Eugen Kogon: Die Herrschaft im KZ Buchenwald: Leitungsfunktionen, Arbeit, Strafsystem


Seminararbeit, 1999
16 Seiten, Note: 2+

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eugen Kogon: zur Person

3. Zweck der Konzentrationslager

4. Wer kam in die Konzentrationslager?

5. Organisation des Lagers: Häftlingsverwaltung und SS-Führung

6. Arbeit im Konzentrationslager

7. Strafanlässe und Strafen

8. Schlußbemerkung

9. Literatur

1. Einleitung

Wie war Herrschaft im Konzentrationslager angelegt? Diese Frage stellt sich zwangsläufig, will man das nationalsozialistische System der Konzentrationslager verstehen. Bevor weitere Zugänge oder Vergleiche, wie in unserem Seminar mit den sowjetischen GULags, möglich sind, muß deutlich werden, wie die SS ihre Lager organisiert hatte und welche Absichten sie wie zu erreichen suchte.

Das Ziel dieser Arbeit soll sein, anhand von Eugen Kogons Darstellung „Der SS-Staat“[1] am Beispiel des Lagers Buchenwald die Funktion der deutschen Konzentrationslager und die Herrschaftsmechanismen in ihnen zu untersuchen. Unter Hinzuziehung von weiteren systemischen Beschreibungen möchte ich versuchen, eine knappe Skizzierung der Konzentrationslager zu erreichen. Hierbei folge ich dem Aufbau meines Referates in der Seminarsitzung vom 26. November 1999.

Nach einer kurzen Biographie Kogons werden die Zwecke der nationalsozialistischen Konzentrationslagerlager und die Frage ‘Wer kam in die Konzentrationslager?’ im Mittelpunkt stehen, um einen ersten Zugang zur Funktion der KL im nationalsozialistischen System zu bekommen. Danach gilt das Augenmerk der Arbeit der Organisation des Lagers, wobei die Teilung in SS-Führung und in die sogenannte Häftlingsselbstverwaltung zu betrachten sein wird. Die Beschäftigung mit der Arbeit im Lager und dem Strafsystem als Instrumente der Herrschaft und des Terrors soll dann abschließend erfolgen.

2. Eugen Kogon: zur Person

Eugen Kogon wurde am 02. Februar 1903 in München geboren. Er heitatete 1927 und hatte drei Kinder (zwei Söhne, eine Tochter). Am 24. Dezember 1987 verstarb er an seinem letzten Wohnort Falkenstein/Ts.

Kogon wuchs in einem streng katholischen Elternhaus auf und genoß die Erziehung von Benediktinern, später von Dominikanern. Nach dem Studium der Nationalökonomie und der Soziologie an den Universitäten München, Florenz und Wien war er von 1927 bis 1934 bei der katholisch-konservativen Wochenzeitschrift „Schönere Zukunft“ in Wien beschäftigt. Gleichzeitig war er als Berater der Zentralkommission der christlichen Gewerkschaften tätig und gehörte dem Kreis um den Soziologen Othmar Spann an. Später wandte er sich von seiner damaligen politischen Haltung radikal ab und bezeichnete sie als eine Jugendsünde.

Mit der Übernahme der Stelle als Vermögensverwalter für das Haus Sachsen-Coburg-Cohary 1934 begann Kogons europaweite Reisetätigkeit, die ihn von Wien auch nach Deutschland führte, wo er 1937 zweifach wegen antinationalsozialistischer Aktivitäten verhaftet wurde. Nach dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich wurde Kogon am 12. März 1938 endgültig verhaftet und nach eineinhalbjähriger Untersuchungshaft schließlich im September 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert. Hier war er ab 1942 in der illegalen Häftlingsopposition tätig.

Als er am 12. April 1945 von den Alliierten befreit wurde, warben die Amerikaner ihn an, für die „Psychological Warfare Division“ des Alliierten Hauptquartiers Frankreich und Deutschland einen Bericht über „das System der deutschen Konzentrationslager“ anzufertigen. Kogon schrieb ihn aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen in Buchenwald und von Berichten anderer Überlebender und schloß ihn bereits nach wenigen Wochen ab. Im Winter 1945 arbeitete er den Bericht in das Buch „Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager“ um.

Zum Wirken Kogons in der Nachkrigszeit sei nur kurz erwähnt, daß er von 1951 bis 1968 als Professor für Politik an der TH Darmstadt lehrte und bis zu seinem Tod im Jahre 1987 als Publizist tätig war.[2]

3. Zweck der Konzentrationslager

Der Hauptzweck der KL war die Ausschaltung jedes wirklichen oder vermuteten Gegners der nationalsozialistischen Herrschaft. Absondern, diffamieren, entwürdigen, zerbrechen und vernichten - das waren die Formen, in denen Terror in Wirksamkeit trat. Je drastischer, um so besser, und je gründlicher, um so nachhaltiger. Dabei kam es nicht auf >Gerechtigkeit< an; lieber zehn Unschuldige hinter Stacheldraht setzen, als einen wirklichen Gegner aus dem Auge verlieren! Das hatte dann gleich die andere beabsichtigte Wirkung zur Folge: Abschreckung der neunzig Prozent. Auf solche Weise konnte man hoffen, jede Opposition von vorneherein im Keim zu ersticken […].“[3]

Kogon beschreibt in dieser Passage seiner Darstellung eine Doppelfunktion der Konzentrationslager, die von den Nationalsozialisten durchaus mit Bedacht entwickelt wurde. Zum einen verfolgte solch eine Politik die bedingungslose „Ausmerzung“ jeglicher Gegenbewegungen. Gleichsam wie Unkraut sollte mit Hilfe der Lager jeder Feind, bzw. jeder als solcher wahrgenommene, aus der Gesellschaft entfernt werden und Opposition demnach jeglicher Nährboden entzogen werden. Aufgrund dieser radikalen Vorgehensweise wurde gleichzeitig ein eventuelles Bedürfnis, sich öffentlich gegen die NS-Herrschaft aufzulehnen, genommen. Auch wenn viele es nicht wahrhaben wollten, oder später behaupteten, von den Lagern nichts gewußt zu haben, sah die Bevölkerung doch, daß Widerständler verschwanden. Dies im Verbund mit den allseits bekannten Gerüchten von Lagern mag sicherlich in weiten Teilen der Bevölkerung ausgereicht haben, erst gar nicht gegen das Regime gerichtete Gedanken zu äußern.

Kogon beschreibt aber noch drei weitere „Nebenziele“, die von der SS mit der Einrichtung der Lager verbunden wurden. Zum einen stellten die Konzentrationslager auch eine Ausbildungsstätte für die SS-Verbände dar, die dort, so Kogon, ihre „Härteausbildung“ erhielten. Weiterhin ließ sich die Idee der Häftlingsarbeit ideal mit wirtschaftlichen Interessen der SS verbinden, die mehr und mehr von der ihr zur Verfügung stehenden menschlichen Arbeitskraft profitierte. Das letzte Nebenziel, das Kogon im Zusammenhang mit der Zweckformulierung nennt, ist die Möglichkeit zur Durchführung wissenschaftlicher Experimente am Menschen in den Lagern.[4]

Auch Wolfgang Sofsky beschreibt die Konzentrationslager in diesem Sinne als „multifunktionale Einrichtungen. Sie dienten als Haft-, Produktions- und Exekutionsstätten, als Ausbildungszentren für die SS-Totenkopfverbände und als gesellschaftliches Terrorinstrument.“[5]

[...]


[1] Kogon, Eugen, Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager, 30. Aufl., München 1995.

[2] “Eugen Kogon“, in: Munzinger Internationales Biographisches Archiv - Personen aktuell, CD-Rom 06/88.

[3] Kogon, SS-Staat, S. 55-56.

[4] Vgl. ebenda, S. 56-58.

[5] Sofsky, Wolfgang, Die Ordnung des Terrors: Das Konzentrationslager, Frankfurt 1993, S. 22.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Eugen Kogon: Die Herrschaft im KZ Buchenwald: Leitungsfunktionen, Arbeit, Strafsystem
Hochschule
Universität Kassel  (FB 01/05)
Veranstaltung
Konzentrationslager und GULag. Vergleichende Studien.
Note
2+
Autor
Jahr
1999
Seiten
16
Katalognummer
V8323
ISBN (eBook)
9783638153164
ISBN (Buch)
9783656059790
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eugen, Kogon, Herrschaft, Buchenwald, Leitungsfunktionen, Arbeit, Strafsystem, Konzentrationslager, GULag, Vergleichende, Studien
Arbeit zitieren
Ralf Käcks (Autor), 1999, Eugen Kogon: Die Herrschaft im KZ Buchenwald: Leitungsfunktionen, Arbeit, Strafsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8323

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