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Bewusstsein und Willensfreiheit. Wolf Singers Determinismus

Title: Bewusstsein und Willensfreiheit. Wolf Singers Determinismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Kristian Kloth (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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„Der Stachel sitzt tief, den Hirnforscher in unsere Kopfhaut getrieben haben.“ Die Thesen dieser Hirnforscher, allen voran Gerhard Roth und Wolf Singer, wurden viel in den öffentlichen Medien diskutiert. Falls sie mit ihren Theorien Recht behalten, stellt ihre Denkweise eine Revolution des Menschenbildes dar. Es geht um folgendes: „Notwendige Voraussetzung für einen selbstinitiierenden Willen ist ein Bewusstsein, das nicht nur eine Folge körperlicher Vorgänge ist.“ Genau hier setzt der Angriff der Hirnforscher an. Wolf Singer, dessen Theorie ich in dieser Arbeit darstellen und diskutieren möchte, behauptet, dass das Bewusstsein vollkommen determiniert ist und somit der freie Wille eine bloße Illusion ist. Damit berührt das Thema die „Wurzel unserer Ansichten über die Natur des Menschen und darüber, welche Beziehungen wir zum Universum und den Naturgesetzen unterhalten.“
Einsprüche und Kritik gegen die Theorien der Hirnforscher kamen vor allem aus den Reihen der Philosophen, z.B., um nur zwei zu nennen, von Peter Bieri und John R. Searle. Doch auch andere Wissenschaften, wie die Geschichts- und Rechtswissenschaft, und auch die Psychologie, beteiligten sich an dem Diskurs. Die Kritik richtete sich z.B. an die theoriestützenden Experimente und Messverfahren der Hirnforscher, an die Sprachwahl, mit denen die Ergebnisse verfasst wurden, und an die Deutungen selbst. Dabei haben die Naturwissenschaften noch gar keine eindeutigen Beweise für das, was sie behaupten, sondern nur Indizien. Singer selbst beschreibt den Forschungsstand so: Es „lässt sich lückenlos nachvollziehen, wie Umweltreize in neuronale Aktivität umgesetzt werden, wie es zur Definition von Merkmalen und Kategorien kommt, wo welche Leistungen erbracht werden, wie sich Veränderungen in der Aufmerksamkeit neuronal manifestieren und welche Schritte bei der Programmierung von motorischen Aktionen durchlaufen werden. Noch ungelöst sind Fragen nach der Struktur der invarianten Repräsentationen von Wahrnehmungsobjekten, nach den Vorgängen bei Entscheidungsprozessen und nach den Mechanismen, die emotionale Bewertung vornehmen.“ Singer hält es aber für möglich, dass diese Fragen mit der gleichen Forschungsstrategie beantwortet werden können und dass man dann alle Hirnleistung – also auch das Bewusstsein – auf neuronale Wechselwirkungen reduzieren kann.
In dieser Arbeit möchte ich zuerst Singers Theorie beleuchten und danach auf die angesprochenen Kritikpunkte eingehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wolf Singers biologischer Determinismus

2.1. Wolf Singers Theorie

2.2. Die Evolution des Bewusstseins

2.3. Vom Bewusstsein zum Selbstbewusstsein

2.4. Das Bindungsproblem

3. Diskussion

3.1. Allgemeine Bedenken zu Singers Bewusstseinstheorie

3.2. Bedenken an den theoriestützenden Verfahren der Neurowissenschaften

3.3. Was sich überhaupt im Gehirn finden lässt – über Kategorienfehler

3.4. Determinismus vs. Indeterminismus

4. FAZIT

5. Literaturliste

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht die von Wolf Singer vertretene Position eines biologischen Determinismus, welche den freien Willen als bloße Illusion betrachtet. Im Zentrum der Analyse steht die kritische Auseinandersetzung mit der neurobiologischen Reduktion des Bewusstseins und die Frage, ob moderne neurowissenschaftliche Experimente tatsächlich als empirischer Beweis gegen die menschliche Willensfreiheit herangezogen werden können.

  • Biologischer Determinismus nach Wolf Singer
  • Evolutionäre Entwicklung von Bewusstsein und Selbstbewusstsein
  • Kritische Analyse neurowissenschaftlicher Mess- und Bildgebungsverfahren
  • Die Problematik von Kategorienfehlern in der Hirnforschung
  • Determinismus versus Indeterminismus im Kontext der Willensfreiheit

Auszug aus dem Buch

2.4. Das Bindungsproblem

Es gibt im Gehirn kein postuliertes Konvergenzzentrum, in dem die vielfältigen, parallel ablaufenden Analyseprozesse aus den verschiedenen Großhirnrindearealen zusammengefasst und interpretiert (z. B. mit gespeicherten Inhalten verglichen) werden, wo sich letztlich auch das „Ich“ konstituieren würde. Das Bindungsproblem bezeichnet jetzt genau die Frage danach, wie dann eine einheitliche Interpretation der Umwelt, wie eine Entscheidung getroffen und letztendlich auch wie ein koordiniertes Verhaltensmuster möglich wird.29 „Kognitive Systeme müssen in der Lage sein, komplexe Anordnungen von Merkmalen zu distinkten, perzeptuellen Objekten zu gruppieren“30, und zwar so, dass nachfolgende Verarbeitungsstrukturen diese als zusammengehörig identifizieren können und gemeinsam bearbeiten. Hierfür eignet sich besonders gut die zeitliche Synchronisation der Neuronen, da die so weitergeleiteten Signale auch über mehrere Verarbeitungsebenen klar gekennzeichnet sind. Das Gehirn nutzt die „zeitliche Dimension als Kodierungsraum […] und präzise zeitliche Synchronisation als Code für die Zusammengehörigkeit neuronaler Antworten“31. Sollte diese These stimmen, würde das heißen, dass neuronale Aktivitäten die eine zeitliche Kohärenz aufweisen zu bewusster Wahrnehmung führen.

Dies lässt sich nach Singer im Gehirn beobachten. Damit wären nach Singer aber nur die notwendigen Randbedingungen erfüllt, die das Bewusstsein ermöglichen. Die Attribute die „den speziellen ontologischen Status der Erfahrung ausmachen, ein bewusstes, autonomes, frei agierendes Selbst zu sein“32 wären nicht geklärt. Die Erfahrungsinhalte wären nicht aus dem gegenwärtigen Reizgeschehen heraus erklärbar, weil sie „eine Geschichte haben, die ihrerseits auf dem Diskurs von Menschen beruht, die in eine gemeinsame kulturhistorische Tradition eingebunden sind.“33 Somit hält Singer noch weitere Faktoren für ausschlaggebend, um die Handlungen und Gedanken der Menschen hervorzurufen – zu determinieren. Bei jedem einzelnen Menschen sind lediglich die Herkunft dieser determinierenden Kräfte und ihre Verhandlung verschieden: „Genetische Faktoren, frühe Prägungen, soziale Lernvorgänge und aktuelle Auslöser, zu denen auch Befehle, Wünsche und Argumente anderer zählen, wirken stets untrennbar zusammen und legen das Ergebnis fest, gleich, ob sich Entscheidungen mehr unbewusst oder bewussten Motiven verdanken.“34 Das Zusammenspiel dieser Faktoren führt zu Singers Schlussfolgerung, dass der Mensch nicht anders kann, als er ist. Der Mensch ist also vollkommen durch seine spezifischen biologischen und kulturellen Variablen determiniert und handelt nach ihnen. Der freie Wille ist nur eine Illusion.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Debatte um den biologischen Determinismus ein und stellt die Thesen von Wolf Singer in den Kontext der philosophischen und wissenschaftlichen Kritik.

2. Wolf Singers biologischer Determinismus: Das Kapitel erläutert Singers Theorie über die Evolution des Gehirns, die Rolle der Großhirnrinde und die Entstehung von Bewusstsein sowie Selbstbewusstsein.

3. Diskussion: Dieser Hauptteil analysiert kritisch die epistemologischen Grundlagen, die methodischen Ansätze der Hirnforschung und die philosophischen Einwände gegen eine rein deterministische Weltsicht.

4. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass die Reduktion des Geistes auf neuronale Vorgänge die Komplexität des menschlichen Handelns nicht vollständig erfassen kann und ein freier Wille als wissenschaftliche Option bestehen bleibt.

5. Literaturliste: Die Literaturliste dokumentiert die verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Diskussionsbeiträge.

Schlüsselwörter

Bewusstsein, Willensfreiheit, Determinismus, Wolf Singer, Neurowissenschaft, Großhirnrinde, Bindungsproblem, Kategorienfehler, Leib-Seele-Problem, Evolution, Mentale Phänomene, Selbstbewusstsein, Indeterminismus, Kausale Verursachung, Hirnforschung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem von Wolf Singer vertretenen biologischen Determinismus und dessen Implikationen für unser Verständnis der menschlichen Willensfreiheit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die neurobiologische Evolution des Bewusstseins, die Methodik neurowissenschaftlicher Experimente, das Leib-Seele-Problem sowie die philosophische Auseinandersetzung mit der menschlichen Autonomie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Singers Theorie darzustellen und einer kritischen philosophischen Diskussion zu unterziehen, insbesondere hinsichtlich der Frage, ob der freie Wille tatsächlich als bloße Illusion entlarvt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Arbeit, die eine Literaturanalyse und eine kritische Auseinandersetzung mit theoretischen sowie experimentellen Positionen der Neurobiologie betreibt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse von Singers Theorien, den methodischen Bedenken gegenüber neurobiologischen Bildgebungsverfahren und der Kritik an der Vermischung von Beschreibungsebenen (Kategorienfehler).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Bewusstsein, Willensfreiheit, Determinismus, Neurobiologie, Selbstbewusstsein und Kategorienfehler.

Wie löst das Gehirn laut Singer das Bindungsproblem?

Singer schlägt die zeitliche Synchronisation von neuronalen Aktivitäten als Mechanismus vor, um komplexe Merkmale zu distinkten Wahrnehmungsobjekten zu gruppieren.

Was ist der Kern des "Kategorienfehlers" in Bezug auf die Hirnforschung?

Der Kategorienfehler besteht darin, dass naturwissenschaftliche Beschreibungen des Gehirns (Dritte-Person-Perspektive) unzulässig mit mentalen Phänomenen oder dem Erleben der Ersten-Person-Perspektive gleichgesetzt werden, ohne die unterschiedlichen ontologischen Ebenen zu berücksichtigen.

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Details

Title
Bewusstsein und Willensfreiheit. Wolf Singers Determinismus
College
University of Hamburg  (Seminar für Philosophie und Geschichtswissenschaft)
Course
Bewusstsein
Grade
1,7
Author
Kristian Kloth (Author)
Publication Year
2006
Pages
22
Catalog Number
V83192
ISBN (eBook)
9783638898898
ISBN (Book)
9783638905077
Language
German
Tags
Bewusstsein Willensfreiheit Wolf Singers Determinismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kristian Kloth (Author), 2006, Bewusstsein und Willensfreiheit. Wolf Singers Determinismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83192
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