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Untersuchungen zu Mundöffnungsräumen von Tierfriedhöfen. Im Vergleich

Title: Untersuchungen zu Mundöffnungsräumen von Tierfriedhöfen. Im Vergleich

Thesis (M.A.) , 2007 , 114 Pages , Grade: gut

Autor:in: M. A. Nadine Vaksic (Author)

Egyptology
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Summary Excerpt Details

„Überall das hinaus aber, seien es nun die Geheimnisse von Himmel und
Erde oder von Gut und Böse, weiß der Mensch, und nur er, auch noch, dass
er sterben muss. Das wissen die Götter nicht, weil sie unsterblich sind, und
das wissen die Tiere nicht, weil sie nicht vom Baum der Erkenntnis gegessen
haben. [...] Der Mensch, durch sein Zuviel an Wissen aus den Ordnungen
der Natur herausgefallen, muss sich eine künstliche Welt erschaffen, in der
er leben kann.“
Das obige Zitat nach Assmann erklärt kurz und prägnant, warum der Mensch
sich seiner Vergänglichkeit bewusst war. Dadurch wollte der Mensch unsterblich
sein wie die Götter und erschuf sich hierfür ein Leben nach dem Tod. Gerade die
alten Ägypter, die ihr Leben in ihrem geliebten Land schätzten, wollten um jeden
Preis diesen Zustand für die Ewigkeit erhalten.
Dagegen wissen Tiere nichts von ihrem Schicksal, weshalb sich für sie auch
nicht die Notwendigkeit ergibt, Vorsorge für ein jenseitiges Leben zu treffen und
damit auch nicht das Bedürfnis eines Totenkultes auszuüben. Sie leben in den Tag
hinein und reagieren nur auf aktuelle Reize und Gefahren, ohne sich um übergreifende Sinnperspektiven Sorgen zu machen. Daher trafen nach Hopfner die
alten Ägypter die Vorsorge für den Totenkult derjenigen Tiere, welche für heilige
bzw. göttliche Personifikationen oder auch Inkarnationen angesehen wurden, um
ihnen auch eine Garantie für eine Weiterexistenz zu sichern.
Diese Vorsorge findet in der Wab.t–Anlage statt, die man sowohl in der Gegend
der Göttertempel, als auch, wie dann in dieser Magisterarbeit beschrieben, bei
Tierfriedhöfen antrifft.
Im Anschluss soll im Rahmen dieser Arbeit versucht werden, die für den Tierkult gebauten Tempelanlagen, vor allem die Wab.t–Anlage und im speziellerem der
Mundöffnungsraum, zu analysieren. Die ersten Probleme, die am Anfang dieser
Untersuchung auftraten, lagen schon in der Begrifflichkeit und der Semantik. Denn
der Mundöffnungsraum selber wird in der altägyptischen und ägyptologischen Literatur nicht erfasst, da die meisten Quellen über Tempelbau und Tempelstruktur
erhalten sind und die geheimen Vorgänge der Feste nur für die Priester vorbehalten waren. Die am Fest beteiligten Priester wussten den Zweck der Räume im
Rahmen der Riten. Der Mundöffnungsraum sollte geheim und für die restliche
Bevölkerung ausgeschlossen sein. Schließlich galt das Wissen der Priester um die
Riten, welche im Verborgenen und Heimlichen stattfanden, als „Geheimwissen“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung der Tierverehrung

2.1 Definition der heiligen Tiere bzw. Tempeltiere

2.2 Wahrnehmungen des altägyptischen Tierkultes bei Angehörigen zeitgenössischer Völker und Glaubensgemeinschaften

2.3 Wahrnehmungen des altägyptischen Tierkultes aus der moderneren Sicht

3. Die Wc b.t–Anlage und der dazugehörige Mundöffnungsraum

3.1 Der allgemeine Aufbau der Tierkultanlage

3.2 Der allgemeine Aufbau der Wc b.t–Anlage

3.3 Bestimmung des Mundöffnungsraumes mit Hilfe der archäologischen Funde

4. Diverse Funktionen der Wc b.t–Anlage und des dazugehörigen Mundöffnungsraumes

4.1 Exkurs: Der allgemeine Aufbau von Festen

4.1.1 Die Choiakfeste

4.1.2 Das Neujahrsfest

4.2 Das Einwirken des Osiris–Mythos in den Tierkult

4.2.1 Die Natur des Osiris

4.2.2 Die Wiederspiegelung des Osiris–Mythos im Tierkult

4.3 Die Einbalsamierung

4.4 Das Mundöffnungsritual

4.4.1 Zur Geschichte des Rituals

4.4.2 Der Verlauf des Mundöffnungsrituals

4.4.3 Die verschiedenen Räumlichkeiten des Mundöffnungsrituals

4.5 Die Zusammenfassung der Funktionen der Wc b.t–Anlage und des dazugehörigen Mundöffnungsraumes

5. Die Rekonstruktion der verschiedenen Mundöffnungsräume

5.1 Der Mundöffnungsraum vom Serapeum von Memphis

5.1.1 Hintergrundinformationen über das Serapeum

5.1.2 Die 3–D Rekonstruktion des Mundöffnungsraumes

5.2 Der Mundöffnungsraum von Tuna el–Gebel

5.2.1 Hintergrundinformationen über Tuna el–Gebel

5.2.2 Die 3–D Rekonstruktion des Mundöffnungsraumes

5.3 Der Mundöffnungsraum von Elephantine

5.3.1 Hintergrundinformationen über Elephantine

5.3.2 Die 3–D Rekonstruktion des Mundöffnungsraumes

6. Zusammenfassung

7. Anhang

7.1 Eine 3–D Bildergalerie des rekonstruierten Mundöffnungsraums

7.2 Eine 3–D Bildergalerie des rekonstruierten Mundöffnungsraums vom Serapeum in Memphis

7.3 Eine 3–D Bildergalerie des rekonstruierten Mundöffnungsraums in Tuna el–Gebel

7.4 Eine 3–D Bildergalerie des rekonstruierten Mundöffnungsraums in Elephantine

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die funktionale Bedeutung der sogenannten Wc b.t-Anlagen und insbesondere des Mundöffnungsraumes innerhalb altägyptischer Tierkultanlagen. Dabei wird analysiert, wie diese spezifischen Räumlichkeiten in den rituellen Kontext der Tierverehrung, der Mumifizierung und der königlichen Festkultur eingebettet sind, wobei der Fokus auf dem Versuch liegt, diese Orte archäologisch und rituell zu lokalisieren und zu interpretieren.

  • Analyse der Bedeutung und Wahrnehmung der altägyptischen Tierverehrung.
  • Untersuchung des architektonischen Aufbaus von Wc b.t-Anlagen und deren Funktion.
  • Erforschung der rituellen Bedeutung des Mundöffnungsraumes im Kontext von Bestattungen und Festen.
  • Rekonstruktion und Vergleich der Anlagen von Memphis, Tuna el-Gebel und Elephantine.
  • Einordnung des Osiris-Mythos als zentrales Element im Tierkult.

Auszug aus dem Buch

4.4.1 Zur Geschichte des Rituals

Der ursprüngliche Sinn und Zweck des Mundöffnungsrituals (ägyptischer Titel wp.t–r c) bestand in der Beseelung von Statuen. Im Laufe der Zeit hat es sich dann zu einem Konsekrationsritual entwickelt, das an allen möglichen heiligen Gegenständen, vom Opferständer bis hin zum gesamten Tempel, durchgeführt wird, um sie ihrem heiligen Zweck zu weihen. Mit diesem Ritual wird die Statue von einem Objekt handwerklicher Kunst in einen Kultleib umgewandelt, der im Rahmen der heiligen Handlungen zur Beseelung durch einen Gott oder Ahnengeist befähigt ist.

Das Mundöffnungsritual darf hinsichtlich seiner Komposition und seiner Traditionsgeschichte als eines der Komplexesten innerhalb der altägyptischen Religionsgeschichte bezeichnet werden. Sein Überlieferungszeitraum erstreckt sich von der ersten Erwähnung bei Metjen (Übergang 3. – 4. Dynastie) bis in die spätrömische Epoche. Dank der nach wie vor grundlegenden Edition und Bearbeitung durch E. OTTO, der vom „komplexe[n] Charakter des Neuen Reiches–Rituals“ spricht, kann man die verschiedenen Schichten, aus denen es sich spätestens seit dieser Zeit zusammensetzt, einigermaßen deutlich voneinander unterscheiden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Bedeutung der altägyptischen Tierverehrung und die Motivation hinter der aufwendigen Vorsorge für heilige Tiere sowie das Ziel der Arbeit, die räumlichen Zusammenhänge der Tierkultanlagen zu untersuchen.

2. Die Bedeutung der Tierverehrung: Dieses Kapitel erörtert die Definitionen und Gruppierungen heiliger Tiere und beleuchtet deren Wahrnehmung durch Zeitgenossen sowie aus moderner ägyptologischer Sicht.

3. Die Wc b.t–Anlage und der dazugehörige Mundöffnungsraum: Hier wird der bauliche Aufbau von Tierkultanlagen analysiert, mit Fokus auf die Wc b.t-Anlage und die Bestimmung des Mundöffnungsraumes anhand archäologischer Funde.

4. Diverse Funktionen der Wc b.t–Anlage und des dazugehörigen Mundöffnungsraumes: Dieses umfangreiche Kapitel untersucht die rituellen Funktionen der Anlagen, insbesondere im Rahmen von Festen, Prozessionen, dem Osiris-Mythos, der Einbalsamierung und dem Mundöffnungsritual.

5. Die Rekonstruktion der verschiedenen Mundöffnungsräume: Es erfolgt eine detaillierte Betrachtung der archäologischen Befunde und 3-D-Rekonstruktionen der Mundöffnungsräume in den bedeutenden Kultorten Serapeum (Memphis), Tuna el-Gebel und Elephantine.

6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die zentralen Erkenntnisse der Arbeit über die Funktion und Struktur der Wc b.t-Anlagen sowie die Rolle des Mundöffnungsrituals zusammen.

7. Anhang: Der Anhang präsentiert Bildmaterial, inklusive einer 3-D-Bildergalerie, die die rekonstruierten Mundöffnungsräume an den untersuchten Kultstätten visualisiert.

Schlüsselwörter

Tierkult, Mundöffnungsritual, Wc b.t-Anlage, Osiris, Altägypten, Tempelarchitektur, Bestattungsriten, Einbalsamierung, Serapeum, Tuna el-Gebel, Elephantine, Königsideologie, Kultpraxis, Jenseitsvorstellungen, Ibis-Galerien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht die Rolle und Funktion der Wc b.t-Anlagen und spezieller die Funktion des Mundöffnungsraumes innerhalb der altägyptischen Tierkultanlagen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Zentrum stehen die altägyptische Tierverehrung, die Festkultur, der Einbalsamierungsprozess und die damit verbundenen rituellen Handlungen, die zur Einordnung der Tierkultstätten in die Königsideologie dienen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die räumliche Struktur und die sakrale Funktion von Mundöffnungsräumen in Tierkultanlagen zu analysieren und deren Bedeutung durch den Vergleich archäologischer Funde und ritueller Überlieferungen besser zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Autorin nutzt eine Kombination aus archäologischer Befundanalyse, literaturwissenschaftlicher Untersuchung von Festritualen sowie eine visuelle Rekonstruktion mittels 3-D-Modellen, um die Örtlichkeiten und Abläufe zu veranschaulichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Tierverehrung, die Analyse des Aufbaus der Wc b.t-Anlagen, die Funktionen innerhalb der Festriten, das Mundöffnungsritual und schließlich die detaillierte archäologische Rekonstruktion der spezifischen Mundöffnungsräume in drei ausgewählten Kultorten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Tierkult, Mundöffnungsritual, Wc b.t-Anlage, Osiris-Mythos, Einbalsamierung und die archäologische Untersuchung der Anlagen von Memphis, Tuna el-Gebel und Elephantine.

Wie unterscheidet sich die Mundöffnung bei Tieren von der bei Menschen laut der Arbeit?

Die Arbeit stellt fest, dass Tiere eine analoge Verehrung wie Menschen erfuhren, jedoch deuten archäologische Indizien darauf hin, dass die Mundöffnung bei Tieren oftmals innerhalb der dafür vorgesehenen Wc b.t-Anlagen stattfand, während sie in Darstellungen beim Menschen häufiger vor dem Grab lokalisiert wird.

Warum spielt das "Goldhaus" eine wichtige Rolle für die Untersuchung?

Das "Goldhaus" (h. w.t-nb) wird in der Arbeit als funktional äquivalent zur "reinen Stätte" (Wc b.t) identifiziert, wobei es als zentraler Ort sowohl für die Herstellung ritueller Statuen als auch für Balsamierungs- und Mundöffnungsriten fungierte.

Excerpt out of 114 pages  - scroll top

Details

Title
Untersuchungen zu Mundöffnungsräumen von Tierfriedhöfen. Im Vergleich
College
LMU Munich
Grade
gut
Author
M. A. Nadine Vaksic (Author)
Publication Year
2007
Pages
114
Catalog Number
V83405
ISBN (eBook)
9783638882378
ISBN (Book)
9783638888615
Language
German
Tags
Untersuchungen Mundöffnungsräumen Tierfriedhöfen Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M. A. Nadine Vaksic (Author), 2007, Untersuchungen zu Mundöffnungsräumen von Tierfriedhöfen. Im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83405
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