Auf den ersten Blick stehen die sozialen Interaktionsformen Kooperation und Wettbewerb unvereinbar nebeneinander. Sie sind derart widersprüchlich, dass ein simultanes Auftreten nicht denkbar ist. Doch bereits in alltäglichen Situationen zeigen Individuen kooperatives Verhalten in kompetitiven Umfeldern: In einer Hockeymannschaft z. B. konkurrieren Spieler um die Plätze einem Team. Nach der Entscheidung des Trainers, wer am Spieltag mitspielt, kooperieren die ausgewählten Spieler, um gemeinsam die gegnerische Mannschaft zu besiegen. Aber auch in Verkehrssituationen ist dieses Phänomenen beobachtbar: Konkurrieren Autofahrer
um Parkplätze und nutzen auch illegale (bspw. Benutzung von Behindertenparkplätzen)
Möglichkeiten, um einen Parkplatz vor einem anderen Individuum zu bekommen, kooperieren wiederum diese Autofahrer, indem sie sich gegenseitig vor Radarkontrollen warnen. Diese Beispiele sollen einen ersten Eindruck der Häufigkeit des Auftretens von solchen auf den ersten Blick widersprüchlichen Verhaltensweisen geben. Bereits an dieser Stelle kann auf die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten des Begriffes
‚Kooperation und Wettbewerb’ hingewiesen werden. Zum einen ist es möglich, den
Begriff als Aufzählung zweier Interaktionsformen zu verstehen. Somit würde Kooperation als auch Wettbewerb einzeln und ohne reflexive Konsequenzen beschrieben werden.1 Zum anderen ist es möglich, die Funktion der Konjunktion ‚und’ als verbindend zu verstehen. In diesem Fall soll ‚Kooperation und Wettbewerb’ i. S. v. ‚Kooperation im Wettbewerb’ verstanden werden. D. h. die singuläre Betrachtung jeder Interaktionsform ohne Analyse evtl. Wirkungen auf die andere Form wird aufgegeben und stattdessen tritt eine duale Sichtweise in den Vordergrund. Diese Sichtweise ist durch den Dualismus von Kooperation und Wettbewerb gekennzeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Themenöffnung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen
2.1 Kooperation
2.2 Wettbewerb
2.3 Kooperation und Wettbewerb
3 Realpraxeologischer Bezugsrahmen
3.1 Darstellung realpraxeologischer Kooperationsgefüge
3.1.1 Kooperationsgefüge in der Automobilindustrie
3.1.2 Kooperationsgefüge in der Luftfahrtindustrie
3.2 Formulierung eines generischen Beziehungsgeflechts für die Kooperationsgefüge
3.3 Prüfung des generischen Beziehungsgeflechts
3.3.1 Kooperationsgefüge in der Automobilindustrie
3.3.2 Kooperationsgefüge in der Luftfahrtindustrie
4 Theoretischer Bezugsrahmen zur Explikation kooperativen Verhaltens in kompetitiven Umfeldern
4.1 Neue Institutionenökonomie
4.1.1 Property-Rights-Theorie
4.1.2 Principal-Agent-Theorie
4.1.3 Transaktionskostentheorie
4.2 Leistungsprofil der Neuen Institutionenökonomie
4.3 Konzeptualisierungsansatz für eine eigenständige Theorie zur Erklärung von Kooperation und Wettbewerb
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Dualismus von Kooperation und Wettbewerb aus institutionenökonomischer Sicht. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Neuen Institutionenökonomie bei der Erklärung von kooperativem Verhalten in kompetitiven Umfeldern zu prüfen und auf Basis von realpraxeologischen Beispielen aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie einen konzeptionellen Ansatz für eine neue Theorie zu entwickeln.
- Analyse der sozialen Interaktionsformen Kooperation und Wettbewerb.
- Erarbeitung eines realpraxeologischen Bezugsrahmens anhand von Fallbeispielen.
- Kritische Würdigung der Neuen Institutionenökonomie (Property-Rights-, Principal-Agent- und Transaktionskostentheorie).
- Entwicklung eines Konzeptualisierungsansatzes für eine eigenständige Theorie.
- Untersuchung der Anwendbarkeit theoretischer Ansätze auf komplexe Kooperationsnetzwerke.
Auszug aus dem Buch
1.1 Themenöffnung
Auf den ersten Blick stehen die sozialen Interaktionsformen Kooperation und Wettbewerb unvereinbar nebeneinander. Sie sind derart widersprüchlich, dass ein simultanes Auftreten nicht denkbar ist. Doch bereits in alltäglichen Situationen zeigen Individuen kooperatives Verhalten in kompetitiven Umfeldern: In einer Hockeymannschaft z. B. konkurrieren Spieler um die Plätze einem Team. Nach der Entscheidung des Trainers, wer am Spieltag mitspielt, kooperieren die ausgewählten Spieler, um gemeinsam die gegnerische Mannschaft zu besiegen. Aber auch in Verkehrssituationen ist dieses Phänomenen beobachtbar: Konkurrieren Autofahrer um Parkplätze und nutzen auch illegale (bspw. Benutzung von Behindertenparkplätzen) Möglichkeiten, um einen Parkplatz vor einem anderen Individuum zu bekommen, kooperieren wiederum diese Autofahrer, indem sie sich gegenseitig vor Radarkontrollen warnen.
Diese Beispiele sollen einen ersten Eindruck der Häufigkeit des Auftretens von solchen auf den ersten Blick widersprüchlichen Verhaltensweisen geben.
Bereits an dieser Stelle kann auf die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten des Begriffes ‚Kooperation und Wettbewerb’ hingewiesen werden. Zum einen ist es möglich, den Begriff als Aufzählung zweier Interaktionsformen zu verstehen. Somit würde Kooperation als auch Wettbewerb einzeln und ohne reflexive Konsequenzen beschrieben werden. Zum anderen ist es möglich, die Funktion der Konjunktion ‚und’ als verbindend zu verstehen. In diesem Fall soll ‚Kooperation und Wettbewerb’ i. S. v. ‚Kooperation im Wettbewerb’ verstanden werden. D. h. die singuläre Betrachtung jeder Interaktionsform ohne Analyse evtl. Wirkungen auf die andere Form wird aufgegeben und stattdessen tritt eine duale Sichtweise in den Vordergrund. Diese Sichtweise ist durch den Dualismus von Kooperation und Wettbewerb gekennzeichnet. Kooperation im Wettbewerb kennzeichnet nicht nur eine Möglichkeit für die Unternehmen, sich trotz kompetitiven Umfeldes zusammenzuschließen, um einen Wettbewerbsvorteil zu erreichen, sondern setzt auch das grundsätzliche Umdenken von Unternehmern, Managern und Führungskräften voraus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zur Thematik des Dualismus von Kooperation und Wettbewerb sowie Darlegung des Aufbaus der Arbeit.
2 Grundlagen: Erarbeitung der theoretischen Grundlagen von Kooperation und Wettbewerb sowie Definition relevanter Begriffe.
3 Realpraxeologischer Bezugsrahmen: Beschreibung und Vergleich von Praxisbeispielen aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie zur Entwicklung eines generischen Beziehungsgeflechts.
4 Theoretischer Bezugsrahmen zur Explikation kooperativen Verhaltens in kompetitiven Umfeldern: Anwendung der Neuen Institutionenökonomie auf die Praxisbeispiele und kritische Diskussion der Leistungsfähigkeit dieser Theorie.
5 Zusammenfassung: Resümee der Ergebnisse und Ausblick auf den Konzeptualisierungsvorschlag für eine neue Theorie.
Schlüsselwörter
Kooperation, Wettbewerb, Neue Institutionenökonomie, Transaktionskostentheorie, Property-Rights-Theorie, Principal-Agent-Theorie, Automobilindustrie, Luftfahrtindustrie, Strategische Allianzen, Interdependenz, Institution, Opportunismus, Verfügungsrechte, Markt, Hierarchie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das simultane Auftreten von Kooperation und Wettbewerb, also den sogenannten Dualismus dieser Interaktionsformen, aus einer institutionenökonomischen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Erklärung von kooperativem Verhalten in kompetitiven Märkten, wobei insbesondere Konzepte wie strategische Allianzen und vertikale bzw. horizontale Kooperationsformen analysiert werden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Neue Institutionenökonomie den Dualismus von Kooperation und Wettbewerb erklären kann, und daraus einen Konzeptualisierungsansatz für eine eigenständige Theorie abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen realpraxeologischen Bezugsrahmen, bei dem Fallbeispiele (Automobil- und Luftfahrtindustrie) deskriptiv analysiert und anschließend durch die theoretischen Instrumente der Neuen Institutionenökonomie expliziert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die deskriptive Analyse von Kooperationsgefügen (Kapitel 3) und die theoretische Fundierung sowie kritische Würdigung der Neuen Institutionenökonomie hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit (Kapitel 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Kooperation, Wettbewerb, Neue Institutionenökonomie, Transaktionskosten, Verfügungsrechte (Property Rights) sowie Principal-Agent-Beziehungen.
Warum wird die Kooperation zwischen Porsche und Volkswagen untersucht?
Das Beispiel dient als vertikale Kooperationsbeziehung innerhalb der Automobilindustrie, um die Anwendung des theoretischen Bezugsrahmens (insbesondere Property-Rights-Theorie und Machtkonstellationen) zu verdeutlichen.
Welche Rolle spielt die Star Alliance in der Untersuchung?
Die Star Alliance dient als Beispiel für eine multilaterale, horizontale Kooperation in der Luftfahrtindustrie und verdeutlicht die Problematik der Reversibilität und der Stabilität in komplexen Netzwerken.
- Arbeit zitieren
- Dennis Hoffmeister (Autor:in), 2006, Kooperation und Wettbewerb aus institutionenökonomischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83325