Das Wort „Wappen“ geht auf das mittelhochdeutsche „wâpen“ zurück, welches wiederum von flandrischen Rittern dem Niederländischen entlehnt wurde und bedeutete damit ursprünglich „Waffen“. „Wappen“ aber bezog sich von Anfang an auf das Bild in Verbindung mit dem Schild, nicht die Waffen im Allgemeinen. Diese Verwandtschaft der Begriffe findet sich nicht nur im Deutschen, sondern auch im Französischen (armoiries-armes), im Schwedischen (Vapen), im Englischen (arms-armorial) usw..
Unter „Wappen“ sind allgemein die in die Form der mittelalterlichen Schutzwaffen (Helm und Schild) gekleideten farbigen Zeichen, welche dazu dienen, die Beziehung zwischen ihrem Eigentümer und den Gegenständen, auf denen sie angebracht sind, zum Ausdruck zu bringen.
Sie sind in ihrer klassischen mittelalterlichen Form in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, der Zeit der Kreuzzüge - also im Zusammenhang mit dem Auftreten großer Ritterheere - entstanden. Diese Arbeit wird die Entstehung der Wappen nachvollziehen und versuchen, die Gründe dafür herauszuarbeiten. Außerdem soll der Frage auf den Grund gegangen werden, was das Wappen von Zeichen der vorheraldischen Zeit unterscheidet und warum die Heraldik als Hilfswissenschaft des Historikers einen hohen Stellenwert einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Ursprung des Wappens
1.1 Vorheraldische Zeit
1.2 Frühe Bildmotive
1.3 Heraldischer Stil: Form und Farbe
2. Entstehung der Wappen
2.1 Bedeutung der Wappen
2.2 Historische Entwicklung und Einflüsse auf die Heraldik
3. Hauptelemente eines Vollwappens
3.1 Schild
3.2 Helm und Helmzier
3.3 Schildhalter und andere Prunkstücke
4. Wappen als historische Quellen
Nachwort
Auswahlbibliographie
Zielsetzung und Forschungsfragen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entstehung von Wappen im Hohen Mittelalter, wobei der Fokus auf ihrer Entwicklung aus der militärischen Notwendigkeit zur Identifikation im Kontext der Kreuzzüge liegt. Dabei wird analysiert, wie sich das Wappen von einfachen vorheraldischen Symbolen abgrenzt, welche Rolle der heraldische Stil spielt und inwiefern Wappen als eigenständige, komplexe historische Quellen für den Historiker fungieren.
- Analyse der Abgrenzung von Wappen zu vorheraldischen Symbolen und Feldzeichen.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen kriegstechnischen Entwicklungen und der Wappenentstehung.
- Darstellung der Systematik und der konstituierenden Elemente eines Vollwappens.
- Evaluierung des Quellenwerts von Wappen für genealogische, sozial- und rechtsgeschichtliche Fragestellungen.
- Erörterung der Bedeutung der Heraldik als unentbehrliche historische Hilfswissenschaft.
Auszug aus dem Buch
1. Ursprung des Wappens
Wappen sind Symbole und ebensolche begleiten den Menschen seit je her – ob es sich dabei nun um die sinnbildlichen Darstellungen von Jagdszenen an Höhlenwänden, um Fahnen und Feldzeichen von Soldaten oder um die Anstecker an den Jacken von Fußballfans handelt. Und doch hatte das europäische Wappenwesen in der Geschichte keine direkten Vorbilder (die ältere Ableitung von orientalischem Brauch wird von der heutigen Forschung allgemein abgelehnt)3. Zwar hat es auch schon zuvor Schildbemalungen gegeben, indem zum Beispiel Römische Legionäre ihre Viereckschilde mit abstrakten Mustern, die aus dem Schildbeschlag hervorgingen, versahen oder die Germanen mit kräftigen Farben wilde Tiere auf ihre Rundschilde malten, jedoch waren dies Gemeinschaftssymbole, die nicht den einzelnen Ritter kennzeichneten, sondern, ähnlich den mittelalterlichen Heerbannzeichen, Kampfabteilungen oder Stammesverbände markierten. Diese wappenähnlichen Symbole können mit den europäischen mittelalterlichen Wappen nicht in Verbindung gebracht werden.4 Nicht jeder bemalte Schild kann also als heraldisch durchgehen.
Die ältesten bemalten Kampfschilde sind in der griechischen Antike nachweisbar. Die Griechen trugen bereits in vorchristlicher Zeit geschlossene Helme und waren auf verschiedenfarbige und unterschiedlich geformte Schilde angewiesen, um eine Gruppenzugehörigkeit des Trägers anzuzeigen. Der Helmschmuck dieser Zeit ist vorwiegend dekorativer Art oder dient zur Verstärkung der Helmkappe.5 Bei den Römern dagegen war der geschlossene Helm unüblich, so dass der Träger jederzeit erkenntlich und ein persönliches Erkennungszeichen unnötig war. Wie bereits zuvor angedeutet, war die Bemalung der römischen Schilde nur legionsweise verschieden und Schildbeschläge aus Metall oder Bemalungen sind entweder Schildverstärkungen oder reine Schmuckelemente.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff Wappen, erläutert dessen etymologische Herkunft und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, die Entstehung der Wappen im 12. Jahrhundert historisch zu untersuchen.
1. Ursprung des Wappens: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass vorheraldische Schildbemalungen keine direkten Vorbilder für das europäische Wappenwesen darstellen, da sie lediglich als kollektive Feldzeichen fungierten.
2. Entstehung der Wappen: Hier wird dargelegt, dass Wappen aus einer zwingenden Notwendigkeit im Kontext des Kriegswesens und der Kreuzzüge entstanden, um die Identifikation von Kämpfern trotz geschlossener Rüstungen zu ermöglichen.
3. Hauptelemente eines Vollwappens: Dieser Abschnitt beschreibt die strukturellen Komponenten eines Vollwappens, insbesondere Schild, Helm, Helmzier und Prunkstücke, und erläutert deren gestalterische Regeln.
4. Wappen als historische Quellen: Das Kapitel analysiert den hohen Quellenwert von Wappen für genealogische, sozialgeschichtliche sowie kunst- und kulturhistorische Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Heraldik, Wappen, Mittelalter, Schild, Kreuzzüge, Historische Hilfswissenschaft, Wappenkunde, Identifikation, Genealogie, Siegel, Vollwappen, Helmzier, Farbregel, Kriegswesen, Sozialgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und Bedeutung von Wappen im Hohen Mittelalter und deren Funktion als historische Quelle.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen den Ursprung des Wappenwesens, die Abgrenzung zu vorheraldischen Symbolen, den Aufbau eines Vollwappens und die Verwendung von Wappen als historisches Hilfsmittel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Gründe für die Entstehung der Wappen im 12. Jahrhundert nachzuvollziehen und ihre Bedeutung für die historische Forschung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Methode, die sich auf Fachliteratur und historische Quellen stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Genese der Wappen aus dem Kriegswesen, die formale Systematik der Wappenelemente sowie der hohe Quellenwert für genealogische und staatsgeschichtliche Analysen detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Heraldik, Wappen, Mittelalter, Identifikation und historische Hilfswissenschaft.
Warum wird die Farbregel in der Heraldik als so wichtig erachtet?
Die Farbregel dient dazu, die Erkennbarkeit eines Wappens selbst aus größerer Entfernung auf dem Schlachtfeld oder im Turnier sicherzustellen.
Inwiefern lassen sich Wappen als sozialgeschichtliche Quellen nutzen?
Wappen dokumentieren durch ihre Darstellung Lehnbeziehungen, Allianzen, Rangansprüche und dynastische Veränderungen, die auf politische oder soziale Umwälzungen schließen lassen.
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- Andy Schalm (Author), 2007, Die Entstehung der Wappen im Hohen Mittelalter und ihre Bedeutung als historische Quellen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83447