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Nelly Sachs’ sprachliche Verarbeitung des Holocaust am Beispiel der „Wohnungen des Todes“

Title: Nelly Sachs’ sprachliche Verarbeitung des Holocaust am Beispiel der „Wohnungen des Todes“

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jessica Werner (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Nelly Sachs gehört ist natürlich nicht die einzige Schriftstellerin, die „[...] nicht nur Gedichte nach Auschwitz, sondern sogar über Auschwitz geschrieben“ hat. Aber ihre Arbeitsweise unterscheidet sich von den meisten anderen. Nelly Sachs hat nämlich ihre eigene Art und Weise, mit Sprache umzugehen und sie einzusetzen. Darum, aber vor allem um den Aspekt der Verdrehung und unnatürlichen Verwendung von Begriffen in der Nazizeit und die Aufnahme dieses sprachlichen Mittels bei Nelly Sachs, soll es in der folgenden Arbeit gehen.
Zunächst wird ein allgemeiner Überblick über die Problematik vor allem der sprachlichen Ebene, mit der sich Schriftsteller zur Zeit des und nach dem Holocaust auseinandersetzen mussten, gegeben. Die Frage, ob man nach Auschwitz überhaupt noch Gedichte schreiben kann, wird beantwortet. Nach der Bejahung dieser Frage wird erörtert, in welcher Weise man sich dem Holocaust sprachlich annähern kann und darf.
Danach wird der Umgang mit Sprache bei Nelly Sachs untersucht, wobei zuerst Allgemeines über ihre Wortwahl und ihre Arbeit mit den Wörtern gesagt wird. Im Anschluss daran wird gezeigt, wie Nelly Sachs sich dem Mittel der Verdrehung von Sprache verdient, und damit die pervertierte Weltsicht der Nationalsozialisten aufdeckt.

Im Folgenden soll ein allgemeiner Überblick über die Diskussion, ob man nach Auschwitz überhaupt noch Gedichte schreiben darf, gegeben werden. Im Mittelpunkt steht Adornos Aussage, dass es barbarisch sei, nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben. Es werden verschiedene Thesen vorgestellt, wie es doch möglich ist, ein Gedicht zu schreiben, und auch, wie oder was man nicht schreiben kann und darf.
Im zweiten Abschnitt steht die Frage im Mittelpunkt, wie man das Unaussprechliche des Holocaust in Worte fasst, so wie es viele Schriftsteller dann auch getan haben. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Literatur und Holocaust

2.1. Lyrik nach Auschwitz?

2.2. Wie sagt man das Un-Sagbare?

3. Der sprachliche Umgang mit dem Holocaust bei Nelly Sachs

3.1. Nelly Sachs und die Lyrik

3.2. Nelly Sachs und die Sprache

3.3. „In den Wohnungen des Todes“

3.2.1. Wohnungen

3.2.2. Tod

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifische sprachliche Strategie der Schriftstellerin Nelly Sachs bei der literarischen Aufarbeitung des Holocaust. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Sachs durch die bewusste Umdeutung und Rekontextualisierung sprachlicher Begriffe die perverse Weltsicht der Nationalsozialisten offenlegt, anstatt die Sprache der Kunst aus Angst vor Ästhetisierung zu meiden.

  • Die literarische Debatte über das Schreiben von Lyrik nach Auschwitz.
  • Die Problematik der sprachlichen Fixierung des „Un-Sagbaren“.
  • Die Analyse der Wortwahl und des individuellen Umgangs mit Sprache bei Nelly Sachs.
  • Die Pervertierung von Begriffen als Spiegel der nationalsozialistischen Ideologie am Beispiel von „Wohnungen des Todes“.
  • Die Bedeutung von Tod und Verwandlung als zentrale Motive im Werk der Autorin.

Auszug aus dem Buch

3.2. Nelly Sachs und die Sprache

Für Nelly Sachs hat Sprache, hat das Umgehen mit Sprache also eine besondere Bedeutung. Durch das Übersetzen moderner schwedischer Lyrik, womit sie nach ihrer Emigration ihr Geld verdient, intensiviert diesen Bezug noch.

Anders als die meisten Schriftsteller ihrer Generation lautet ihre Devise nicht Kahlschlag, oder, wie oben ausgeführt, die Meidung bestimmter Sprachbereiche, sondern sie arbeitet fast gegenteilig: „Sie setzt sich der missbrauchten Sprache aus, sie versucht, ihre einstige Reinheit herauszufiltern, das »verlorene Alphabet« wiederzufinden.“ Diese Arbeitsweise thematisiert sie auch in einem ihrer Gedichte:

Die abgeschnittene Schöpfung auf den Ladentischen wurde in meine Welt verlegt um das Gebet zu finden das die verstümmelten Silben zusammenfügt in ihre dunkle Harmonie darin die Ideogramme sich küssen und heilen.

Sie spricht davon, dass „Ideogramme sich küssen und heilen“, was genau ihrer Intention entspricht, nicht durch Ausklammerung, sondern mit Weiterverwendung, Heilung der missbrauchten Wörter zu arbeiten: „Bei Nelly Sachs erhielt die deutsche Sprache Schutz, genas sie, brachte sie frische Triebe hervor, wuchs sie hinein in neue Zusammenhänge.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie Nelly Sachs Sprache nutzt, um den Holocaust zu verarbeiten, und grenzt ihre Arbeitsweise von anderen zeitgenössischen Autoren ab.

2. Literatur und Holocaust: Hier wird der theoretische Kontext beleuchtet, insbesondere die Debatte um Adornos Diktum zur Möglichkeit von Lyrik nach Auschwitz sowie die Schwierigkeit, Unaussprechliches in Worte zu fassen.

3. Der sprachliche Umgang mit dem Holocaust bei Nelly Sachs: Dieser Hauptteil analysiert die persönliche Herangehensweise der Autorin an die Lyrik, ihren Umgang mit der pervertierten Sprache der Nationalsozialisten und die symbolische Bedeutung der zentralen Begriffe „Wohnungen“ und „Tod“.

4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Nelly Sachs durch eine bewusste „Wortsicherheit“ und die Aneignung vorbelasteter Begriffe ein einzigartiges, würdiges Werk geschaffen hat, das den Holocaust thematisiert, ohne ihn zu ästhetisieren oder zu verklären.

Schlüsselwörter

Nelly Sachs, Holocaust, Lyrik nach Auschwitz, Sprachkritik, Un-Sagbares, Pervertierung der Sprache, Wohnungen des Todes, Nationalsozialismus, Literaturwissenschaft, Todesbilder, Sprachlosigkeit, Ästhetisierung, Bewusstseinswandel, poetisches Verfahren, Shoah.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie die Dichterin Nelly Sachs den Holocaust sprachlich verarbeitet und sich dabei bewusst vom Ansatz der „Sprachvermeidung“ anderer Schriftsteller abhebt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Sprachkrise nach dem Zweiten Weltkrieg, die Perversion der Sprache durch die Nationalsozialisten und die literarische Rekonstruktion von Realität durch neue Sinnzusammenhänge.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Nelly Sachs missbrauchte Begriffe „heilt“, indem sie diese in neuen poetischen Kontexten verwendet, statt sie aus dem Wortschatz zu verbannen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine werkimmanente Analyse durchgeführt, ergänzt durch die Einordnung in den literarischen Diskurs nach 1945 und unter Rückgriff auf zeitgenössische literaturwissenschaftliche Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Lyrik von Nelly Sachs, insbesondere auf dem Band „In den Wohnungen des Todes“, sowie auf ihrer speziellen Technik, positiv konnotierte Wörter im Kontext des Grauens zu dekonstruieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben der Autorin selbst sind Begriffe wie Sprachlosigkeit, Holocaust-Literatur, Pervertierung der Sprache und das Motiv des Todes essenziell.

Wie unterscheidet sich Sachs' Umgang mit Sprache von anderen Autoren?

Während viele zeitgenössische Autoren bestimmte „belastete“ Vokabeln mieden oder Kahlschlag praktizierten, setzt Sachs diese Wörter bewusst ein, um ihren ursprünglichen Sinn durch neue Konstellationen zurückzugewinnen.

Was bedeutet der Begriff „Wohnungen des Todes“ konkret?

Der Begriff dient als Genitivmetapher für die Konzentrationslager, womit Sachs die zynische Tarnsprache der Nationalsozialisten entlarvt, die Orte des Massenmordes als „Wohnungen“ euphemistisch verschleierten.

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Details

Title
Nelly Sachs’ sprachliche Verarbeitung des Holocaust am Beispiel der „Wohnungen des Todes“
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Nelly Sachs
Grade
1,0
Author
Jessica Werner (Author)
Publication Year
2005
Pages
28
Catalog Number
V83391
ISBN (eBook)
9783638899499
Language
German
Tags
Nelly Sachs’ Verarbeitung Holocaust Beispiel Todes“ Nelly Sachs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jessica Werner (Author), 2005, Nelly Sachs’ sprachliche Verarbeitung des Holocaust am Beispiel der „Wohnungen des Todes“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83391
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