Hermann Kant gehört, spätestens seit seinem Erfolg mit „Die Aula“ zu den prominentesten Autoren der so genannten DDR-Literatur. Und doch gibt es viele Kontroversen zu seiner Person -und damit wohl auch automatisch zu seinen Werken-. Von Vorwürfen, für die Staatssicherheit tätig gewesen zu sein, über „schwächliche Spätwerke“1 ist er vor kaum einer Kritik gefeit.
1986 erschien seine Erzählung „Bronzezeit“, mit dem passiven „Helden“ Buchhalter Farßmann und dessen alltäglichen Leben, in welchem sich quasi pars pro toto die Gesellschaftsstruktur der DDR widerspiegelt. Vor allem wird die Frage aufgeworfen, was die DDR unter "Kunst" verstand, Erziehungsmittel, Aufarbeitungshilfe oder unnütz?
Gliederung
1. Einleitung
2. Die Geschichte des Autors
3. Einbettung der Erzählung in die Geschichte
4. Kants Konzeption von Geschichte
5. Einwirken auf die Geschichte
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Hermann Kants Erzählung „Bronzezeit“ vor dem Hintergrund ihrer Funktion als literarische Geschichtsaufarbeitung im Kontext der DDR-Literatur. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Kant durch die Figur des Buchhalters Farßmann das Spannungsfeld zwischen persönlicher Anpassung, historischer Reflexion und dem staatlich verordneten Umgang mit der Vergangenheit gestaltet.
- Die Biografie und politische Verortung von Hermann Kant
- Die Einbettung der Erzählung in die zeitgeschichtlichen Umstände des Jahres 1986
- Die Charakterisierung des Protagonisten Farßmann als Typus des DDR-Angestellten
- Die Analyse von Kants Konzeption von Geschichte und dem Umgang mit dem kulturellen Erbe
- Die Funktion der Literatur als Instrument der Reflexion und gesellschaftlichen Erziehung
Auszug aus dem Buch
3. Einbettung der Erzählung in die Geschichte
Die in mehrere Episoden gegliederte, 1986 erschienene „Bronzezeit“ ist Teil eines dreibändigen Erzählbandes, in deren letzten beiden Werken jeweils der angepasste Buchhalter Farßmann einen satirisch-kritischen Blick auf die alltäglichen Begebenheiten des realsozialistischen Lebens wirft. Hierbei leuchten immer wieder Bezüge zur Zeitgeschichte des Jahres 1986 auf, schließlich empfand Kant seine Bücher als Reaktion auf Authentisches.
Michael Gorbatschow war gerade zum Generalsekretär der KPdSU gewählt wurden und verfolgte nun einen straffen Reformkurs, der ein „Aufsprengen des Teufelskreises, Abbau von Mißtrauen und Rüstung [und] versuchte Weltinnenpolitik“ zur Folge haben wollte. In Nachrichten und Rundfunk jener Tage überhäufen sich die Bilder von durch brüderliche Küsse „Freundschaft“ versichernder, Politiker, wie Gorbatschow und Breschniew. Da wundert es kaum, dass Kant dieses, in der Bevölkerung oft für Belustigung sorgende Motiv, in seiner Erzählung immer wieder aufscheinen lässt, es ermöglicht schlussendlich sogar dem im Herzen einfachen Angestellten die Loslösung aus höheren Sphären: „ich hatte mich aus der Gefahr, ein Prinz zu werden, zurück auf meinen Platz als Frosch geküßt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Rezeptionsgeschichte um Hermann Kant und führt in die Erzählung „Bronzezeit“ sowie deren zentrale Problemstellung ein.
2. Die Geschichte des Autors: Das Kapitel bietet einen biografischen Überblick zu Hermann Kants Lebensweg, seiner politischen Tätigkeit und seiner Verankerung im Literaturbetrieb der DDR.
3. Einbettung der Erzählung in die Geschichte: Hier wird der Text „Bronzezeit“ in den zeitgeschichtlichen Kontext der 1980er Jahre eingeordnet und die Figur des Buchhalters Farßmann psychologisch sowie soziologisch charakterisiert.
4. Kants Konzeption von Geschichte: Dieser Abschnitt analysiert das Geschichtsverständnis innerhalb des Werkes und setzt es in Bezug zur offiziellen Kulturpolitik der DDR.
5. Einwirken auf die Geschichte: Es wird untersucht, welche Rolle der Literatur im sozialistischen System zugedacht war und wie sich dies in Kants Werk widerspiegelt.
6. Zusammenfassung: Dieses Kapitel resümiert Kants Rolle als staatskonformer, politischer Schriftsteller und bewertet die Wirkung seiner Erzählweise sowie die Relevanz der „Bronzezeit“ heute.
Schlüsselwörter
Hermann Kant, Bronzezeit, DDR-Literatur, Geschichtsaufarbeitung, Farßmann, Realsozialismus, SED, Identität, Anpassung, Literaturwissenschaft, Nachkriegsliteratur, Zeitgeschichte, Gesellschaftskritik, DDR-Alltag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Erzählung „Bronzezeit“ von Hermann Kant und untersucht, wie Literatur in der DDR zur Auseinandersetzung mit Geschichte und Zeitgeschehen genutzt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Person Hermann Kant, der Charakterisierung des Protagonisten Farßmann, dem literarischen Umgang mit der DDR-Geschichte und der politischen Rolle des Autors.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, wie Kant den Umgang mit der Vergangenheit in seiner Erzählung gestaltet und inwiefern dies ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Zerrissenheit in der DDR darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit folgt einem literaturwissenschaftlichen Ansatz, der Textanalyse mit biographischen, historischen und soziopolitischen Kontextualisierungen verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Einbettung der Erzählung in den geschichtlichen Kontext, Kants spezielles Geschichtsverständnis und die Frage nach dem gesellschaftlichen Einfluss von DDR-Literatur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem DDR-Literatur, Geschichtsaufarbeitung, Realsozialismus, Anpassung und Identitätsbildung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Protagonisten Farßmann?
Farßmann wird als passiver, konformistischer Charakter beschrieben, der jedoch durch seine reflektierte Beobachtungsgabe als Identifikationsfigur für die Zerrissenheit vieler DDR-Bürger fungiert.
Welche Bedeutung hat das Symbol des „Großen Reiters“ im Text?
Das Denkmal fungiert als Katalysator für die Auseinandersetzung mit der Geschichte, da es den Protagonisten zwingt, zwischen ideologischer Anpassung und persönlicher Wahrheit zu wählen.
Welches Fazit zieht die Arbeit über Hermann Kant als Autor?
Kant wird als staatskonformer Autor eingeordnet, dessen Werke jedoch durch ironische Zuspitzungen und eine tiefgründige Beobachtung des DDR-Alltags einen bleibenden Einblick in diese Epoche ermöglichen.
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- Sina Schmidt (Author), 2007, Geschichten, die Geschichte zeigen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83659