Literarische Konstruktionen weiblicher Identität

Eine Untersuchung zum Werk Elfriede Jelineks


Examensarbeit, 2007

83 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 „FRAUENLITERATUR“

3 DIE GESCHICHTE DES WEIBLICHEN - EINE GESCHICHTE DER ABSENZ

4 LITERARISCHE KONSTRUKTIONEN DER WEIBLICHKEIT
4.1 Die Mutter als mystisches Urbild
4.2 Die „enteignete“ Mutter und „kastrierte“ Frau
4.3 Die Frau als Rätsel, Gefahr und Verheißung
4.4 Objekt- und Subjektcharakter der Frau
4.5 Die „gleichwertige“ Frau
4.6 Die „scheinemanzipierte“ Frau der Aufklärung
4.7 Die ökonomisch und gesellschaftlich abhängige Frau

5 LITERARISCHE KONSTRUKTIONEN WEIBLICHER IDENTITÄT BEI JELINEK
5.1 Weibliche Identität als männlicher Schöpfungsakt
5.1.1 Gerti (Lust)
5.1.2 Dornröschen (Der Tod und das Mädchen II)
5.2 Weibliche Autorschaft
5.2.1 Elfi Elektra (Ein Sportstück)
5.3 Die „emanzipierte“ Frau
5.3.1 Erika Kohut (Die Klavierspielerin)
5.4 Mütter und Töchter
5.4.1 Paula (Die Liebhaberinnen)
5.4.2 Anna Witkowski (Die Ausgesperrten)
5.5 Die „kranke“, „moderne“ Frau
5.5.1 Emily und Carmilla (Krankheit oder Moderne Frauen)

6 SCHLUSSBEMERKUNG

7 BIBLIOGRAPHIE
7.1 Ausgaben
7.2 Interviews, Dokumentationen
7.3 Forschungsliteratur

Siglenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Aufgabe dieser Arbeit ist es, literarische Konstruktionen weiblicher Identität in ausgewählten Werken Elfriede Jelineks zu untersuchen und in den literaturhistorischen Kontext „imaginierter“ Weiblichkeit zu stellen. In Kapitel 2 wird dafür zunächst der Versuch unternommen, das Werk von Jelinek, die in der Forschungsliteratur als „Mythenzertrümmerin“1 gilt, in den literaturfeministischen Diskurs der „Frauenliteratur“ einzubetten. Dabei zeichnet sich „Frauenliteratur“ nicht nur durch eine weibliche Autorschaft, sondern auch durch die Thematisierung und Bewältigung der Identitätslosigkeit der Frau in Kultur und Gesellschaft aus. Texte, in deren Mittelpunkt die Identitätsentwicklung einer Figur steht, weisen häufig einen selbstreflexiven Charakter auf. Der Diskurs über „Frauenliteratur“ und die literarische Selbstreflexion entwickelte sich in der Frauenbewegung Mitte der 70er Jahre. Sie entlarvte die bestehende Geschlechterdifferenz als soziopolitisches Konstrukt. Die vielen Weiblichkeitsdiskurse entwickelten eine Art Frauensolidarität, die der männlich dominierten Gesellschaft ein sich emanzipierendes Frauenbild entgegenstellte. Dazu war es jedoch notwendig, die Geschichte der Frau in Kultur und Gesellschaft zu reflektieren. In Kapitel 3 wird auf die Geschichte des Weiblichen, die sich durch die historische Absenz des Weiblichen auszeichnet, eingegangen. Die soziopolitische Geschichte weist eine männliche Perspektive auf, die die Abwesenheit der Frau als kulturhistorische Identität begründet. Die historische Geschlechtsidentität ist ein reales gesellschaftliches Konstrukt, das durchaus Korrelation im jeweiligen zeitgenössischen literarischen Diskurs gefunden hat. Aus diesem Grund werden in Kapitel 4 historische literarische Konstruktionen der weiblichen Identität, die vorwiegend durch den männlichen Blick geprägt wurden, vorgestellt. In Kapitel 5 werden einige weibliche Figuren Jelineks vorgestellt, die ihren literarischen Blick auf die weibliche Identität exemplifizieren. Die von ihr inszenierten Frauenfiguren zeichnen sich zunächst durch ihr Scheitern als Frau in der ihr von der Gesellschaft zugeschriebenen Rolle aus. In dem Dokumentarfilm „Die gehasste Frau Jelinek“ von Jochen Wolf sagt sie selbst: „Meine Literatur funktioniert nur in der Gegnerschaft. Es ist mir nicht möglich, positive Leitbilder zu zeigen.“2 Ihre Gegnerschaft, die sie literarisch ausdrückt, bezieht sich auf das gesellschaftlich konventionierte Frauenbild, welches immer noch die soziopolitisch traditionell unterlegene Frau nachzeichnet. Jelineks literarische Frauenfiguren eignen sich mithin nicht als positive Leitbilder, sondern entlarven den Status der Frau als angeeignetes Objekt, das dem männlichen Subjekt unterlegen ist. Demnach dekonstruiert sie mit ihren literarischen Frauenfiguren das vorherrschende Frauenbild und zeigt an ihnen die Missstände der Gesellschaft auf. Dabei haben diese Figuren in den Werken weder die Kraft noch die Eignung für einen positiven Entwurf von Gesellschaft. In den Schlussbemerkungen wird also festzustellen sein, ob Jelineks literarische Dekonstruktion weiblicher Identität das schöpferische Potential für die Konstruktion einer neuen weiblichen Identität anbieten kann.

2 „Frauenliteratur“

Die Begriffe „Frauenliteratur“ und „Frauentext“ haben in der

literaturgeschichtlichen Rezeption eine lange Tradition, obschon die Bedeutung der Begriffe lange Zeit keineswegs eindeutig war. Einerseits waren sie Ausdruck für Texte, die ausschließlich von Autorinnen verfasst wurden. Andererseits wurden so Texte bezeichnet, die unabhängig vom Geschlecht des Autors an ein vorwiegend weibliches Publikum gerichtet waren. Literaturgeschichtlich wurden Werke dieser Art zeitweilig und zumeist als Trivialliteratur bezeichnet, die in der Abgrenzung zur „hohen“ bzw. kunstvollen Literatur einen pejorative Charakter erhalten hat. Erst seit dem Beginn der 70-er Jahre im Zuge der Frauenemanzipationsbewegung hat eine intensive Beschäftigung mit der Bedeutung dieser Begriffe stattgefunden. Karin Richter-Schröder fasst die neue Definition des Begriffes „Frauenliteratur“ wie folgt zusammen:

„`Frauenliteratur´ ist zu einer literarischen Richtung geworden, deren Autorinnen die Absicht haben, mit der kreativen Umsetzung der gesellschaftlichen Situation der Frau einen bewußten Beitrag zu deren Veränderung zu leisten.“3

Mithin wird ein Text nicht allein durch die weibliche Autorschaft zur Frauenliteratur, sondern er muss auch die Dekonstruktion stereotyper Frauenbilder, die Suche und die Konstruktion einer neuen weiblichen Identität thematisieren. Dabei muss sich die Frauenliteratur mehreren Herausforderungen stellen: Sie steht als eine neue Literatur und Neuanfang einer literarischen Tradition gegenüber, die vorwiegend durch männliche Autoren und deren literarische Weiblichkeitsentwürfe geprägt ist. So muss sie zum einen den Versuch wagen,

„[...] eine spezifisch weibliche Wahrnehmung der Wirklichkeit zu literarisieren, [d.h.] einen bewußten Neuanfang [starten]; zum anderen muß dieser Versuch, weibliche Identität jenseits stereotyper Geschlechterrollen zu konzipieren, sich gegen eine

„Frauenliteratur“ Seite 8

Übermacht überkommener und oft frauenfeindlicher literarischer Bilder des Weiblichen durchsetzen, die die in erster Linie von Männern geschriebene Geschichte der Literatur durchziehen und die so auch die gesellschaftlich akzeptierten und festgeschriebenen Vorstellungen von Identität, Charakter und Bedürfnislage der Frau prägen.“4

Die Frauenliteratur muss die durch die männliche Autorschaft dominierenden literarischen Konstruktionen der Weiblichkeit entlarven und eine neue weibliche Identität entwerfen.

Zu Beginn der Emanzipationsbewegung wird dieser Literatur jedoch vorgeworfen, eine „Literatur von Frauen“ zu sein, die durch die subjektive, weibliche Perspektive nur den Charakter eines Erfahrungsberichts habe. Diese Vorwürfe gipfeln in Aussagen, dass sich diese Literatur durch mangelnde Fiktionalität auszeichne und somit eine „private“ Literatur des Weiblichen sei.5 Das populäre feministische Postulat „Das Private ist politisch“ erreicht eine Umwertung dieses Vorwurfes.

„[...] der Familie, der Erziehung, der Liebe und Sexualität [wird] eine politische Bedeutung zugewiesen, [...] damit [ist] zugleich auch die Rede über die Themen aufgewertet.“6

Das „Private“ darf hier nicht mit dem Persönlichen gleich gesetzt werden. Erst die Aufwertung des „Privaten“ und gleichzeitige Thematisierung der Geschlechterbeziehungen ermöglicht die Unterscheidung zwischen männlicher und weiblicher Perspektive, die die Grundlage für die Etablierung der Frauenliteratur als eigenständige literarische Richtung darstellt.7 Die „schreibende Frau“ tritt aus dem persönlich Privaten und der weiblichen Subjektivität heraus und wird Schriftstellerin, die ihrem geschlechtsdifferenzierten Publikum etwas mitzuteilen hat.8

Die Emanzipationsbewegung der Frauen hat zu einer neuen Frauenliteratur geführt, die sich thematisch mit der Erkenntnis der Identitätslosigkeit oder der künstlichen Identität der Frau beschäftigt und die den Versuch unternimmt, eine neue literarische Identität des Weiblichen zu etablieren. Des Weiteren etabliert sie die Frau als Schriftstellerin, die dem Schriftsteller gleichberechtigt gegenüber steht. In diesem Sinne werden die hier untersuchten Werke der Elfriede Jelinek der Frauenliteratur zugeordnet.

3 Die Geschichte des Weiblichen - eine Geschichte der Absenz

Um sich den literarischen Konstruktionen der Weiblichkeit zu nähern, ist es zunächst notwendig einen kurzen Blick auf die Geschichte des Weiblichen in den kulturhistorischen Diskursen zu werfen, da sie maßgeblich an der Produktion von stereotypen Frauenbildern beteiligt sind. Wie Silvia Bovenschen feststellt, ist die Geschichte des Weiblichen „[...] eine Geschichte des Vergessens, der Aussparung [...].“9 Der nachweisbare historische Ausschluss der Frau aus politischen, kulturellen, bildungsrelevanten Positionen und Institutionen entspricht der Abwesenheit der Weiblichkeit in der durch die Männer dominierten und perspektivierten Histographie.10 Also sind die kulturellen Stereotypen von Weiblichkeit, die soziokulturell und in der jeweiligen zeitgenössischen Literatur produziert worden sind, durch die männliche Perspektive entstanden. Diese „männlichen“ Frauen-Bilder wurden jedoch nicht nur produziert, sondern auch stets reproduziert, da sie in den jeweiligen wissenschaftlichen, historischen, künstlerischen, literarischen und philosophischen Kontext eingebettet wurden. Deshalb konnten sich die weiblichen Stereotypen manifestieren, die aufgrund der nicht gestatteten Präsenz der Frau eine soziokulturelle Tradition der Geschichtslosigkeit der Frau beschreiben. Demnach ist die Geschichte der Frau in der Historie von Kultur und Gesellschaft eine der Aussparung, der Lücken und der Absenz des Weiblichen.

4 Literarische Konstruktionen der Weiblichkeit

Obschon die Geschichte der deutschsprachigen Literatur weit vor dem 20. Jh. und der Bewegung der Frauenemanzipation namhafte Autorinnen vorweisen kann, ist deren Anzahl im Vergleich zu den männlichen Vertretern verschwindend gering. Das Fehlen einer Tradition einer weiblichen Literatur im Sinne weiblicher Autorschaft begründet die männliche Perspektivierung literarischer Konstruktionen der Weiblichkeit. Es gibt zahlreiche stereotype Geschlechterrollen, -muster, - charaktere und künstliche Weiblichkeitsbilder11, die durch die männliche Autorschaft in der jeweiligen zeitgenössischen Männergesellschaft produziert und etabliert wurden und die die „Frauenliteratur“ überwinden will.

Im Zuge der Frauenbewegung entsteht neben der „Frauenliteratur“ auch die feministische Literaturwissenschaft.

„Was sie charakterisiert, ist ihre Verbindung von literaturwissenschaftlichen Arbeiten und feministischer Standpunktnahme, die sich sowohl an literarischen Texten als auch an den sozialen und ideologischen Kontexten orientiert, in denen Geschlechterverhältnisse stehen.“12

Dabei kann sie sowohl eine literaturwissenschaftliche Frauenforschung, eine Fachrichtung der Frauenemanzipation oder auch eine Wissenschaft, die geschlechtsneutrale Ansätze zugunsten neuer feministischer Zugänge ablehnt, bezeichnen.13 Dennoch stellt sie ein einheitliches Phänomen in dem Sinne dar, dass sie es ideologisch, fachpolitisch und institutionell an die Frauenunterunterdrückung und an ein Emanzipationsziel gebunden ist.14 Vertreterinnen der feministischen Kultur- und Literaturwissenschaft haben kulturelle und literarische Konstruktionen von weiblicher Identität; die historisch betrachtet den männlichen Blick aufweisen, begrifflich mit „imaginierter“ bzw. „inszenierter Weiblichkeit“15 besetzt. Einige der prägendsten Imaginationen bzw. Inszenierungen weiblicher Stereotype in Kultur und Literatur sollen hier vorgestellt werden. Diese sollen den kontrastierenden Hintergrund für die literarischen Konstruktionen der neuen weiblichen Identitäten durch die weibliche Autorschaft, die im Rahmen dieser Arbeit exemplarisch an ausgewählten Werken Elfriede Jelineks untersucht wird, darstellen.

4.1 Die Mutter als mystisches Urbild

In dem Buch „Die bekannte Unbekannte“ erarbeitet Hanna-Barbara Gerl Vorstellungen über Frauen und über das Verhältnis der Geschlechter in der Kulturund Geistesgeschichte. Sie verankert den Kult der Verehrung des Mütterlichen in der beginnenden kulturellen Menschheitsgeschichte16, in der das unmittelbare und naturhafte Erleben noch nicht dem heutigen Raum-Zeit-Empfinden entsprach. Die Deutung des Weiblichen als Symbol für das Fruchtbare findet Ausdruck in unzähligen Idolen vergangener Verehrungskulte und stellt das Urbild des Weiblichen dar. Gerl stellt in diesem Zusammenhang fest:

„Weil offensichtlich die Frau das biologische Leben weitergibt, wird sie zur Trägerin naturhaft sakraler Machtfülle. Geschlecht und Fruchtbarkeit sind numinos.“17

Die Fruchtbarkeit der Frau, die das Leben schenkt, ist unbegreiflich. Es ist eine Vertrauen aber auch Schauer erzeugende Macht, der aufgrund ihrer Unerklärlichkeit der Status des Göttlichen zugesprochen wird. So bemerkt Gerl weiter:

„So sehr dies auch für die Überwältigung beim männlichen Geschlechtsakt gilt - Überwältigung ist immer ein Zeichen der nahenden Gottheit -, so scheint doch lange die Zeugung nicht als entscheidend für die Weitergabe des Lebens begriffen [...]. Vielmehr wird das Mütterliche als selbstempfangend [...] aufgefasst, oder auch von der fruchtbaren Göttin selbst gesegnet - jedenfalls bleibt der Vater durchaus belanglos, da er noch gar nicht personal verstanden wird.“18

Eine Ursache für die geringe Bedeutung des Vaters ist das zur damaligen Zeit gering ausgebildete Kausalitätsdenken. Die Zeitspanne zwischen Zeugungsakt und der Geburt eines Kindes ließ in den damaligen „Mutterkulturen“19 keinen kausalen Zusammenhang erkennen. Die Frau hatte in diesen Mutterkulturen außerhalb ihres Mutterseins keine weitere Funktion und Bedeutung. Das hatte zur Folge, dass die Fruchtbarkeit, die mit göttlichen Attributen versehen wurde, in ihrer Negation, d.h. der Unfruchtbarkeit als göttliche Strafe oder Verfluchung gedeutet wurde. Das Alte Testament, in dem „die Unfruchtbare als verflucht, ihr Mann als von Gott bestraft“20 gilt, stellt die wohl bekannteste Referenz für die ursprüngliche Bedeutung der Mutterschaft dar und hat damit auf die kulturelle Entwicklung der heutigen westlichen Gesellschaft großen Einfluss ausgeübt. Die Wirkungsmacht dieser stereotypen Bilder, die durch das religiöse Medium selbst einen Wahrheitsanspruch postulieren, ist bis in die heutige Zeit spürbar.

4.2 Die „enteignete“ Mutter und „kastrierte“ Frau

Auch Hartmut Böhme misst in seinem Aufsatz „Masken, Mythen und Scharaden des Männlichen“ der Frau als Mutter große Bedeutung bei der Entstehung des mythischen Bildes des Weiblichen bei. Da die weibliche Generativität der männlichen Kontrolle und Steuerung weitgehend entzogen ist, entsteht in einer Gesellschaft, die männlich dominiert ist, eine Gegenbewegung, die die Mutterkulturen ablöst. Die Ohnmacht des Mannes wiederum leitet eine männliche Phantasie.

„Diese Phantasie besagt: es soll keine kontingenten Allianz-Zeugungen mehr geben; Zeugen, Schwangerschaft und Geburt sollen in die Regie steuernder Planung übergehen, das heißt: in die männliche techné (oder psychoanalytisch gesprochen: in die Regie des Phallus). Die Frau wird symbolisch und materiell entmächtigt und zum Schauplatz männlicher Schöpfungsstrategien.“21

Das durch den Mann nicht Beeinflussbare soll in seine Kontrolle zurückgeführt werden. Diesen Prozess kann man häufig bei künstlichen oder technischen Erzeugungen von männlichen Produzenten beobachtet werden. Die kulturelle Entstehung dieses männlichen Aneignungsprozesses führt Böhme auf zahlreiche griechische Mythen und religiöse Schöpfungsgeschichten zurück. Eine der von Böhme vorgestellten Schöpfungsgeschichten ist die Schöpfung der Welt als Folge des Kampfes zwischen dem Gott Marduk und der Urflut Tiamat.22

„Im babylonischen Enuma elis, in altisraelischen wie in griechischen Texten geht es darum, dem weiblichen Chaos die kreative Potenz zu rauben und einem kulturstiftenden Herren-Gott zuzuschlagen, dessen Erbschaft die Philosophie übernimmt.“23

Als das Mystisch-Weibliche „als Erde, Wasser, Mutter, Göttin war sie für den Mann nicht seinesgleichen; ihre Macht behauptete sich jenseits des Menschenreichs.“24 Da ihre Macht außerhalb des Menschreiches und damit auch außerhalb der durch die Männer dominierte Gesellschaft verortet ist, hat das numinose Weibliche nicht dieselbe Potenz wie der männliche Herren-Gottes. Das Numinose, das ehemals dem Bild der Frau als Mutter beiwohnte, wird demnach durch die den mächtigen Herren-Gott abgelöst. Die Wirkmächtigkeit des Herren- Gottes entwickelt sich einerseits aus der Absenz des Weiblichen in der Gesellschaft und andererseits aus der Aneignung der weiblicher Kreativität durch männliche Rationalität. Die Rationalität des kulturstiftenden Herren-Gottes wird zum Gegenentwurf des Mystisch-Weiblichen. Als philosophische Vernunft wird sie nicht nur kulturstiftend, sondern auch als neues Wahrheitskriterium der Wissenschaften gleich einem Gott verehrt. Nach Böhme ist dieser Aneignungs- und Umwertungsprozess „die Ur-Maske des Männlichen.“25

4.3 Die Frau als Rätsel, Gefahr und Verheißung

In der Literatur können auch Konstruktionen von Weiblichkeit festgestellt werden, die Gefahr, Bedrohung, Rätsel oder auch Verheißung für den Mann darstellen. Das Bild der Frau als unberechenbares und somit rätselhaftes Wesen findet sich oft in Mythologien und Märchen wieder. Die literarischen Konstruktionen der Frau als Rätsel, Gefahr oder Verheißung transportieren ein Bild von Weiblichkeit, das dem Mann gleichberechtigt oder überlegen gegenüber steht. Die gleichberechtigte weibliche Figur hat die Macht, Leben zu schenken, Glück zu versprechen, Existenz zu bedrohen und Leben zu nehmen - sie kann bedrohlich, gefährlich und in gewisser Weise gleichsam reizvoll sein.

Eine berühmte literarische Figur, in der die Frau als existentielle Bedrohung erscheint, ist Medea. Sie rächt sich an ihrem treulosen Ehemann, in dem sie seine Geliebte und ihre eigenen Kinder tötet. So stellt sie in zweierlei Hinsicht eine Bedrohung dar. Einerseits hat sie die Macht das Leben ihrer eigenen Kinder zu nehmen. In dieser Hinsicht ist sie Schöpferin und Zerstörerin zugleich. Sie hat als Kindsmörderin die Macht das durch sie hervorgebrachte Leben durch den destruktiven Akt der Zerstörung wieder zu nehmen. Die Frau als Kindsmörderin stellt wegen der moralischen Verwerflichkeit der Tat eine besonders grausame und schreckliche Bedrohung dar. Andererseits bedroht sie die Existenz des Mannes, in dem sie ihn seiner Thronfolger und damit seiner Herrschaftssicherung beraubt. Medea hat keinen ebenbürtigen männlichen Gegenspieler. Somit ist sie als Bedrohung der männlichen Figur überlegen.

Die Konstruktion der Weiblichkeit als Verheißung oder als Rätsel ist eine ebenso mächtige Figur, die sich mindestens gleichberechtigt zum männlichen Gegenspieler verhält. Exemplarisch werden hier aus der griechischen Mythologie die Sphinx26 und aus dem Bereich der Märchen Turandot27 genannt. Diese weiblichen Figur erscheinen als Rätsel, dessen Lösung der männlichen Figur das Leben und die Frau zur Gattin verspricht. Das Unheilvolle an dieser Verbindung liegt in dem Verfehlen der Antwort, mit dem der Ratende automatisch sein Leben verwirkt. „Die Frau als Rätsel [...] [ist für die männliche Figur in der literarischen Bearbeitung] eine unentwirrbare, ebenso bedrohliche wie beselige Erfahrung.“28 Die weibliche Figur, die Verheißung und Rätsel gleichermaßen ist, ist attraktiv, gefährlich, klug und mächtig und dementsprechend der männlichen Figur mindestens ebenbürtig.

Auch andere weibliche Figuren wie die „Lore-Ley“ bei Heinrich Heine oder die „Sirenen“ in der griechischen Mythologie stellen durch ihre nicht erklärbaren Reize und ihre überwältigende Attraktivität eine Gefahr des männlichen Unterliegens dar. Als Verführerin ist die Frau eine Bedrohung für den Mann, da sie eine mythische Anziehungskraft auf ihn ausübt, die ihn dabei zerstören kann.

Eine weiteres literarisches Motiv der gefährlichen und attraktiven Frau wird in dem Spannungsfeld zwischen christlicher Sexualmoral und Mutterschaftsideologie erzeugt. Die Frau als sexuell begehrenswertes Subjekt ist außerhalb der gesellschaftlichen Konvention „Ehe“ der Gefahr männlicher Übergriffe oder Täuschungen ausgesetzt. Eine alleinerziehende Mutter, d.h. eine Frau ohne Ehegelöbnis mit einem unehelichen Kind wird lange Zeit von der Gesellschaft nicht akzeptiert. Sie muss zumeist an ihrer Tugendlosigkeit zugrunde gehen, da sich die Gesellschaft von ihr abwendet. Literarisch findet man häufig das Motiv der „gefallenen“ Frau, das in einem aufklärerischen Sinn als konstruiertes Negativbeispiel von Weiblichkeit die Tugend naiver Mädchen schützen soll. Exemplarisch sei hier das inszenierte Schicksal der Margarete in Johann Wolfgang Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“ genannt.29

Inge Stephan stellt in einigen Abenteuerromanen des 19. Jh. eine Renaissance des „Rätsels der Weiblichkeit“ fest. Exemplarisch nennt sie Jules Vernes Roman „Die Eissphinx“30 von 1897 und Joseph Conrads Erzählung „Heart of Darkness“31 von 1899, in denen die rätselhafte Weiblichkeit als Ausdruck für das

Geschlechterverhältnis, welches vom männlichen Machtbegehren und Eroberungslust geprägt ist, gebraucht wird.32

„Das Weibliche wird nicht nur in ambivalenten Natur- und Landschaftsbildern beschworen, sondern es wird auch zum diffusen Objekt männlicher Eroberungs- und Kolonisierungswünsche gemacht.“33

Das hier bereits angelegte Thema der Weiblichkeit als vom Mann kolonisierter Körper wird an anderer Stelle nähere Betrachtung finden. Die von Stephan vorgestellten Helden sind imaginierte Konquistadoren, welche auf ihren Reisen mächtigen mythischen Wesen begegnen. Diese weiblich attributierten Wesen haben eine durchaus mit den männlichen Helden vergleichbare tödliche Potenz. Stephan stellt jedoch heraus, dass, obwohl die mythischen Wesen lebendige Bilder naturhaft wilder und gleichsam zu domestizierende Weiblichkeit darstellen, beiden Texten die Absenz der Weiblichkeit sowohl auf der Handlungs- als auch auf der Figurenebene gemeinsam ist.

„Herorische Männlichkeit und weiblich imaginierte Natur verbinden sich bei Verne und Conrad zu einem mythischen Komplex, der am Ende unseres Jahrhunderts [(gemeint ist das 20. Jahrhundert)] nicht weniger gefragt ist als am Anfang.“34

Nach Stephan erfahren beide Texte eine Wiederbelebung am Ende des 20. Jahrhunderts. So sieht Stephan in dem Film „Apocalypse now“ von Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1979 eine moderne Adaption von „Hearts of darkness“ und in Vernes „Eissphinx“ den Vorläufer zahlreicher Science-Fiction-Serien, in denen die Kapitäne selbstbewusst neue Welten des Alls entdecken.35 So hat die in beiden Texten entworfene Geschlechtertypik immer noch großen Einfluss auf das Bild von Weiblichkeit und Männlichkeit.

4.4 Objekt- und Subjektcharakter der Frau

Eine Weiterentwicklung der Geschlechterrollen kann in der Reduzierung der Frau zum Objekt angesehen werden. Nicht nur der weibliche Schöpfungsakt, sondern auch die Frau selbst kann vom Mann angeeignet und als Gut geteilt oder Ware verkauft werden - sie ist Eigentum des Mannes. Dieses Eigentumsverhältnis kann dabei Ausdruck in der Vater-Tochter-, in der Bräutigam-Braut- und in der Bruder- Schwester-Konstellation finden. Zwangsverheiratungen, die dem Vater der Braut und dem Bräutigam politischen oder ökonomischen Vorteil versprachen, verdeutlichen das Bild der Frau als Objekt oder Tauschware. (Siehe auch Kapitel: 4.7 Die ökonomisch und gesellschaftlich abhängige Frau.) Das Motiv der Zwangsverheiratung oder der Frau als Tauschobjekt wurde vielfältig in der Literatur aufgegriffen. Helga Gallas sagt, dass vorwiegend die vorbürgerliche Literatur die Funktion der Frau in der Geschlechterbeziehung, nämlich Tauschobjekt und Belohnung für die Leistung des Mannes zu sein, festgelegt hat.36 In diesem Sinne kann diese Festlegung der Frau auf einen Objektstatus als Prozess der Ablösung der „Mutterkulturen“ und Manifestation des Patriarchats angesehen werden. Dennoch finden wir in der Literaturgeschichte auch immer wieder Gegenbewegungen. So führt Gallas folgende, überwiegend von Frauen getragene literarische Bewegungen an, die den Objektstatus der Frau negieren und damit maßgeblich die Entwicklung der Weiblichkeitskonzeption „Frau als Subjekt“ beeinflusst und den Status „Frau“ aufgewertet haben. So gibt es:

„[...] neben der höfischen Literatur des Mittelalters, die erotischen, verzückten Schriften der Mystikerinnen des Spätmittelalters, dann die empfindsame [...] Literatur des 18. Jahrhunderts. Alle diese Bewegungen wurden maßgeblich von Frauen getragen, und alle eint die Vorstellung von idealer Liebe, in der die Sexualität ausgespart, zumindest aber marginalisiert ist.“37

Interessanterweise stehen sich die beiden literarischen Bewegungen, die Frau als Objekt oder Subjekt darzustellen, nicht nur in Opposition gegenüber, sie beeinflussen gleichsam proportional das männliche Begehren der Frau: Ist die Frau begehrtes Objekt, ist ihr Wert als Subjekt gering. Ist die Frau jedoch als Subjekt wertvoll und interessant, wird sie nicht als Objekt begehrt.38 Der geschlechtsspezifische Wert wird dabei immer von der Gesellschaft festgelegt. Insofern haben die oben genannten literarischen Frauenbewegungen, da sie nicht Sexualität in den Mittelpunkt einer Liebesbeziehung setzten, mithin die Reduzierung des männlichen Begehrens der Frau auf ihren Körper, das weibliche Subjekt gestärkt.

4.5 Die „gleichwertige“ Frau

Ein weiteres Bild der Frau, dass in der Literaturgeschichte zu finden ist, ist das der Frau als gleichwertiges und zugleich von ihm unterschiedenes Gegenstück des Mannes. Nach Gerl entsteht dieses Bild durch die Polarität, die seit der Konzeption von Seele und Körper, von Innen und Außen dem menschlichen Welterleben inhärent ist. Für die Geschlechter gilt vorwiegend ein polares Gleichgewicht von Mann und Frau.39 Eine bekannte und prägende Geschichte, die die gleichwertige Polarität der Geschlechter zum Ausdruck bringt, wird von dem Komödiendichter Aristophanes in Platons „Symposium“ erzählt. Ihm zufolge gab es vor langer Zeit zweigeschlechtliche Kugelmenschen, die durch den Zorn der Götter getrennt wurden und seitdem auf der Suche nach ihrer anderen Hälfte sind. Ein weiteres Beispiel, welches ebenfalls das Gleichgewicht zwischen Mann und Frau zum Ausdruck bringt, ist das chinesische Zeichen Yin-Yang. Neben vielen weiteren Bedeutungen kann es dafür stehen, dass Mann und Frau erst zusammen ein vollständiges Ganzes ergeben, durch das Harmonie und Leben erschaffen wird.

4.6 Die „scheinemanzipierte“ Frau der Aufklärung

Im 18. Jh. entsteht ein neues Bild von einer emanzipierten Frau. In der Aufklärung vollzieht sich der bürgerliche Emanzipationsprozess, in dem das Gleichheitspostulat die Prämisse des bürgerlich revolutionären Denkens wurde. Der Weg der Frau, Mitglied des kulturellen Lebens zu werden, scheint zunächst geebnet. Aus dem aufklärerischen Gleichheitsgedanken und vor dem Hintergrund der Französischen Revolution entwickelt sich ein neues Spannungsfeld zwischen den Geschlechtern. Die Frau wird selbstbewusstes Mitglied des kulturellen Lebens, sie kann mit einem gesellschaftlich gehobenen familiären Hintergrund Leiterin eines literarischen Salons sein. Neben „imaginierten“ Frauen bringt diese Zeit sogar selbst „imaginierende“ Frauen wie Bettina von Arnim und Karoline von Günderrode hervor. Dennoch zeigt Bovenschen auf, dass „[...] das Postulat der Gleichheit aller Menschen, wie es das >aufgeklärte< Denken hervorbrachte, keineswegs selbstverständlich die Maxime einer Gleichheit von Mann und Frau einschloss.“40 Sie weist darauf hin, dass in den staatsphilosophischen Betrachtungen von Kant, die er in seiner Schrift „Über den Gemeinspruch“ anstellt, die Frau zwar einen rechtlichen Status erhält, dieser sie jedoch nicht zur Selbstständigkeit befähigt. Zwar steht dem Mann die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs durch das Studium der Wissenschaften und der schönen Künste offen, jedoch muss auch hier die Prämisse der bürgerlichen Herkunft erfüllt sein. Die Frau hingegen verbleibt in dem Zustand der Unselbstständigkeit und Abhängigkeit, da ihr der Weg zur Bildung versperrt bleibt.41

Es ist nunmehr auch nicht erstaunlich, dass geschlechtsegalitäre Konstruktionen keinen Einzug in das literarische Schaffen dieser Zeit gehalten haben bzw. einen ähnlich widersprüchlichen, wie die Scheinemanzipation der Frau im kulturellen Gesellschaftsleben. So zeigt Bovenschen auf, dass selbst die „militanten und intriganten Frauengestalten“42 in Schillers Dramen, die Hans Mayer als Beweis für die Geschlechteregalität in der Literatur angeführt hat, dem Bild des Weiblichen, welches Schiller in ästhetischen Schriften als das rezeptive und passive Geschlecht vorstellt, widersprechen.43 Dennoch muss festgehalten werden, dass die Zeit der Aufklärung den Frauen ein größeres Forum für die Teilhabe am und die Gestaltung des kulturellen Lebens zugestanden wurde. Die literarischen Konstruktionen der gelehrten und dementsprechend dem Mann gleichwertigen Frau sind von geringer Anzahl und weisen im Kontext der Literatur dieser Epoche dieselbe Ambiguität wie im realen kulturellen Leben auf.

4.7 Die ökonomisch und gesellschaftlich abhängige Frau

Dem Bild der gelehrten bzw. schreibenden Frau steht jedoch ein anderes Bild gegenüber, welches zur Zeit der Romantik die Literatur stark geprägt hat: das der empfindsamen Frau.44 In der Romantik ist eine Renaissance der Polaritätsvorstellungen, wie sie auch in den frühen Mythologien und Märchen vorgekommen ist, feststellbar. Die daraus resultierende Polarisierung der Geschlechter hat sowohl im literarischen und literaturtheoretischen als auch im realen gesellschaftlichen Leben großen Einfluss auf die Zuweisung von Geschlechtereigenschaften genommen, der auch heute noch zu spüren ist. Gerl hat die polarisierenden Eigenschaften, die den Geschlechterrollen in der Romantik zugeschrieben wurden, als geschlechtliche Merkmalspaare wie folgt aufgeschlüsselt und gegenüber gestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Würde Anmut, Schönheit“45

Wie schon im vorhergehenden Kapitel gesagt wurde, hat die Frau in der Romantik, obwohl sie in der Aufklärung einige wenige Errungenschaften hinsichtlich der Gleichstellung zum Mann gewonnen hat, keinen selbstständigen Status. Sie stellt das Innere, das Häusliche, die Abhängigkeit, die Emotion, die Schönheit und den Glauben dar. Nach Beauvoir waren „die Frauen des Bürgertums [...] zu sehr in die Familie eingebunden, um untereinander praktische Solidarität empfinden zu können. Sie bildeten keine Kaste für sich, die imstande gewesen wäre, Forderungen durchzusetzen: ökonomisch war ihre Existenz parasitär.“46

Die Frau ist abhängig vom Mann, der außerhalb des Haushalts seiner Arbeit nachgeht, sein Leben selbstständig gestaltet, ein Einkommen und das rationale Vermögen hat, sich Wissen anzueignen. In dieser von Gerl aufgezeigten Polarität der Geschlechter nimmt der Mann gegenüber der Frau eine eindeutig stärkere, da finanziell und gesellschaftlich unabhängige Position ein. Solange die Frau als das Andere47 wahrgenommen und bezeichnet wird, kann keine gleichwertige Wechselbeziehung zwischen den Geschlechtern bestehen.48

[...]


1 Der Begriff der „Mythenzertrümmerin“ wurde von Maria E. Brunner geprägt und verweist auf die von Roland Barthes in den „Mythen des Alltags“ vorgestellte Mythentheorie, die Elfriede Jelinek als Grundlage für die literarische Entlarvung von „Trivialmythen“ dient. Diese Mythen verschleiern Macht- und Herrschaftsverhältnisse, die Jelinek in dem Aufdecken derselben gleichsam zerstört. Dies stellt das für Jelinek bekannte Dekonstruktionsverfahren dar. Vgl. hierzu: Brunner, Maria E.: Die Mythenzertrümmerung der Elfriede Jelinek. Neuried: Ars Una 1997.

2 Elfriede Jelinek in „Die gehasste Frau Jelinek“ (Dokumenatarfilm) von Jochen Wolf: Deutschland 1997. 60 min. (Ausgestrahlt am 13.12.2004 um 00:30 Uhr auf NDR.) 15. min.

3 Richter-Schröder, Karin: Frauenliteratur und weibliche Identität. Theoretische Ansätze zu einer weiblichen Ästhetik und zur Entwicklung der neuen deutschen Frauenliteratur. Frankfurt am Main: Hain 1986. S. 2.

4 Ebd. S. 14.

5 Vgl. zu diesem Problemkreis folgende Arbeiten: Richter-Schröder, K.: Frauenliteratur und weibliche Identität; Weigel, Sigrid: Die Stimme der Medusa. Schreibweisen in der Gegenwartsliteratur von Frauen. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt 1989.

6 Weigel, S.: Die Stimme der Medusa. S. 55.

7 Vgl. ebd. S. 55 f.

8 Die „schreibende Frau“, die als kollektiver Prozess der beginnenden Frauenbewegung im Dienste der Literarisierung weiblicher Subjektwerdung steht, wird zur Opposition der „Schriftstellerin“, die in den männlichen Kulturbetrieb integriert und dementsprechend professionell ist. Vgl. ebd. S. 49.

9 Bovenschen, Silvia: Die imaginierte Weiblichkeit. Exemplarische Untersuchungen zu kulturgeschichtlichen und literarischen Präsentationsformen des Weiblichen. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1979. S. 65.

10 Vgl. zu diesem Problemkreis die folgenden Arbeiten: Bovenschen, S.: Die imaginierte Weiblichkeit. S. 15; Schabert, Ina: Gender als Kategorie einer neuen Literaturgeschichtsschreibung. In: Genus - zur Geschlechterdifferenz in den Kulturwissenschaften. Hrsg. v. Hadumod Bußmann/Renate Hof. Stuttgart: Kröner 1995. S. 163 - 204; Weigel, S.: Die Stimme der Medusa. S. 11.

11 Vgl. die Begrifflichkeiten in folgenden Arbeiten: Richter-Schröder, K.: Frauenliteratur und weibliche Identität. S.14; Stephan, Inge: Inszenierte Weiblichkeit. Codierung der Geschlechter in der Literatur des 18. Jahrhunderts. Köln: Böhlau 2004. S. 7; Bovenschen, S.: Die imaginierte Weiblichkeit. S. 15; Hausen, Karin: Die Polarisierung der „Geschlechtercharaktere“ - Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs- und Familienleben. In: Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas: neue Forschungen. Hrsg. von Werner Conze. Stuttgart: Klett 1976. S. 363 - 393.

12 Osinski, Jutta: Einführung in die feministische Literaturwissenschaft. Berlin: Schmidt 1998. S. 127.

13 Vgl. ebd.

14 Vgl. ebd.

15 Silvia Bovenschen prägt den Begriff der „imaginierten Weiblichkeit“ und Inge Stephan den der „inszenierten Weiblichkeit“. Vgl. die folgenden Arbeiten: Bovenschen, S.: Die imaginierte Weiblichkeit; Stephan, I.: Inszenierte Weiblichkeit.

16 Nach Simone de Beauvoir erhält die Mutterschaft eine heilige Funktion, als das Nomadentum aufhört und sich sesshafte Kulturen entwickeln. In diesen Kulturen entsteht eine Agrarkultur, in der die Geschlechtertrennung die Struktur der Gemeinschaft wiederspiegelt. Die Mutter erhält die Rolle der Stammeshalterin, da sie die Betreuung des neuerworbenen bzw. geschaffenen Eigentums und durch das Gebären der Nachkommenschaft das Bestehen dieser Gemeinschaft sicher stellt. Vgl.: Beauvoir, Simone de: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Neuübersetzung Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt 1999. S. 92.

17 Gerl, Hanna-Barbara: Die bekannte Unbekannte. Frauen-Bilder in der Kultur- und Geistesgeschichte. Mainz: Matthias-Grünwald 1989. S. 19 f.

18 Ebd. S. 20.

19 Gerl führt diesen Begriff als „vorsichtigen Terminus“ ein. Vgl. ebd. S. 21.

20 Ebd. S. 20.

21 Böhme, Hartmut: Masken, Mythen und Scharaden des Männlichen. Zeugungen und Begehren in männlichen Phantasien. In: Männlichkeit als Maskerade. Kulturelle Inszenierungen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Hrsg. von Claudia Benthin/Inge Stephan. Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2003. S. 100 - 127.

22 Im babylonischen Enuma elis wird die Schöpfung der Welt auf den Kampf zwischen dem Gott Marduk und der Urflut Tiamat zurückgeführt. Marduk tötet in diesem Kampf Tiamat und zerstückelt anschließend ihren Leib. So entsteht die Welt, in der die Meere und das Festland nebeneinander bestehen.

23 Böhme, H.: Masken, Mythen und Scharaden des Männlichen. S. 108.

24 Beauvoi, S. de: Das andere Geschlecht. S. 96 f.

25 Böhme, H.: Masken, Mythen und Scharaden des Männlichen. S. 108.

26 Die Sphinx gab lt. der griechischen Mythologie nahe der Stadt Theben den Vorbeikommenden Rätsel auf. Erst das Finden der Lösung ermöglichte das Weiterfahren. Eine Verfehlung bedeutete den Tod. Ödipus löst jedoch das Rätsel, worauf sich die Sphinx ins Meer stürzt. Seitdem gilt Ödipus als der Retter, der Theben von der Sphinx befreit hat. (Vgl. folgende literarische Arbeiten: Sophokles: Ödipus. 406 v. Chr.; Hofmannsthal, Hugo von: Ödipus und die Sphinx. 1904; Gide, André: Ödipus. 1930)

27 Turandot ist eine Figur aus dem gleichnamigen Märchen von Carlo Gozzi aus dem Jahr 1772. Der Stoff wurde oft neu bearbeitet, u.a. von Friedrich Schiller und Wolfgang Hildesheimer. Turandot ist eine Prinzessin in einem ostasiatischen Reich, die ihren Freiern drei Rätsel aufgibt. Werden sie gelöst, erhält der Freier sie zur Frau. Versagt er jedoch, muss der Ratende dies mit seinem Leben bezahlen.

28 Gerl, H.-B.: Die bekannte Unbekannte. S. 31.

29 Margarete oder auch Gretchen stellt ihrem Geliebten Faust die berühmte „Gretchenfrage“, die nicht nur eine Frage nach der Religiosität, sondern vielmehr nach seiner moralisch und gesellschaftlichen Integrität ihrer Person gegenüber ist. Faust tötet sowohl die Mutter als auch den Bruder Gretchens. Da Faust von Mephistopheles zur Walpurgisnacht auf den Brocken entführt wird, muss sie die Schwangerschaft allein bewältigen. Weil sie in der damaligen Zeit als alleinerziehende Mutter aufgrund gesellschaftlich unterstellter Zuchtlosigkeit und Tugendlosigkeit ausgestoßen worden wäre, tötet sie aus Verzweiflung ihr uneheliches Kind. Für den Kindsmord wird sie zum Tode verurteilt.

30 Der Kapitän Len Guy macht sich mit seiner Mannschaft auf die Suche nach Arthur Gordon Pym, der am Südpol verschollen ist. Sie finden den toten Pym zwischen den Tatzen einer riesigen Sphinx aus Eis, die ihn magisch angezogen und so getötet hat.

31 Kapitän Marlow erobert auf dem Fluss Kongo den noch unbekannten Kontinent Afrika. Der Kongo wird „[…] in seinen Träumen […] ein Wesen, das noch gewaltiger als die Sphinx ist: […] eine riesige Seeschlange, eine Mischung aus alttestamentarischen Leviathan und mythischer GorgoMedusa.“ Stephan, Inge: Musen und Medusen. Mythos und Geschlecht in der Literatur des 20. Jahrhunderts. Köln; Weimar; Wien: Böhlau 1997. S. 6.

32 Vgl. ebd. S. 1 ff.

33 Ebd. S. 5.

34 Ebd. S. 8.

35 Vgl. ebd.

36 Vgl. Gallas, Helga: Sexualität und Begehren. In: Methoden in der Diskussion. Hrsg. von Johannes Cremerius, Gottfried Fischer, Ortrud Gutjahr, Wolfram Mauser und Carl Pietzcker. Würzburg: Königshausen & Neumann 1996. S. 187 - 194.

37 Ebd.

38 Vgl. ebd.

39 Vgl. Gerl, H.-B.: Die bekannte Unbekannte. S.28.

40 Bovenschen, S.: Die imaginierte Weiblichkeit. S. 70.

41 Vgl. ebd. S. 71 ff.

42 Ebd. S. 74.

43 Ebd. S. 74 f.

44 Vgl. ebd. 150 ff.

45 Gerl, H.-B.: Die bekannte Unbekannte. S. 33. Auch Katrin Hausen stellt dieselben Geschlechtsspezifika als Merkmalsgruppen in ihrer Untersuchung der im 18. und 19. Jh. zunehmenden Polarisierung von geschlechtsspezifischen Eigenschaften, die sich in der Konstituierung von „Geschlechtercharakteren“ niederschlägt, vor. Vgl. Hausen, Karin: Die Polarisierung der „Geschlechtercharaktere“. S. 363 - 393.

46 Beauvoir, S. de: Das andere Geschlecht. S. 152.

47 Beauvoir stellt fest, dass die Frau immer nur über den Mann definiert wird und damit immer in der Kategorie des anderen, d.h. nicht des ersten oder wesentlichen Geschlechts verhaftet bleibt: „Sie wird mit Bezug auf den Mann determiniert und differenziert, er aber nicht mit Bezug auf sie. Sie ist das Unwesentliche gegenüber dem Wesentlichen. Er ist das Subjekt, er ist das Absolute: sie ist das Andere. Die Kategorie des Anderen ist so ursprünglich wie das Bewußtsein selbst.“ Ebd. S. 12.

48 Vgl. ebd. S: 96 f.

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten

Details

Titel
Literarische Konstruktionen weiblicher Identität
Untertitel
Eine Untersuchung zum Werk Elfriede Jelineks
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
83
Katalognummer
V83284
ISBN (eBook)
9783638868983
ISBN (Buch)
9783638891752
Dateigröße
959 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literarische, Konstruktionen, Identität
Arbeit zitieren
Katy Wedekind (Autor), 2007, Literarische Konstruktionen weiblicher Identität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83284

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