In Deutschland werden pro Jahr über hundert Millionen Tiere gegessen und fast zehn Millionen Eier und 28 Millionen Tonnen Milch zu Verkauf angeboten. Dieser enorme Verzehr von Tierprodukten hat dazu geführt, dass die Nachfrage nur über eine intensive Haltung gedeckt werden kann. Unterstützt wurde die Entwicklung auch aufgrund des Kaufverhaltens der Konsumenten. Das Verlangen nach billigen Produkten in großen Mengen führte dazu, dass etliche Kleinbetriebe auf dem Markt nicht standhalten konnten.
Die idyllische Vorstellung, dass Nutztiere frei lebend auf Weiden anzutreffen sind, entspricht nicht mehr der Realität und ist nur noch die Ausnahme. Nutztiere leben heutzutage in Agrarfabriken, erblicken nie das Tageslicht und müssen in rekordverdächtigen Zeiten wachsen, zunehmen und produzieren. Doch darf der Mensch Nutztiere unter solchen Gegebenheiten gebrauchen, ist das ethisch vertretbar und ist das Leiden der Tiere für das Wohlergehen der Menschen zu verantworten?
Im Rahmen dieser Arbeit werden diverse ethische Aspekte mit Fokus auf die Massentierhaltung aufgezeigt und diskutiert. Zur Einführung in das Themengebiet wird die wissenschaftliche Seite dargestellt, im Anschluss werden rechtliche Aspekte angesprochen, die aufzeigen, welche Stellung das Tier im deutschen Rechtsystem einnimmt und welche Vorschriften auf EU-Ebene für die Haltung derzeit festgelegt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Massentierhaltung aus wissenschaftlicher Sicht
2.1 Einführung in das Themengebiet Massentierhaltung
2.1.1 Fakten zu der Massentierhaltung
2.1.2 Wirtschaftsfaktor Tier
2.2 Aktuelle Tendenzen
3 Massentierhaltung aus rechtlicher Sicht
3.1 Das Tierrecht in der deutschen Gesetzgebung
3.1.1 Das Tierschutzgesetz
3.1.2 Begriff Massentierhaltung im rechtlichen Kontext
3.1.3 Aktuelle Gegebenheiten
3.2 Das Tierrecht in der europäischen Gesetzgebung
3.2.1 Tierschutz im landwirtschaftlichen Betrieb auf EU-Ebene
4 Die Massentierhaltung aus ethischer Sicht
4.1 Ethische Grundprinzipien und Wertekonflikte
4.1.1 Mensch-Mensch-Interessenkonflikt
4.1.2 Mensch-Tier-Interessenkonflikt
4.1.3 Dualismus in der Alltagsmoral
4.1.4 Die Goldene Regel
4.2 Normative Betrachtung
4.2.1 Kants Bestimmung des Tieres
4.2.2 Kants Bestimmung des Menschen
4.2.3 Rechtfertigung der Massentierhaltung
4.2.4 Kritik an der Betrachtung des Tieres nach Kant:
4.3 Massentierhaltung aus utilitaristischer Sicht
4.3.1 Das Tier aus utilitaristischer Sicht
4.3.2 Kritik an der utilitaristischen Sicht
4.4 Die Massentierhaltung aus diskursethischer Sicht
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Ziel der vorliegenden Studienarbeit ist eine fundierte ethische Analyse der Massentierhaltung, wobei untersucht wird, ob die gegenwärtige intensive Form der Nutztierhaltung unter Berücksichtigung wissenschaftlicher, rechtlicher und ethischer Perspektiven vertretbar ist.
- Ethische Begründungsmuster der Massentierhaltung
- Verhältnis von Mensch und Tier in der Ethik
- Rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland und der EU
- Interessenkonflikte zwischen menschlichem Konsumverhalten und Tierwohl
- Normative und utilitaristische Perspektiven auf das Tier
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Mensch-Mensch-Interessenkonflikt
Dieser Interessenkonflikt besteht zwischen dem Bedürfnis, tierische Produkte kostengünstig, in großer Anzahl zu erhalten und einer Reihe ökonomischer, ökologischer sowie gesundheitlicher Folgen für Menschen, die in der Massentierhaltung ihre Ursache haben.
Cord Riechelmann schreibt in die ZEIT:
Die Sphären von Mensch und Tier sind spätestens seit der industriellen Revolution nicht mehr getrennt. Riesige Tierpopulationen werden geboren, leben und sterben unter der Aufsicht des Menschen und zu seinen Bedingungen. Es gibt keine nennenswerte Bedrohung von wilden Tieren. Es ist allerdings so, dass wir mit den Tieren auch die Krankheiten züchten, die dann auf uns zurückschlagen. Was wir mit den Tieren tun, das ernten wir früher oder später.
In diesem Abschnitt seines Artikels warnt Riechelmann vor den Konsequenzen, die den Mensch durch die intensive Tierhaltung treffen können. Er nimmt Bezug auf ein erhöhtes Risiko von Epidemien, denn die oftmals unhygienischen Bedingungen der Massentierhaltung sowie beispielsweise der Zusatz von Antibiotika im Tierfutter begünstigen die Ausbreitung resistenter Erreger wie Tuberkulose. Gleichzeitig birgt die Konzentrierung vieler Tiere auf engem Raum eine erhöhte Gefahr von Tierseuchen wie Schweinepest, MKS, BSE und H5N1, die sich schlimmstenfalls mit aggressiven, auf den Menschen übertragbaren Erregern kreuzen könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des hohen Fleischkonsums in Deutschland ein und skizziert die wissenschaftlichen, rechtlichen und ethischen Fragestellungen der Arbeit.
2 Massentierhaltung aus wissenschaftlicher Sicht: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Massentierhaltung, präsentiert Fakten zu den verschiedenen Tierarten und diskutiert den Wirtschaftsfaktor Tier sowie aktuelle Tendenzen.
3 Massentierhaltung aus rechtlicher Sicht: Hier werden das deutsche Tierschutzgesetz und europäische Richtlinien analysiert, wobei kritisch hinterfragt wird, inwieweit diese Gesetze den Schutz der Tiere tatsächlich gewährleisten.
4 Die Massentierhaltung aus ethischer Sicht: Das Kernstück der Arbeit untersucht moralische Wertekonflikte, beleuchtet die Tierhaltung aus der Perspektive von Kant und utilitaristischen Ansätzen und diskutiert die Problematik diskursethisch.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine nachhaltige Initiative zur Abkehr von der Massentierhaltung und eine stärkere moralische Berücksichtigung von Tieren.
Schlüsselwörter
Massentierhaltung, Tierethik, Tierschutzgesetz, Nutztiere, Mensch-Tier-Interessenkonflikt, Utilitarismus, Normative Ethik, Fleischkonsum, Agrarfabriken, Diskursethik, Tierwohl, Konsumentenverhalten, Antibiotikaresistenz, Speziesismus, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Massentierhaltung und fragt, ob diese industrielle Form der Tierhaltung unter ethischen Aspekten vertretbar ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die wissenschaftliche Definition der Intensivhaltung, den rechtlichen Rahmen in Deutschland und der EU sowie die ethische Bewertung durch verschiedene philosophische Strömungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Konflikt zwischen dem menschlichen Bedürfnis nach billigen tierischen Produkten und dem Leid der Tiere aufzuzeigen und zu erörtern, ob eine ethische Rechtfertigung der Massentierhaltung möglich ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die verschiedene wissenschaftliche Fakten, gesetzliche Bestimmungen und ethische Theorien (wie Kant und Utilitarismus) zusammenführt und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme, eine Analyse der rechtlichen Stellung der Tiere sowie eine eingehende philosophische Untersuchung der ethischen Grundprinzipien und Wertekonflikte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Massentierhaltung, Tierethik, Mensch-Tier-Interessenkonflikt, Tierschutzgesetz, Utilitarismus und Kants normative Ethik.
Wie bewertet Kant die Nutzung von Tieren in der Massentierhaltung?
Nach Kant haben Tiere keine Autonomie und dienen dem Menschen als Mittel zum Zweck; ihr Schutz ist lediglich indirekt geboten, um eine Verrohung des Menschen zu vermeiden.
Welchen Ansatz verfolgt Peter Singer in Bezug auf die Tierhaltung?
Singer argumentiert utilitaristisch und lehnt den Speziesismus ab, wobei er fordert, die Leidensfähigkeit der Tiere moralisch gleichberechtigt in die Abwägung einzubeziehen.
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- Cornelia Mayer (Author), 2007, Ist Massentierhaltung ethisch vertretbar? Diskussion rechtlicher und ethischer Aspekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83183