Lessings "Ringparabel", ein Stundenentwurf mit 4 Arbeitsblättern


Unterrichtsentwurf, 2006

19 Seiten


Leseprobe

Inhalt

I: Bedingungsanalyse

II: Grob- und Feinlernziele

III: Sachanalyse

IV: Didaktische Analyse

V: Methodische Analyse

VI: Literaturverzeichnis

I: Bedingungsanalyse:

Die geplante Unterrichtsstunde findet im zweiten Halbjahr eines Leistungskurses Deutsch (DE-2) statt, womit das Alter der Schüler/innen ca. 18 Jahre betragen wird. Die Sprachsozialisation muss insoweit nicht berücksichtigt werden, als dass in einem Leistungskurs zumindest ein normales Maß an Fähigkeit zum Textverständnis vorausgesetzt werden kann, während die Geschlechterverteilung vollkommen unerheblich ist. Wenn die Lerngruppe allerdings verschiedene Ethnien, bevorzugt auch solche mit islamischem Hintergrund aufweisen würde, könnte das der Betrachtung des Lernmediums sehr entgegen kommen, denn die Betrachtung verschiedener Religionsvorstellungen würde sich mit einem in dieser Hinsicht breit gefächerten Kurs viel positiver gestalten und für zusätzliche Motivation sorgen.

Die Stunde wird bei einem Thema wie diesem, bei dem zumindest in der Ringparabel verschiedene Religionsansichten aufeinanderprallen, eben auch von dieser Geschichte der Toleranz leben, womit es zu keinen Konflikten kommen sollte. Des Weiteren sollten die Schüler einen gewissen Grad an Abstraktions- und Interpretationsfähigkeit mitbringen, um bei der Rezeption dieses neuen, hintergründigen Textes keine Verständnisschwierigkeiten aufkommen zu lassen. Die Problematisierung von gesellschaftlichen Themen, ihre Übertragung auf die Gegenwart und die Entwicklung literaturbezogener Denkkonstrukte sollten mit diesem Kurs ebenfalls möglich sein, da sie für den geplanten Unterrichtsverlauf erforderlich sind.

II: Grob- und Feinlernziele:

Groblernziel:

Die Schüler kennen die Ringparabel und sind in der Lage, sich in selbstständigem Umgang kritisch mit ihr auseinanderzusetzen, individuelle Deutungsmöglichkeiten begründen zu können und einen aktuellen Bezug herzustellen.

Feinlernziele:

FLZ 1: Die Schüler wiederholen den Inhalt der Ringparabel.

Ind.: Sie hören und lesen die Erzählung, die ihnen im Verlauf der Auseinan- dersetzung mit „Nathan der Weise“ schon bekannt ist.

FLZ 2: Die Schüler können den Ideengehalt der Ring- und Urteilsanalogien induk- tiv erschließen, individuelle Deutungsmöglichkeiten erfahren und sich kri- tisch mit ihnen auseinandersetzen.

Ind.: Sie können anhand der selbst erarbeiteten, vereinfachten Zusammen- fassung des Textes schneller einen Zugang zu den Hauptaussagen der Parabel treffen und diese mithilfe der Aufgaben benennen.

FLZ 3: Sie können durch den Vergleich von bildlichen Elementen mit analogi- schen Komponenten einen Bezug zur hintergründigen Sachebene herstel- len.

Ind.: Die Schüler interpretieren in Partnerarbeit die angegebenen Gesichts- punkte und erkennen das Sinngefüge von religiöser & weltlicher Struktur.

FLZ 4: Die Schüler sind in der Lage, einen Denkgegenstand der Vergangenheit auf die religiöse & politische Ebene der Gegenwart zu übertragen.

Ind.: Sie äußern sich in der Diskussion über die aktuelle Relevanz der Ring- parabel und formen die theoretischen Aspekte in pragmatische Überle- gungen um.

FLZ 5: Die Schüler können sich auch zu nichtalltäglichen Themen in einer Grup- pendiskussion schlüssig zu einer eigenen Position äußern.

Ind.: Sie vergleichen die Aussagen der Ringparabel und ihre eigenen Deutungs- und Interpretationsansätze mit denen ihrer Mitschüler und setzen sich kri- tisch damit auseinander.

III: Sachanalyse:

Die im Kontext von „Nathan der Weise“ vorkommende Ringparabel Lessings zählt zu den bekanntesten Werken des Schriftstellers und ist auch heute noch von großer Aktualität. Sie ist im dritten von fünf Akten platziert, bildet also sowohl kompositorisch beim pyramidalen Aufbau des Dramas, als auch inhaltlich mit der zentralen Aussage den Höhepunkt des Werkes.

Vorangegangen waren Lessing bereits mehrere Schriftsteller des islamischen und jüdischen Mittelalters, die Vorläufer der Ringparabel verfasst hatten - berühmtestes Beispiel ist jedoch die Variante von Giovanni Boccaccio in dessen „Decamerone“. 1779 veröffentlichte dann Lessing sein Drama, das vier Jahre später in Berlin uraufgeführt wurde und sich bis heute in den deutschen Theatern großer Beliebtheit erfreut. Vorausgegangen war dem „Nathan“ der Fragmentenstreit Lessings mit dem Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze[1], dem Züge des Patriarchen im Drama nachempfunden wurden, während mit Nathan wohl Moses Mendelssohn gemeint ist[2].

Die Ringparabel aus eben diesem, einem aus religionstheoretischen Disputen entstandenen Werk soll als Lernmedium für die geplante Unterrichtsstunde dienen. Mit ihrer Hilfe lässt sich ein Zugang zum Lerngegenstand erschließen, der in der Fähigkeit zur Reflexion der gemeinten Sachebene besteht. Deren religiöse Bedeutung soll individuell erschlossen und auf die heutige Zeit übertragen werden können. Dabei kommt dem Leser die Kürze der Parabel zugute, die zudem noch nachvollziehbar geschrieben ist, andererseits allerdings auch vielfältige Interpretations- und Herangehensweisen möglich macht.

Von diesen verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten wäre z.B. die biographische zu nennen, die bereits erwähnt wurde. Im Streit mit Goeze könnte man Lessing durch die Ringparabel Gedankengut im Sinne der Aufklärung und philosophische Kritik am Absolutheitsanspruch der Kirche nachweisen. Auch auf der inhaltlichen Ebene könnte man anmerken, dass dem zeitgenössischen Leser Lessings klar gewesen sein muss, dass ein Opal nicht identisch zu fälschen ist, es also auch insgesamt vier Ringe gegeben haben könnte[3]. Die für mich sinnvollste Variante ist die der geistesgeschichtlichen Aussage, nach der die Ringparabel für Toleranz, individuelle Glaubensfreiheit und liberales Gedankengut der Aufklärung steht.

[...]


[1] Vgl. Lessing, ‚G.E. - Die Erziehung des Menschengeschlechts, Reclam, Stuttgart 2003, S.85ff.

[2] Vgl. Vermutungen zum Namen „Nathan“: Nathans Vorbilder, in: Niewöhner, Friedrich - Veritas sive Varietas, Lessings Toleranzparabel und das Buch von den drei Betrügern, Verlag Lambert Schneider, Heidelberg 1988, S.33

[3] Fricke, Harald und Zymner, Rüdiger - Einübung in die Literaturwissenschaft: Parodieren geht über Studieren, UTB, Paderborn 1991, S. 278

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Lessings "Ringparabel", ein Stundenentwurf mit 4 Arbeitsblättern
Hochschule
Technische Universität Berlin
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V83606
ISBN (eBook)
9783638887588
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit enthält vier Arbeitsblätter, von denen zwei den Originaltext wiedergeben, optional verwendbar (und hier auch angegeben) kann ein Hörspiel vorgespielt werden, der einfache Text reicht aber natürlich auch. Ein weiteres Arbeitsblatt enthält drei Aufgabenstellungen und das letzte ist als Folie für den OH-Projektor und zur Sicherung gedacht. Der Entwurf ist für eine 45minütige Stunde gedacht und ohne Vorwissen verwendbar. Grob- und Feinlernziele, geplanter Unterrichtsverlauf, Sachanalyse und methodisch-didaktische Überlegungen sind ebenfalls enthalten.
Schlagworte
Lessings, Ringparabel, Stundenentwurf, Arbeitsblättern
Arbeit zitieren
Dr. G. (Autor), 2006, Lessings "Ringparabel", ein Stundenentwurf mit 4 Arbeitsblättern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83606

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