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"Ein Leuchten im Dunkel" - Melancholie in Gesellschaft und Literatur der Postmoderne

Ein zwischenwissenschaftlicher Vergleich von Psychologie, Soziologie und Jon Fosses Roman "Morgen und Abend"

Title: "Ein Leuchten im Dunkel" - Melancholie in Gesellschaft und Literatur der Postmoderne

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 33 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Susann Krüger (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

"Wer nicht an der Melancholie scheitert, hat nicht über sie nachgedacht..."
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Melancholie in der postmodernen Gegenwart. Es sollen nicht nur Erscheinungsformen der Melancholie beschrieben, sondern auch Ursachen für ihr Auftreten sowie der gesellschaftliche und – am Beispiel des norwegischen Autors Jon Fosse – literarische Umgang mit ihr in der heutigen Zeit untersucht werden. Dabei ist der wissenschaftliche Ansatz dieser Arbeit zentral für die Behandlung des Themas. Literaturwissenschaft, Psychologie und Soziologie sollen gleichermaßen für die Analyse der postmodernen Melancholie zurate gezogen werden. Dabei stehen die Kennzeichen der Melancholie als Realphänomen in der postmodernen Gesellschaft sowie die literarisch-künstlerische Auseinandersetzung mit ihr im Zentrum der Arbeit.

In einem ersten Schritt wird auf die Melancholie in der Psychologie der Postmoderne und dabei vor allem auf die Unterscheidung zwischen Melancholie und Depression eingegangen werden.
Auf Basis dreier theoretischer Ansätze, die sich mit der gesellschaftlichen Postmoderne auseinandersetzen – Ulrich Becks Risikogesellschaft, Zygmunt Baumans Unbehagen in der Postmoderne und Jean Baudrillards Konzept der Hyperrealität – erfolgt die Suche nach Melancholie in gegenwärtigen gesellschaftlichen Strukturen. Dabei geht es sowohl um die Darstellung möglicher Ursachen von Melancholie als auch ihre Charakteristika; die ambivalente Beurteilung der Melancholie in der Postmoderne wird von besonderem Interesse sein. Der zweite zentrale Komplex der Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung der Melancholie in der postmodernen Literatur. Diese wird exemplarisch an dem 2001 in Deutschland erschienenen Roman Morgen und Abend des norwegischen Schriftstellers Jon Fosse durchgeführt. [...]
In einem letzten Schritt erfolgt die Zusammenführung von Gesellschaftswissenschaft und Literatur. Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten in der Darstellung von bzw. im Umgang mit Melancholie werden herausgestellt. Ein persönlicher Blick auf den Umgang mit Melancholie in der Zukunft bildet den Abschluss dieser Arbeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Melancholie als Phänomen der empirischen Wissenschaften

2.1 Unter den Teppich gekehrt – Melancholie in der Psychologie

2.1.1 Negativsicht: Die ‚schwarze Melancholie’

2.1.2 Positivsicht: Die ‚weiße Melancholie’

2.2 Im Aufwind – Melancholie in der Soziologie

2.2.1 Anknüpfungspunkte: Drei Theorien im Vergleich

2.2.2 Im gesellschaftlichen Kontext: Melancholie im Zwiespalt

3. Melancholie in der Literatur: Jon Fosse Morgen und Abend

3.1 Die Vorerfahrungen Fosses mit der Melancholie

3.2 Inhalt und Einordnung des Textes

3.3 Die Melancholie in Morgen und Abend

3.3.1 Das Thema: Leere, Auflösung, Tod

3.3.2 Die Innenperspektive: Der alte Fischer Johannes

3.3.3 Die Symbolik: Traditionelle Anknüpfungspunkte

3.3.4 Die Sprache: Stille. Schweigen. Pause.

4. Zusammenführung und Ausklang

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Phänomen der Melancholie in der postmodernen Gegenwart, wobei sie Erscheinungsformen, Ursachen sowie den gesellschaftlichen und literarischen Umgang mit ihr beleuchtet. Ziel ist es, unter Einbeziehung psychologischer, soziologischer und literaturwissenschaftlicher Ansätze – exemplarisch analysiert am Roman "Morgen und Abend" von Jon Fosse – die ambivalente Rolle der Melancholie als vermeintliche Krankheit oder wertvolle Eigenschaft zu hinterfragen.

  • Wissenschaftliche Analyse der Melancholie im interdisziplinären Kontext
  • Gegenüberstellung von psychologischer "schwarzer" und "weißer" Melancholie
  • Soziologische Untersuchung von Unsicherheit und Orientierungslosigkeit in der Postmoderne
  • Literarische Interpretation des Romans "Morgen und Abend" von Jon Fosse
  • Reflektion über Melancholie als Form des existenziellen Realismus

Auszug aus dem Buch

3.3.4 Die Sprache: Stille. Schweigen. Pause.

Das Motiv des Schweigens stellt einen zentralen Aspekt der Stücke Fosses dar, ist aber auch in Morgen und Abend sehr präsent. Auffällig ist besonders die Wortkargheit der Figuren: Es existieren nur wenige, immer sehr kurze Dialoge, in denen meist auch nichts Konkretes gesagt wird; die Figuren erwecken den Anschein nicht (miteinander) sprechen zu wollen.

„Du Peter, sagt Johannes / Du Peter, was ist mit dir, du Peter, sagt er [...] / Ja es ist wie immer, sagt Peter / Es ist wie immer ja, sagt er / Mit mir ist nicht viel los, aber das ist ja nie anders gewesen, sagt er / und Peter setzt sich auf den Stein neben der Stelle, wo Johannes steht, und jetzt sitzt Peter da und schaut nach Westen übers Meer“90.

Antriebslosigkeit und Desillusioniertheit sprechen aus diesen Zeilen. Die Figuren verlieren ihre Sprache, wie sie auch ihren Lebenswillen verlieren. Dieser Sprachverlust kann ebenso als eine bewusste Weigerung gegenüber dem Sprechen gedeutet werden, da Sprache möglicherweise auch als verhüllend, verblendend, Gedanken verfälschend angesehen werden kann und daher nicht ausgesprochen werden sollte.91 Diese Sprachlosigkeit besitzt eine unmittelbare Verbindung zur Melancholie, denn das Schweigen ist für den Melancholiker existenziell, da ihm das Vertrauen in das Wort als Mittel zum Erkenntnisgewinn sowie zu einer funktionierenden zwischenmenschlichen Kommunikation abhanden gekommen ist.92 Jon Fosse selbst sieht die Sprachlosigkeit seiner Figuren nicht ausschließlich negativ: „Sie können sich nicht so recht ausdrücken, andererseits wollen sie es auch nicht. [...] Oft denke ich sogar, dass sich meine Figuren nur allzu gut kennen und jedes Wort verstehen und deshalb gar nicht so viel reden müssen, weil alles schon gesagt wurde.“93 Einige Dialoge in Morgen und Abend stützen diese Sichtweise, da sie nicht eine Hilflosigkeit im Sprechen, sondern vielmehr eine enge Vertrautheit der Figuren vermitteln: „Ja du bist auch richtig alt geworden, du Johannes, sagt Peter / und er schaut Johannes freundlich an / Bin ich wohl, sagt Johannes / Ja ich auch, das ist nicht zu leugnen, sagt Peter / Junge Leute sind wir keine mehr, sagt Johannes / Nein alles andere als das, sagt Peter“94.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Arbeit führt in die Thematik der Melancholie in der postmodernen Gesellschaft ein und erläutert den interdisziplinären Forschungsansatz.

2. Melancholie als Phänomen der empirischen Wissenschaften: Dieses Kapitel analysiert die Entwicklung der psychologischen Sichtweise von einer pathologischen "schwarzen" hin zu einer positiven "weißen" Melancholie sowie die soziologischen Ursachen für Melancholie in der Postmoderne.

3. Melancholie in der Literatur: Jon Fosse Morgen und Abend: Die Arbeit untersucht exemplarisch, wie Jon Fosse das Phänomen der Melancholie durch Themen, Charaktergestaltung, Symbolik und eine minimalistische Sprache in seinem Roman verarbeitet.

4. Zusammenführung und Ausklang: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und plädiert für eine differenzierte Wahrnehmung der Melancholie als wichtige, wenngleich anspruchsvolle, geistige Haltung.

Schlüsselwörter

Melancholie, Postmoderne, Jon Fosse, Morgen und Abend, Psychologie, Soziologie, Literaturwissenschaft, Depression, Identität, Gesellschaft, Existenz, Realismus, Sprachlosigkeit, Schweigen, Gelassenheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel und der Bedeutung der Melancholie in der postmodernen Gesellschaft sowie deren künstlerischer Darstellung in der Literatur.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die psychologische Neubewertung der Melancholie, soziologische Krisenphänomene der Postmoderne und die literarische Auseinandersetzung mit Sterben und Existenz bei Jon Fosse.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Die Arbeit fragt nach dem Auftreten von Melancholie in der postmodernen Ära und untersucht, ob sie als krankhafte Depression oder als wertvolle, lebensbejahende Eigenschaft begriffen werden kann.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Es handelt sich um eine interdisziplinäre Untersuchung, die theoretische Ansätze aus Psychologie und Soziologie mit einer literaturwissenschaftlichen Interpretation des Romans "Morgen und Abend" kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Psychologie und Soziologie sowie eine detaillierte Analyse der Melancholie-Darstellung in Jon Fosses Roman.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Melancholie, Postmoderne, Existenz, Gelassenheit, Identitätsverlust, soziologische Gesellschaftsanalyse und literarischer Minimalismus.

Wie bewertet der Autor den Roman "Morgen und Abend" im Kontext der Melancholie?

Der Autor interpretiert den Roman als ein Werk, das durch seine minimalistische Sprache und die Darstellung der Hauptfigur Johannes das Konzept der "melancholischen Gelassenheit" verdeutlicht.

Welche Rolle spielt die Sprache im Roman "Morgen und Abend"?

Die Sprache wird als minimalistisch und repetitiv beschrieben, was laut Analyse dazu dient, den Fokus auf existenzielle Themen zu lenken und die Vertrautheit sowie den Sprachverlust der Figuren zu unterstreichen.

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Details

Title
"Ein Leuchten im Dunkel" - Melancholie in Gesellschaft und Literatur der Postmoderne
Subtitle
Ein zwischenwissenschaftlicher Vergleich von Psychologie, Soziologie und Jon Fosses Roman "Morgen und Abend"
College
University of Leipzig  (Institut für Klassische Philologie und Komparatistik)
Course
Hauptseminar
Grade
1,0
Author
Susann Krüger (Author)
Publication Year
2007
Pages
33
Catalog Number
V83446
ISBN (eBook)
9783638872737
ISBN (Book)
9783638873550
Language
German
Tags
Leuchten Dunkel Melancholie Gesellschaft Literatur Postmoderne Hauptseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Susann Krüger (Author), 2007, "Ein Leuchten im Dunkel" - Melancholie in Gesellschaft und Literatur der Postmoderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83446
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