Analyse des Vietnamkrieges unter Berücksichtigung der realistischen Denkschule


Seminararbeit, 2007

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundzüge des Realismus

3. Analyse des Vietnamkrieges unter Berücksichtigung des politischen Realismus

4. Darstellung der Ergebnisse

1. Einleitung

Der amerikanische Vietnamkrieg hat sich tief in das Bewusstsein der Menschen – nicht nur in den USA – eingeprägt. Er hat weltweit Gesellschaften aufgerüttelt und teilweise nachhaltig verändert.

Ich möchte in dieser Arbeit untersuchen, warum es zur US-amerikanischen Intervention in Südostasien kam und welche Ziele dabei verfolgt wurden. Des Weiteren werde ich prüfen, inwiefern die Vietnampolitik der USA sich mit der Denkschule des Realismus erklären lässt.

Zum Aufbau der Arbeit sei gesagt, dass ich zunächst knapp die Grundzüge des politischen Realismus darstelle, um danach konkret eine Verbindung dieser Denkschule zum Vietnamkrieg herzustellen. Dabei werde ich die Vietnam-Politik der USA chronologisch durchgehen und diese auf den politischen Realismus beziehen. Zum Abschluss werde ich die Ergebnisse der Analyse darstellen und bewerten, ob die realistische Denkschule den Vietnamkrieg zu erklären vermag.

2. Grundzüge des Realismus:

Zum Verständnis internationaler Beziehungen müssen, wie in jeder Wissenschaft, gewisse Ordnungsschemata entwickelt werden. Diese Theorien sollen dabei helfen, die „(…) komplexen Phänomene der internationalen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen“ zu sortieren, erschließen und zu erklären“.[1] Es existiert allerdings keine „(…) allgemein akzeptierte, noch eine verbindliche Theorie der internationalen Beziehungen (…)“[2]. Vielmehr gibt es eine Vielzahl von theoretischen Ansätzen und Erklärungsversuchen, die miteinander konkurrieren.

Der politische Realismus ist eine von diesen in Konkurrenz stehenden Theorien. Im Folgenden gehe ich nun knapp auf den Inhalt der realistischen Denkschule ein:

Laut Riemer gibt es 3 Kernaspekte des Realismus die unumstritten sind:

- Zunächst geht man davon aus, „(…), dass dem internationalen System eine übergeordnete Weltinstanz zur Schlichtung zwischenstaatlicher Streitigkeiten fehle, (…)“. Insofern ergibt sich eine Anarchie zwischen den Akteuren des internationalen Systems die zur Folge hat, dass „(…) Staaten sich dazu gezwungen sehen, sich selbst zu verteidigen und zu helfen, (…)“. Dadurch, dass sich Staaten immer im Unklaren über die Intentionen der anderen Akteure des Systems sind, kann es zu einem „Sicherheitsdilemma“ kommen wie z.B. das Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion im Kalten Krieg.
- Der zweite Hauptaspekt beinhaltet, dass Staaten „(…) in erster Linie Entscheidungen treffen, die dazu dienen sollen, das Überleben (survival) des Staates im feindlichen Umfeld des internationalen Systems zu garantieren.“ Als Garant für das Überleben wird Macht angesehen, die laut Morgenthau als „(…) Beherrschung von Menschen durch Menschen (…)“ angesehen wird.[3] Es wird angenommen, dass alle Handlungen staatlicher Akteure untereinander „gemäß einem Null-Summen-Spiel“ ablaufen, so dass der Machtzugewinn des einen Staates einen Machtverlust eines anderen Staates zur Folge hat.
- Der letzte Aspekt laut Riemer besagt, dass „(…) Staaten die einzigen essentiellen und dominanten Akteure im internationalen System“ sind. Es besteht die Annahme, dass Institutionen wie z.B. die UNO die internationalen Beziehungen kaum beeinflussen. Insofern müssen Staaten Entscheidungen selbstständig fällen, um das eigene Überleben sicherzustellen. Diese Entscheidungen sollen dazu dienen, „(…), dem Staat einen möglichst großen Anteil an den knappen Ressourcen des internationalen Systems zu sichern“ und Machtmaximierung zu erreichen.[4]

3. Analyse des Vietnamkrieges unter Berücksichtigung des politischen Realismus:

Ich werde nun auf die in der Einleitung benannte Leitfrage eingehen und zur Klärung den politisch realistischen Denkansatz mit heranziehen.

Es stellt sich die Frage, was die USA überhaupt dazu bewog, die Kolonialmacht Frankreich im indochinesischen Raum zu unterstützen.

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges und in Folge der zunehmenden Konfrontation mit den Sowjets in Bezug auf die Nachkriegsregelungen entstand in den USA ein gesellschaftliches und politisches Klima, das „(…)zu einer Weltsicht beitrug, dass sehr stark von kommunistischen Bedrohungsvorstellungen gekennzeichnet war(…)“[5]. Das künftige politische Handeln der USA und des Westens war fortan geprägt von der Deutung des sowjetischen Verhaltens als Welteroberungsplan im Einklang mit der Theorie des internationalen Klassenkampfes. „Dem ließ sich nur mit vereinten politischen und militärischen Mitteln entgegentreten.“[6] Diese Wahrnehmung der Machtkonstellation – Konkurrenz zwischen Kommunismus und freien Demokratien – erklärt auch das zunächst zögerliche und dann offene militärische Engagement der USA in Südostasien.

Es ging also um Macht und um die Verteilung dieser auf beide Akteure. Dazu sagt Morgenthau, dass internationale Politik grundsätzlich ein Kampf um die Macht sei. „Dieses Streben kann als religiöses, philosophisches, wirtschaftliches oder soziales Ziel zum Ausdruck kommen.“[7] Im hier beschriebenen Fall war das Ziel die Durchsetzung der eigenen Weltanschauung, wobei es sich bei dem Machtdenken um einen natürlichen Vorgang in der Denkschule des Realismus handelt.

Der Bündnispartner Frankreich, durch die deutsche Okkupation im zweiten Weltkrieg stark in seinem nationalen Selbstverständnis verletzt, strebte nach der (bevorstehenden) Niederlage Japans die Wiedergewinnung des indochinesischen Kolonialbesitzes an. Dies lag zunächst nicht im Interesse der traditionell antikolonialistischen Außenpolitik unter Präsident Roosevelt.[8] Nach seinem Tod im April 1945 kam es unter Präsident Truman und als Ergebnis der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 jedoch zu einem Politikwandel in den USA; sie lief im Ergebnis auf eine Wiederherstellung der französischen Kolonialmacht in Indochina hinaus.[9] Hintergrund war zum Einen, dass man den Bündnispartner Frankreich nicht verprellen wollte, zum Anderen brauchte man zur Durchsetzung eigener nationaler Sicherheitsinteressen Frankreich als verlässlichen Partner im noch kriegsgeschwächten Europa[10]. Europa wirtschaftlich und politisch zu unterstützen war aus amerikanischer Sicht sicherheitspolitisch geboten, um ein über die Potsdamer Friedensvereinbarungen hinausgehendes Ausdehnen der sowjetischen Einflusssphäre in Europa zu verhindern; dieser Realsicht entsprach auch der Marshallplan.[11]

Laut Morgenthau sind Bündnisse – und deren Einhaltung - ein wichtiges Mittel, um ein Gleichgewicht der Mächte in internationalen Beziehungen zu erreichen. Gerade diese „balance of power“ war den USA wichtig, da man gegenüber dem Ostblock keinen Boden verlieren wollte. Morgenthau erklärt auch die Wichtigkeit der „(…) Pflicht, einen Angriff auf ein Mitglied des Bündnisses als Angriff auf alle zu werten.“[12] Und unterstreicht damit die Wichtigkeit von Bündnistreue.

[...]


[1] Riemer, 2006,

[2] Schieder, 2003, S.15

[3] Morgenthau, 1963, S. 54,55

[4] Riemer, 2006, S.45-46

[5] Frey, Marc, 2000, S. 21-22

[6] Hartmann, 2001,

[7] Morgenthau, 1963,

[8] Tuchman, 1984,

[9] Tuchman, 1984, S. 294-298; Frey, 2000,

[10] Frey, 2000, S. 19,22,23

[11] Tuchman, 1984,

[12] Morgenthau, 1963,

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Analyse des Vietnamkrieges unter Berücksichtigung der realistischen Denkschule
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V83273
ISBN (eBook)
9783638893916
ISBN (Buch)
9783638905114
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Vietnamkrieges, Berücksichtigung, Denkschule
Arbeit zitieren
Gunnar Winkler (Autor), 2007, Analyse des Vietnamkrieges unter Berücksichtigung der realistischen Denkschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83273

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