Kommunikation aus dem Blickwinkel der Systemtheorie und des symbolischen Interaktionismus


Term Paper, 2007
14 Pages, Grade: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikation im Blickpunkt der soziologischen Systemtheorie
2.1 Grundbegriffe und Grundannahmen Luhmanns
2.1.1 System-/Umweltdifferenz und Selbstreferenz
2.1.2 Komplexität
2.1.3 Kontingenz
2.1.4 Sinn
2.1.5 Information
2.1.6 Kommunikation ist ein unwahrscheinliches Ereignis
2.1.7 Wie kann Kommunikation trotzdem möglich sein?
3.1 „Symbolisch“ und „Interaktionismus“
3.2 Vokale Geste und signifikante Symbole
3.3 Die Rollenübernahme
3.4 Das „verallgemeinerte Andere“ als Grundlage der Identitätsbildung
3.5 Die zwei Formen des „Ich“

4. Fazit: Kommunikation ist nicht gleich Kommunikation

Literatur

Kommunikation aus dem Blickwinkel der Systemtheorie und

dem symbolischen Interaktionismus

1. Einleitung

Kommunikation beinhaltet im Ursprung des Wortes das „Gemeinsame“. Sie findet überall statt, egal auf welche Art und Weise oder mit welchen Medien. Dennoch ist Kommunikation keine Selbstverständlichkeit, sondern muss gesellschaftlich geübt werden

Auch Organisationen und Institutionen sind von Kommunikation abhängig. Da aber dafür langwierige Prozesse des Lernens notwendig sind, ist nicht jede Form von moderner Kommunikation erfolgreich.

Das Ziel dieser Arbeit ist darzustellen, wie sich der Begriff der Kommunikation aus zwei verschiedenen Theorien darstellt. Hiefür verwende ich den Ansatz der Systemtheorie nach Niklas Luhmann und den der Sicht des symbolischen Interaktionismus nach Herbert Mead. Zunächst werde ich die Grundzüge beider Theoriegebäude im Bezug auf Kommunikation aufzeigen und versuchen, praxisnahe Beispiele einzubauen. Anschließend werde ich die wesentlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten.

2. Kommunikation im Blickpunkt der soziologischen Systemtheorie

Luhmann, einer der Begründer der soziologischen Systemtheorie, verwendet in seiner Theorie grundsätzlich die abstrakten Elemente Operationen und Differenzen, um dadurch seine Theorie universell für alle gesellschaftlichen Systeme anwendbar zu machen und die Gesellschaft in allen ihren Unterteilungen zu umfassen. Dabei betrachtet er als System die sozialen Gegebenheiten der Interaktion, Organisation und Gesellschaft.

Für Niklas Luhmann, beinhaltet der Begriff der Kommunikation, insbesondere im Bezug auf Kommunikation als gemeinschaftliches Handeln und als Informationsübertragung, eine Operation oder Handlung, durch die soziale Systeme erzeugt und gestützt werden.

Dabei bilden Handlungen und Ereignisse selbst in ihrer Summe keine Kommunikation, sondern sie ist ein Geschehen, dessen letzte Elemente Handlungen bilden, die auch als Form von Mitteilungen auftreten können und Absichten sowie Ziele beinhalten, und sich so auf das Kommunikationsgeschehen auswirken.

Im Grunde versteht Luhmann den Verlauf von Kommunikation als symmetrisch. Das bedeutet, dass jeder Inhalt von Kommunikation andere Inhalte dominieren und somit eine Gewichtung von Themen neu ordnen kann. Erst wenn Handlung einen Einfluss auf die Kommunikation nimmt, indem sie die Richtung vorgibt und das unterschiedliche Interesse der Kommunikanten einbezieht, wird sie asymmetrisch. (Luhmann 1998, S.227)

2.1 Grundbegriffe und Grundannahmen Luhmanns

Luhmann beschreibt die soziale Welt mit den Grundbegriffen der Komplexität, der Kontingenz, des Systems und der Umwelt, sowie Sinn und Selektivität, Selbstorganisation und Grenzerhaltung von Systemen.[1]

Die Welt in ihrer Gesamtheit zu betrachten ist ein sehr komplexer Vorgang und kann nur dadurch erleichtert werden, dass eine Ausdifferenzierung der Prozesse in Teilsysteme und Teilwelten erfolgt. Doch durch die zunehmende Eigenständigkeit und Spezialisierung dieser Teilsysteme entstehen neue Probleme wie systembedingte Widersprüche und Paradoxien.

2.1.1 System-/Umweltdifferenz und Selbstreferenz

Luhmann sagt aus, dass das System mit seinen Elementen keinen Austausch mit der Umwelt hat, sondern sich klar von ihr abgrenzt. Dabei kann kein System außerhalb seiner Grenzen handeln, sondern ist ganz auf sich angewiesen. Das bedeutet, dass ein Gedanke, der das psychische System bildet und aus ihm entsteht nicht in das soziale System, das aus Kommunikationen besteht und sie bildet übergehen kann. Dennoch brauchen sie einander, sind aber gleichzeitig immer auf sich selbst zurück bezogen.[2]

Dabei kann die ständige Erneuerung der Systemelemente, die sich selbst organisieren können, zum Auftreten neuer übergeordneter Systeme führen.

Luhmann beschreibt diesen Vorgang wie folgt: „die Theorie selbstreferenzieller Systeme behauptet, dass eine Ausdifferenzierung von Systemen nur durch Selbstreferenz zustande kommen kann, das heißt, dadurch, dass die Systeme in der Konstitution ihrer Elemente und ihrer elementaren Operatoren auf sich selbst […] Bezug nehmen. Systeme müssen […] eine Beschreibung ihres Selbst erzeugen und benützen; sie müssen mindestens die Differenz von System und Umwelt systemintern als Orientierung und als Prinzip der Erzeugung von Information verwenden können. […] Die Umwelt ist ein notwendiges Korrelat selbstreferenzieller Operationen, weil gerade diese Operationen nicht unter der Prämisse des Solipsismus ablaufen können […] Die (inzwischen klassische) Unterscheidung von „geschlossenen“ und „offenen“ Systemen wird ersetzt durch die Frage, wie selbstreferenzielle Geschlossenheit Offenheit erzeugen kann.“ (Luhmann 1988, S.25)

Grundsätzlich unterscheidet sich das System von der Umwelt dadurch, dass es weniger komplex ist. Vergleicht man Luhmann 1988, S. 250f, so muss es sich gegenüber der enormen Umweltkomplexität durch die Reduktion der eigenen Komplexität durchsetzen. Dabei besitzen Systeme die Möglichkeit, aufeinander aufzubauen. Der Grad der Komplexität ist hierbei ein Resultat von Entscheidungen innerhalb des Systems. Luhmann spricht jedem System die Fähigkeit zu, Beziehungen zu sich selbst herzustellen und sich gegen die Umwelt zu differenzieren und damit seine eigene Komplexität zu steigern.

2.1.2 Komplexität

Luhmann versteht unter diesem Begriff einen Mangel an Information und Orientierung durch Vielschichtigkeit, der durch Reduzierung von Komplexität – das heißt durch Selektion – ausgeglichen wird. Demnach besteht in Systemen ein Überschuss an Anknüpfungsmöglichkeiten. Dadurch wird ein beständiger Prozess an Selektion zur Reduktion notwendig. Weiter bezeichnet er die Komplexität als ein Begriff, der die Begrenzung eines Systems auf zwei Seiten bestimmt.

1. gegenüber der Umwelt in Bezug auf das, was als relevant für das System gilt
2. gegenüber dem System in Bezug auf die Elemente, die Komplexität erzeugen

Die Selektion kann aufgrund verschiedener Annahmen geschehen:

1. Reduktion der Komplexität findet bereits durch die Bildung eines Systems statt. Die Umwelt ist dadurch komplexer als das einzelne System
2. Das System muss sich von nicht aktualisierten Beziehungen trennen und relevante Umweltbeziehungen wie Informationen usw. selektieren
3. Selektion orientiert sich am „Sinn“. Das System ist entweder sinnkonstituiert oder sinnkonstituierend
4. Normen und Regeln unterstützen diesen Selektierungsprozess, indem sie Kontingenzen einschränken
5. Operationen innerhalb des Systems erzeugen Ablaufstrukturen, die die Freiheitsgrade nachfolgender Strukturen vermindern.

2.1.3 Kontingenz

Kontingenz bedeutet das Vorhandensein von Möglichkeiten oder Zufälligkeiten, nicht jedoch eine Notwendigkeit. Dies bedeutet salopp ausgedrückt, dass man auch anders hätte handeln können, als man es getan hat. Dies schließt einen gewissen Überraschungsmoment ein, da man nie genau berechnen kann, wie jemand reagieren oder handeln wird, oder ob Dinge sich auf die oder die Art ereignen werden. Dabei sind die Möglichkeiten unendlich viele, können aber durch Normen, Ordnungen, Institutionen oder situative Konstellationen, sowie durch Anschlussmöglichkeiten an bestehende Kommunikationen eingeschränkt werden.

Ein Beispiel wäre, dass eine Kollegin eine andere bei der Durchführung einer pflegerischen Tätigkeit beobachtet und aus ihrer Sicht eine Verbesserungsmöglichkeit bemerkt. Sie entschließt sich, diese Kollegin darauf anzusprechen und denkt, dass diese den Rat dankbar annehmen wird. Doch der Überraschungseffekt ist der, dass diese Kollegin völlig unerwartet reagiert und sauer wird. Sie fühlt sich vielleicht gekränkt, da sie schon länger im Amt ist, als die andere Kollegin. Sie hätte sicherlich gelassener reagieren und einen Konflikt vermeiden können. Indem die Kollegin die Reaktion der anderen im Vorfeld nicht einschätzen konnte, ist sie das Risiko der Enttäuschung eingegangen.

Luhmann stellt den Zusammenhang von Komplexität und Kontingenz wie folgt dar: „Unter Komplexität wollen wir verstehen, dass es mehr Möglichkeiten gibt, als aktualisiert werden können. Unter Kontingenz wollen wir verstehen, dass die angezeigten Möglichkeiten weiteren Erlebens auch anders ausfallen können, als erwartet wurde… Komplexität heißt also praktisch Entscheidungszwang, Kontingenz heißt praktisch Enttäuschungsgefahr und Notwendigkeit des Sicheinlassens auf Risiken.“ (Luhmann 1972, Bd.1, S. 31)

[...]


[1] Retter, Hein: Studienbuch pädagogische Kommunikation, 2. durchgesehene Auflage, Bonn 2002, Julius Klinkhardt Verlag, S.

[2] Baraldi, Claudio: GLU: Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme / von Claudio Baraldi; Giancarlo Corsi; Elena Esposito.- 1. Auflage.- Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1997. (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft; 1226) S.195f

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Details

Title
Kommunikation aus dem Blickwinkel der Systemtheorie und des symbolischen Interaktionismus
College
Catholic University of Applied Sciences Freiburg
Course
Einführung in die Organisationssoziologie
Grade
1,0
Author
Year
2007
Pages
14
Catalog Number
V83337
ISBN (eBook)
9783638019071
ISBN (Book)
9783638920131
File size
517 KB
Language
German
Tags
Kommunikation, Blickwinkel, Systemtheorie, Interaktionismus, Einführung, Organisationssoziologie
Quote paper
Ronny Weiß (Author), 2007, Kommunikation aus dem Blickwinkel der Systemtheorie und des symbolischen Interaktionismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83337

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