Als der junge Lessing 1746 von der Meißener Fürstenschule St. Afra nach Leipzig kam, hatte er schon die ersten Seiten zu seinem „Jungen Gelehrten“ im Gepäck. Für den jungen Mann stand eine aufregende, neue Zeit bevor, die ihn in seiner Kreativität entscheidend vorantreiben sollte. Im Falle der Jugendkomödie über den jungen Gelehrten Damis lässt sich allerdings noch der Einfluss bereits existierender Dramen, wie etwa Ludvig Holbergs „Erasmus Montanus“ und Johann Elias Schlegels „Der geschäftige Müßiggänger“ erkennen. Zwar kann man folgendes ohne weiteres fest-halten: „Auch Lessings frühe Lustspiele entstanden noch unter dem Einfluß der auto-ritativen Gottschedschen Theorie“ , dennoch lassen sich starre dramentheoretische Einordnungen wohl eher schwer manifestieren, was unter anderem in dieser Hausar-beit dargestellt werden soll. Denn gerade bei der intensiven Auseinandersetzung mit dem „Jungen Gelehrten“ stößt man auf Forschungsmeinungen, die nicht gravierend, aber trotzdem gelegentlich voneinander abweichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhalt und Aufbau
3. Personal der Komödie
3.1 Damis
3.2 Chrysander
3.3 Valer
3.4 Juliane
3.5 Lisette
3.6 Anton
4. „Der junge Gelehrte“ im Spiegel der Zeit
4.1 Ist Damis wirklich die typische Komödienfigur?
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht Gotthold Ephraim Lessings Jugendkomödie „Der junge Gelehrte“ im Hinblick auf ihre dramentheoretische Einordnung und analysiert, inwieweit das Stück mit zeitgenössischen Konventionen bricht oder diese adaptiert.
- Charakterisierung des handelnden Personals und deren Funktion im komödiantischen Kontext
- Analyse von Lessings Umgang mit der zeitgenössischen Komödientheorie, insbesondere der Gottschedschen Vorgaben
- Untersuchung der satirischen Elemente und der Darstellung von Gelehrsamkeit
- Erörterung der Entwicklung der Titelfigur Damis und dessen Scheitern
- Einordnung des Stückes in den Übergang von der Typenkomödie zum ernsten Lustspiel
Auszug aus dem Buch
3.1 Damis
Der Protagonist Damis ist ein zwanzigjähriger, junger Mann, der sich in seiner Art und seinem Wesen nicht dem Alter entsprechend verhält. Seine Interessen sind voll und ganz auf die Wissenschaft fixiert, von Romantik oder gar Liebe hält er nichts. Dementsprechend stoßen die Heiratspläne seines Vaters bei ihm auf wenig Interesse, mit der Ausnahme, dass es seiner Karriere und seinem Ruhm als Gelehrter förderlich sein könnte. „Ich will die Zahl der unglücklich scheinenden Gelehrten, die sich mit bösen Weibern vermählt haben, vermehren“ erläutert er im zweiten Aufzug, als er sich dazu genötigt sieht, Juliane doch zu heiraten. Selbst als sich die Situation so ändert, dass für Chrysander eine Heirat nicht mehr finanziell lohneswert wäre, hält Damis an seinem Plan fest, als gelehrter Märtyrergemahl in die Geschichte einzugehen: „[…]daß eine böse Frau mir helfen soll, meinen Ruhm unsterblich zu machen.“ Dazu bemerkt Wolfgang Martens, dass ihm das „gelehrtengeschichtlich einen Platz in der Reihe der „Gelehrten mit Hauskreuz“ sichern werde, einen ehrenvollen Platz, denn bekanntlich führt Sokrates diese Reihe an.“
Damis leidet in seiner Selbstreflexion an großer Eitelkeit und Überschätzung: „Ein Gelehrter, wie ich es bin, ist für die ganze Welt; er ist ein Kosmopolit: er ist eine Sonne, die den ganzen Erdball erleuchten muß – –“ Er ist dabei egozentrisch und versteckt sich hinter seinen Büchern, die ihm nach außen den Anschein eines wahren Gelehrten geben sollen. Zweifelsohne liest Damis auch viele Bücher, denn er weiß zu allem etwas zu sagen. Ob er sie aber in ihrer Tiefe erfasst hat, kann bezweifelt werden, denn in erster Linie geht es ihm um das prahlerische Bild, über jedes Thema umfassend bescheid zu wissen. Der junge Mann gibt ein Beispiel für falsche und oberflächliche Gelehrsamkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Titelfigur Damis ein und umreißt den Forschungsstand sowie die Rezeptionsgeschichte der Komödie.
2. Inhalt und Aufbau: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Inhalt des Stückes, die Uraufführungsumstände und die biografische Einbettung durch Lessing.
3. Personal der Komödie: Hier werden die sechs agierenden Figuren einzeln analysiert und ihre jeweilige Funktion innerhalb der komödiantischen Struktur dargelegt.
4. „Der junge Gelehrte“ im Spiegel der Zeit: Das Kapitel untersucht das Stück vor dem Hintergrund zeitgenössischer Dramentheorien und Lessings Abweichungen von der Gottschedschen Konvention.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet das Jugendwerk als einen wichtigen Grundstein für Lessings späteres literarisches Schaffen ein.
Schlüsselwörter
Gotthold Ephraim Lessing, Der junge Gelehrte, Jugendkomödie, Typenkomödie, Gelehrtensatire, Damis, Aufklärung, Dramentheorie, Johann Christoph Gottsched, Komödie, Charakterspiel, Literaturgeschichte, Theaterwissenschaft, 18. Jahrhundert, Lustspiel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Lessings frühes Lustspiel „Der junge Gelehrte“ im Hinblick auf seine dramentheoretische Einordnung im Kontext des 18. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die satirische Darstellung von Gelehrsamkeit, die Funktion der Charaktere innerhalb der Typenkomödie sowie Lessings Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Konventionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Status des Werkes als Übergangsform zwischen konventioneller Typenkomödie und ernstem Lustspiel zu bestimmen und Lessings frühe literarische Ambitionen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die das Werk durch den Vergleich mit Dramentheorien der Zeit sowie durch die Interpretation von Forschungsmeinungen einordnet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Charakterisierung der Figuren sowie eine Untersuchung des Werkes im zeitgenössischen Kontext der Dramentheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lessing, Gelehrtensatire, Aufklärung, Typenkomödie, Damis und dramentheoretische Einordnung.
Welche Rolle spielt die Titelfigur Damis im Stück?
Damis dient als parodierte Darstellung eines weltfremden Gelehrten, dessen übersteigertes Ego und falsches Bildungsideal die zentrale satirische Projektionsfläche bilden.
Warum scheitert Damis am Ende des Stückes?
Damis scheitert, da er unfähig ist, sich der Realität anzupassen; sein Scheitern markiert eine bewusste Abkehr Lessings von der klassischen, leicht lösbaren Komödienstruktur.
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- M.A. Florian Schneider (Author), 2004, Lessings Jugendkomödie „Der junge Gelehrte“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83197