Die Themenzentrierte Interaktion von Cohn

Anwendung in einer Malgruppe


Hausarbeit, 2007

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition der Begriffe Interaktion und lebendiges Lernen
2.1 Was ist Interaktion?
2.2 Was ist lebendiges Lernen?

3 Die Themenzentrierte Interaktion nach Cohn
3.1 Die Axiome
3.2 TZI- Dreieck
3.3 Die Postulate
3.4 Die Hilfsregeln
3.5 Kritik am Modell TZI

4 TZI in der Praxis
4.1 Beschreibung der Gruppe
4.2 Darstellung des Interaktionsproblem
4.3 Lösungsansatz
4.4 Durchführung des Lösungsansatzes
4.5 Ergebnis

5 Zusammenfassende Bewertung und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„ Wenn ich zu Hause bin, stelle ich das Bild erstmal in den Keller!“, klagte eine Malkursteilnehmerin in meiner Malwerkstatt, die mit dem Ergebnis ihrer Arbeit nicht zufrieden war, obwohl alle weiteren sechs Teilnehmer und ich als Kursleiterin ihr Resultat als sehr gelungen empfanden. Die Teilnehmerin verfiel in ein anhaltendes abwertendes Verhalten gegenüber ihrer Arbeit, was die Atmosphäre in der Gruppe in negativer Weise beeinflusste.

Dieses Erlebnis in der Gruppe soll Ausgangspunkt für meine Hausarbeit sein. Hierbei interessiert mich vor allem die Fragestellung, in wieweit die Themenzentrierte Interaktion (abgekürzt TZI) die Interaktion positiv beeinflussen kann.

Ist es möglich, durch die Anwendung der in der TZI formulierten Handlungsgrundsätze und Kommunikationsregeln, die in den Postulate und Hilfsregeln beschrieben werden, die Interaktion zu verbessern, um ein lebendiges Lernen in der Gruppe zu ermöglichen?

Für diese Aufgabenstellung werde ich im theoretischen Teil der Hausarbeit zuerst die Begriffe Interaktion und lebendiges Lernen definieren. Anschließend werde ich die Axiome der TZI darstellen, in denen das Ethikverständnis der TZI festgehalten ist. Danach werde ich das Strukturmodell TZI und die damit verbundenen Handlungsgrundsätze und Kommunikationsregeln, formuliert in den Postulaten und Hilfsregeln, erläutern. Die Kritik am Modell schließt den theoretischen Teil der Hausarbeit ab.

Im praktischen Teil der Hausarbeit erfolgen eine Vorstellung der Gruppe durch die Elemente des TZI- Strukturmodells und eine Darstellung des Interaktionsproblems. Anschließend wird ein Lösungsansatz erarbeitet und durchgeführt. Die Ergebnisse nach erfolgter Anwendung werden beschrieben und interpretiert. Am Schluss der Arbeit werde ich eine Bewertung und einen Ausblick auf weitere Anwendungen in der Gruppe vornehmen.

2 Definition der Begriffe Interaktion und lebendiges Lernen

Um die für die Hausarbeit relevanten Begriffe Interaktion und lebendiges Lernen vom Alltagssprachgebrauch abzugrenzen, möchte ich sie genauer definieren. Da es auch in der Wissenschaft verschiedene Definitionen, besonders zum Begriff Interaktion gibt, orientiere ich mich in meiner Auswahl an denjenigen, die mir für den Kontext der Hausarbeit am relevantesten erscheinen.

2.1 Was ist Interaktion?

Im Wörterbuch der Kognitionswissenschaften schreibt Strube:

„Mit Interaktion wird das wechselseitige Aufeinander-Bezug-Nehmen handelnder Akteure in einem konkret historischen lebensweltlichen Zusammenhang, dem I.-Kontext bezeichnet. Der I.-Kontext ist gekennzeichnet durch die in ihm geltenden allgemeinen Handlungsorientierungen, die bereits zu den geteilten Wissensbeständen der Akteure gehören oder im Umgang mit bedeutsamen Personen im Sozialisationsprozess erworben werden vertreten ...“ (Strube 1996, S. 284-285).

Der Begriff beschreibt also die Wechselwirkungen von Handlungen, die zwischen verschieden Akteuren stattfinden. Diese können nur stattfinden, wenn zwischen den Beteiligten ein gemeinsames Repertoire an normativen Vorstellungen und kommunikativen Techniken vorhanden ist.

Cohn möchte durch die Anwendung ihres Konzeptes, die jede Gruppeninteraktion konstituierenden Faktoren Ich (Persönlichkeit jedes einzelnen), Wir (Gruppe), Es (Thema Gegenstand der Gruppenaktivität angemessen berücksichtigen und in einer dynamischen Balance halten. (Böhm, 2005, S.630-631).

Eine Verbesserung der Interaktion bedeutet eine Verbesserung der Befindlichkeit der einzelnen GruppenteilnehmerInnen und eine Förderung des Gruppenzusammenhangs, was zu einer effektiveren Arbeitsbewältigung führen soll. Hierdurch soll ein lebendiges Lernen erreicht werden.

2.2 Was ist „lebendiges Lernen“?

Der Begriff wurde vom Therapeuten Libermann, ein Mitarbeiter von Cohn geprägt. „ Lebendiges Lernen“ ist ein Konzept innerhalb der holistischen Philosophie. Sie umfasst die Ganzheit des Empfindens, Fühlens und Denkens“. (Cohn 1993, S. 18).Es wird die Verbindung von emotionalem und kognitivem Lernen, die Verbindung von Autonomie und Interdependenz und die gleichzeitig Zuwendung einer Gruppe zum Thema angestrebt. Lebendiges Lernen bedeutet zu leben, während ich lerne.

Ausgangspunkt des Lernens ist das Erleben im Hier und Jetzt. Das Lernen wird nicht aufgepfropft, sondern lebendig mit Leib, Seele, Intellekt und Geist erfasst. (Cohn & Farau, 1984, S. 327)

Lebendiges Lernen berücksichtigt also die Ganzheitlichkeit des Menschen und möchte den ganzen Menschen in den Lernprozess einbeziehen.

3 Die Themenzentrierte Interaktion nach Cohn

Das Modell der Themenzentrierten Interaktion wurde von der deutsch- jüdischen Psychoanalytikerin Ruth Cohn in den 60er Jahren in den vereinigten Staaten entwickelt.

Ruth Cohn, 1912 als Jüdin in Berlin geboren, flüchtete 1933 vor dem Nationalsozialismus in die Schweiz, wo sie eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin in der internationalen Gesellschaft für Psychologie abschloss. 1941 emigrierte sie in die USA und wurde dort zu einer einflussreichen Vertreterin der humanistischen Psychologie. Sie gründete 1966 den Workshop Institut for Living-learning, ein Institut für Ausbildung, Forschung und Praxis von TZI. Seit 1974 lebt sie in der Schweiz, eröffnete dort eine freie Praxis und arbeitete als Lehrerin für TZI. Zusätzlich war sie Beraterin an der Ecole d` Humanite, eine Schule, die sich am Konzept der TZI orientiert. (Löhmer& Standhardt, 1992, S. 447-450)

Sie entwickelte die TZI, um entwicklungsfördernde Prozesse der Persönlichkeit für mehr Menschen in kürzerer Zeit und mit geringerem finanziellen Aufwand zu realisieren, als dies in einer langen zeit- und kostenintensiven Psychoanalyse für nur sehr wenige Analysanden möglich gewesen war. Weiterhin verfolgte sie aufgrund ihrer Erlebnisse zur Zeit des Nationalsozialismus die Idee, ein Konzept zu entwickeln, das dem ursprünglich gesunden Menschen ein Leben ermöglicht, in dem er seine Gesundheit erhalten kann und auf eine Psychotherapie nicht angewiesen ist. (Cohn, 1975, S.64)

Die TZI hat ihre Wurzeln in der Psychoanalyse, ist aber auch durch Elemente aus der Erlebnistherapie und der Gestalttherapie beeinflusst. ( Cohn & Farau, 1984, S.214-334) Sie stellt eine Form der pädagogischen Gruppenarbeit oder Gruppentherapie auf der Basis bestimmter ethischer Werte dar, die dem Menschenbild der Humanistischen Psychologie entnommen sind. ( Cohn & Farau, 1984, S.466)

Die Humanistische Psychologie ist die Bezeichnung für eine Richtung der amerikanischen Psychologie, die den Menschen als Ganzheit in seinen Zusammenhängen betrachtet. Die Ziele der humanistischen Theorien sind die Entwicklung der Persönlichkeit, sowie die Stärkung der Selbstwahrnehmung und Eigenverantwortung. (Psychologie Fachgebärden-Lexikon) Hierbei verfolgt die Humanistische Psychologie die Förderung humaner Werte, es geht ihr um das Wachstum von Liebe und Gerechtigkeit im Zusammenleben der Menschen. (Cohn & Farau, 1984, S. 436)

Die TZI konzentriert sich besonders auf die gelungene Interaktion innerhalb einer Gruppe und ist deshalb gut für die Gestaltung von Lernprozessen geeignet. Sie wird deshalb- oft abgewandelt- in der Schule oder in Arbeitsprozessen der freien Wirtschaft aber auch in Bildungseinrichtungen der Erwachsenenbildung angewandt. (Hannen, 2001, S.16). Sie will die Entwicklung der einzelnen Persönlichkeiten und die Ermöglichung von aktivem und produktivem Lernen fördern.

Weitere Ziele sind die Stärkung der Selbständigkeit und Eigenverantwortung im Kontakt mit anderen, die Verbesserung der Kommunikation und das Ersetzen von Rivalität durch Kooperation. (Wilczek-Terfurth& Pausch 1993, S. 388)

Damit ist die TZI nicht nur eine Methode, sondern setzt bestimmte ethische Werte als Grundlage voraus. Die Teilnehmer einer TZI- Gruppe fühlen sich diesen Werten verbunden, ohne die eine Arbeit auf der Grundlage themenzentrierter Interaktion nicht möglich ist. (Wilczek-Terfurth& Pausch 1993, S. 388)

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Themenzentrierte Interaktion von Cohn
Untertitel
Anwendung in einer Malgruppe
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Kommunikation und Beratung
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V83399
ISBN (eBook)
9783638899567
ISBN (Buch)
9783638903196
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar der Dozentin: Die Hausarbeit umfasst eine sehr schöne theoretische Vertiefung und praktische Anwendung des TZI- Modells. Aufbau und Struktur: Die Einleitung führt in die Fragestellung der Arbeit ein und gibt einen Überblick über den Aufbau. Die Arbeit ist insgesamt logisch aufgebaut. Theoretischer Teil: Die Begriffe Interaktion und lebendiges Lernen werden gut in ihrer Relevanz für die Arbeit geklärt. Die Darstellung der TZI in Entwicklung und Einordung,sowie des Modells und der zentralen Aspekte ist gut mit Bezug zum Thema gelungen.
Schlagworte
Themenzentrierte, Interaktion, Cohn, Kommunikation, Beratung
Arbeit zitieren
Birgit Nolte (Autor), 2007, Die Themenzentrierte Interaktion von Cohn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83399

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