In meiner Arbeit zu den historischen Fakten und Hintergründen in Macbeth möchte ich nicht die Geschichte des Dramas beleuchten, sondern die geschichtlichen Grundlagen, auf denen das Stück beruht untersuchen.
Hierbei sind zum einen die Personen zu berücksichtigen, die Shakespeare in seinem Werk als dramatis personae auftreten läßt. Ich will exemplarisch für die Hauptpersonen Duncan und Macbeth versuchen ihre geschichtlich belegbaren Realpersonen zu skizzieren und schließlich vergleichen, ob und, wenn dies der Fall ist, warum es Unterschiede gibt, bzw. ich will dann darstellen inwieweit Shakespeare eine abgewandelte Darstellung gewählt hat.
Weiterhin ist in diesem Zusammenhang eine allgemeine Darstellung der für das Stück relevanten geschichtlichen Ereignisse und Begebenheiten Schottlands im 11. Jahrhundert sinnvoll, womit ich meine Arbeit dann auch beginnen werde.
Im Hinblick auf den Umfang der Arbeit werde ich mich nicht näher mit der Frage befassen, welche Quellen Shakespeare zur Verfügung standen und welche er letztendlich in welchem Umfang als Grundlage für sein Drama verwendet hat. Wenn ein Hinweis hierauf nötig erscheint, wird er innerhalb der o.g. Betrachtungslinien erfolgen.
Als Textgrundlage verwende ich für meine Arbeit die New Swan Shakespeare Edition des Macbethtextes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte Schottlands im 11. Jahrhundert und Beziehungen zum Drama
2.1 Überblick über die Geschichte
2.2 Vergleich und Bezug zum Drama
3. Shakespeares dramatis personae und die Realpersonen
3.1 Duncan
3.2 Macbeth
3.3 weitere Personen
3.4 Vergleich Duncan und Macbeth
4. Motive der Darstellung
5. Schlußbetrachtung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Grundlagen von William Shakespeares Drama "Macbeth", indem sie die geschichtlich belegbaren Realpersonen wie Duncan und Macbeth den dramatischen Charakteren gegenüberstellt und den Einfluss historischer Gegebenheiten auf die Darstellung im Stück analysiert.
- Historischer Kontext Schottlands im 11. Jahrhundert
- Vergleich der dramatischen Charaktere mit den historischen Vorbildern
- Analyse der politischen Motive und der Intention Shakespeares
- Einfluss von König James I. auf die inhaltliche Gestaltung des Dramas
Auszug aus dem Buch
3.2 Macbeth
Gleich zu Beginn des Dramas wird Macbeth als junger, mutiger Krieger dargestellt, der loyal für seinen König kämpft und unter Einsatz seines Lebens dessen Reich verteidigt. So wird er von Rosse als „Bellona’s bridegroom“ (I, 2, 56) beschrieben. Deutlich wird auch, daß er respektiert und geachtet wird. Dies zeigt sich zum einen in der gesamten Erzählung von Rosse in der ersten Szene des ersten Aktes und auch in den Anreden und Bezeichnungen „most worthy thane“ (Rosse in I, 3, 106) und „O vailant cousin! worthy gentlemen!“ (Duncan in I, 2, 24).
Trotz dieser kämpferischen Standfestigkeit erliegt er im weiteren Verlauf des Dramas seinem durch die Prophezeiung der Hexen und dem Drängen seiner Frau angestachelten Ehrgeiz. Sein Machtstreben tritt in den Vordergrund und läßt die Loyalität schwinden, auch wenn Macbeth mit seinem Gewissen ringt. Macbeth wandelt sich im Verlauf zum allseits gehaßten Tyrannen und bildet das krasse Gegenstück zum weisen Duncan. Bernard Lott faßt Macbeths emotionale Bewegtheit prägnant zusammen: Throughout the play Macbeth continues to give serious thought to the moral aspects of his actions, and he is in no sense an unfeeling villain without conscience or sense of nobility.
Auch bei der historischen Person Macbeth finden sich deutliche Gegensätze zur von Shakespeare gezeichneten Dramafigur. Nachdem Macbeth im Jahre 1040 die Macht übernommen hatte, sorgte er für eine „long, unwonted period of harmony with his subjects“. Ihm wird ein Gesetzeswerk zugeschrieben, sowie Großzügigkeit gegenüber der Kirche und Friedensbemühungen, obwohl er auch als erfolgreicher Kriegsführer dargestellt wird. Auffallend ist ferner seine Regierungszeit von 17 Jahren, die im Vergleich zu seinen Vorgängern als lang angesehen werden muß. Dies läßt eine stabile und gefestigte Herrschaft vermuten und tatsächlich sind erst ab ca. 1054 n. Chr. für Macbeth bedrohliche Bestrebungen von Siward von Northumbrien und Malcom, dem Sohn Duncans, zu verzeichnen, Macbeth als schottischen König anzugreifen. Zwar gab es bereits in früheren Jahren einzelne Einfälle in Macbeths Reich, diese konnten aber allesamt von ihm zurückgeschlagen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Zielsetzung, die historischen Hintergründe von Macbeth zu beleuchten, anstatt nur die literarische Geschichte zu betrachten.
2. Geschichte Schottlands im 11. Jahrhundert und Beziehungen zum Drama: Untersuchung der Thronfolgeproblematik und der politischen Umstände im Schottland des 11. Jahrhunderts.
3. Shakespeares dramatis personae und die Realpersonen: Detaillierter Vergleich der Charaktere Duncan und Macbeth mit ihren historischen Vorbildern.
4. Motive der Darstellung: Analyse der Einflüsse von König James I. auf Shakespeares Werk, insbesondere in Bezug auf politische Intentionen.
5. Schlußbetrachtung: Fazit über die bewussten Abweichungen Shakespeares von der historischen Realität zugunsten der dramatischen Wirkung.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
William Shakespeare, Macbeth, Geschichte Schottlands, Historische Fakten, Duncan, Thronfolge, 11. Jahrhundert, Dramenanalyse, Politische Motive, König James I, Realpersonen, Historische Korrektheit, Herrschaft, Tyrann, Dramaturgie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historischen Grundlagen und Fakten, die hinter Shakespeares Drama "Macbeth" stehen, und vergleicht diese mit der literarischen Darstellung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die schottische Thronfolgegeschichte des 11. Jahrhunderts, die historischen Charaktere Duncan und Macbeth sowie Shakespeares politische Motivation bei der Abfassung des Werks.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Wahrheitsgehalt der historischen Darstellung im Drama zu hinterfragen und zu verstehen, warum Shakespeare bestimmte Aspekte zugunsten der Dramaturgie abgewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Der Autor führt eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse durch, indem er das Drama mit historischen Quellen und Sekundärliteratur vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der schottischen Zeitumstände und einen detaillierten Vergleich zwischen Shakespeares "dramatis personae" und den historisch belegbaren Personen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung lässt sich durch Begriffe wie "historische Korrektheit", "Shakespeares Intention", "Thronfolge", "Schottische Geschichte" und "dramatische Freiheit" beschreiben.
Warum spielt König James I. eine so große Rolle für das Verständnis von Macbeth?
Da das Stück während der Herrschaft von James I. entstand, wählte Shakespeare Themen, die dem König gefielen, wie etwa die schottische Thematik und die Auseinandersetzung mit dem Übernatürlichen.
Inwieweit weicht das historische Bild von Macbeth von Shakespeares Darstellung ab?
Während Shakespeare Macbeth als Tyrann darstellt, gilt die historische Person als ein Herrscher, der über einen langen Zeitraum von 17 Jahren für Stabilität und Frieden sorgte.
- Quote paper
- Ralf Käcks (Author), 1998, William Shakespeare Macbeth - Historische Fakten und Hintergründe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8329