Ein Vergleich der Einführungen ins Christentum von Harnack und Nowak


Hausarbeit, 2007
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aufbau, Gedankengang und Schwerpunkte in Nowaks Darstellung4
2.1 Entstehung und historische Entwicklung des Christentums
2.1.1 Religionsgeschichtlicher Hintergrund
2.1.2 Jesus von Nazareth
2.1.3 Ausbreitung und Aufstieg des Christentums in der antiken Welt
2.1.4 Erben des Imperiums
2.1.5 Oriens Christianus
2.1.6 Christliches Abendland
2.1.7 Spätmittelalter und Reformation
2.1.8 Neuzeitlich-modernes Christentum
2.2 Christlicher Glaube: Grundlagen, Inhalte, Formen
2.2.1 Das Neue Testament
2.2.2 Glaubensbekenntnisse, Dogmen
2.2.3 Die Kirche
2.2.4 Strukturen des Glaubens
2.2.5 Gottesdienst
2.2.6 Der religiöse Kalender
2.2.7 Heilige Personen, heilige Orte
2.2.8 Christliche Kunst
2.3 Ethik und Lebenswelt
2.3.1 Christsein in der Welt
2.3.2 Christliche und nichtchristliche Ethik
2.3.3 Individual- und Sozialethik
2.3.4 Arbeit, Wirtschaft, Soziales
2.3.5 Politische Herrschaft
2.3.6 Gerechtigkeit und Recht
2.3.7 Kirche und Gesellschaft
2.3.8 Zukunftsgestaltung

3 Vergleich der Darstellungen Harnacks und Nowaks
3.1 Vergleich der Darstellung der Geschichte
3.2 Vergleich diverser inhaltlicher Aspekte der Darstellungen

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ziel dieser Arbeit soll es sein, einen Vergleich der Einführungen ins Christentum von Harnack und Nowak herzustellen.

Kurt Nowaks „Das Christentum – Geschichte, Glaube, Ethik“, welches 1997 erstmals erschienen ist, dient hierbei ebenso als Grundlage wie Adolf von Harnacks Vorlesungen über „Das Wesen des Christentum“, welche er im Wintersemester 1899/ 1900 abhielt.

Da eine Besprechung über das Werk Harnacks bereits im Seminar erfolgte, sollen im Folgenden zunächst Gedankengänge und Pointen der Darstellung Nowaks erfolgen. Im Anschluss daran wird ein Vergleich der beiden Werke gezogen, wobei vor allem neben den unterschiedlichen Darstellungen der Geschichte auch auf die differierende inhaltliche Schwerpunktsetzung eingegangen wird.

2 Aufbau, Gedankengang und Schwerpunkte in Nowaks Darstellung

Das Buch Kurt Nowaks „Das Christentum – Geschichte, Glaube, Ethik“ besteht neben einem Vorwort aus drei großen Themenbereichen. Zunächst beginnt er mit der Entstehung und der historischen Entwicklung des Christentums. Dabei behandelt Nowak neben dem religionsgeschichtlichen Hintergrund unter anderem auch die Ausbreitung und den Aufstieg des Christentums in der antiken Welt sowie dessen Entwicklung bis in die Neuzeit. Die Darstellung des christlichen Glaubens mit seinen Grundlagen, Inhalten und Formen folgt im zweiten Teil. Auch hier ist eine logische Struktur erkennbar; so kommt Nowak neben dem Neuen Testament und der Kirche auch auf den Gottesdienst und die christliche Kunst zu sprechen. Im dritten und letzten Kapitel beleuchtet Kurt Nowak die Ethik und die Lebenswelt des Christentums. Auf diese Weise möchte Nowak eine gewisse Klarheit in die Thematik bringen, betont aber, dass die verschiedenen Bereiche ein „miteinander verbundenes Ganzes sind und sich wechselseitig bedingen“.[1]

Im Folgenden werde ich nun den Gedankengang Nowaks, sowie dessen Pointen und Schwerpunkte im Einzelnen herausarbeiten.

2.1 Entstehung und historische Entwicklung des Christentums

2.1.1 Religionsgeschichtlicher Hintergrund

Einleitend schildert Nowak die politischen und lebensweltlichen Verhältnisse zu Beginn der christlichen Zeitrechnung. So wurde das Christentum vor allem durch die Kultpraxis und die Frömmigkeit der Mysterienreligionen beeinflusst. Seit Beginn der Kaiserzeit befand sich jedoch die Religionswelt des Imperium Romanum in einem raschen Wandel, es wurde beispielsweise nach archaischer Weisheit geforscht. Nowak stellt die Gnosis, die Erkenntnis als bedeutendes Schlüsselwort für die Welt des werdenden Christentums heraus. Jene griff bei ihrer Ausbildung auf unterschiedliche Traditionen zurück und konnte auf diese Weise sowohl jüdischen, heidnischen wie auch christlichen Charakter annehmen.[2] Des Weiteren erhob sie den Anspruch, den Menschen aus der Abhängigkeit des irdischen Seins zu befreien und seine Seele in das überirdische Reich der Freiheit und der Ruhe zurückzuführen. Zwischen Teilen des frühen Christentums und der Religion der Erkenntnis bestanden osmotische Beziehungen, bis christliche Ketzerbekämpfer die Gnostiker als Betrüger betitelten.

Die eigentliche Ursprungsregion des Christentums ist Palästina, so Nowak.[3] Die christliche Zeitenwende fand innerhalb eines polymorphen Judentums statt, es gab zahlreiche Formen religiöser Daseinsorientierung. Doch allen war bewusst, dass etwas Neues kommen wird. So schrieb Paulus im Brief an die Galater: „Als die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn.“[4]

2.1.2 Jesus von Nazareth

In diesem Abschnitt klärt Kurt Nowak zunächst die Frage, wer Jesus von Nazareth überhaupt war und zitiert an dieser Stelle Rudolf Bultmann: „Seine Herkunft ist aus der Ewigkeit, sein Ursprung ist kein menschlich-natürlicher.“[5]

Im Folgenden beschreibt Nowak nun das Leben Jesu sowie dessen Wirken. So lag dessen Bedeutung etwa in der Zeit von 28 – 30 n. Chr. vor allem im Norden und Nordwesten des Sees Genezareth. Dabei bildete die nahe herbeikommende bzw. schon angebrochene Gottesherrschaft den Mittelpunkt der Verkündigung Jesu: „Der Himmelssturz Satans und Jesu Wirken bilden den Anfang der Gottesherrschaft. Zwischen ihrem Beginn und ihrer Vollendung verkündigte Jesu einen unlöslichen Zusammenhang. Daraus ergab sich die Dringlichkeit seines Rufs, der Glaubensferne und Gottesleere durch Eintritt in die Gottesherrschaft zu entrinnen.“[6]

Die Evangelien bilden die einzige Quelle der letzten Tage Jesu und der Kreuzigung. Dementsprechend fragt sich Nowak, warum die jüdischen Gegner Jesu eine Anklage vorbereiteten und ihn schließlich zum Tode verurteilten. Dabei diskutiert er zunächst zahlreiche Vermutungen und kommt zu dem Schluss, dass sich das Todesurteil auf den Tatbestand des politischen Aufruhrs gestützt haben dürfte.[7]

„Der Ur-Sprung des Christentums war die Verarbeitung von Jesu Tod und seines Wirkens als Geschichte eines Lebenden. Seine Anhänger sahen in Jesus den zu den Menschen gekommenen, gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes. Die Botschaft von dem am dritten Tage Auferstandenen begründete den Glauben der Christen.“[8] So entfaltete sich der neue Glaube zuerst in verschiedenen Gruppen des Judentums in der Davidsstadt, in Judäa und Galiläa. Laut John Dominic Crossan entwickelten sich bis zum Ende des ersten Jahrhunderts zwei große Religionen: Das rabbinische Judentum und das frühe Christentum. Dabei setzte sich im frühen Christentum der historische Jesus in einem theologisch gedeuteten Christus fort. Jener theologische Christus öffnete die Dimension einer über den palästinensischen Raum hinausstrebenden Weltreligion.

Erste Erfolge außerhalb Palästinas gab es durch vertriebene „Hellenisten“, griechisch sprechende, jüdische Christenbekenner. Unter ihnen befand sich Paulus, der vorher Saulus hieß und zum wichtigsten Apostel der Frühzeit wurde. „Der Übergang der Christusbotschaft aus dem religiösen Milieu des Judentums ins Heidentum war von welthistorischer Bedeutung.“[9] Paulus hielt an Israels besonderer Erwählung zum Heil fest, begründete aber die Abkopplung jüdischer Elemente von der Christusbotschaft.

2.1.3 Ausbreitung und Aufstieg des Christentums in der antiken Welt

Die Ausbreitung des neuen Glaubens setzt Kurt Nowak gleich mit der Geschichte der Christianisierung der neuen Welt. Er nimmt an dieser Stelle Bezug auf Harnack und nach diesem „besaß keine andere Weltreligion so viel Kraft der Assimilation und kulturellen Verwandlung wie das Christentum.“[10] Dabei basierte das Christentum laut Nowak vor allem auf dem Reichtum jüdischer Theologie und stand im wechselseitigen Austausch mit der zeitgenössischen Kultur. Das Christentum nahm sowohl die Philosophie der alten Welt in sich auf, als auch viel von ihren Kulten und Mythen.

Etwa 200 n. Chr. konnte man das Christentum bereits auf der ganzen Welt, teils in Spurenelementen, teils schon in größeren Gemeinden, finden und nach 260 schlug der christliche Glaube in der Breite der Gesellschaft durch, da die Elemente des Christentums enorme Anziehungskraft besaßen.

Auch kirchenorganisatorisch hatte das Christentum große Fortschritte gemacht: Gab es in ältester Zeit noch eine Vielzahl struktureller Ansätze, doch mit dem Aufkommen des Bischofsamtes war der Schritt zur Großkirche getan. Jene Bischöfe festigten die kirchlichen Strukturen.

Doch Nowak stellt auch Schwierigkeiten, mit denen sich das Christentum auseinandersetzen musste, heraus. So veranlasste Kaiser Trajan beispielsweise zu Beginn des zweiten Jahrhunderts ein Reskript, bei erwiesenem Christsein Bestrafung vorzusehen. Auch gab es Mitte des dritten Jahrhunderts bis zur religionspolitischen Wende durch Konstantin drei reichsweite Verfolgungswellen gegen die Christen. Kaiser Konstantin schuf jedoch die Grundlagen dafür, dass das Christentum im Jahre 312/313 zur Staatsreligion aufsteigen konnte.

2.1.4 Erben des Imperiums

Laut Nowak wollte das römische Imperium stets eine von Roms Kultur durchdrungene Welt sein.[11] Nach dem Tod des Kaisers Theodosius wurde das römische Reich 395 in ost- und weströmisches Reich geteilt, wobei das weströmische Reich schnell aufgelöst wurde. Zwar versuchte der Osten deshalb, dort wieder die Herrschaft zu übernehmen, doch vereint war das Imperium lediglich noch unter Kaiser Justinians I. Das Byzantinische Reich bestand immerhin bis Mitte des 15. Jahrhunderts, wobei Nowak herausstellt, dass Byzanz ebenso wichtig für die Geschichte des Christentums ist, wie Rom: „Das Byzantinische Reich beerbte das Imperium Romanum auf veränderter Grundlage, ohne freilich an dessen Macht und Einfluss anknüpfen zu können.“[12]

Indirekter Erbe des Imperiums ist Nowaks Erachtens der Islam, da sich dieser ohne den vorherigen Zerfall des römischen Imperiums wahrscheinlich nicht so schnell hätte ausbreiten können. Dabei beeinflussen sich Islam und Christentum gegenseitig: „Die Geschichte des Islam ist stets auch Teil der Geschichte des Christentums.“[13]

2.1.5 Oriens Christianus

In diesem Abschnitt beleuchtet Kurt Nowak zunächst die Geschichte des Christentums im Osten. So wird nicht nur die Geschichte von Byzanz, sondern auch der semitisch-orientalische und der kirchenslavische Kulturkreis vom Oriens Christianus erfasst.

Nachdem Nowak kurz auf die damalige Bedeutung des Byzantinischen Reichs, und den Konflikt zwischen lateinischer und griechischer Kirche in jener Zeit eingegangen ist, leitet er nun über zum Mönchtum, aus welchem sich die religiöse Entwicklung des Oriens Christianus nährte.[14] Ursprungsgebiete des christlichen Mönchtums bilden dabei Ägypten und Syrien. Entsprechend der Vergemeinschaftung der Asketen in Klöstern im Jahre 320, erfolgte im vierten Jahrhundert nach der religionspolitischen Wende eine so genannte „mönchische Welle“, bei welcher die Mönche gegen eine Verweltlichung des Christentums eintraten.

Die Mönche des Ostens nannten sich „Basilianer“, basierend auf den Erzbischof von Kappadozien, Basilius des Großen. „Christliche Vollkommenheit, so Basilius, ist nur in Gemeinschaft möglich, durch Seelenführung in Buße und Beichte, durch Gebet, Bildungsarbeit und Sozialtätigkeit.“[15] Basilius entwickelte eine Agenda des Mönchslebens, er wollte die Kirche und das Mönchtum durchdringen. In der folgenden Zeit entstanden „Typika“, kultisch-liturgische Vorschriften und Gemeinschafsregeln mit regionaler Eigenart.

988 wurde das Christentum durch die „Taufe Russlands“ zur Staatsreligion ernannt, wobei das russische Kirchenrecht auf byzantinische Grundlagen ruhte: „Nach dem Untergang von Byzanz 1453 empfand sich Rußland als dessen Erbe. Moskau nahm für sich in Anspruch, das „dritte Rom“ zu sein.“[16]

2.1.6 Christliches Abendland

Einleitend in dieses Kapitel stellt sich Nowak die Frage, wann und wo das christliche Abendland begonnen hatte und meint, dass es „an den zusammenbrechenden Militärgrenzen des Imperium Romanum“[17] begann. Das Fundament für die Christianisierung der germanischen Reiche wurde von den Westgoten und dem Gotenbischof „Kleiner Wolf“ (Wulfila) gelegt. Jener übersetzte das Neue Testament in Gotische und bekannte sich zum Christentum.

[...]


[1] Ebd., S. 7f.

[2] Vgl., S. 10

[3] Vgl., S. 11

[4] Ebd., S. 13

[5] Ebd., S. 13

[6] Ebd., S. 15

[7] Vgl., S. 16

[8] Ebd., S. 16f.

[9] Ebd., S. 18

[10] Ebd., S. 20

[11] Vgl., S. 29

[12] Ebd., S. 30

[13] Ebd., S. 30

[14] Vgl., S. 34

[15] Ebd., S. 34

[16] Ebd., S. 37

[17] Ebd., S. 37

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich der Einführungen ins Christentum von Harnack und Nowak
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
Einführung in das lateinische Christentum
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V83406
ISBN (eBook)
9783638899581
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Einführungen, Christentum, Harnack, Nowak, Einführung
Arbeit zitieren
Nicole Pilz (Autor), 2007, Ein Vergleich der Einführungen ins Christentum von Harnack und Nowak, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83406

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