Die Šarī’ah bereiten einigen Muslimen und Nicht-Muslimen große Probleme. In der Öffentlichkeit wird, insofern über die Šarī’ah geredet wird, diese in einem Atemzug mit Menschenrechtsverletzungen genannt. Sie sei verantwortlich für Hinrichtungen, für brutale Strafen und für Unterdrückung. Sie sei ein politisches Machtinstrument in muslimisch geprägten Staaten. Was ist die Šarī’ah überhaupt? Welchen Einfluss hat sie auf das Leben der Muslime? Welche religiöse Bedeutung besitzt sie im Islam? Gibt es gar positive Aspekte der Šarī’ah?
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Die Šar’ah, ein Versuch der Definition sowie Erläuterungen
1. Pflichten bzw. Gebote (fard bzw. wadjib)
1.1. Das Glaubensbekenntnis (šahāda)
1.2. Das Gebet (ṣalāt)
1.3. Die Almosen (zakāt)
1.4. Das Fasten (ṣawm)
1.5. Die Pilgerfahrt nach Mekka (ḥaǧǧ)
2. Empfehlungen (mandūb oder mustahabb)
3. Erlaubnisse (mubāh)
4. Missbilligungen (makrūh)
5. Verbote (ḥarām)
Die fiqh und die Rechtsschulen des Islam
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die religiöse und rechtliche Bedeutung der Šar’ah im Islam, um ihr Wesen als religiöses Rechtssystem von der öffentlichen Wahrnehmung als rein politisches Machtinstrument abzugrenzen.
- Definition und etymologische Herleitung der Šar’ah
- Klassifizierung menschlicher Handlungen im islamischen Recht
- Analyse der fünf Säulen des Islam als Teil der Pflichtenlehre
- Darstellung der verschiedenen islamischen Rechtsschulen (Fiqh)
- Unterscheidung zwischen religiöser Lebensführung und staatlicher Gesetzgebung
Auszug aus dem Buch
Die Šar’ah, ein Versuch der Definition sowie Erläuterungen
Das Wort Šar’ah (شريعة) wird in der Literatur u.a. mit den Ausdrücken „Weg zur Quelle (des Heils)“ oder „Wegweisung“ in Verbindung gebracht. Annemarie Schimmel betont in ihrem Buch „Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen. Der Islam“ z.B. die Übersetzung des Wortes Šar’ah mit „gottgebenes Gesetz“ und den „Grundsinn“ der Šar’ah als „der breite Weg“, um zu verdeutlichen, dass nur dieser „in der Wüste zur Wasserstelle führt“. Die Beachtung der Šar’ah sei damit für den „Reisenden“ überlebenswichtig. Sie zitiert den Koran:
„Dann gaben wir die Šar’ah in der Religion, folge ihr und nicht den Gelüsten der Unwissenden.“ (Sure 45, 18)
In ihrem Buch „Die Religion des Islam“ betont Schimmel ebenfalls die Übersetzung „Gesetz“ und definiert dort Šar’ah als „die Gesamtheit der auf die Handlungen des Menschen bezüglichen Vorschriften Allahs“.
Rudi Paret dagegen übersetzt Šar’ah dagegen mit „Ritus“.
„Hierauf haben wir dich in der Angelegenheit auf einen Ritus festgelegt.“ (Sure 45, 18)
Die Übersetzung in „The Noble Qur’an“ von Scheich-Abdullah as Samit, Frank Bubenheim und Dr. Nadeem Elyas übersetzt dagegen Šar’ah mit „Richtung“:
„Hierauf haben Wir dich auf eine Richtung in der Angelegenheit (der Religion) festgelegt. So folge ihr und folge nicht den Neigungen derjenigen, die nicht Bescheid wissen.“ (Sure 45, 18)
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung beleuchtet die problematische öffentliche Wahrnehmung der Šar’ah im Kontext von Menschenrechten und stellt die grundlegende Forschungsfrage nach ihrer Bedeutung im Leben der Muslime.
Die Šar’ah, ein Versuch der Definition sowie Erläuterungen: Dieses Kapitel definiert die Šar’ah als religiöses Rechtssystem, das auf Offenbarung basiert, und unterteilt menschliches Handeln in fünf Kategorien von Geboten bis Verboten.
Die fiqh und die Rechtsschulen des Islam: Hier werden die verschiedenen islamischen Rechtsschulen vorgestellt, die sich aus der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Šar’ah entwickelt haben.
Fazit: Die Schlussbetrachtung differenziert zwischen der Šar’ah als privatem Weg zum Glauben und der problematischen Instrumentalisierung als starre staatliche Gesetzgebung.
Schlüsselwörter
Šar’ah, Islam, Religionswissenschaft, Fiqh, Rechtsschulen, Hadith, Sunna, Gott, Gebote, Pflichtenlehre, Koran, Offenbarung, Fatwa, Religion, Lebensführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Šar’ah als religiöses Rechtssystem im Islam, um ein tieferes Verständnis für ihre Funktion als Lebensleitung zu schaffen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Definition der Šar’ah, ihre Quellen (Koran/Sunna), die Einteilung menschlicher Pflichten sowie die Vielfalt der islamischen Rechtsschulen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Begriff der Šar’ah zu klären und zu verdeutlichen, dass sie primär ein religiöses Wegleitungssystem ist, anstatt sie ausschließlich auf die populäre Wahrnehmung als politisches Machtinstrument zu reduzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine religionswissenschaftliche Analyse einschlägiger Fachliteratur und Primärquellen, um die Konzepte und unterschiedlichen Interpretationsansätze der Šar’ah darzulegen.
Was wird im Hauptteil ausführlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition der Šar’ah, die Kategorisierung von Handlungen (Pflichten, Empfehlungen, Verbote) und die Vorstellung der verschiedenen Fiqh-Rechtsschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Šar’ah, Fiqh, Rechtsschulen, Koran, Offenbarung und das Spannungsfeld zwischen privatem Glauben und staatlicher Ordnung.
Was unterscheidet die hanbalitische Rechtsschule von anderen?
Sie gilt als die strengste Rechtsschule, da sie den Koran als reinen Pflichtenkanon betrachtet und Exegese sowie eigenständige menschliche Urteilsbildung weitgehend ablehnt.
Warum gibt es so unterschiedliche Übersetzungen der Šar’ah?
Die verschiedenen Begriffe wie „Gesetz“, „Ritus“ oder „Richtung“ resultieren aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Interpretationen der religiösen Quellen und ihrer Bedeutung für die islamische Rechtspraxis.
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- Udo Lihs (Author), 2007, Die Bedeutung der Schariah im Islam, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83268