung von Isaak und Rebekka auch über die Elemente von Raum und Zeit Gestalt annimmt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Helldunkel als Gestaltungsmittel in der neuzeitlichen Malerei

3. „Isaak und Rebekka“

3.1 Bildbeschreibung

3.2 Probleme einer ikonographischen Zuordnung

3.3 Die Bewegung der Gefühle im Helldunkel

3.3.1 Helldunkel und Zeitlichkeit

3.3.2 Helldunkel und Räumlichkeit

4. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Helldunkels in Rembrandts Gemälde „Die Judenbraut“. Dabei wird analysiert, wie das maltechnische Mittel des Helldunkels unabhängig von ikonographischen Motiven dazu beiträgt, eine geistig-seelische Zeitdimension und eine atmosphärische Stimmung zu erzeugen, welche die Liebe des dargestellten Paares auf eine tiefere, transzendente Weise erfahrbar macht.

  • Entwicklung des Helldunkels als Gestaltungsmittel in der Malerei
  • Analyse der Darstellung von Zeitlichkeit im Helldunkel
  • Untersuchung der räumlichen Wirkung durch Licht und Schatten
  • Gegenüberstellung der Lichtregie von Rembrandt und Caravaggio
  • Die psychologische Dimension der „Judenbraut“ jenseits biblischer Deutungen

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Helldunkel und Zeitlichkeit

Mit dem Einsetzen des Helldunkels als Gestaltungsmittel formuliert sich in der Geschichte der Malerei die Frage nach der Zeit auf eine neue Art und Weise. Die von Leon Battista Alberti (1404-1472) und Leonardo da Vinci (1452-1519) bereits vorgenommene Unterscheidung zwischen „Luce“ und „Lumen“, also zwischen Lichtquelle einerseits und Licht auf dem Gegenstand andererseits, erweisen sich in dem Zusammenhang als tragfähige Begriffe. Durch die Trennung von „Luce“ und „Lumen“ fallen Schein und Sein der Dinge auseinander. Das Dargestellte ist nicht mehr etwas, das immer so aussieht, sondern etwas, das zu einem bestimmten Zeitpunkt sich auf eine bestimmte, unverwechselbare Weise zeigt. Diese Beobachtung liegt wohl auch der Redensart zugrunde, „etwas in einem anderen Licht zu sehen“, mit welcher die Relativität des eigenen Standpunktes und die wechselnde Bedeutung einer Sache zum Ausdruck gebracht werden. Bezogen auf die Malerei spricht Karl Spinner hier von einer „Verzeitlichung“ der Dinge.

Im Gegensatz dazu steht die (licht- und schattenlose) Malerei des Mittelalters, wo das Bildsujet gewissermassen noch „in der raum- und zeitlosen Ewigkeit Gottes aufgehoben“ war. In gleichem Masse wie sich die neuzeitliche Malerei von der göttlichen Zeitordnung abwendet und die irdischen Dinge in ihrer Endlichkeit thematisiert, gewinnt sie nicht nur Fähigkeit der glaubhaften, realistischen Darstellung des Körperlichen, sondern auch des Seelischen, also auch der Liebe. In der Bildbeschreibung habe ich angedeutet, wie die Gestik und Mimik des Liebespaares den gegenwärtigen Moment transzendiert, indem die Ahnung des zukünftigen Lebens sich in ihnen spiegelt. Durch die präzise und feine Zeichnung der Gesichter gewinnt der Betrachter eine Vorstellung über die Gefühle angesichts der Realität einer noch offenen Zukunft. Rembrandt thematisiert also keinen singulären, gegenwärtigen oder zukünftigen Augenblick. Es geht ihm um die Darstellung der Konfrontation der Liebenden mit der Tatsache, dass ihre Liebe sich in einem zukunftsoffenen Schicksal immer wieder wird bewähren müssen. Diese nicht abstellbare Dynamik der kontinuierlichen Bewährung ist gebunden an das Verfliessen der Zeit.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Liebe im Werk Rembrandts ein und stellt die These auf, dass das Helldunkel in der „Judenbraut“ als entscheidendes Mittel zur Darstellung seelischer Verbundenheit dient.

2. Das Helldunkel als Gestaltungsmittel in der neuzeitlichen Malerei: Dieses Kapitel erörtert die historische Entwicklung des Helldunkels als künstlerisches Ausdrucksmittel und dessen Bedeutung für die Darstellung von Licht und Farbe jenseits rein physikalischer Beleuchtung.

3. „Isaak und Rebekka“: Dieses Hauptkapitel analysiert das Gemälde formal und inhaltlich, wobei insbesondere die ikonographische Unsicherheit, die Rolle des Helldunkels für das Zeit- und Raumempfinden und die seelische Dimension der Liebenden beleuchtet werden.

4. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die gewonnenen Erkenntnisse zur Wirkung des Helldunkels in der „Judenbraut“ und reflektiert gleichzeitig die Einschränkungen der Analyse aufgrund der Abhängigkeit von Reproduktionen.

Schlüsselwörter

Rembrandt, Die Judenbraut, Helldunkel, Malerei, Zeitlichkeit, Räumlichkeit, Licht, Farbe, Seelisches, Liebesmotiv, Bildlicht, Atmosphäre, Stimmung, Kunstgeschichte, Ikonographie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Rembrandt das künstlerische Mittel des Helldunkels in seinem Gemälde „Die Judenbraut“ einsetzt, um seelische Verbundenheit und menschliche Emotionen jenseits konventioneller ikonographischer Darstellungsmethoden auszudrücken.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Wechselwirkung zwischen technischer Bildgestaltung durch das Helldunkel und der psychologischen Tiefe der dargestellten menschlichen Beziehung, sowie auf die daraus resultierende Wirkung von Raum und Zeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass das Helldunkel bei Rembrandt als eigenständiges, „reines Prinzip der Darstellung“ fungiert, das über die bloße Sichtbarmachung von Gegenständen hinausgeht und das Liebesmotiv durch eine spezifische Atmosphäre intensiviert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Die Arbeit kombiniert eine formale Bildbeschreibung mit einer ikonographischen Einordnung sowie einer kunstphilosophischen Analyse, wobei sie sich auf kunsthistorische Literatur und Theorien von Autoren wie Georg Simmel, Karl Spinner und Ernst Strauss stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung des Bildes, der Problematik seiner ikonographischen Zuordnung, dem Vergleich des Zeitverständnisses zwischen Rembrandt und Caravaggio sowie der Analyse der Raumatmosphäre im Kontext des Liebesmotivs.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?

Zentrale Begriffe sind Rembrandt, Helldunkel, Zeitlichkeit, Räumlichkeit, Liebesmotiv, Atmosphäre und die spezifische „Judenbraut“-Problematik der Interpretation.

Warum wird Rembrandt im Text explizit mit Caravaggio verglichen?

Der Vergleich dient als Kontrastfolie: Während bei Caravaggio das Licht ein drastischer, die Zeit verknappender Faktor ist, der den Moment isoliert, setzt Rembrandt das Helldunkel für eine atmosphärische Kontinuität ein, die ein Gefühl von fließender Zeit und Wandlung vermittelt.

Inwiefern beeinflusst das Fehlen einer eindeutigen Ikonographie die Interpretation?

Da die Zuordnung des Paares als Isaak und Rebekka nicht zweifelsfrei durch das Bild selbst belegt ist, argumentiert der Autor, dass sich Rembrandt vom biblischen Zwang löst und das Bild zu einem säkularisierten, subjektiven Ausdruck menschlicher Intimität und seelischer Regungen erhebt.

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Details

Title
Rembrandts "Judenbraut" - Bewegung der Gefühle im Helldunkel
College
University of Bern  (Institut für Kunstgeschichte )
Course
Hauptseminar "Rembrandt"
Grade
1-
Author
Christoph Urwyler (Author)
Publication Year
2006
Pages
22
Catalog Number
V83163
ISBN (eBook)
9783638893893
ISBN (Book)
9783638905053
Language
German
Tags
Rembrandts Judenbraut Bewegung Gefühle Helldunkel Hauptseminar Rembrandt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Urwyler (Author), 2006, Rembrandts "Judenbraut" - Bewegung der Gefühle im Helldunkel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83163
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