ie war Herrschaft im Konzentrationslager angelegt? Diese Frage stellt sich zwangsläufig, will man das nationalsozialistische System der Konzentrationslager verstehen. Bevor weitere Zugänge oder Vergleiche, wie in unserem Seminar mit den sowjetischen GULags, möglich sind, muß deutlich werden, wie die SS ihre Lager organisiert hatte und welche Absichten sie wie zu erreichen suchte.
Das Ziel dieser Arbeit soll sein, anhand von Eugen Kogons Darstellung "Der SS-Staat" am Beispiel des Lagers Buchenwald die Funktion der deutschen Konzentrationslager und die Herrschaftsmechanismen in ihnen zu untersuchen. Unter Hinzuziehung von weiteren systemischen Beschreibungen möchte ich versuchen, eine knappe Skizzierung der Konzentrationslager zu erreichen. Hierbei folge ich dem Aufbau meines Referates in der Seminarsitzung vom 26. November 1999.
Nach einer kurzen Biographie Kogons werden die Zwecke der nationalsozialistischen Konzentrationslagerlager und die Frage ′Wer kam in die Konzentrationslager?′ im Mittelpunkt stehen, um einen ersten Zugang zur Funktion der KL im nationalsozialistischen System zu bekommen. Danach gilt das Augenmerk der Arbeit der Organisation des Lagers, wobei die Teilung in SS-Führung und in die sogenannte Häftlingsselbstverwaltung zu betrachten sein wird. Die Beschäftigung mit der Arbeit im Lager und dem Strafsystem als Instrumente der Herrschaft und des Terrors soll dann abschließend erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eugen Kogon: zur Person
3. Zweck der Konzentrationslager
4. Wer kam in die Konzentrationslager?
5. Organisation des Lagers: Häftlingsverwaltung und SS-Führung
6. Arbeit im Konzentrationslager
7. Strafanlässe und Strafen
8. Schlußbemerkung
9. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von Eugen Kogons Werk „Der SS-Staat“ am Beispiel des Lagers Buchenwald die Funktionsweise und die Herrschaftsmechanismen innerhalb nationalsozialistischer Konzentrationslager.
- Die Biographie und Rolle von Eugen Kogon als Zeitzeuge.
- Die primären Zwecksetzungen der Konzentrationslager durch die Nationalsozialisten.
- Die Kategorisierung und soziale Hierarchisierung der Häftlinge.
- Die Organisationsstruktur, insbesondere die Rolle der Häftlingsselbstverwaltung und der SS-Führung.
- Die Instrumentalisierung von Arbeit und Strafsystem zur Ausübung von Terror.
Auszug aus dem Buch
3. Zweck der Konzentrationslager
„Der Hauptzweck der KL war die Ausschaltung jedes wirklichen oder vermuteten Gegners der nationalsozialistischen Herrschaft. Absondern, diffamieren, entwürdigen, zerbrechen und vernichten - das waren die Formen, in denen Terror in Wirksamkeit trat. Je drastischer, um so besser, und je gründlicher, um so nachhaltiger. Dabei kam es nicht auf >Gerechtigkeit< an; lieber zehn Unschuldige hinter Stacheldraht setzen, als einen wirklichen Gegner aus dem Auge verlieren! Das hatte dann gleich die andere beabsichtigte Wirkung zur Folge: Abschreckung der neunzig Prozent. Auf solche Weise konnte man hoffen, jede Opposition von vorneherein im Keim zu ersticken [...].“
Kogon beschreibt in dieser Passage seiner Darstellung eine Doppelfunktion der Konzentrationslager, die von den Nationalsozialisten durchaus mit Bedacht entwickelt wurde. Zum einen verfolgte solch eine Politik die bedingungslose „Ausmerzung“ jeglicher Gegenbewegungen. Gleichsam wie Unkraut sollte mit Hilfe der Lager jeder Feind, bzw. jeder als solcher wahrgenommene, aus der Gesellschaft entfernt werden und Opposition demnach jeglicher Nährboden entzogen werden. Aufgrund dieser radikalen Vorgehensweise wurde gleichzeitig ein eventuelles Bedürfnis, sich öffentlich gegen die NS-Herrschaft aufzulehnen, genommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Zielsetzung der Untersuchung zur Herrschaftsstruktur in nationalsozialistischen Konzentrationslagern anhand der Quellen von Eugen Kogon.
2. Eugen Kogon: zur Person: Biographischer Abriss über den Soziologen und ehemaligen Buchenwald-Häftling, der nach 1945 das grundlegende Werk über das SS-Staat-System verfasste.
3. Zweck der Konzentrationslager: Analyse der von Kogon identifizierten Doppelfunktion: Ausmerzung von politischer Opposition sowie weitere Nebenziele wie Härteausbildung und wirtschaftliche Ausbeutung.
4. Wer kam in die Konzentrationslager?: Erläuterung der verschiedenen Häftlingskategorien und der fehlenden Homogenität innerhalb der durch die SS vorgenommenen Etikettierungen.
5. Organisation des Lagers: Häftlingsverwaltung und SS-Führung: Untersuchung der internen Machtstruktur, der Häftlingsselbstverwaltung und der Doppelunterstellung von Lagerabteilungen.
6. Arbeit im Konzentrationslager: Betrachtung der Arbeitszwänge als Mittel zur Tortur, Kosteneinsparung und wirtschaftlichen Sanierung der SS.
7. Strafanlässe und Strafen: Darstellung des undurchschaubaren Strafsystems und des psychologischen Drucks als Instrumente zur körperlichen und seelischen Zermürbung.
8. Schlußbemerkung: Zusammenfassende Betrachtung, wie die SS durch Dualismus, Kompetenzgerangel und Häftlingsrivalitäten eine einheitliche Opposition verhinderte.
9. Literatur: Verzeichnis der für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Konzentrationslager, Buchenwald, Eugen Kogon, Nationalsozialismus, SS, Häftlingsselbstverwaltung, Herrschaftssystem, Terror, Arbeitszwang, Strafsystem, Politische Häftlinge, Lagerhierarchie, Machtstruktur, Widerstand, Überwachung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herrschaftsmechanismen und die interne Struktur nationalsozialistischer Konzentrationslager unter besonderer Berücksichtigung des Lagers Buchenwald und der Schriften von Eugen Kogon.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Zweckbestimmung der Lager, die Kategorisierung der Häftlinge, die interne Organisation durch Häftlingsselbstverwaltung und SS-Führung sowie die Rolle von Arbeit und Strafsystem als Terrormittel.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Funktionsweise der deutschen Konzentrationslager und die Mechanismen, durch die die SS die Herrschaft über die Häftlinge ausübte, wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und den Vergleich systemischer Beschreibungen, vor allem basierend auf Eugen Kogons Werk „Der SS-Staat“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Lagerzwecks, die Einteilung der Inhaftierten, die Organisation der Verwaltung, die ökonomische Nutzung von Häftlingsarbeit und das System von Strafen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Konzentrationslager, Buchenwald, Kogon, SS, Häftlingsselbstverwaltung, Terror, Machtstruktur und Arbeit als Instrument der Herrschaft.
Welche Rolle spielt die Häftlingsselbstverwaltung laut Autor?
Die Häftlingsselbstverwaltung diente der SS dazu, die Häftlinge untereinander zu kontrollieren, Rivalitäten zu fördern und gleichzeitig den eigenen Verwaltungsaufwand zu minimieren.
Inwiefern beeinflusste das Strafsystem den psychologischen Zustand der Häftlinge?
Der psychologische Druck war oft gravierender als die körperliche Gewalt selbst, da das Wissen, jederzeit der Willkür der SS ausgeliefert zu sein, eine ständige Angst und emotionale Zerrüttung erzeugte.
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- Ralf Käcks (Author), 1999, Eugen Kogon: Die Herrschaft im KZ Buchenwald: Leitungsfunktionen, Arbeit, Strafsystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8323