Brasiliens Stellung in der Weltzuckerproduktion und im Weltzuckerhandel


Bachelorarbeit, 2006
64 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Zielsetzung

2. Strukturen und Charakteristika des Weltzuckermarktes
2.1 Die Weltzuckererzeugung
2.2 Der Weltzuckerverbrauch
2.3 Strukturen des Welthandels mit Zucker
2.4 Akteure auf dem Zuckermarkt und deren Handelsbeziehungen (Export / Import)
2.5 Der Weltmarktpreis für Zucker

3. Die europäische Zuckermarktordnung und die Quoten in der EU sowie die Zuckermarktreform
3.1 Die europäische Zuckermarktordnung und die Quoten in der EU
3.2 Die Zuckermarktreform
3.3 Zusammenfassung der wichtigsten Kernaussagen der Kapitel 2.-3.2

4. Anbaustrukturen, Standortansprüche und Verarbeitung von Zuckerrübe und Zuckerrohr
4.1. Die Zuckerrübe
4.2 Das Zuckerrohr

5. Brasilien
5.1 Daten und Fakten zu Brasilien
5.2 Die Bedeutung Brasiliens in der Weltzuckerproduktion und im Weltzuckerhandel
5.3 Ursachen für den Erfolg Brasiliens in der Weltzuckerproduktion und im Weltzuckerhandel
5.3.1 Natürliche Standortvoraussetzungen
5.3.2 Arbeitnehmer im Agrarsektor sowie die Agrarunternehmen und deren Technologien
5.3.3 Die preiswerte Verfügbarkeit von Bioenergie
5.3.4 Die Unterstützung durch die Politik
5.4 Strukturelle Nachteile der brasilianischen Landwirtschaft und Ansätze um diese zu beseitigen

6. Das Zuckerrohr
6.1 Der brasilianische Export von Zucker

7. Das Ethanol
7.1 Die Herstellung von Ethanol
7.2 Das PROÁLCOOL-Programm
7.3 Der brasilianische Export von Ethanol

8. Die brasilianische Umweltgesetzgebung

9. Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven bezüglich der brasilianischen Zuckerwirtschaft

10. Resümee

I) Abbildungsverzeichnis

II) Tabellenverzeichnis

III) Abkürzungsverzeichnis

IV) Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Zielsetzung

Der Autor Julius Mansfeldt schrieb im Jahr 1828 in seinem Buch: „Meine Reise nach Brasilien“: „Ehe die Brasilianer nicht aufhören, die Produkte, die sie selbst erzeugen können, von anderen Ländern zu ziehen und ehe die Finanzen sich keiner besseren Verwaltung erfreuen, wird der Staatsschatz nicht nur, sondern auch die Nation im Einzelnen ein schwaches Rohr, der Fangball speculativer Köpfe seyn.“[1]

Die vorliegende Arbeit soll unter anderem zeigen, dass dieses Zitat aus heutiger Sicht keineswegs mehr zutreffend ist, da Brasilien auf dem weltweiten Zuckermarkt, sowohl in der Produktion als auch im Export eine herausragende Stellung eingenommen hat.

Um sich dem Thema zu nähern, wird zunächst eine Analyse der Strukturen und Charakteristika des Weltzuckermarktes erstellt. Hierbei soll spezifisch auf die Weltzuckererzeugung, den Weltzuckerverbrauch, die Strukturen des Welthandels mit Zucker sowie die Zuckermarktakteure und den Weltmarktpreis für Zucker eingegangen werden.

Kapitel 3.1 der vorliegenden Arbeit wird sich mit der europäischen Zuckermarktordnung und den Quoten in der EU beschäftigen, um zu klären, inwieweit diese Einfluss auf den weltweiten Zuckerhandel und die Weltzuckerproduktion haben. Auch die Zuckermarktreform soll Erwähnung finden, da diese die derzeitige Situation des Zuckermarktes voraussichtlich verändern wird. Hinzu kommt, dass sich insbesondere Brasilien, Thailand und Australien im August 2003 mit einer Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO = World Trade Organisation) dafür einsetzten, dass die Zuckermarktordnung geändert wird, da sich die drei Länder aufgrund der subventionierten EU-Zuckerexporte benachteiligt fühlten.[2] Diese Thematik wird in den Kapiteln 2. und 3.2 dargestellt.

Im Anschluss daran wird kurz auf die Anbaustrukturen, Standortansprüche und Verarbeitung von Zuckerrübe und Zuckerrohr eingegangen, um die Voraussetzungen zur Herstellung von Zucker zu klären.

Die Kapitel 5.-5.4 beschäftigen sich speziell mit Brasilien und dessen Stellung in der Weltzuckerproduktion und im Weltzuckerhandel. Hierbei soll Kapitel 5.1 einen groben Überblick einiger Daten und Fakten zu Brasilien geben. Im Anschluss daran soll in Kapitel 5.2 zunächst die Bedeutung Brasiliens in der Weltzuckerproduktion und im Weltzuckerhandel erläutert werden. Danach klären die Kapitel 5.3-5.3.4, worauf die Ursachen für Brasiliens Erfolg im Weltzuckermarkt zurückzuführen sind, und inwieweit das Land den restlichen Beteiligten im Zuckersektor überlegen ist. Diesbezüglich soll ins besondere auf die natürlichen Standortvoraussetzungen und die Agrarunternehmen sowie ihre Organisation eingegangen werden. Auch die günstige Verfügbarkeit von Bioenergie und die Unterstützung des Zuckermarktes durch die Politik werden thematisiert. Im Anschluss daran beschäftigt sich Kapitel 5.4 mit eventuellen strukturellen Nachteilen der brasilianischen Landwirtschaft inklusive einiger Ansätze für deren Beseitigung.

In Kapitel 6. wird in Bezug auf Brasilien, auf die Produktion und den Handel mit Rohrzucker eingegangen. Hierbei sollen Erläuterungen über die Höhe der brasilianischen Zuckerproduktion und deren Herstellungskosten gegeben werden. In diesem Zusammenhang soll auch auf die Zuckerfabriken Bezug genommen werden, im Hinblick auf deren Produktionsweisen und zukünftigen Pläne zur Expansion. Weiterführend sollen Prognosen über den zukünftigen Verlauf des Zuckerhandels gestellt werden. Da Brasilien bezüglich des Exports von Zucker eine herausragende Stellung im Weltzuckerhandel einnimmt, werden in einem folgenden Abschnitt die Exportzahlen der brasilianischen Ausfuhren und deren Empfängerländer dargestellt.

Kapitel 7. -7.2 beschäftigt sich mit brasilianischem Ethanol, da dieses im Zusammenhang mit der brasilianischen Zuckererzeugung aus Rohrzucker eine herausragende Stellung einnimmt. Zunächst werden einige Zahlen bezüglich der Produktionshöhe von Ethanol gegeben sowie Prognosen für die zukünftige Produktion. Danach geht es um die inländische Nachfrage nach Ethanol, und es wird geklärt, aus welchen Gründen diese in den letzten Jahren so drastisch gestiegen ist. Auch der enge Zusammenhang zwischen dem Welt-Alkohol-Markt und der Entwicklung der Erdölpreise soll herausgestellt werden. Die Darstellung der Produktionsabläufe für die Erstellung von Ethanol folgt in Kapitel 7.1. Auch auf das PROÁLCOOL-Programm wird in Hinblick auf das Ethanol Bezug genommen. Kapitel 7.3 behandelt den Export brasilianischen Ethanols. Hierbei werden unter anderem die Hauptempfängerländer des brasilianischen Ethanols genannt. Des Weiteren wird es um die Höhe der brasilianischen Exporte gehen, und deren zukünftige Entwicklung.

Da man in der Literatur häufig auf die These stößt, dass die Brasilianer so günstig produzieren können, weil sie keine Umweltauflagen haben, soll in Kapitel 8. geklärt werden, in wieweit diese Behauptung zutreffend ist. Um sich dieser Thematik zu nähern soll speziell auf die brasilianische Umweltgesetzgebung eingegangen werden.

Im Anschluss daran sollen die aktuellen Entwicklungen und Perspektiven bezüglich der brasilianischen Zuckerwirtschaft analysiert werden. Hierbei soll es besonders um die künftige Nachfrage nach Zucker und Ethanol auf dem internationalen und dem regionalen Markt gehen. Auch die Folgen der Zuckermarktreform werden in diesem Zusammenhang behandelt.

Abschließend wird in einem Resümee die Stellung Brasiliens in der Weltzuckerproduktion und im Weltzuckerhandel kritisch betrachtet. Hierbei soll unter anderem deutlich werden, dass das oben angeführte Zitat von Julius Mansfeldt aus heutiger Sicht überholt und nicht mehr zutreffend ist.

2. Strukturen und Charakteristika des Weltzuckermarktes

Bei der Gewinnung von Zucker sind in erster Linie der Anbau, die Ernte und die Verarbeitung von Zuckerrohr (Saccharum officiniarum) und Zuckerrüben (Beta vulgaris, ssp. vulgaris var. altissima) von Bedeutung. Besonders der Rohrzucker, welcher in tropischen und subtropischen Gebieten angebaut wird, nimmt große Anteile in der seit mehreren Jahrzehnten stetig steigenden Weltzuckererzeugung ein. Lag der Anteil des Rohrzuckers 1960/61 noch bei 60% der Weltzuckerproduktion, so nahm er bereits 2003/04 einen Anteil von etwa 78% an der weltweit eingebrachten Produktionsmenge von 157 Mio. t ein.[3] Als wichtigste Zuckerrohrproduzenten sind Brasilien, Indien, Thailand, China, Australien, Mexiko, Kuba und die USA zu nennen.[4] Hinsichtlich der Erzeugung von Rübenzucker, welcher hauptsächlich in klimatisch gemäßigten Ländern angebaut wird, nimmt, wie Tab. 1 verdeutlicht, vor allem die Europäische Union (EU-25) einen großen Stellenwert ein, da auf sie etwa 57% des weltweit produzierten Rübenzuckers entfallen. Weitere Zuckerrübenproduzenten sind z.B. die Vereinigten Staaten, China und Japan (siehe Tab. 1)[5].

Tabelle 1: Haupterzeugerländer und –regionen für Rübenzucker (2003/2004)

(Quelle: Klohn, W. u. Windhorst, H-W., 2006, S. 106)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf dem Weltmarkt für Zucker ist seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Konkurrenz zwischen Rohrzucker und Rübenzucker zu erkennen. Diese Konkurrenz hat sich seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts verschärft, da die EU auf Grund ihrer Zuckermarktpolitik zum weltweit größten Exporteur von Weißzucker geworden ist. Diese Exporte wurden in großem Umfang subventioniert. Aufgrund dieser hohen Subventionen gingen anderen Zuckerexporteuren, wie z.B. Brasilien, Thailand oder Australien wichtige Exportmärkte verloren. Parallel dazu kam es demzufolge zu einem Preisfall auf dem Weltmarkt. Aus diesem Grund legten Brasilien, Australien und Thailand im August 2003 bei der WTO Beschwerde gegen die Subventionierung der EU-Zuckerexporte ein.[6] Sie beanstandeten explizit, dass die Exportsubventionen der EU für Zucker die Wettbewerbsbedingungen auf dem Weltmarkt verzerren und effiziente Produzenten wie z.B. Brasilien massiv schädigen würden. Aufgrund der Bestrebungen innerhalb der EU, den Zuckermarkt zu reformieren, und aufgrund des Drucks der WTO kam es zu einem Ende der europäischen „Nachkriegs-Zuckerpolitik“. Hierauf wird an späterer Stelle (siehe Kapitel 3.2) näher eingegangen.[7]

2.1 Die Weltzuckererzeugung

Zucker wird in mehr als 100 Ländern der Erde produziert. Wie Tab. 2 zeigt wurden im Jahr 2004/05 weltweit ca. 146,1 Mio. t Rohzucker erzeugt. Bezüglich der Weltzuckererzeugung ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 1,7% erreicht worden, da diese im Jahr 2003/2004 noch bei 143,7 Mio. t lag.[8]

Tabelle 2: Die Weltzuckererzeugung (in 1.000 t RW)

(Quelle: verändern nach. Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ): http://www.zuckerwirtschaft.de/2_3_2.html, Stand: 18.06.06)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die weltweite Zuckerproduktion konzentriert sich zunehmend auf einige wenige Länder. So produzierten 1980 die zehn wichtigsten Länder 56% der weltweiten Zuckervorkommen.[9] Im Jahr 2004/05 konnten die zehn gewichtigsten Erzeugerländer für Zucker bereits 76,67% (109.232 Mio. t) erzielen. Das Haupterzeugerland war 2004/05 mit Abstand Brasilien, gefolgt von der EU-25 und Indien.[10] Diesbezüglich ist zu erwähnen, dass Indien weit mehr Zucker verbraucht als es selbst produzieren kann. Aus diesem Grund ist Indien auf den Import von zusätzlichem Zucker angewiesen und spielt im Export keine bedeutende Rolle.[11] Des Weiteren ist festzuhalten, dass die innerhalb der EU produzierte Zuckermenge aufgrund der EU-Erweiterung erhöht wurde. Von den 25 Mitgliedsländern der EU sind derzeit, abgesehen von Zypern, Luxemburg, Estland und Malta, alle Mitgliedsländer an der EU-Zuckerproduktion beteiligt. Hierbei ist die Effizienz der Zuckererzeugung in den einzelnen Mitgliedsländern jedoch sehr unterschiedlich. Fest steht, dass Frankreich, Deutschland und Polen die größten Erzeuger sind, gefolgt von Italien und dem Vereinigten Königreich.[12]

Die Anteile der großen Zuckerproduzenten an der Weltproduktion sind jedoch nicht konstant. So ist z.B. die Zuckerproduktion von 1984-2004 in der EU und in den USA kaum, in Brasilien von 1994-2004 jedoch sehr stark gestiegen. Dies lag z.B. an Rekordernten, der Deregulierung des brasilianischen Alkoholmarktes und der dramatischen Abwertung der brasilianischen Währung gegenüber dem US-Dollar.[13]

Im Hinblick auf die Weltzuckererzeugung ist festzustellen, dass diese im langfristigen Mittel jährlich um ca. 1,4% steigt. Hierbei sind die Zuwächse in der Weltzuckererzeugung hauptsächlich dem Rohrzucker zuzuschreiben (Abb. 1). Der Anteil des Rübenzuckers an der Gesamterzeugung beträgt etwa 26%. Betrachtet man den Anteil der Entwicklungsländer an der weltweiten Zuckerproduktion ist festzuhalten, dass dieser von 1998-2000 bei 67% lag. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass sich dieser Anteil bis zum Jahr 2010 auf 72% steigern wird.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Entwicklung der Weltzuckererzeugung insgesamt im Vergleich zur Rohr- und Rübenzuckererzeugung (Angaben in 1.000 t)

(Quelle: Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ): http://www.zuckerwirtschaft.de/2_3_2.html, Stand: 29.05.06)

2.2 Der Weltzuckerverbrauch

Der Weltzuckerverbrauch lag 2004/05 bei 144,5 Mio. t. Somit ist der Weltzuckerverbrauch im Vergleich zum Vorjahr (2003/04) um 1,2% gestiegen, da der Bedarf zu dieser Zeit bei 142,8 Mio. t lag.[15] Der steigende Weltzuckerverbrauch ist zu ca. 80% dem Bevölkerungswachstum zuzuschreiben. Daher liegt die Vermutung nahe, dass eine Abschwächung des Bevölkerungswachstums in den nächsten 20 Jahren auch zu einem weniger stark anwachsenden Zuckerverbrauch führen könnte als in der Vergangenheit.[16]

Der Pro-Kopf-Verbrauch lag im Jahr 2003 im Weltmittel bei ungefähr 20,3 kg, jedoch sind bei verschiedenen Ländern beträchtliche Unterschiede zu erkennen. So lag der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr 2003 z.B. in Brasilien bei 53,4 kg, in China nur bei 7,8 kg. Besonders in den Schwellenländern ist ein Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs zu erkennen. In den hoch entwickelten Industriestaaten ist in der verarbeitenden Industrie (z.B. Getränkeindustrie) der Zucker aus Kostengründen anderen alternativen Süßstoffen gewichen. Somit ist es nachvollziehbar, dass der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr 2003 in der EU bei nur 30,8 kg und in den USA bei 32,2 kg lagen[17] (siehe Tab. 3). Aufgrund des ansteigenden Pro-Kopf-Verbrauchs und des Bevölkerungswachstums in den Entwicklungsländern ist der Anteil der Entwicklungsländer am Weltzuckerverbrauch von 35% im Jahr 1965 auf 60% im Jahr 2003 gestiegen.[18]

Tabelle 3: Zuckerverbrauch in einigen Ländern (in kg Weißzucker pro Kopf)

(Quelle: verändert nach Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ): http://www.zuckerwirtschaft.de/2_3_2.html, Stand: 29.05.06)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 macht deutlich, dass in einigen Ländern der Zuckerverbrauch weit unter den Zuckererzeugungsmengen liegt. Dies ist in hohem Maße in Brasilien und Australien der Fall. In Bezug auf die EU wird deutlich, dass sich die Zuckererzeugung mit dem Zuckerverbrauch nahezu deckt. Ähnlich ist es in Mexiko. In Indien, der USA und Russland ist das Gegenteil der Fall. So ist hier, besonders in Indien, der Zuckerverbrauch höher als die Zuckererzeugung. Diese Länder sind also auf den Import von Zucker aus anderen Ländern angewiesen. Auch die Länder der ehemaligen Sowjetunion, hierbei ist insbesondere Russland als weltgrößter Zuckerimporteur zu nennen, sowie China, sind aufgrund ihres Verbrauchs in Relation zur Produktion auf die Einfuhr von weiteren Zuckerkontingenten angewiesen (Abb. 2).[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Weltzuckererzeugung und –verbrauch 2004/2005 (einige Länder im Vergleich)

(Quelle: vgl. Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ): http://www.zuckerwirtschaft.de/2_3_2.html, Stand: 29.05.06)

2.3 Strukturen des Welthandels mit Zucker

Die Zuckerwirtschaft ist sowohl im historischen Zusammenhang als auch gegenwärtig in vielen Staaten der Erde in hohem Maße durch protektionistische oder zum Teil auch reglementierende Maßnahmen geschützt. Hinzu kommt, dass die Zuckerwirtschaft hohe Investitionsmaßnahmen verlangt und in starkem Maße von kostengünstigen Arbeitskräften für die Ernte abhängig ist.[20] Im Jahr 2004/05 lag die Gesamtmenge des weltweiten Handelsvolumens von Zucker bei rund 50 Mio. t bzw. 34% der Zuckererzeugung. Daraus lässt sich schließen, dass 66% des erzeugten Zuckers direkt in den Erzeugerländern verbraucht wurden. Von den Import- und Exportfuhren wurden ca. 9 Mio. t, sprich rund ein Fünftel, über Präferenzabkommen (z.B. das AKP-Zuckerprotokoll, siehe Kapitel 3.1) abgewickelt. Das bedeutet, dass auf dem „freien Weltmarkt“ ca. 41 Mio. t Zucker bzw. 28% des weltweit erzeugten Zuckers gehandelt wurden.[21]

Bezüglich des Handels mit Zucker wird zwischen Rohzucker und Weißzucker differenziert. Die Einfuhr- und Ausfuhrmärkte für Rohzucker und Weißzucker werden von unterschiedlichen Ländern angeführt. Bedeutend ist, dass einige wenige Länder den weltweiten Export und Import von Zucker dominieren[22]. Dies wird dadurch deutlich, dass sowohl die Top 10- Länder als auch die Top 5- Länder hohe prozentuale Anteile am Welthandel von Rohzucker und Weißzucker innehaben (siehe Tab. 4).

Tabelle 4: Anteile der wichtigsten Länder am Welthandel von Rohzucker und Weißzucker im Jahr 2001 (Quelle: vgl. Coves, C., 2004, S. 43)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4 Akteure auf dem Zuckermarkt und deren Handelsbeziehungen (Export / Import)

Wie Tab. 5 verdeutlicht, nimmt Brasilien mit einem Exportvolumen von 41,8 Mio. t im weltweiten Zuckerexport eine herausragende Stellung ein. Auch Thailand (4,8 Mio. t), die EU-25 (4,3 Mio. t), Australien (3,1 Mio. t) und Kuba (1,9 Mio. t) konnten im Jahr 2004 relativ hohe Exportwerte verzeichnen. Wie man in diesem Zusammenhang feststellen kann, liegt eine starke Konzentration in Bezug auf die zehn wichtigsten Exportländer vor. So haben die führenden fünf Exportländer im Jahr 2004 zusammen ca. 72,6% der frei auf dem Weltmarkt gehandelten Produktion gestellt. Auf die zehn wichtigsten Exportländer entfielen in diesem Zeitraum 83,4%.[23]

Tabelle 5: Die 10 wichtigsten Exportländer für Zucker (2004)

(Quelle: FAO-Datenbasis: http://apps.fao.org, Stand: 10.06.06.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

* Der Handel innerhalb der Eu wurde herausgerechnet

** Europäische Union: ohne Binnenhandel

Hinsichtlich der Strukturen der Zuckererzeugung in Europa ist zu beachten, dass diese durch die Lieferquoten festgelegt sind. Eine Anpassung des Angebotes an die Nachfrage ist nicht möglich. Hinzu kommt, dass es von großer Bedeutung ist, die traditionellen Lieferbeziehungen und –verpflichtungen der einzelnen Länder zu berücksichtigen. Dies wird unter anderem in der hohen Zuckereinfuhr des Vereinigten Königreiches deutlich, welche zum größten Teil nicht aus EU-Ländern stammt, sondern aus Drittländern (Tab. 6).[24]

Der Selbstversorgungsgrad mit Zucker lag in der EU im Jahr 2001/02 bei 114%. Der jährliche Import betrug 2001/02 ca. 2,6 Mio. t. Demgegenüber stand im selben Jahr der Export mit 5,1 Mio. t. Aufgrund dieser hohen Menge kann die EU auf dem Weltmarkt als großer Exporteur bezeichnet werden.[25]

Tabelle 6: Ein- und Ausfuhren von Zucker der Staaten der EU-15 (2001/2002)

(Quelle: vgl. Klohn, W. u. Windhorst, H.-W., 2006, S. 112)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch den Entschluss der EU die Quotenregelung fortzusetzen, wird der bereits eingeschlagene Weg, den Anteil des EU-Zuckers am Weltmarkt auf ein bestimmtes Maß zu senken, weiter eingehalten. Bezüglich der Netto-Exporte der EU ist festzustellen, dass diese seit vielen Jahren, abgesehen von Ernteschwankungen, stabil sind. Der EU-Anteil an den weltweiten Ausfuhren hat sich in den vergangenen zehn Jahren reduziert. Im gleichen Zeitraum gelang es Brasilien, seine Ausfuhren mehr als zu verzehnfachen. Die Rolle der EU auf dem Weltmarkt somit klar definiert. So ist der Anbau der großen Zuckerproduzenten wie Brasilien und Australien durch Monokulturen und Plantagenwirtschaft gekennzeichnet, und es wird in erster Linie für den Export produziert. Die Rüben- und Zuckererzeugung in Europa ist hingegen überwiegend für die Versorgung des heimischen Marktes ausgelegt.[26]

Wie anhand von Tab. 7 deutlich wird, ist Russland weltweit mit ca. 2,8 Mio. t der größte Zuckerimporteur. An zweiter und dritter Stelle folgen die EU-25 mit etwa 2,5 Mio. t und China mit 1,8 Mio. t. Diesbezüglich ist erneut darauf hinzuweisen, dass Russland und Indien aufgrund ihres Verbrauchs in Relation zur Produktion auf die Einfuhr von weiteren Zuckerkontingenten angewiesen sind. Die zehn wichtigsten Zuckerimporteure führten insgesamt 17,3 Mio. t der auf dem freien Weltmarkt zur Verfügung stehenden Zuckervorräte von 36,8 Mio. t ein. Dies entspricht einem prozentualen Anteil von 46,9% (Tab. 7).

Tabelle 7: Die 10 wichtigsten Importländer für Zucker (2004)

(Quelle: FAO-Datenbasis: http://apps.fao.org, Stand: 10.06.06.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

* Der Handel innerhalb der EU-25 wurde herausgerechnet

** Europäische Union: ohne Binnenhandel

2.5 Der Weltmarktpreis für Zucker

Der Weltmarktpreis für Zucker orientiert sich an den Warenterminbörsen, wo so genannte Future -Kontrakte gehandelt werden. Diese Future- Kontrakte dienen zum einen der Absicherung gegen zukünftige Preisschwankungen und zum anderen der Rohstoffspekulation. Hinzu kommt, dass die Warenterminbörsen für die Bildung des Weltmarktpreises zuständig sind, welcher aus dem Handel mit Zuckerkontrakten resultiert. Bei dem Abschluss von tatsächlichen Lieferverträgen dient der Weltmarktpreis als Referenzwert.[27]

[...]


[1] vgl. Mansfeldt, Julius (1828), S. 132.

[2] vgl. Konrad-Adenauer-Stiftung: http://www.kas.de/publikationen/2004/5202_dokument.html, Stand: 10.06.06.

[3] vgl. Klohn W. u. Windhorst, H.-W. (2006), S. 101.

[4] vgl. Coves, C. (2004), S. 42.

[5] vgl. Klohn, W. u. Windhorst, H.-W. (2006), S. 101.

[6] vgl. Konrad-Adenauer-Stiftung: http://www.kas.de/publikationen/2004/5202_dokument.html, Stand: 10.06.06.

[7] vgl. Coves, C. (2004), S. 42.

[8] vgl. [o.V.] Südzucker AG (2004/05), S. 41.

[9] vgl. Coves, C. (2004). S. 42.

[10] vgl. Bartens/Mosolff (2005), S. 10ff.

[11] vgl. Klohn, W. u. Windhorst, H.-W. (2001), S. 66.

[12] vgl. Europäische Kommission: http://ec.europa.eu/comm/agriculture/capreform/sugar/infopack_de.pdf, Stand: 10.06.06.

[13] vgl. Coves, C. (2004), S. 42.

[14] ebd. S. 42.

[15] vgl. [o.V.] Südzucker AG (2004/05), S. 41.

[16] vgl. Klohn, W. u. Windhorst, H.- W. (2001), S 62.

[17] vgl. http://www.zuckerwirtschaft.de/2_3_2.html, Stand: 29.05.06.

[18] vgl. Coves, C. (2004), S. 42.

[19] vgl. Bartens/Mosolff (2005), S. 22ff.

[20] vgl. Klohn, W. u. Windhorst, H.-W. (2001), S. 62.

[21] vgl. Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ): http://www.zuckerwirtschaft.de/2_3_3.html, Stand: 10.06.06.

[22] vgl. Coves, C. (2004), S. 43.

[23] vgl. FAO-Datenbasis: http://apps.fao.org, Stand: 10.06.06.

[24] vgl. Klohn, W. u. Windhorst, H.-W. (2006), S. 103.

[25] ebd. S. 103.

[26] vgl. Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ): http://www.zuckerwirtschaft.de/1_3_2.html, Stand: 29.05.06.

[27] vgl. Coves, C. (2004), S. 43.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Brasiliens Stellung in der Weltzuckerproduktion und im Weltzuckerhandel
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
64
Katalognummer
V83555
ISBN (eBook)
9783638872577
ISBN (Buch)
9783638872669
Dateigröße
1140 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brasiliens, Stellung, Weltzuckerproduktion, Weltzuckerhandel, Ethanol, Zuckerrübe, Zuckerrohr, Brasilien, Produktion, Handel, Zuckermarkt, Zucker, Export
Arbeit zitieren
Carolin Duda (Autor), 2006, Brasiliens Stellung in der Weltzuckerproduktion und im Weltzuckerhandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83555

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