Ethnische Segregation in Deutschland – freiwillig oder erzwungen?


Hausarbeit, 2006

11 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung von ethnischer Segregation in Deutschland

3. Bewertung

4. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn man den Begriff der Segregation gebraucht, stellt sich immer die Frage wie Segregation definiert wird. Die Wichtigkeit der Klärung des Segregationsbegriffes oder dessen, was unter Segregation verstanden wird, liegt auch darin, dass mit einer bestimmten Definition auch eine bestimmte Gewichtung von möglichen Segregationsfaktoren vorgenommen wird. Man geht also, wenn man einen bestimmten Segregationsbegriff verwendet, schon aus einer gewissen Perspektive an die Thematik heran. Ebenso liegt in der Definition von Segregation auch schon eine Bewertung der Segregation, zum Beispiel ob sie als Problem oder als positives Element zu sehen ist. Der Begriff der Segregation ist als Konstrukt zu verstehen und muss daher, bevor man mit ihm arbeitet, erläutert werden.

Von den unterschiedlichen Gewichtungen und Bewertungen von Segregation abgesehen, beruht ethnische Segregation auf kulturellen Differenzen, die durch Einwanderung gleichsam importiert werden, und ist eine Herausforderung an die gesellschaftliche Integrationskraft.[1] Es ist eine isolierte, abgesonderte Lebensweise von Bevölkerungsteilen (Minderheiten) bestimmter ethnischer oder nationaler Herkunft.[2]

Für diese Hausarbeit ist nun noch die Differenzierung von funktionaler und struktureller ethnischer Segregation wichtig.

Als funktionale bezeichnet man eine freiwillige und zeitlich begrenzte ethnische Segregation. Ist beides der Fall, so dient sie der individuellen Integration und ist damit funktional.

Eine strukturelle ethnische Segregation ist dann gegeben, wenn sie dauerhaft und erzwungen ist. Sie geht dann einher mit dem dauerhaften Scheitern der Systemintegration.

Freiwillige ethnische Segregation ist etwas völlig anderes als erzwungene, selbst wenn die Segregation in beiden Fällen das gleiche Ausmaß annehmen sollte.[3]

Um nun festzustellen, ob die ethnische Segregation in Deutschland eine freiwillige oder eine erzwungene ist, wird im Folgenden zunächst die Entstehung derselben untersucht. Später folgt eine Bewertung der unterschiedlichen Ausprägungen, welche dann durch das Fazit kommentiert und zu einem Ergebnis gebracht wird.

2. Die Entstehung von ethnischer Segregation in Deutschland

Ihren Lauf nahm die ethnische Segregation in Deutschland mit dem Zuzug der Gastarbeiter in den 60er-Jahren. Diese Zuwanderung nahm dann nochmals in den 80er-Jahren durch Asylbewerber und Flüchtlinge zu. Die meisten Zuwanderer in den 90er-Jahren kamen aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten. Erst Mitte der 90er-Jahre ließ die Einwanderung im Ganzen fühlbar nach.[4]

Ihr Leben im neuen Land begannen viele Migranten in Aufnahmeheimen. Mit viel Glück wurde ihnen auch ein Platz in einem Wohnheim zugeteilt, von wo aus sie sich eine eigene Wohnung und einen Arbeitsplatz suchen konnten.[5] Vor allem die Gastarbeiter suchten sich ihre Behausungen meist in preiswerten innerstädtischen Altbauquartieren mit schlechter Bausubstanz oder auch in frühindustriellen Arbeiterkolonien. Da sie ohnehin planten wieder zurück in ihre ursprüngliche Heimat zurückzukehren, machten ihnen die provisorischen Unterkünfte nichts aus. Jedoch dauerte es nicht lange bis die Familien der Gastarbeiter ebenfalls nach Deutschland zogen und sich so oftmals für eine dauerhafte Ansiedlung entschieden wurde.

Daraus folgte bald ein steigender Nachfragedruck auf Wohnraum, dem weder durch bundes- noch durch landespolitische Maßnahmen Rechnung getragen wurde.

Es kam daraufhin immer mehr dazu, dass die geringe Liquidität der Ausländer missbraucht wurde und sie als Restnutzende in alten und heruntergekommenen Wohnungen wohnen mussten.

Heutzutage ist klar, dass die meisten, der in Deutschland lebenden, ehemaligen Gastarbeiter auf Dauer hier bleiben. Die ethnische Segregation ist also kein zeitlich befristetes Problem der Gastarbeiter mehr, sondern bezieht sich mittlerweile auch auf die nachfolgenden Generationen.[6] Diese erfahren oftmals eine unfreiwillige Segregation, welche in Form von Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt auf sie wartet. Im Gegensatz zu den Gastarbeitern, die sich meist freiwillig in schlechteren Wohngebieten angesiedelt hatten.

[...]


[1]Vgl. Häussermann, Hartmut und Walter Siebel 2004: Stadtsoziologie. Eine Einführung. Frankfurt/M.: New York: Campus S. 151

[2] Vgl. Hillmann, Karl-Heinz 1994: Wörterbuch der Soziologie, 4. überarbeitete und ergänzte Auflage, Stuttgart: Kröner S. 768

[3] Vgl. Häussermann, Hartmut und Walter Siebel 2004: Stadtsoziologie. Eine Einführung. Frankfurt/M.: New York: Campus S. 178

[4] Vgl. Häussermann, Hartmut und Andreas Kapphan 2002: Berlin: von der geteilten zur gespaltenen Stadt? Vs Verlag S. 203/205

[5] Vgl. Häussermann, Hartmut und Andreas Kapphan 2002: Berlin: von der geteilten zur gespaltenen Stadt? Vs Verlag S.206f

[6] Vgl. Hahnhörster, Heike und Margit Mölder 2000: Konflikt- und Integrationsräume im Wohnbereich. S. 348 u. vgl. Häussermann, Hartmut und Walter Siebel 2004: Stadtsoziologie. Eine Einführung.Frankfurt/M.: New York: Campus S. 174 u. vgl. Hahnhörster, Heike und Margit Mölder 2000: Konflikt- und Integrationsräume im Wohnbereich. S. 348

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Ethnische Segregation in Deutschland – freiwillig oder erzwungen?
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
Einführung in die Stadtsoziologie
Note
1,8
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V83528
ISBN (eBook)
9783638907361
ISBN (Buch)
9783638907767
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethnische, Segregation, Deutschland, Einführung, Stadtsoziologie
Arbeit zitieren
Jenny Bertram (Autor), 2006, Ethnische Segregation in Deutschland – freiwillig oder erzwungen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83528

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