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Die Frau im Tieck - Tiecks Weiblichkeitsbild im Spiegel der Klausenburg und sein Verhältnis zur Romantik

Title: Die Frau im Tieck - Tiecks Weiblichkeitsbild im Spiegel der Klausenburg und sein Verhältnis zur Romantik

Seminar Paper , 2006 , 18 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Daniel Tatz (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Kaum eine Frage ist, insbesondere seit den 1970er Jahren, in der deutschen Literaturwissenschaft
bei der Betrachtung der Romantik stärker betrachtet und diskutiert
worden, als das ‚Emanzipatorische’ im Frauenbild jener Epoche, die literarisch und
philosophisch maßgeblich von den Vorlesungen und Schriften der Brüder Friedrich und
Wilhelm Schlegel beeinflusst worden ist.
Distanzieren sich in der neuesten Forschung auch zunehmend Literaturwissenschaftler
von der emphatischen Feier vor allem Friedrich Schlegels als einem Vorreiter der
Emanzipation und schlagen gemäßigtere und wohl auch reflektiertere Töne an, gehört
die beginnende Abwendung von der Superiorität des Mannes über die Frau doch zu
einer der Hauptneuerungen der Romantik. Die Ausführungen Goethes zum Beispiel zu
Aufgabe und Bestimmung des weiblichen Geschlechtes stellen das Gegenteil dessen dar,
was Schlegel in seinem Werk ‚Lucinde’ vertritt.
Die Kontakte, die nicht nur die Brüder Schlegel, sondern auch weitere Mitglieder des
Jenaer Kreises und anderer Zeitgenossen zu körperlich und geistig reiferen Frauen
unterhielten, waren grundlegend für die Erkenntnis der Ebenbürtigkeit der
Geschlechter. Leibschaften wie Dorothea Veith und Caroline Böhmer, die später die
Frauen Friedrich und Wilhelm Schlegels wurden und gleichzeitig zu deren Entfremdung
beitrugen, nahmen so als Rückprojektionsfläche großen Einfluss auf die
Literaturgeschichte, auch wenn ihr eigenes Werk kaum Beachtung fand
Diese Ausführungen legen nun den Schluss nahe, dass mit der Veröffentlichung der
Lucinde und den Wiener Vorlesungen der Geist der emanzipatorischen Romantik über
das literarische Deutschland hereingebrochen sei. Doch nicht nur an der oft kritischen,
manchmal polemischen, jedoch in jedem Fall reichlichen Rezeption dieses
Schlüsselwerks der schlegelschen „Symphilosophie“ lässt sich die Gegnerschaft zu
diesem Gedanken ersehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Die so genannte Romantik

1.2 Weiblichkeit in der Romantik

2 Vergleichende Analyse der Protagonistinnen der ‚Klausenburg’

2.1 Sidonie

2.2 Hannchen

2.3 Ernestine

2.4 Elisabeth

3 Die hässliche Bildung, die schöne Naivität? Tiecks Bild von der Frau im Spiegel der Klausenburg und sein Verhältnis zur Romantik

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild in Ludwig Tiecks Novelle "Die Klausenburg" (1837) und analysiert, inwiefern dieses mit den zeitgenössischen Vorstellungen der Romantik übereinstimmt oder in Opposition dazu steht. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche Attribute Tieck seinen weiblichen Protagonistinnen zuschreibt und wie diese zur gesellschaftlichen Normierung der Geschlechterrollen im 19. Jahrhundert in Beziehung gesetzt werden.

  • Analyse des romantischen Epochenbegriffs und der zeitgenössischen Wahrnehmung von Weiblichkeit.
  • Detaillierte Untersuchung von vier zentralen Protagonistinnen: Sidonie, Hannchen, Ernestine und Elisabeth.
  • Gegenüberstellung von Charaktermerkmalen wie Intelligenz, Schläue, Emotionalität und moralischer Integrität.
  • Untersuchung der Verknüpfung von äußeren Merkmalen (Schönheit/Hässlichkeit) mit innerer Gesinnung.
  • Einordnung von Tiecks Frauenbild in den literarhistorischen Kontext der Romantik.

Auszug aus dem Buch

2.3 Ernestine

Sorgten auf der intradiegetischen Erzählebene des Gegensatzpaar Sidonie - Hannchen für eine Annäherung des Lesers an das Weiblichkeitsbild Tiecks, so findet dieses Paar auch eine deutliche Entsprechung auf der metadiegetischen Ebene. Das Schwesternpaar der Ernestine und der Elisabeth weisen einige Parallelen zu Sidonie und Hannchen auf, weichen an anderer Stelle aber zum Teil deutlich von diesen ab.

Die Ernestine, welche die ältere der beiden Schwestern ist, bildet in Charakter und Funktion die Parallele zu Sidonie, die in Kapitel 2.1 ausführlich behandelt wurde. Zusammen mit ihrer Schwester Elisabeth in einer verwahrlosten und verarmten Adelsfamilie geboren und teilweise aufgewachsen, war Ernestine, nachdem sie unbeaufsichtigt einem Gelage beigewohnt hatte, betrunken eine Treppe hinuntergefallen, was sie, auch aufgrund der Inkompetenz des häuslichen Arztes, auf das Schlimmste entstellte. So wird sie als sehr große Frau mit einem doppelten Höcker beschrieben, deren lange, dünne Arme und Finger einen unheimlichen Eindruck machten, der von der wulstigen Stirn und der platten Nase noch verstärkt wird. Allein ihre Augen, die zwar klein, jedoch lebhaft und klug blicken, fallen positiv an ihr auf. Die Beschreibung ihres Aussehens, die, im Vergleich mit allen Anderen, überaus detailliert und ausführlich vollzogen wird, zeigt die zentrale Bedeutung, die diesem zugewiesen wird.

Die dämonenhaften körperlichen Züge, die teilweise ins übermenschliche gehen, spiegeln sich dabei in ihren geistigen Fähigkeiten wider. Ihr scharfer philosophischer Verstand, der denjenigen vieler Männer übersteige, sowie ihr besonderes musikalisches Genie werden ausnehmend betont, allerdings von ihrer Schwester in die Sphären des übermenschlichen entrückt, wenn diese von der unglaublichen Ausdauer Ernestines erzählt, welche Tag und Nacht, ohne zu essen oder zu schlafen, an der Verfeinerung ihrer zahlreichen Fertigkeiten arbeitete.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Frauenbildes in der deutschen Romantik ein und skizziert die methodische Vorgehensweise anhand von Ludwig Tiecks Novelle.

1.1 Die so genannte Romantik: Das Kapitel klärt den etymologischen Ursprung und die wissenschaftliche Vielschichtigkeit des Begriffs "Romantik" als epochenübergreifende Kategorie.

1.2 Weiblichkeit in der Romantik: Hier wird das gesellschaftlich verankerte Frauenbild der Zeit analysiert, das durch strikte Rollenzuweisungen und die Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann geprägt war.

2 Vergleichende Analyse der Protagonistinnen der ‚Klausenburg’: In diesem Hauptteil werden die weiblichen Hauptfiguren der Novelle hinsichtlich ihrer Charaktereigenschaften und ihrer Funktion im Handlungsgefüge untersucht.

2.1 Sidonie: Sidonie wird als selbstständige, aber intriganter und eigennütziger Charaktertyp analysiert, der seine Schönheit instrumentalisiert.

2.2 Hannchen: Hannchen fungiert als Gegenpol zu Sidonie und verkörpert durch ihre Naivität und ihr "reines Herz" das bürgerliche Ideal der Liebenswürdigkeit.

2.3 Ernestine: Das Kapitel beleuchtet Ernestine als dämonisierte, physisch entstellte, jedoch intellektuell hochbegabte Figur, die an ihrer gesellschaftlichen Ausgrenzung scheitert.

2.4 Elisabeth: Elisabeth wird als künstlerisch begabte und schwärmerische Schwester eingeführt, deren emotionales Wesen sie letztlich in den Wahnsinn treibt.

3 Die hässliche Bildung, die schöne Naivität? Tiecks Bild von der Frau im Spiegel der Klausenburg und sein Verhältnis zur Romantik: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und stellt Tiecks Frauenbild in den Kontext des romantischen Konsenses, der die Frau unter männliche Obhut stellt.

Schlüsselwörter

Ludwig Tieck, Die Klausenburg, Romantik, Frauenbild, Weiblichkeit, Novelle, Emanzipation, Geschlechterrollen, Literaturwissenschaft, Sidonie, Hannchen, Ernestine, Elisabeth, Idealbild, Geschlechterdiskurs.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie der Autor Ludwig Tieck in seiner Novelle "Die Klausenburg" das Frauenbild gestaltet und inwieweit dieses Bild den zeitgenössischen Vorstellungen der Romantik entspricht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören das Geschlechterverhältnis, die Diskrepanz zwischen bürgerlichen und adeligen Idealen sowie die literarische Darstellung von Weiblichkeit als "Doppelwesen" zwischen Idealisierung und Stigmatisierung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das Frauenbild aus der Novelle "Die Klausenburg" anhand von vier Protagonistinnen zu ermitteln und es epochengeschichtlich in den Kontext der Romantik einzuordnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch die Untersuchung der Figurendynamik und das Studium des zeithistorischen Hintergrunds gestützt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die vier weiblichen Hauptfiguren (Sidonie, Hannchen, Ernestine, Elisabeth) und setzt deren Handlungen und Charaktereigenschaften in Beziehung zu ihren männlichen Gegenspielern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Weiblichkeitsbild", "Romantik", "Ludwig Tieck" und "Geschlechterrollen" bestimmt.

Warum spielt die Namensgebung der Protagonistinnen eine Rolle?

Die Analyse legt dar, dass Tieck bei den "negativ" konnotierten Figuren französische Namen und bei den "positiven" Figuren deutsche Namen verwendet, was im Kontext der damaligen Frankophobie als bewusste Abgrenzung gedeutet wird.

Inwiefern beeinflusst das Aussehen der Figuren ihre Bewertung?

Die Arbeit stellt fest, dass physische Schönheit allein kein Garant für ein "positives" Frauenbild ist, da die "schöne" Sidonie als Intrigantin auftritt, während die "hässliche" Ernestine durch ihren Intellekt zwar fasziniert, aber ebenfalls negativ bewertet wird.

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Details

Title
Die Frau im Tieck - Tiecks Weiblichkeitsbild im Spiegel der Klausenburg und sein Verhältnis zur Romantik
College
University of Münster  (Germanistisches Institut, Abteilung Literaturwissenschaft)
Course
Proseminar
Grade
2,0
Author
Daniel Tatz (Author)
Publication Year
2006
Pages
18
Catalog Number
V83181
ISBN (eBook)
9783638898867
Language
German
Tags
Frau Tieck Tiecks Weiblichkeitsbild Spiegel Klausenburg Verhältnis Romantik Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Tatz (Author), 2006, Die Frau im Tieck - Tiecks Weiblichkeitsbild im Spiegel der Klausenburg und sein Verhältnis zur Romantik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83181
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