Rolle und Bedeutung des Romans bei Christian Thomasius und Gotthard Heidegger

Ein Vergleich zweier romantheoretischer Positionen des 17. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2007

10 Seiten, Note: noch keine


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Autoren und Erscheinungskontext der romantheoretischen Positionen

III. Zur Diskussion um den Roman
III.1. Der Roman zwischen Wahrheit und Fiktion
III.2. Vom Nutzen und Nachteil des Romans

IV. Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis (inkl. weiterführender Bibliografie)

I. Einleitung

Obgleich in Martin Opitz’ „Buch von der Deutschen Poeterey“[1] aus dem Jahre 1624 noch nicht vom Roman die Rede ist, wird während des 17. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum ein gelehrter Diskurs über die Rolle und Bedeutung des Romans geführt. Mit den romantheoretischen Beiträgen von Christian Thomasius (1655-1728) und Gotthard Heidegger (1666-1711) finden sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts zwei konträre Positionen zum Roman. Anhand zentraler romantheoretischer Texte[2] beider sollen in meiner Arbeit die zeitgenössischen Sichtweisen barocker Prosa-Literatur[3] mit ihren jeweiligen Argumenten, Wertungen und Beispielen vergleichend untersucht werden. Nach einigen kurzen Bemerkungen über Thomasius und Heidegger sowie den Kontext ihrer herangezogenen Äußerungen (II.) wird zu betrachten sein, wie beide den fiktionalen Charakter des Romans beurteilen (III.1.) bzw. welchen Nutzen sie in ihm sehen (III.2.). Abschließend sollen die Ergebnisse kurz zusammengefasst werden (IV.).

II. Autoren und Erscheinungskontext der romantheoretischen Positionen

Thomasius, ursprünglich Jurist, gilt als „ ‚Vater’ der deutschen Aufklärung“[4]. Nicht zuletzt liegt dies in seinem Wirken als Professor an der Universität Halle, wo er ab 1694 durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der Rechts- und Staatsphilosophie als progressiver Geist für Furore sorgte. Seine stetige Auseinandersetzung mit den tief im orthodox-scholastischen Denken verhafteten Autoritäten der Zeit[5] spiegelt sich etwa in Thomasius’ vehementem Einsatz für den Gebrauch der deutschen Sprache in der Wissenschaft wider. Auch die Herausgabe der „Monatsgespräche“, einer der ersten Zeitschriften in deutscher Sprache, im Jahre 1688 ist im Kontext dieser Aktivitäten zu verorten.[6] Aber die „Monatsgespräche“ waren noch mehr: Sie bildeten ein Forum für literarische Kritik. Die Tatsache, dass bereits im ersten Heft eine fiktive Unterredung vierer Bürger über den Roman veröffentlicht wurde, gibt beredtes Zeugnis über die Bedeutung, die der Frühaufklärer jenem Zweig der Prosaliteratur zumaß.[7] Ob nun Thomasius selbst den Roman als „nicht sehr hoch“[8] eingeschätzt und in ihm einzig den „Übermittler philosophischer Lehren für die Masse des Volkes“[9] gesehen habe, wie Rieck meint, oder sein Beitrag zur Theoriediskussion „nichts wesentlich Neues“[10] geliefert habe, wovon Hillebrand überzeugt ist, sei an dieser Stelle dahingestellt. Fakt ist, dass der Frühaufklärer das Thema „Roman“ überhaupt als solches theoretisch reflektiert; noch dazu im Rahmen einer fiktiven Diskussion, womit seine erzählerische Darstellung des Themas selbst ein entscheidendes Merkmal des Romans aufweist.

Einen ganz anderen Hintergrund bietet dagegen Heidegger, dessen Position von radikaler Romankritik geprägt ist. So holt der Schweitzer Theologe und reformierte Pfarrer, mithin führendes Mitglied eines schöngeistigen Kreises, der sich in „der Art barocker Gesprächsspiele“[11] mit literarischen Themen beschäftigte, in seiner Schrift „Mythoscopia Romantica“ zur Rundumkritik am Roman aus. Durch die Veröffentlichung von Lohensteins „Arminius“ herausgefordert, gibt er im Vorbericht zu seiner polemischen Schrift freimütig zu, er habe „diese Gattung Bücher schon vor langer Zeit gehasset“[12]. Heideggers Romankritik, die, wie viele seiner anderen Schriften auch, „puritanisch-pädagogische Absichten“[13] erkennen lässt, scheint auch in Deutschland einiges Aufsehen erregt zu haben.[14] Auch ihm kommt das Verdienst einer gewissen Originalität zu, denn wenn heute im literaturhistorischen Diskurs von Heideggers „Mythoscopia Romantica“ die Rede ist, so bleibt dabei nur selten unerwähnt, dass er darin erstmalig das Wort „romantisch“ (im Sinne von „unwahrhaftig“ und „unmoralisch“) gebraucht.[15]

[...]


[1] Opitz, M.: Buch von der Deutschen Poeterey (1624), hg. v. H. Jaumann, Stuttgart 2002.

[2] Um den Rahmen dieser Arbeit von vornherein einzugrenzen, soll allein auf die bei Lämmert, E. u.a. (Hgg.): Romantheorie. Dokumentation ihrer Geschichte in Deutschland 1620-1880, Berlin 1971 abgedruckten zentralen Auszüge aus den „Monatsgesprächen“ von Thomasius bzw. aus den „Mythoscopia Romantica“ von Heidegger zurückgegriffen werden.

[3] Vgl. Niefanger, D.: Barock. Lehrbuch Germanistik, 2., überarb. u. erw. Aufl., Stuttgart 2006, S. 174; unter dem Begriff ‚Roman’ soll hier ein „schriftlich fixierter, relativ umfangreicher, fiktionaler Prosatext in einer nicht nur Gelehrten verständlichen Sprache“ verstanden werden, womit ich mich auf die Definition von Schneider, J.: Einführung in die Roman-Analyse, Darmstadt 2003, S. 8 beziehe.

[4] Schneiders, W.: s.v. Thomasius, Christian, in: Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 10, München 1989, S. 20.

[5] Vgl. Schröder, P.: Christian Thomasius zur Einführung, Hamburg 1999, S. 153.

[6] Näheres bei Jaumann, H.: Bücher und Fragen: Zur Genrespezifik der Monatsgespräche, in: Vollhardt, F.(Hg.): Christian Thomasius (1655-1728). Neue Forschungen im Kontext der Frühaufklärung, Tübingen 1997, S. 395-404.

[7] Vgl. Thomasius, Ch.: Schertz= und Ernsthaffter, Vernünftiger und Einfältiger Gedancken / über allerhand Lustige und nützliche Bücher und Fragen Erster Monath oder Januarius (1688), in: Lämmert, E. u.a. (Hgg.): Romantheorie. Dokumentation ihrer Geschichte in Deutschland 1620-1880, Berlin 1971, S. 39-45; (im Folgenden wird dieser Text beim Zitieren durch „Monatsgespräche“ abgekürzt).

[8] Rieck, W.: Zur Vielhaft deutscher Romanliteratur zwischen Barock und Frühaufklärung, in: Studia Germanica Posnaniensia, 9 (1999), H. 24, S. 23-36, S. 28.

[9] Ebd.

[10] Hillebrand, B.: Theorie des Romans. Erzählstrategien der Neuzeit, 3., erw. Aufl., Stuttgart 1993, S. 77; Niefanger: Barock, S. 188 sieht das freilich ganz anders, denn dort wird behauptet, dass Thomasius die „erste systematische Unterscheidung von Romanformen in Deutschland“ geliefert habe.

[11] Villinger, U.: s.v. Heidegger, G., in: Historische Kommission der Bayrischen Akademie der Wissenschaften (Hg.): Neue Deutsche Biographie, Bd. 8, Berlin 1969, S. 243-244, S. 243.

[12] Heidegger, G.: Mythoscopia Romantica oder Discours von den so benannten Romans, (=Ars poetica, Bd. 3), Faksimileausgabe nach dem Originaldruck von 1698, hg. v. E. Schäfer, Zürich u.a. 1969, Vorbericht (o. S. ).

[13] Ebd., S. 244.

[14] Vgl. Hitzig, U.: Gotthard Heidegger - 1666-1711, Winterthur 1954, S. 36.

[15] Vgl. Villinger: Heidegger, S. 243 bzw. Löffler, J.: Kaleidomythoskopie. Gotthard Heideggers Mythoscopia Romantica und die digressio des Barock, in: Guenia, J./ Hermann, I.(Hgg.): Literatur als Blätterwerk. Perspektiven nichtlinearer Lektüre, St. Ingberg 2002, S.205-219, S. 207.

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Details

Titel
Rolle und Bedeutung des Romans bei Christian Thomasius und Gotthard Heidegger
Untertitel
Ein Vergleich zweier romantheoretischer Positionen des 17. Jahrhunderts
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in die Literatur und Sprache des 17. Jahrhunderts
Note
noch keine
Autor
Jahr
2007
Seiten
10
Katalognummer
V83517
ISBN (eBook)
9783638907354
ISBN (Buch)
9783638910453
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Bedeutung, Romans, Christian, Thomasius, Gotthard, Heidegger, Einführung, Literatur, Sprache, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Michael Schadow (Autor), 2007, Rolle und Bedeutung des Romans bei Christian Thomasius und Gotthard Heidegger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83517

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