Diese Arbeit vergleicht die Parteientheorie aus dem deutschsprachigen Raum mit den tatsächlich auftretenden politischen Gegebenheiten in Ecuador.
Eingegangen wird zuerst auf die politische Situation und das politische System Ecuadors, in einem weiteren Schritt werden Partizipation, Kooperation, Programmatik, Parteienbindung, Personalismus, Populismus und Opportunismus thematisiert. Die Auswirkungen des Regionalismus, des Militärs sowie der indigenen Bevölkerung Ecuadors runden die Betrachtung ab.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung: Überblick über die Situation Ecuadors
Das politische System Ecuadors: ein kurzer Überblick
Das Problemfeld der Partizipation
Die Problemfelder ecuadorianischer Parteien
Parteien nach Sutor / Oberreuther und ecuadorianische Parteien
Die Bildung von ecuadorianischen Parteien
Die Bindung an politische Parteien
Die Programmatik der Parteien Ecuadors
Das Folgen des Personalismo: grenzenloser Opportunismus
Die Zusammenarbeit der Parteien
Das (inoffizielle) Ziel der Parteien
Zusammenfassung: Unterschiede zur deutschen Partei und Definition der ‚ecuadorianischen Partei’
Die Auswirkungen auf das politisch - gesellschaftliche Leben Ecuadors
Der politische ‚Stil’
Die Steigerung des Personalismo: der Populismo
Der Regionalismo
Die Rolle des Militärs
Ausblick: die Rolle der Indigenas und die Wahlen 2002
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die spezifischen Charakteristika ecuadorianischer Parteien und setzt diese in einen kritischen Vergleich zur deutschen Parteientheorie. Ziel ist es, die strukturellen Defizite und die besondere politische Kultur Ecuadors herauszuarbeiten, um die Funktionsweise sowie die institutionellen Herausforderungen des dortigen politischen Systems zu beleuchten.
- Strukturanalyse des präsidentiellen Regierungssystems Ecuadors
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen theoretischen Parteifunktionen und ecuadorianischer Realität
- Rolle des "Personalismo" und des "Populismo" als bestimmende Faktoren
- Einfluss regionaler Differenzierungen (Sierra vs. Costa) auf die Parteienlandschaft
- Die politische Rolle des Militärs und aufkommender sozialer Bewegungen (Indigenas)
Auszug aus dem Buch
Die Problemfelder ecuadorianischer Parteien
Der Grund für den mangelnden Rückhalt der Demokratie ist in dem Handeln der zentralen demokratischen Akteure, den Parteien zu suchen. Es ergeben sich dabei deutliche Unterschiede zu den Parteien deutscher Prägung nach dem Schema von Sutor und Oberreuther. Dessen zentrale Punkte sind:
- eine Interessensvertetung (mit Interessensselektion, -aggregation und – artikulation)
- eine Programmfunktion
- eine Partizipation und damit Legitimation und Integration der Bevölkerung und
- eine Personalrekrutierung.
Eine Partei in westlichen Demokratien der ‚1.Welt’ zeichnet sich im Regelfall dadurch aus, dass sie nicht ‚über Nacht’ entsteht, sondern ihr klare Parteibildungsprozesse vorauslaufen. Aus Gruppeninteressen bilden sich organisierte Interessensgruppen, aus ihnen wiederum entstehen zum Zweck der politischen Anteilnahme Parteien. Anhand dieses Prozesses ist garantiert, dass die Partei einen klaren Bezug zur Bevölkerung bewahrt und der Kontakt zur Basis und damit ihre Funktion als Interessensvertretung nicht verloren geht.
Dies ist jedoch für den ecuadorianischen Fall nicht zutreffend. Die Mehrzahl der Parteien weist einen Bezug zur Basis nicht auf, vielmehr sind sie Vereinigungen der gesellschaftlichen Eliten, davon v.a. der Großgrundbesitzer und Handelselite, zum Zweck der Konsolidierung ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Macht. Dabei spielt die Art der Partei keine Rolle: egal, ob Links-, Mitte- oder Rechtspartei, ihre Spitze rekrutiert(e) sich alleine aus den Spitzen der Gesellschaft, was v.a. bei der Kommunistischen und Sozialistischen Partei Ecuadors (die ja eigentlich Bauern- und Arbeiterparteien sind) teils skurrile Züge trägt. Ebenso sind aufgrund der fehlenden Entwicklungsprozesse Adhoc-Gründungen politischer Parteien kurz vor Wahlen mit so klangvollen Namen wie Nuevo País (Neues Land, 1996) oder Partido Unidad Republicano (Partei Republikanische Einheit, 1991) keine Seltenheit, die nach Erreichung ihres Zieles (Einzug ins Parlament) auch rasch wieder verschwinden.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitende Worte des Autors zur Einordnung der Arbeit.
Einleitung: Überblick über die Situation Ecuadors: Analyse der sozioökonomischen und historischen Rahmenbedingungen, die das politische System Ecuadors prägen.
Das politische System Ecuadors: ein kurzer Überblick: Darstellung der präsidentiellen Regierungsstruktur und der Funktionsweise von Legislative und Exekutive.
Das Problemfeld der Partizipation: Untersuchung der exklusiven Machtstrukturen und der historischen Marginalisierung weiter Bevölkerungsschichten.
Die Problemfelder ecuadorianischer Parteien: Grundlegende Kritik an der Parteienbildung, Programmatik und dem fehlenden Bezug zur Bevölkerung.
Zusammenfassung: Unterschiede zur deutschen Partei und Definition der ‚ecuadorianischen Partei’: Synthese der Ergebnisse mit dem Versuch, eine spezifische Definition für die ecuadorianische Parteienlandschaft zu finden.
Die Auswirkungen auf das politisch - gesellschaftliche Leben Ecuadors: Analyse von Phänomenen wie Machismo, Populismus, Regionalismus und der Rolle des Militärs.
Ausblick: die Rolle der Indigenas und die Wahlen 2002: Einschätzung der neuen Akteure und der potenziellen Entwicklung des politischen Systems.
Schlüsselwörter
Ecuador, Parteiensystem, Personalismo, Populismo, Demokratie, Partizipation, Regionalismo, Interessensvertretung, Militär, Indigenas, Politische Kultur, Institutionen, Parlament, Machtstruktur, Sozialbewegungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die spezifischen Strukturen und Defizite des Parteiensystems in Ecuador im Vergleich zu theoretischen Modellen deutscher Politikwissenschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?
Im Zentrum stehen die mangelnde Institutionalisierung der Parteien, die Rolle charismatischer Führer, der Einfluss des Militärs sowie soziale und regionale Spaltungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Funktionsweise ecuadorianischer Parteien de facto zu beschreiben und eine eigenständige Definition für das lokale Parteienverständnis zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Der Autor nutzt einen systemtheoretischen Vergleichsansatz, bei dem etablierte Theorien (z.B. von Sutor/Oberreuther) auf die ecuadorianische politische Realität angewendet werden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Bildungs- und Bindungsprozesse von Parteien, die Auswirkungen des Personalismo, die Rolle des Populismus und die Einflussnahme regionaler Gegebenheiten.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Schlüsselbegriffe sind Personalismo, Populismo, Regionalismo, Multipartidismo und die Rolle der Indigenas als politische Akteure.
Warum ist das "Sutor/Oberreuther-Schema" in Ecuador kaum anwendbar?
Da ecuadorianische Parteien selten als "Vermittlungsagenturen" für gesellschaftliche Interessen fungieren, sondern primär zur Personalrekrutierung und Machterhaltung dienen.
Welche Rolle spielt das Militär im ecuadorianischen System?
Das Militär agiert als "Staat im Staat" und fungiert aufgrund der Schwäche der zivilen Institutionen oft als Schiedsrichter in politischen Krisensituationen.
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- Florian Schwarz (Author), 2003, Welches sind die typischen Eigenschaften der ecuadorianischen Parteien?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83455