Inwieweit entspricht Hitler dem Idealtypus der charismatischen Herrschaft? - Die charismatische Herrschaft nach Max Weber und ihre Anwendbarkeit auf Adolf Hitler


Hausarbeit, 2007
19 Seiten, Note: 2,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definition von Herrschaft
1.1. Die Typen der Herrschaft
1.1.1. Die legale Herrschaft
1.1.2. Die traditionale Herrschaft
1.1.3. Die charismatische Herrschaft

2. Die latente charismatische Situation
2.1. Kulturelle Dimension
2.2. Soziale Dimension

3. Die manifeste charismatische Situation

4. Die Entstehung einer charismatischen Führung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Inwieweit entspricht Hitler dem Idealtyp der charismatischen Herrschaft?

In der heutigen Zeit und aus objektiver Sicht kann man zweifelsfrei davon ausgehen, dass Adolf Hitler als einer der herausragenden Redner in die Geschichte eingegangen ist. Viele Menschen übertrafen Hitler in der Kunst ihrer Dialektik, durch die Originalität der Argumentation oder durch menschliche Botschaften. Doch keiner beherrschte die Kunst der öffentlichen Rede so diszipliniert und wechselseitig wie Hitler. Seine raffinierte Anwendung der Techniken in der öffentlichen Rede und eine sorgfältige Vorbereitung der Ansprachen waren wesentliche Merkmale der Rhetorik.

Hitler verfügte über eine außergewöhnlich raffinierte Psychologie, um Menschen für sich zu begeistern. Diese charakterliche Stärke ließ ihn, an der Seite der nationalsozialistischen Partei, zum herrschenden Mitglied im dritten Reich heranwachsen.

Bei dem Versuch einer Interpretation der nationalsozialistischen Herrschaft wird die zentrale Figur Hitlers immer wieder zum Thema.

Hierbei stellt sich die Frage, inwieweit die Person Hitlers für die Entwicklung der nationalsozialistischen Herrschaft und die damit verbundenen Folgen, von Bedeutung ist und wie diese erklärt werden kann. Gilt Adolf Hitler als ein charismatischer Führer und inwiefern kann man die Merkmale der charismatischen Herrschaft von Max Weber auf Hitler anwenden?

Um die Entstehungsweise nahezu erschöpfend erklären zu können, muss man sowohl die vorhandenen gesellschaftlichen und politischen Kräfte als auch die Art und Weise, wie diese gebündelt, expandiert und in eine Herrschaft transponiert wurde, näher beleuchten. Die Anwendung der charismatischen Herrschaft nach Max Weber bezieht die Erklärungskomponenten mit in die Betrachtungsweise ein.

In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, inwieweit man den Idealtyp der charismatischen Herrschaft nach Max Weber auf Adolf Hitler anwenden kann.

Hierbei wird zu Beginn die Definition der Herrschaft nach Max Weber erläutert. Da die Bedeutung der charismatischen Herrschaft vorrangig behandelt wurde, man die zwei weiteren Typen der Herrschaft jedoch keinesfalls unterschlagen kann, wird kurz auf die Definitionen der traditionalen und rationalen Herrschaft nach Max Weber eingegangen. Im weiteren Verlauf nenne werden die wesentlichen Merkmale der charismatischen Herrschaft und die Grundvorrausetzungen für die Errichtung einer charismatischen Herrschaft behandelt.

Sowohl die politisch kulturellen, wie auch die sozialen Dimension der damaligen Zeit und die daraus resultierende Hoffnung auf ein charismatisches Erlösungsangebot, sollen in diesem Abschnitt dargestellt werden. Im weiteren Verlauf folgt eine Erläuterung der Entstehung der manifesten charismatischen Situation. Im Anschluss daran wird die Entwicklung einer charismatischen Führung im dritten Reich beschrieben und ein Versuch unternommen, die anfangs gestellte Frage zu beantworten.

1. Definition von Herrschaft

Max Weber definiert Herrschaft als eine „Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“[1] . Es handelt sich hierbei um eine soziale Beziehung[2] zwischen dem Herrscher auf der einen Seite und den Gehorchenden auf der gegenüberliegenden Seite. Der Schritt, das Verlangen zu besitzen, um über andere herrschen zu wollen, geht soweit, dass der Herrscher nicht nur seinen Willen gegen die Anhänger durchsetzt, sondern diese ihm schließlich auch gehorchen[3]. Der Herrschaftsanspruch ist legitim, was bedeutet, dass der Herrscher seinen Willen durchsetzt, ohne Macht auszuüben[4].

1.1. Die Typen der Herrschaft

Herrschaft gilt als eine besondere Form von sozialem Handeln und sozialen Beziehungen. Eine Typologie aus verschiedenen Herrschaftsformen ergibt sich aus unterschiedlichen Orientierungen dieses Handelns und dieser Beziehungen an verschiedenen legitimen Ordnungen. So unterscheiden sich die drei reinen Herrschaftstypen nur durch ihre Legitimitätsgeltung.

Im Folgenden werden die drei reinen Typen der legitimen Herrschaft beschrieben. Die Legitimitätsgeltung besitzt entweder rationalen, traditionalen oder charismatischen Charakter[5]:

1.1.1. Die legale Herrschaft

Die legale Herrschaft ruht auf dem „Glauben an die Legalität gesetzter Ordnungen und des Anweisungsrechts der durch die Ausübung der Herrschaft Berufenen“[6]. Diese Herrschaftsform ist in gewisser Weise unpersönlich und handelt nach einer gesatzten sachlichen Ordnung. Der Vorgesetzte richtet sich nach diesen festgeschriebenen Ordnungen und gibt sie an andere Personen weiter. Die Bürokratie ist ein typisches Beispiel für die rationale Herrschaft.

1.1.2. Die traditionale Herrschaft

Die traditionale Herrschaft ruht „auf dem Alltagsglauben an die Heiligkeit von jeher geltender Traditionen und die Legitimität der durch sie zur Autorität Berufenen“[7]. Hierbei erhält der Herrscher, aufgrund von traditionellen (zumeist gottgewollten), oder auch gewohnten Bestimmungen, das Amt des obersten Herrschers, das von den Anhängern akzeptiert wird.

1.1.3. Die charismatische Herrschaft

Die charismatische Herrschaft ruht „auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person und der durch sie offenbarten oder geschaffenen Ordnungen“[8]. In diesem Falle wird der charismatische Herrscher aufgrund seiner persönlichen Eigenschaften bestimmt.

Für Max Weber bezeichnet Charisma die „außeralltäglich […] geltende Qualität einer Persönlichkeit“[9], die nicht jedem Menschen zugänglich ist, da diese Eigenschaft entweder „übernatürlich oder übermenschlich oder mindestens spezifisch außeralltäglich ist“[10]. Das Zitat ist eindeutig: Es ist davon auszugehen, dass der charismatische Führer aufgrund der Zuschreibungen der Anhänger die Position des charismatischen Herrschers erlangt. Des Weiteren betont Max Weber an einer anderen Stelle, dass die Qualitäten des Führers nicht von großer Bedeutung sind. Ausschlaggebend für die charismatische Persönlichkeit ist die Bereitschaft der Anhänger. Sehen diese in ihrem Führer einen charismatischen Herrscher, wird er als ein solcher akzeptiert und ein Held konstruiert[11]. Der Führer ist von seinen Anhängern abhängig, aber gleichzeitig der agierende Bestandteil der sozialen Beziehung.

[...]


[1] Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriss der verstehenden Soziologie, S. 28.

[2] Nach Max Weber soll eine soziale Beziehung ein „aufeinander gegenseitig eingestelltes und dadurch orientiertes Sichverhalten mehrerer heißen“. Dabei besteht die soziale Beziehung in der Chance, dass sozial gehandelt wird, einzig allein darauf, worauf sich diese Chance beruht (Vgl. Weber, S. 13).

[3] Vgl. Weber, S. 122.

[4] Nach Max Webers ist Macht „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht.“ Diese Definition sieht also von einer Legitimiertheit der Macht völlig ab (Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriss der verstehenden Soziologie, S. 28).

[5] Diese drei Herrschaftstypen treten nicht in ihrer reinen Form auf (Vgl. Möller, S. 7).

[6] Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriss der verstehenden Soziologie, S. 124.

[7] Ebd., S. 124.

[8] Ebd., S. 124.

[9] Ebd., S. 140.

[10] Ebd., S. 140.

[11] Vgl. Weber, S. 140.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Inwieweit entspricht Hitler dem Idealtypus der charismatischen Herrschaft? - Die charismatische Herrschaft nach Max Weber und ihre Anwendbarkeit auf Adolf Hitler
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Max Webers Herrschaftssoziologie
Note
2,2
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V83650
ISBN (eBook)
9783638908566
ISBN (Buch)
9783638939539
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Idealtypus, Herrschaft, Weber, Anwendbarkeit, Adolf, Herrschaftssoziologie, Soziologie, Charismatische Herrschaft
Arbeit zitieren
Eva Koch (Autor), 2007, Inwieweit entspricht Hitler dem Idealtypus der charismatischen Herrschaft? - Die charismatische Herrschaft nach Max Weber und ihre Anwendbarkeit auf Adolf Hitler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83650

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