Ökonomisierung des Studiums


Hausarbeit, 2006

26 Seiten, Note: 1,1

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Hochschul-Sponsoring als Finanzierungsalternative
2.1 Kommunikationsmittel als ein Motiv
2.2 Imagetransfer als Motiv und die Auswirkungen auf die Hochschulen
2.3 Strategisches Personalmarketing

3 Weitere Finanzierungsalternativen
3.1 Public Private Partnership (PPP)
3.2 Stiftung

4 Einflussnahme von Unternehmen auf die Bildungspolitik am Beispiel von CHE
4.1 Gründung und Finanzierung
4.2 Zusammensetzung
4.3 Aufgaben und Projekte
4.3.1 TU München (TUM)
4.3.2 Das „Unternehmen Selbstbeteiligen“ an der TU Dresden
4.4 Publikation von Umfrageergebnissen
4.5 Hochschulranking

5 Studiengebühren am Beispiel der USA
5.1 Hochschullandschaft der USA
5.2 Scholastic Assessment Test (SAT)
5.3 Hochschulgebühren
5.4 Stipendien, Darlehen und Verschuldung

6 Aktueller Bezug zur Einführung von Studiengebühren und deren Finanzierung über Studienkredite in Deutschland

7 Fazit

1 Einleitung

Im Artikel 7 (1) des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland ist geregelt: „Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.“[1]

Bereits dieser eine Satz impliziert, dass der Staat Hoheitsträger für das Gut Bildung ist und für die Durchsetzung des Rechtes auf Bildung Sorge trägt. Dazu zählt u. a. die Errichtung und Finanzierung von Bildungseinrichtungen wie Gesamtschulen und Hochschulen. Weiterhin soll der Zugang zu den öffentlichen Bildungseinrichtungen für jede Person, entsprechend ihrer Eignung, gewährleistet sein.

Aktuell wird - auch im Hinblick auf die Konkurrenzfähigkeit von Deutschland - wieder viel über die Bedeutung von Bildung und ihr Erfordernis für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft diskutiert. Gleichzeitig müssen sich beispielsweise die Berliner Universitäten mit Budgetkürzungen auseinandersetzen. In seiner Rede vom 27. Juni 2002 führt der Präsident der TU-Berlin Prof. Dr. K. Kutzler an, dass ab 2006 das Budget der TU-Berlin um 20% gekürzt werden wird, was einer Summe von 56 Mio. Euro entspricht. Für diese Einsparungen müssten 1.120 Stellen im wissenschaftlichen Bereich abgebaut werden und der Personalbestand würde von ehemals 4.550 landesfinanzierten Stellen auf unter 2.000 sinken.[2]

Wenn Stellen gekürzt werden, nimmt bei konstanter Nachfrage die Anzahl der Studierenden in den einzelnen Hörsälen der Universitäten zu und das Bildungsangebot verschlechtert sich. Gleichzeitig werden Fachbereiche geschlossen und vorhandene Lehrmittel veralten immer häufiger.

Es stellt sich die zentrale Frage, wie Bildung finanziert werden kann, wenn der Staat keine ausreichenden finanziellen Mittel mehr zur Verfügung stellt!

Diese Hausarbeit thematisiert das Hochschul-Sponsoring und das Stiftungswesen als Finanzierungsalternativen für Hochschulen und zeigt die Motive der Unternehmen für ihre Initiativen auf. Die Auswirkungen der Kooperationen zwischen Unternehmen und staatlichen Institutionen werden am Beispiel des Centrums für Hochschulentwicklung erläutert und es wird ein Bezug zu den Entwicklungen in den USA nach Einführung der Studiengebühren hergestellt.

2 Hochschul-Sponsoring als Finanzierungsalter­native

Das Hochschul-Sponsoring bezeichnet die Zuwendungen von Unternehmen an die Wissenschaft in Form von Finanz-, Sach-, und Dienstleistungen. Als Gegenleistungen erhalten die so genannten Sponsoren das Recht, Personen, Institutionen und wissenschaftliche Aktivitäten kommunikativ zu nutzen. Dafür werden Verträge geschlossen. Mögliche Rechte der kommunikativen Nutzung sind die Integration des Unternehmensnamens in die Lehrstuhlbezeichnung, die Anbringung des Logos an Lehrmaterialien und die Thematisierung der Sponsorentätigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit. Unternehmen nutzen das Hochschul-Sponsoring als Kommunikationsmittel im Umgang mit ihren Zielgruppen, verfolgen einen bestimmten Imagetransfer und bezwecken eine strategische Personalrekrutierung.[3]

2.1 Kommunikationsmittel als ein Motiv

Kommunikation und Kontaktpflege mit internen und externen Zielgruppen sind unerlässliche Mittel für Unternehmen zur Durchsetzung ihrer Geschäftsziele. Botschaften werden systematisch übermittelt und die daraus resultierenden Erwartungen, Einstellungen und Verhaltensweisen werden über die Kommunikationspolitik gesteuert. Studenten bilden eine wichtige externe Zielgruppe. An den Hochschulen können die Unternehmen über das Sponsoring ihre Marken- und Unternehmensbekanntheit erhöhen und ihre Produkte präsentieren. Letzteres kann kurz- bzw. mittelfristig zu Umsatzsteigerungen führen. Über eine Ausweitung des Kundenstamms wird weiterhin der Goodwill (Firmenwert der Unternehmung) verbessert.[4]

Bei näherer Betrachtung der angebotenen Produkte fällt auf, dass viele Waren und Dienstleistungen homogen sind und die Unternehmen nur wenig Möglichkeiten haben, sich über spezielle Produkteigenschaften hervorzuheben. Bei Zeitschriften wie zum Beispiel „Brigitte“, „Petra“ oder „Sonja“ kann der Verbraucher keine Unterschiede erkennen und greift einfach zu. Warum entscheidet er sich also für eine bestimmte Zeitschrift?

Kommunikationspolitische Maßnahmen können eine Differenzierung herbeiführen und über die Vermittlung von Erlebniswerten einen emotionalen Zusatznutzen vermitteln.[5] Beispielsweise entscheidet sich ein Student[6] der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin (FHW) unter Umständen für den Kauf der „Financial Times“, da diese an der FHW immer ausliegt und er mit der FHW einen positiven Nutzen verbindet.

Über ihre Kontakte zu den Universitäten haben die Unternehmen auch die Möglichkeit, ihre Interessen über beratende Tätigkeiten einzubringen. Sie sind in Initiativkreisen tätig, arbeiten Reformvorschläge aus und wirken auf diese Weise unmittelbar auf die Bildungspolitik ein. Detailliert wird dieser Zusammenhang im Kapitel 4 beschrieben.

2.2 Imagetransfer als Motiv und die Auswirkungen auf die Hochschulen

Unternehmenskommunikation und Imagetransfer korrelieren miteinander. Ziele des Imagetransfers sind der Imageaufbau, die Imagemodifikation und die Imagestabilisierung.

Interne und externe Zielgruppen verbinden mit dem Hochschul-Sponsoring positive Werte wie Seriosität, Tradition, Harmonie, Vertrauen, Wissenschaftsorientierung und Kompetenz. Voraussetzung dafür ist, dass Hochschulen, die an einem Sponsoring interessiert sind, selbst Imagemerkmale schärfen bzw. neu bilden.[7] Wichtige Indikatoren für die Unternehmen sind Bewerberzahlen und Umfrageergebnisse bei Führungskräften aus der Wirtschaft. Damit begeben sich die Hochschulen in den Marktmechanismus von Angebot, Nachfrage und Preis im Sinne des effizienten Wirtschaftens. Unternehmen können sich nur kostengünstig am Geld- und Kapitalmarkt refinanzieren, wenn sie ein gutes Rating erhalten. Entsprechend kann für Hochschulen geschlussfolgert werden, dass ihre Attraktivität für potentielle Sponsoren ebenfalls abhängig vom Rating ist. In den letzten Jahren haben die Hochschulen verstärkt mit ihren Rankings geworben. Zum Beispiel hat die FHW am Tag der offenen Tür im Mai 2005 Studieninteressierte aktiv auf das in der „Wirtschaftswoche“ vom 03.03.2005 veröffentlichte gute Ranking hingewiesen. Zusammen mit dem Personaldienstleister access wurden 600 Unternehmen nach ihren bevorzugten Hochschulen im Fach Wirtschaftswissenschaften befragt. Die FHW Berlin belegte dabei insgesamt den 6. Platz und im Raum Berlin/Brandenburg den 1. Rang.[8] Diese gute Ergebnis wird auf der Homepage der FHW Berlin veröffentlicht.

Das Beispiel macht deutlich, dass die Hochschulen bereits aktiv mit marktwirtschaftlichen Instrumenten arbeiten und der Prozess der Ökonomisierung des Studiums unterstützt wird.

Wie bereits erwähnt, profitieren die Unternehmen von der Imagesteigerung und führen die Hochschulen an die ökonomischen Prinzipien heran, was eine gezielte Einflussnahme erleichtert.

2.3 Strategisches Personalmarketing

Personal ist heute ein wichtiger strategischer Erfolgsfaktor. Viele Arbeitnehmer mit Hochschulabschlüssen arbeiten überwiegend in Führungs- und Fachpositionen und tragen somit entscheidend zum Unternehmenserfolg bei. Über das Sponsoring können Kontakte mit den externen Zielgruppen der Unternehmung gepflegt werden. Das Unternehmen steigert so seinen Bekanntheitsgrad. Gerade während des Studiums prägt sich bei den Studierenden ein Unternehmensimage ein, welches durch soziale Interaktionen und scheinbar zufällige Kontakte gekennzeichnet ist. Auf diese Erfahrungen wird häufig gegen Ende des Studiums zurückgegriffen und qualifizierte Studenten werden über die Förderung von Praktikumsplätzen, Abschlussarbeiten und Dissertationen an das Unternehmen gebunden.

Die Kontakte zu den Hochschulen bestehen über Arbeitskreise, Auftragsforschung und gemeinsame Forschungsprojekte. Weitere Aktivitäten zur Schaffung einer Arbeitgeberpräferenz sind gemeinsame Publikationen, Firmenpräsentationen an Hochschulen, Aushänge, Lehraufträge und Besichtigungen.[9] Um es nochmals zu verdeutlichen: Die aufgeführten Maßnahmen resultieren aus den Kontakten, welche aufgrund des Sponsorings bestehen. Somit ist die (finanzielle) Unterstützung der Hochschulen, der Schlüssel zur Durchsetzung eigener Unternehmensinteressen.

3 Weitere Finanzierungsalternativen

In diesem Abschnitt sollen kurz die Public Private Partnership (PPP) und das Stiftungsmodell vorgestellt werden, welche ebenfalls Bestandteile der Finanzierung des Hochschulwesens darstellen. In der Praxis sind die aufgeführten Finanzierungsmodelle häufig nicht voneinander zu trennen. Es ist möglich, dass eine PPP in Form einer Stiftung Hochschulen sponsert. Aus diesem Grund können die Ausführungen des 2. Abschnittes auf die PPP und die Stiftung übertragen werden.

3.1 Public Private Partnership (PPP)

Eine besondere Kooperation der Unternehmen mit den Hochschulen erfolgt über die Public Private Partnership, welche auf der Zusammenarbeit gleichberechtigter Partner basiert und Vorteile für beide Seiten erzielen soll. Dabei wird ein Partner aus öffentlichen Mitteln finanziert und der andere ist Teil der privaten Wirtschaft. Mögliche Formen der Kooperation sind Rahmenverträge, Projektkooperationen, Forschungseinheiten, Vereine und Kapitalgesellschaften.

Insbesondere die unterschiedlichen Kompetenzen und Ressourcen der beiden Partner werden genutzt und über die gemeinsame Zielsetzung und ein gemeinsames Budget gesteuert.[10]

3.2 Stiftung

Eine Stiftung ist eine gemeinnützige Institution, welche mit Vermögen ausgestattet wird und deren Bestehen auf einen längeren Zeitraum ausgerichtet ist. Der Stiftungszweck muss auf Dauer erreichbar sein.

Viele Menschen verbinden mit einer Stiftung etwas Positives, denn sie setzen es gleich mit einem materiellen Beitrag in Form einer Spende, um eine gesellschaftsbezogene Aktivität durchzuführen.[11] Die Stiftungsarbeit orientiert sich an der Erreichung der vorab definierten Stiftungsziele.

Ein bekanntes Beispiel für eine in der Bildungspolitik tätige Stiftung ist die Bertelsmann Stiftung, welche sich in die Bildungspolitik über das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) einbringt.

[...]


[1] Vgl. Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, Die Verfassung von Berlin und das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Berlin 2000, S. 50.

[2] Vgl. Kutzler, Kurt, Rede anlässlich der Mitgliederversammlung/ Festveranstaltung Gesellschaft von Freunden der TU Berlin, 27.06.2002, S. 2.

[3] Vgl. Beier, Stefanie, Hochschul-Sponsoring, Wiesbaden 2003, S. 29.

[4] Vgl. Beier, Stefanie, Hochschul-Sponsoring, Wiesbaden 2003, S. 47 ff.

[5] Vgl. Beier, Stefanie, Hochschul-Sponsoring, Wiesbaden 2003, S. 53.

[6] Anmerkung in eigener Sache: um den Redefluss nicht zu stören, wird in der gesamten Hausarbeit absichtlich auf die explizite Ausschreibung weiblicher Berufsgruppen verzichtet. Dies soll keine Diskriminierung des weiblichen Geschlechts darstellen.

[7] Vgl. Beier, Stefanie, Hochschul-Sponsoring, Wiesbaden 2003, S. 58 ff.

[8] Vgl. FHW, Portrait, Ranking, Ergebnisse der FHW Berlin in aktuellen Hochschul-Rankings, April 2006. Online im Internet: URL: http://194.94.22.142-/index.php?id=1153&L=0 [16.07.2006].

[9] Vgl. Beier, Stefanie, Hochschul-Sponsoring, Wiesbaden 2003, S. 69 ff.

[10] Vgl. Beier, Stefanie, Hochschul-Sponsoring, Wiesbaden 2003, S. 40 ff.

[11] Vgl. Beier, Stefanie, Hochschul-Sponsoring, Wiesbaden 2003, S. 30.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Ökonomisierung des Studiums
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
1,1
Jahr
2006
Seiten
26
Katalognummer
V83625
ISBN (eBook)
9783638889988
ISBN (Buch)
9783656901716
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Quellen sind auf jeder Seite in der Fußnote vermerkt.
Schlagworte
Studiums
Arbeit zitieren
Anonym, 2006, Ökonomisierung des Studiums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83625

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ökonomisierung des Studiums



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden