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Der Gegenwartsbezug im Geschichtsunterricht

Title: Der Gegenwartsbezug im Geschichtsunterricht

Seminar Paper , 2007 , 14 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Gunnar Linning (Author)

Didactics - History
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Der Topos der Geschichte als Lehrmeisterin des Lebens wurde erstmals im ersten Jahrhundert vor Christus von Marcus Tullius Cicero formuliert. Dieses Verständnis beruht auf der antiken Hypothese, dass „das Vergangene […] nicht schlechthin vergangen ist, sondern gerade dadurch, dass es einmal Realität war, als prinzipielle Möglichkeit weiter besteht, die in einer nicht oder noch nicht bekannten Zukunft sich wiederum realisieren wird“ – ein zirkulares Bild des historischen Geschehens. Die moderne Zyklentheorie meint jedoch nicht die Identität von Vergangenheit und Zukunft sondern die Entsprechung von prinzipiellen Gesetzmäßigkeiten und Strukturen. Historia kann nur etwas lehren, wenn das „schlechthin Einzelne aus seiner Einzelheit erlöst wird, indem es für ein anderes zu stehen kommt, und damit an einem Allgemeinen teilhat“. Die Übertragung von Veränderungsstrukturen vergangener Ereignisse auf Gegebenheiten der Gegenwart ermöglicht also, sich an bereits gemachten Erfahrungen zu orientieren, um Entscheidungen für die Zukunft sicherer planen zu können.
Diese Erkenntnis der Sinnhaltigkeit von Geschichte muss SchülerInnen bewusst gemacht werden, um sie für den Geschichtsunterricht begeistern zu können. Sie müssen im Unterricht ihre eigenen Fragen und Interessen in historischen Themen wieder erkennen und, wie die Moral aus einem Märchen, eine Orientierungshilfe für ihre eigene Gegenwart und Zukunft daraus ableiten können. Möglich ist dies nur, wenn sich der Geschichtsunterricht mit der Geschichte der SchülerInnen, beziehungsweise mit der ihrer Lebensumwelt – ihrer Umgebung, ihrer Vorfahren usw. –, beschäftigt. Weiterhin müssen SchülerInnen hierzu sowohl Methoden für das eigenständige Erforschen ihrer Fragen erlernen, sowie im Unterricht die Möglichkeit von Mitarbeit erhalten, auch wenn sie leistungsschwächer sind als ihre Mitschüler. Historische Inhalte ohne jeglichen Gegenwartsbezug sind für SchülerInnen nicht relevant und daher nicht an sie vermittelbar.
In der vorliegenden Arbeit soll auf Möglichkeiten eines bewusst gegenwarts- und zukunftsorientierten Geschichtsunterrichts eingegangen werden: ein Unterricht, der dem Lernenden die Fähigkeit erbringt, Verbindungen zwischen Ereignissen und Verhältnissen zu ziehen, um aufzuzeigen, wann, wo und auf welche Weise historische Gegebenheiten nützlich sind für die Gegenwart.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Gegenwartsbezug im Geschichtsunterricht

2.1. Die Theorie der Gegenwarts- und Zukunftsbezogenheit

2.2. Die Didaktik der Gegenwarts- und Zukunftsbezogenheit

2.2.1. Ursachen- und Sinnzusammenhänge

2.2.2. Der thematische Längsschnitt

2.2.3. Die historische Fallstudie

2.3. Erkennbare Vergangenheitsbezüge als didaktische und methodische Grundlage des Unterrichts

2.4. Planung von Unterricht

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und praktische Umsetzung von Gegenwarts- und Zukunftsbezügen im Geschichtsunterricht. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Verknüpfung historischer Ereignisse mit gegenwärtigen Fragestellungen die Relevanz von Geschichte für Schülerinnen und Schüler erhöht und methodische Kompetenzen gefördert werden können.

  • Theorie und Didaktik der Gegenwarts- und Zukunftsbezogenheit
  • Methoden der historischen Sinnstiftung (Ursachenzusammenhänge, Längsschnitte, Fallstudien)
  • Kategorisierung von Vergangenheitszeugnissen in der heutigen Lebenswelt
  • Planungsmöglichkeiten für einen gegenwartsorientierten, nicht-chronologischen Geschichtsunterricht
  • Förderung der Urteils- und Handlungskompetenz von Lernenden

Auszug aus dem Buch

2.2.1. Ursachen- und Sinnzusammenhänge

Die Methode des Ursachenzusammenhangs untersucht die Ursprünge gegenwärtiger bzw. zukünftiger Probleme. Man begrenzt hierzu den Untersuchungszeitraum auf die neuere und neuste Geschichte bzw. die Zeitgeschichte. Ein im Unterricht wesentlich zu verfolgendes Ziel ist es, den SchülerInnen begreiflich zu machen, dass historisches Wissen unerlässlich für weise und kluge Entscheidungen der Gegenwart bzw. dem verstehen gegenwärtiger Konstellationen ist. So kann nur derjenige mögliche Vorbehalte (und dem daraus resultierenden politischen Handeln) anderer Nationen gegenüber der deutschen Bevölkerung begreifen, der von dem extremen Vorgehen der Nationalsozialisten während 1939 bis 1945 weiß. Gleichartig lassen sich „historische Ursachenzusammenhänge“ kulturell entscheidender Ereignisse rekonstruieren, um diese Phänomene besser zu verstehen. Als Beispiel dienen hier die Gründe, die 1517 zu Martin Luthers Kritik an der Kirche führten oder was die Anlässe zum Sturm auf die Bastille 1789 waren.

Die Erforschung von Sinnzusammenhängen beschäftigt sich hingegen mit historischen Sachverhalten und Entwicklungen, die aufgrund der in ihnen auffindbaren Probleme, Strukturen, Wertvorstellungen und Erfahrungen gegenwärtigen Herausforderungen ähneln – eine Analogie entsteht. Solcherart Vergleiche ermöglichen, wie die Methode der Ursachenzusammenhänge auch, eine Orientierung in der Gegenwart bzw. eine Erkenntnis über gegenwärtige Phänomene zu erlangen und dadurch vernünftige Entscheidungen zu treffen. So wird heutzutage in öffentlichen Medien und in der Wissenschaft der Umgang mit der steigenden Anzahl von Fremden und von Minderheiten in der BRD kontrovers diskutiert. Geschichtsdidaktisch kann in diesem Zusammenhang mit den SchülerInnen untersucht werden, ob in der Vergangenheit ähnliche gesellschaftliche Probleme bestanden und wie das Zusammenleben verschiedener Kulturen organisiert wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den historischen Topos der Geschichte als Lehrmeisterin des Lebens und begründet die Notwendigkeit, historische Themen für die Gegenwart der Schülerinnen und Schüler zu erschließen.

2. Der Gegenwartsbezug im Geschichtsunterricht: Das Kernkapitel diskutiert theoretische und didaktische Konzepte, um Geschichte als Orientierungshilfe für heutige Lebenswelten und gesellschaftliche Problemstellungen nutzbar zu machen.

2.1. Die Theorie der Gegenwarts- und Zukunftsbezogenheit: Es wird dargelegt, dass Erinnerung und historische Reflexion immer durch Gegenwartserfahrungen und Zukunftserwartungen geprägt sind.

2.2. Die Didaktik der Gegenwarts- und Zukunftsbezogenheit: Dieses Kapitel fokussiert auf die Verantwortung von Lehrkräften, den praktischen Nutzen von Geschichte zu vermitteln und Lernende zur Lösung gegenwärtiger gesellschaftlicher Herausforderungen zu befähigen.

2.2.1. Ursachen- und Sinnzusammenhänge: Hier werden zwei zentrale methodische Ansätze zur historischen Untersuchung vorgestellt, die entweder nach Ursprüngen aktueller Probleme fragen oder Analogien zwischen Epochen ziehen.

2.2.2. Der thematische Längsschnitt: Dieser Abschnitt beschreibt die Methode, ein spezifisches gesellschaftliches Problem oder einen Begriff über verschiedene Zeitalter hinweg historisch zu analysieren.

2.2.3. Die historische Fallstudie: Es wird die Möglichkeit erläutert, anhand eines einzelnen, exemplarischen historischen Falls Verständnis für heutige komplexe Situationen zu gewinnen.

2.3. Erkennbare Vergangenheitsbezüge als didaktische und methodische Grundlage des Unterrichts: Das Kapitel kategorisiert materielle und geistige Zeugnisse der Geschichte in der Gegenwart, um diese als didaktische Anknüpfungspunkte im Unterricht zu nutzen.

2.4. Planung von Unterricht: Hier wird die Abkehr vom rein chronologischen Unterricht hin zu einer problemorientierten, deduktiven Unterrichtsplanung befürwortet.

3. Fazit: Das Fazit unterstreicht die Bedeutung der bewussten Integration von Gegenwarts- und Zukunftsbezügen zur Förderung von Urteils- und Handlungskompetenzen der Schülerinnen und Schüler.

Schlüsselwörter

Gegenwartsbezug, Geschichtsunterricht, Didaktik, Sinnzusammenhang, Ursachenzusammenhang, Vergegenwärtigung, Historische Fallstudie, Längsschnitt, Geschichtskultur, Handlungskompetenz, Urteilskompetenz, Historisches Lernen, Zeitgeschichte, Zukunftsorientierung, Schülerinteressen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der geschichtsdidaktischen Relevanz von Gegenwarts- und Zukunftsbezügen im Unterricht und wie diese zur Motivation und Kompetenzbildung der Lernenden beitragen können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die theoretische Begründung der Gegenwartsorientierung, verschiedene didaktische Methoden zur Verbindung von Historie und Alltag sowie die praktische Unterrichtsplanung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Unterricht gestaltet werden kann, damit Lernende historische Erkenntnisse zur Orientierung in ihrer eigenen Gegenwart und zur Gestaltung ihrer Zukunft nutzen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Diskussion geschichtsdidaktischer Fachliteratur, um bestehende Ansätze zur Vergegenwärtigung von Geschichte zu systematisieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, didaktische Methoden (Ursachen-, Sinnzusammenhänge, Längsschnitte, Fallstudien) sowie die methodische Klassifizierung von Vergangenheitszeugnissen und Strategien für die Unterrichtsplanung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Gegenwartsbezug, Geschichtsdidaktik, Vergegenwärtigung, Handlungskompetenz, historisches Lernen und die problemorientierte Unterrichtsgestaltung.

Warum ist eine Abkehr von der reinen Chronologie im Unterricht sinnvoll?

Der Autor argumentiert, dass nicht-chronologischer Unterricht Lernende stärker motiviert, da sie eigenständig Lösungen für relevante Fragestellungen ermitteln, statt nur Fakten vermittelt zu bekommen.

Wie unterscheidet sich ein „Ursachenzusammenhang“ von einem „Sinnzusammenhang“?

Der Ursachenzusammenhang untersucht die historischen Wurzeln heutiger Probleme (Zeitgeschichte), während der Sinnzusammenhang über Epochengrenzen hinweg Analogien sucht, um heutige Strukturen durch historische Parallelen besser zu verstehen.

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Details

Title
Der Gegenwartsbezug im Geschichtsunterricht
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Historisches Seminar)
Course
Einführung in die Geschichtsdidaktik
Grade
1,0
Author
Gunnar Linning (Author)
Publication Year
2007
Pages
14
Catalog Number
V83360
ISBN (eBook)
9783638899338
Language
German
Tags
Gegenwartsbezug Geschichtsunterricht Einführung Geschichtsdidaktik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Gunnar Linning (Author), 2007, Der Gegenwartsbezug im Geschichtsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83360
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