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Serienmörder in Literatur und Film

Title: Serienmörder in Literatur und Film

Thesis (M.A.) , 2007 , 126 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: M.A. Florian Schneider (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Literatur, die Verbrechen zum Gegenstand hat, gibt es, seitdem Menschen versuchen, diese Thematik künstlerisch zu verarbeiten. Reduziert auf den Begriff des Verbrechens lassen sich unzählige Beispiele in der Weltliteratur finden: In der Antike hat Sophokles mit König Ödipus einen Vatermörder zum Protagonisten gemacht, in den Götter- und Heldensagen der Wikinger und Griechen wird gemordet, Shakespeare, Dostojewski und Schiller schicken Verbrecher, Verräter, Räuber und Mörder ins Rennen. Richard Alewyn nennt bspw. den Tod Abels im vierten Kapitel des ersten Buch Moses »den ältesten und berühmtesten Kriminalfall«. So lassen sich unzählige Beispiele finden, die das Verbrechen als spannungsförderndes und unterhaltendes Element und damit auch zum literarischen Gegenstand haben.
Dass sich Literatur und Film explizit mit Serienmördern beschäftigen, ist hingegen eine Entwicklung der neueren Zeit. Dennoch hat gerade dieses Motiv vor allem in den letzten Jahrzehnten Konjunktur; kein Tag, an dem nicht in irgendeinem TV-Krimi oder einer Fernsehserie Serienkiller gejagt werden, kein Jahr, in dem nicht diverse Kriminalromane über Serienmorde erscheinen. Die Anzahl ist kaum mehr zu überblicken, die Zahl in der Literatur ist nicht mehr zu beziffern und selbst im Alltag drängt sich das Thema Serienmord beinahe tagtäglich in die Medien. Dabei erlangen reale wie auch fiktive Serientäter nicht selten Kultstatus.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Serienmördern in Literatur und Film. Dass sich der Serienmord sowohl in Literatur als auch im Film etabliert hat, ist eine direkte Konsequenz aus der Entwicklung des Kriminalerzählungsgenres, das sich aus der Wiedergabe und Reproduktion tatsächlicher Begebenheiten entwickelt hat. Mit der Erforschung des Serienmords durch unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen, und hier vor allem durch die Kriminologie, aber auch durch die Soziologie und Psychologie, rückt dieses Phänomen immer stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft und damit auch in den Fokus der Autoren.
Mord – und insbesondere Serienmord – setzt Logik voraus. Nur wenn die Kriminalerzählung als solche logisch aufgebaut ist, kann sie (zufrieden stellend) gelöst werden. Wenn man also Logik unterstellt, muss es auch möglich sein, den Mord auf unterschiedliche logische und somit wissenschaftliche Verfahren zu untersuchen. Gibt es bspw. eine Verschiebung von der metaphysischen über die analytische hin zu einer hermeneutischen Fallaufklärung?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kriminalerzählung

2.1. Historischer Abriss

2.2. Der Kriminalroman und die Parallelen in Fotografie und Film

3. Der Serienmord als Gegenstand verschiedener Wissenschaftsdisziplinen

3.1. Serienmorde als Gegenstand kriminologischer Untersuchungen

3.2. Mythenbildung und Gesellschaftsbild

3.3. Serienmord als Gegenstand kulturwissenschaftlicher Untersuchungen

3.3.1. Die Semiotik(en) serieller Morde

3.3.2. Mord als kommunikativer Akt

3.3.3. Exkurs: Serienmord in der Kunst

3.3.4. Zusammenfassung

4. Serialität in den Medien

5. Das Fräulein von Scuderi

5.1. Die Giftmorde von Paris

5.2. Die Serienmorde René Cardillacs

5.2.1. Extern wahrnehmbare Hinweise und Indizien

5.2.2. Innere Motivation der Taten

5.2.3. Die Erläuterungen Brußons zum Mörder Cardillac

5.3. Psychologische Auflösung

5.4. Folgerungen und Zusammenfassung

6. M – Eine Stadt sucht einen Mörder

6.1. Einleitendes

6.2. Die Eingangssequenz: Vorbereitung auf die Einführung des Serienmörders

6.3. Die öffentliche Wahrnehmung des unbekannten Serienmörders

6.4. Polizei, Ringvereine und deren Ermittlungsverfahren

6.4.1. Die Parallelmontage von Gauner- und Polizeikonferenz

6.5. Die direkte Darstellung des Serienmörders Hans Beckert

6.6. Beckerts ›Gerichtsverhandlung‹

6.7. Gesellschaftskritische Zusammenfassung

7. Das Schweigen der Lämmer

7.1. Einleitendes

7.2. Exkurs: Die Bedeutungen der Namen

7.3. Clarice Starling

7.4. Hannibal Lecter

7.5. Jame Gumb alias Buffalo Bill

7.6. Ermittlungsmethoden

7.7. Resümee

8. Das Parfum

8.1. Einleitendes

8.2. Jean-Baptiste Grenouille Veranlagungen zum Mörder

8.2.1. Grenouilles Geburt und Kindheit

8.2.2. Der Mord an dem Mirabellenmädchen

8.2.3. Etablierung als »normaler« Mensch

8.2.4. Die Eremitage

8.3. Grenouilles Spezialisierung als Mörder in Grasse

8.3.1. Die 24 Mädchenmorde

8.3.2. Grenouilles Motivation

8.4. Richis’ Ermittlungen

8.5. Grenouille als Künstler, oder die schöne Kunst des Mordes

8.6. Grenouilles Entdeckung und Verurteilung

9. Fazit

9.1. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Serienmordes in Literatur und Film. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Werke sowohl die Geschichte und Entwicklung der Kriminalerzählung nachzuvollziehen als auch zu verdeutlichen, wie reale wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Mythenbildung das Bild des Serienmörders prägen und wie diese fiktiven Darstellungen wiederum Rückschlüsse auf gesellschaftliche Zustände zulassen.

  • Kultur- und literaturwissenschaftliche Analyse des Serienmordes
  • Darstellung und Rezeption von Serienmördern in Film und Literatur
  • Die Rolle wissenschaftlicher Ermittlungsmethoden in fiktiven Kriminalnarrativen
  • Der Serienmörder als semiotisches Phänomen und Spiegel der Gesellschaft
  • Vergleichende Untersuchung zwischen historischer Kriminalerzählung (E.T.A. Hoffmann) und modernen Kriminalmedien

Auszug aus dem Buch

3.1. Serienmorde als Gegenstand kriminologischer Untersuchungen

Die entscheidende Fragestellung muss deshalb sein, was den Serienmörder an sich charakterisiert: Was sind gemeinsame Merkmale und was zeichnen die Taten als Teil einer Serie aus? Die wichtigsten kriminologischen Erkenntnisse sollen hier zusammengefasst werden. Gemeinsam ist den Morden, dass sie auf mehr oder weniger ähnliche Weise geschehen; damit konstituieren sie sich auch erst offensichtlich zur Serie. Die Opfer sind ähnlich, auch wenn sie scheinbar willkürlich ausgesucht wurden. Ähnlich bedeutet in diesem Fall, dass sich die Täter in den meisten Fällen Opfer aus der gleichen sozialen Schicht suchen. Die Mordmotive sind irrational bzw. emotional begründet; Notwehr oder gleichartig gelagerte Motive scheiden aus.

In erster Linie sind die Täter Männer, auch wenn es vereinzelt weibliche Täter gibt. Vielfach nennt die Forschung hier als Grund, dass Frauen ihre sexuellen Zwänge in anderer Form ausleben und dass eine derart zur Schau gestellte brutale Gewalt, wie sie von männlichen Tätern praktiziert wird, nicht in der Natur der Frau angelegt sei. »Denn die Tat verstößt nicht nur gegen den moralischen Kodex der Gesellschaft, sondern auch gegen die traditionellen weiblichen Rollenbilder.« Gelegentlich treten auch Serienmörderpaare in Aktion. Dieses Phänomen sowie weibliche Täter wurden insbesondere in der letzten Zeit gerne von Literatur und Film aufgenommen.

Gemeinsam ist den Morden die brutal zur Schau gestellte Grausamkeit: Die Opfer werden vergewaltigt, verstümmelt, gefoltert, es werden Gliedmaßen abgetrennt und nekrophile Handlungen vorgenommen. Häufig hält der Täter das Verbrechen auf Fotos oder Video fest oder er behält Gegenstände seiner Opfer als Trophäe, indem er beispielsweise Körperteile mit nach Hause nimmt oder sie in der Nähe des Tatorts versteckt, um später zurückzukommen und die Tat und den daraus gezogenen Lustgewinn erneut zu erleben. In anderen Fällen kommt es zu Formen des Kannibalismus, wenn der Mörder einzelne Körperteile seines Opfers verspeist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Serienmörder in Literatur und Film ein und skizziert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.

2. Die Kriminalerzählung: Das Kapitel beleuchtet die Entwicklung des Genres der Kriminalerzählung und deren literaturwissenschaftliche Einordnung sowie die Abgrenzung zum Thriller.

3. Der Serienmord als Gegenstand verschiedener Wissenschaftsdisziplinen: Hier werden kriminologische, mythologische und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf den Serienmord untersucht, wobei insbesondere die Semiotik des Mordes und die Bedeutung von Sprache als Deutungsinstrument im Vordergrund stehen.

4. Serialität in den Medien: Dieses Kapitel analysiert das Konzept der Serialität in verschiedenen Medien und dessen Bedeutung für die Faszination und Wahrnehmung serieller Strukturen durch den Rezipienten.

5. Das Fräulein von Scuderi: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der Giftmordserie und der späteren Juwelenmordserie in E.T.A. Hoffmanns Erzählung sowie deren gesellschaftliche Einordnung.

6. M – Eine Stadt sucht einen Mörder: Das Kapitel widmet sich der filmischen Analyse von Fritz Langs Werk, wobei die Darstellung des Serienmörders Beckert und die gesellschaftliche Reaktion darauf untersucht werden.

7. Das Schweigen der Lämmer: Diese Untersuchung konzentriert sich auf die Darstellung der Serienmörder Hannibal Lecter und Buffalo Bill sowie deren unterschiedliche Motivationen und die Ermittlungsarbeit Clarice Starlings.

8. Das Parfum: Das Kapitel analysiert Patrick Süskinds Roman unter dem Aspekt des Serienmordes, wobei die Figur Grenouille als Sonderfall eines Mörders und Künstlers beleuchtet wird.

9. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und reflektiert die interdisziplinäre Natur der Erforschung des Serienmordes.

Schlüsselwörter

Serienmord, Kriminologie, Kriminalerzählung, Kulturwissenschaft, Semiotik, Serialität, Literaturwissenschaft, Filmanalyse, Mythenbildung, Täterprofil, Motivforschung, Indizienparadigma, Ermittlungsmethoden, Gesellschaftskritik, Gewalt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung und Wahrnehmung von Serienmördern in verschiedenen literarischen und filmischen Werken und untersucht, wie diese Fiktionen mit realen wissenschaftlichen Diskursen korrespondieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Kriminalerzählung, die kulturwissenschaftliche und kriminologische Einordnung von Serientätern, die Rolle der Medien bei der Mythenbildung sowie die Analyse spezifischer Fallbeispiele aus Literatur und Film.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich das Bild des Serienmörders in verschiedenen Werken wandelt und welche Rückschlüsse die künstlerische Darstellung auf gesellschaftliche Zustände und Erkenntnisprozesse zulässt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, die Elemente der Diskursanalyse, der Semiotik, der Filmanalyse sowie literaturwissenschaftliche Interpretationsmethoden kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden detaillierte Analysen von Werken wie E.T.A. Hoffmanns "Das Fräulein von Scuderi", Fritz Langs "M", Thomas Harris' "Das Schweigen der Lämmer" und Patrick Süskinds "Das Parfum" durchgeführt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Serienmord, Kriminologie, Kulturwissenschaft, Semiotik, Serialität, Mythenbildung und Filmanalyse charakterisieren.

Inwiefern spielt der Begriff der "Serialität" eine Rolle in der Untersuchung?

Der Begriff der Serialität ist zentral, da er nicht nur die Struktur der Morde beschreibt, sondern auch das wiederkehrende Prinzip in den Medien sowie die menschliche Faszination an diesen repetitiven Narrativen und deren ordnungsstiftende Funktion im Alltag analysiert.

Warum wählt der Autor neben dem modernen Film auch historische literarische Werke?

Die Auswahl historischer Werke wie "Das Fräulein von Scuderi" dient dazu, die Wurzeln und die Entwicklung des Serienmörder-Narrativs aufzuzeigen und zu demonstrieren, wie sich die Deutungsansätze von romantisch-mystischen hin zu rational-analytischen Konzepten verschoben haben.

Welche Rolle spielt die Gesellschaft bei der Entstehung des "Mythos" Serienmörder?

Die Gesellschaft ist laut der Arbeit sowohl durch ihre Ängste als auch durch ihre Sensationsgier maßgeblich an der Mythenbildung beteiligt, indem sie den Täter oft in ein mythisches Licht rückt (z.B. als "Monster" oder "Bestie"), um das Unbegreifliche der Taten rational oder moralisch zu überhöhen.

Excerpt out of 126 pages  - scroll top

Details

Title
Serienmörder in Literatur und Film
College
University Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft)
Grade
1,7
Author
M.A. Florian Schneider (Author)
Publication Year
2007
Pages
126
Catalog Number
V83210
ISBN (eBook)
9783638890830
ISBN (Book)
9783640860609
Language
German
Tags
Serienmörder Literatur Film
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Florian Schneider (Author), 2007, Serienmörder in Literatur und Film, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83210
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