Die Bedeutung der Schariah im Islam


Essay, 2007

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Einführung

Die Šarī’ah bereiten einigen Muslimen und Nicht-Muslimen große Probleme. In der Öffentlichkeit wird, insofern über die Šarī’ah geredet wird, diese in einem Atemzug mit Menschenrechtsverletzungen genannt. Sie sei verantwortlich für Hinrichtungen, für brutale Strafen und für Unterdrückung. Sie sei ein politisches Machtinstrument in muslimisch geprägten Staaten. Was ist die Šarī’ah überhaupt? Welchen Einfluss hat sie auf das Leben der Muslime? Welche religiöse Bedeutung besitzt sie im Islam? Gibt es gar positive Aspekte der Šarī’ah?

Die Šarī’ah, ein Versuch der Definition sowie Erläuterungen

Das Wort Šarī’ah شريعة )) wird in der Literatur u.a. mit den Ausdrücken „Weg zur Quelle (des Heils)“[1] oder „Wegweisung“[2] in Verbindung gebracht. Annemarie Schimmel betont in ihrem Buch „Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen. Der Islam“ z:B. die Übersetzung des Wortes Šarī’ah mit „gottgebenes Gesetz“ und den „Grundsinn“ der Šarī’ah als „der breite Weg“, um zu verdeutlichen, dass nur dieser „in der Wüste zur Wasserstelle führt“[3] Die Beachtung der Šarī’ah sei damit für den „Reisenden“ überlebenswichtig. Sie zitiert den Koran:

„Dann gaben wir die Šarī’ah in der Religion, folge ihr und nicht den Gelüsten der Unwissenden.“ (Sure 45, 18)

In ihrem Buch „Die Religion des Islam“ betont Schimmel ebenfalls die Übersetzung „Gesetz“ und definiert dort Šarī’ah als „die Gesamtheit der auf die Handlungen des Menschen bezüglichen Vorschriften Allahs“[4]

Rudi Paret dagegen übersetzt Šarī’ah dagegen mit „Ritus“[5]

„Hierauf haben wir dich in der Angelegenheit auf einen Ritus festgelegt.“ (Sure 45, 18)

Die Übersetzung in „The Noble Qur’an“ von Scheich-Abdullah as Samit, Frank Bubenheim und Dr. Nadeem Elyas übersetzt dagegen Šarī’ah mit „Richtung“[6]:

Hierauf haben Wir dich auf eine Richtung in der Angelegenheit (der Religion) festgelegt. So folge ihr und folge nicht den Neigungen derjenigen, die nicht Bescheid wissen.“ (Sure 45, 18)

Es lässt sich, insofern man die Übersetzungen „gottgebenes Gesetz“, „Ritus“ oder „Richtung“ betrachtet, sagen, dass die Šarī’ah ein religiöses Rechtssystem im Islam darstellt. Ziel der Sharia sei es, nicht vom „Irrwegen“ sich verleiten zu lassen, daher die Metapher mit der Tränke in der Wüste. Dieses Rechtssystem ist damit aber nicht als ein von Menschen verfasster Rechte- und Pflichtenkanon zu verstehen. Gott habe „seinen Willen im Gesetz offenbart“[7], durch den Koran. Als Rechtsquelle diene daher der heilige Qur’an, die Offenbarung Gottes durch den Erzengel Jibril, herab gesandt an den Propheten Muhammad. Die Šarī’ah sei daraufhin schließlich erweitert worden durch die Tradition, durch die Sunna, durch die Hadith-Sammlungen.[8]

Die Šarī’ah beinhaltet Anweisungen zum Verhalten des Menschen gegenüber Gott, gegenüber der Umwelt und sich selbst.[9] Daher wird die Šarī’ah auch als „Verwirklichung der Einheit vom Glaube und Handeln“[10] bezeichnet. Entsprechende menschliche Handlungen werden in der Šarī’ah klassifiziert.[11] Nach Khoury ist zu unterscheiden zwischen:

Pflichten bzw. Gebote ( فرض ‎ fard bzw. واجب ‎ wadjib).

Hierbei ist darauf zu achten, dass gottgegebene Pflichten erfüllt werden müssen, was mit Lob belohnt wird. Das Unterlassen einer Pflicht bzw. eines Gebots führt zur Strafe. Es existiert eine Differenzierung zwischen persönlichen Pflichten ( فرض العين‎ fard al-ayn), die jeder Muslim ausüben muss, und gesellschaftlichen Pflichten ( فرض الكفاية‎ fard al-kifāya „Pflicht des Genügeleistens“), bei denen es genügt, wenn einige Moslems und Muslime daran sich halten.[12] Zu der Pflichtenlehre des Moslems gehören die fünf „Säulen des Islams“[13], die auf der folgenden Seite dargestellt werden:

Das Glaubensbekenntnis ( شهادة šahāda)

Das Zeugnis der Muslimen lautet folgendermaßen:

أش ه د الا اله الا الله ومحمد رسول الله

„ašhadu allā ilāhu ill allāh wa-muhammad rasūl u-llāh“

„Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Gott (außer Allah) und Muhammad ist der Gesandte Gottes!“

Das Islam als Religion fordert damit den Glauben an den Monotheismus sowie an die Prophentschaft Mohmmads. Das Bekenntnis muss täglich gesprochen werden. Das Sprechen des Zeugnis gilt als Bekenntnis zur Religion des Islam und bindet jeden Menschen damit an den Islam. Also Moslem kann sich daher jeder nennen, der das Bekenntnis vor zwei Zeugen gesprochen hat.

[...]


[1] Vgl. Hoffmann:

[2] Vgl. Prenner:

[3] Vgl. Schimmel, 1998:

[4] Vgl. Schimmel, 1990:

[5] Vgl. Parret

[6] Vgl. as Samit, Bubenheim und Elyas

[7] Vgl. Schimmel, 1998:

[8] Ebd.

[9] Vgl. Hoffmann:

[10] Vgl. Tworuschka:

[11] Vgl. Khoury:

[12] Vgl. Schimmel, 1990:

[13] Vgl. Ohlig: S. 114-125

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Schariah im Islam
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die Grundlagen und Geschichte des Islam
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
10
Katalognummer
V83268
ISBN (eBook)
9783638893749
ISBN (Buch)
9783638894692
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
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Schlagworte
Schariah, Islam, Einführung, Grundlagen, Geschichte, Islam
Arbeit zitieren
Udo Lihs (Autor), 2007, Die Bedeutung der Schariah im Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83268

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