Das Hohelied der Liebe im Alten Testament, von König Salomon, ist eines der rätselhaftesten Texte in der Bibel.
Der Autor geht von der sogenannten Hirtentheorie aus, welche besagt, dass es sich im Text des Hoheliedes um 3 Personen handelt: 1. Um den König Salomo, 2. um das Mädchen Sulamith und 3. um einen namentlich unbekannten Freund dieses Mädchens, einen Hirten. Es ist in der Form eines Liebesliedes geschrieben, das die Handlung der Lovestory in sich verbirgt, weil sie den Menschen damals ohnehin bekannt gewesen sein dürfte.
Im Vorfeld wird auch darauf eingegangen, was für diese These spricht und warum es in der christlichen Tradition oft nicht verstanden wurde. Eine wichtige Rolle spielte dabei Augustinus und der Einfluss der griechischer Philosophien in de Patristik. Die Allegorische Deutung des Hoheliedes griff allerdings auch im Judentum um sich und führte hier zu einer Anwendung auf das Verhältnis des Jahwes zu seinem Gottesvolkes.
Die Rekonstruktion der eigentlichen Geschichte, die hinter dem Liebes- oder Hochzeitslied steht, schafft wieder einen freien Blick auf die Sexualethik der Zeit des König Salomos, die durchaus ambivalent war. Während der König sich Polygam zeigte, war im Volk die dauerhafte Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen verankert. Dieses Ideal ehrt der König in seinem Lied in einer einzigartig lyrischen Weise. Auch sonst finden wir in Salomos Schriften (Sprüche, Kohelet) die Monogamie als favorisierte Form der Lebensgemeinschaft, die er selber jedoch nicht pflegen konnte oder wollte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. König Salomos Hohelied der Liebe
II. Die Personen und die Handlung
III. Biblische Sexualethik im Kontext der Zeiten
IV. Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Hohelied Salomos nicht als allegorische Darstellung, sondern als ein biblisches Zeugnis für die erotische Liebe zwischen Mann und Frau zu interpretieren und in einen Dialog mit modernen sexualethischen Fragestellungen zu bringen.
- Exegese des Hohelieds im biblischen Kontext
- Analyse der Akteure (Salomo, Sulamith, der Freund)
- Vergleich historischer biblischer Sexualethik mit modernen Strömungen
- Die Bedeutung von Treue, Intimität und persönlicher Entscheidung in der Partnerschaft
Auszug aus dem Buch
Die Einzigartigkeit des Geliebten
In einem fließenden Übergang zum Kap 1, den wir als Prolog bezeichnet haben, beginnt das Kap 2 mit einer Strophe des Liedes, die man vielleicht als Tagtraum Sulamith bezeichnen könnte. Dieser zeigt uns Wesentliches über das Verhältnis des jungen Liebespaares zueinander verrät. Vielleicht ruft sie sich in dessen Abwesenheit schöne Stunden ins Gedächtnis, die sie mit ihm erlebt hat.
2. 1-3: Ich bin eine Narzisse im Sharon, eine Lilie der Täler. Wie eine Lilie unter Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern. Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes so ist mein Geliebter unter den Söhnen. In seinem Schatten zu sitzen gelüstet's mich, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß.
Es geht um mehr als um Komplimente, die sich die Liebenden gegenseitig gemacht haben: Die Bilder sind symbolhaft und bedeutungsvoll. Mag ihre Schönheit auch vergleichbar sein mit der anderer Blumen, aber in ihre Sanftheit ist sie einzigartig, denn sie hat keine Dornen wie die andere um sie herum. Die Attraktivität Sulamiths liegt nicht nur in ihrer körperlichen Schönheit. Der Hirte erwartet mehr von seiner künftigen Partnerin für's Leben. Die Lilie unter den Dornene scheint auf die Sanftheit des Mädchens hinzudeuten. Bei ihr holt wird er sich keine Verletzungen einhandeln.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor führt in die historische Situation des Königtums zur Zeit Salomos ein und begründet seine Motivation, das oft vernachlässigte Hohelied neu auf die erotische Liebe hin zu lesen.
I. König Salomos Hohelied der Liebe: Dieses Kapitel kritisiert gängige allegorische Auslegungen und plädiert für eine wörtliche Deutung des Hohelieds als Liebeslied, um die biblische Aussage über die Sexualität zu bewahren.
II. Die Personen und die Handlung: Es wird die Hypothese einer Dreiecksbeziehung zwischen Salomo, dem Mädchen Sulamith und einem Hirten aufgestellt, um die Dynamik und die Entscheidung des Mädchens zu beleuchten.
III. Biblische Sexualethik im Kontext der Zeiten: Hier werden die im Hohelied entdeckten Werte Treue, persönliche Entscheidung und Intimität mit gesellschaftlichen Fehlentwicklungen der Gegenwart kontrastiert.
IV. Nachwort: Das Nachwort resümiert die Notwendigkeit einer bewussten sittlichen Orientierung und betont die Hoffnung, die im christlichen Glauben für gelingende Beziehungen liegt.
Schlüsselwörter
Hohelied, Sexualethik, Sulamith, Salomo, Erotik, biblische Auslegung, Liebe, Treue, Partnerschaft, Hirtenlied, Integrität, Selbstbeherrschung, zwischenmenschliche Beziehungen, Ehe, biblische Anthropologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Das Buch bietet eine Auslegung des Hohelieds Salomos als ein biblisches Zeugnis für die erotische Liebe zwischen Mann und Frau, abseits der traditionellen allegorischen Deutungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die biblische Sicht auf Sexualität, die Analyse zwischenmenschlicher Treue, die Bedeutung persönlicher Integrität bei der Partnerwahl sowie die Herausforderung, biblische Werte in eine säkulare Moderne zu integrieren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den ursprünglichen, lebensbejahenden Charakter der Liebe im Hohelied freizulegen und daraus Impulse für eine zeitgemäße, ethisch fundierte Sexualität zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine exegetisch orientierte, aber nicht primär theologische Facharbeit, die den Text im Lichte der sogenannten Hirten-Theorie liest und psychologische sowie soziologische Beobachtungen einfließen lässt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Akteure des Hohelieds, den Verlauf der „Handlung“ zwischen Salomo, dem Mädchen und dem Hirten, sowie die Anwendung dieser biblischen Erkenntnisse auf moderne gesellschaftliche Krisen in der Sexualethik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Hohelied, Sexualethik, Liebe, Treue, Sulamith, biblische Auslegung, Partnerschaft und christliche Werte.
Wie unterscheidet sich die Interpretation von der traditionellen Kirchenlehre?
Während die Kirchengeschichte das Lied oft allegorisch (als Beziehung zwischen Gott und Israel oder Christus und der Gemeinde) deutete, besteht der Autor auf einer realen, menschlichen Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau.
Welche Rolle spielt die „Hirten-Theorie“ in diesem Buch?
Sie dient als hermeneutischer Schlüssel, um Sulamiths Entscheidung gegen den König Salomo und für den einfachen Hirten zu verstehen, was als bewusste Entscheidung für echte Liebe statt materieller Macht gedeutet wird.
Was ist die Schlussfolgerung des Autors bezüglich der heutigen Sexualmoral?
Der Autor plädiert für eine bewusste Selbstbeherrschung und Rückbesinnung auf biblische Maßstäbe, um der „Orientierungslosigkeit“ und dem Missbrauch der Sexualität in der modernen Gesellschaft zu begegnen.
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- Johann Schoor (Author), 2007, Das Siegel auf deinem Herzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83341