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Gedächtnissysteme am Beispiel Umberto Ecos „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“

Title: Gedächtnissysteme am Beispiel Umberto Ecos  „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Kerstin Hartwich (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Vorwort

Das Gedächtnis ist die Schutzkammer des Lebens.
(Cicero)

Eine der bedeutendsten Mnemotechniken, deren Praxis bereits mehrere Jahrtausende überdauert hat und heute, vor allem in der Popularliteratur, wie Ratgebern, eine Renaissance erfährt, ist die des so genannten „Gedächtnispalastes“. Der Memorierende konstruiert hier ein fiktives Gebäude, dessen Räumen er einzelne Themen zuweist und diese dann mit Gegenständen anfüllt um diese wiederum mit Erinnerungen zu verknüpft. Um diese Verknüpfungen rekonstruieren zu können muss der Betreffende in der Konsequenz nur noch die einzelnen Orte seines Gedächtnispalastes aufsuchen um dort Abgelegtes abzurufen. Schon Cicero machte sich diese Methode zu Nutzen indem er beim Auswendiglernen seiner oft mehrstündigen Reden im Geiste das Forum Romanum abging. Umberto Eco konstituiert für seinen Protagonisten der „geheimnisvollen Flamme der Königin Loana“ ein ähnliches Konstrukt. Auch sein Protagonist Giammbatistna Bodoni findet einen, allerdings real-existenten, Palast des Erinnerns vor. Bodonis Palast kann nur entgegengesetzt der Praxis von dem Ciceros funktionieren. Bodoni verfügt über keine Erinnerungen an seine Vergangenheit, findet aber im Haus seiner Kinder- und Jugendzeit echte Konstrukte seiner Vergangenheit vor und muss sich auf die Suche nach deren Bedeutung machen um sein eigenes Ich zu finden. Lässt aber die Methode des „Palast des Erinnerns“ tatsächlich solche Rückschlüsse zu, oder kann sie nur in eine einzige Richtung funktionieren? Eco lädt seine Leser zu einem spannenden Gedankenexperiment ein, dessen Ausgang von vielen Faktoren wie der menschlichen Psyche, Informationen Außenstehender und nicht zuletzt dem Zufall selbst beeinflusst wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Zum Werk „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“

2.1. Zum Roman

2.2. Zum Inhalt

2.2.1. Erster Teil: Der Unfall

2.2.2. Zweiter Teil: Ein Gedächtnis aus Papier

2.2.3. Dritter Teil: OI NOSTOI

3. Die Gedächtnissysteme nach Tulving

3.1. Das prozedurale Gedächtnis

3.2. Die Priming-Form des Gedächtnisses

3.3. Das perzeptuelle Gedächtnis

3.4. Das Wissenssystem

3.5. Das episodisch-autobiographische Gedächtnis

4. Die Erinnerungsprozesse des Giambattista Bodoni

4.1. Die besondere Bedeutung der „geheimnisvollen Flamme der Königin Loana“

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologische Komponente des Gedächtnisverlustes und der Identitätsfindung anhand des Protagonisten Giambattista Bodoni aus Umberto Ecos Roman „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“. Dabei wird analysiert, inwieweit Bodoni seine retrograde Amnesie durch den Aufbau eines „Gedächtnisses aus Papier“ kompensieren kann und an welchen Punkten das Streben nach der Rekonstruktion der Vergangenheit an die Grenzen menschlicher Psyche stößt.

  • Analyse der Gedächtnissysteme nach Endel Tulving im Kontext literarischer Figuren.
  • Untersuchung des Phänomens der retrograden Amnesie und deren Auswirkungen auf die Identität.
  • Deutung der zentralen Romanmetapher der „geheimnisvollen Flamme“.
  • Gegenüberstellung von kollektivem Wissen und individueller, episodisch-autobiographischer Erinnerung.

Auszug aus dem Buch

3.1. Das prozedurale Gedächtnis

Das prozedurale Gedächtnis ist ein grundlegend physisch-motorisches Gedächtnis. Erlernte Fähigkeiten können auch noch nach großen Zeiträumen ausgeführt werden. Als Beispiele für solche Fähigkeiten seien das Fahrradfahren, das Walzertanzen oder das Jonglieren genannt. Schon von jüngstem Kindesalter an prägt der Mensch sein prozedurales Gedächtnis aus, indem er z.B. das Laufen oder Essen erlernt. Oft sind erwachsene Menschen nicht mehr in der Lage den genauen Ablauf oder die Funktionsweise einer Tätigkeit zu benennen, da sie sich diese während dem Ausüben der betreffenden Tätigkeit nicht mehr vergegenwärtigen müssen. Das lässt sich leicht prüfen, indem man einen routinierten Autofahrer bittet zu erklären wie man ein Auto startet. Er wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Starten eines Autos mimetisch imitieren müssen um die richtige Reihenfolge benennen zu können.

Auch Bodoni verfügt über solche Mechanismen. Offensichtlich ist sein prozedurale Gedächtnis nicht von seiner retrograden Amnesie betroffen. Gleich zu Beginn des Romans schildert Eco, wie sich Bodoni, kurz nachdem er zum ersten Mal sein Bett verlassen hat, selbstständig, ohne Anweisungen, seine Zähne putzt. Obwohl er anfangs die beiden vor ihm liegenden Gegenstände zuerst als Zahnpastatube und Zahnbürste identifizieren (Eco 2006:13) muss, ist er in der Lage, alle beim Zähneputzen erforderlichen Schritte in der richtigen Reihenfolge durchzuführen, auch wenn ihn diese selbst zuweilen etwas befremdlich, auf jeden Fall aber spannend und neu vorkommen. Persönliche Erfahrungen mit dem Zähneputzen scheint er nicht mehr rekonstruieren zu können, den erlernten und durch tägliche Wiederholung verinnerlichten Ablauf jedoch schon.

Ich bürstete mir die Zähne erst oben und unten, dann von links nach rechts, dann innen herum. Interessant zu spüren, wie die Borsten zwischen zwei Zähne eindringen, ich glaube, ich werde mir von jetzt an jeden Morgen die Zähne putzen, das ist schön. […] Jetzt spült man den Mund aus, sagte ich mir. (Eco 2006:14)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einführung in die Thematik der Mnemotechnik und Skizzierung des Untersuchungsgegenstandes.

2. Zum Werk „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“: Vorstellung des Romans sowie der drei zentralen Handlungsabschnitte.

3. Die Gedächtnissysteme nach Tulving: Theoretische Fundierung des Gedächtnisverlustes des Protagonisten anhand des Modells von Endel Tulving.

4. Die Erinnerungsprozesse des Giambattista Bodoni: Analyse der spezifischen Erinnerungsstrategien des Protagonisten und der Bedeutung der zentralen Metapher.

5. Schlussbetrachtung: Fazit über das Scheitern des Protagonisten an der Unmöglichkeit, Identität durch nachträgliche Konstruktion zu ersetzen.

Schlüsselwörter

Gedächtnis, retrograde Amnesie, Umberto Eco, Giambattista Bodoni, Tulving, Gedächtnissysteme, Identität, Autobiographie, Episodisches Gedächtnis, Semantisches Gedächtnis, Mnemotechnik, Erinnerung, Identitätsfindung, Identitätskrise, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Gedächtnisprozesse und die Identitätskrise des Protagonisten Giambattista Bodoni in Umberto Ecos Roman „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind das menschliche Gedächtnis, die Auswirkungen von retrograder Amnesie und der Versuch, eine verlorene Identität durch äußere Artefakte der Vergangenheit zu rekonstruieren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Bodoni versucht, seine durch einen Koma-Zustand bedingten Gedächtnislücken durch ein „Gedächtnis aus Papier“ zu füllen und warum dieser Prozess zum Scheitern verurteilt ist.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die die Theorie der Gedächtnissysteme nach Endel Tulving als Grundlage zur Interpretation des Romaninhalts nutzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Romans, die theoretische Definition der fünf Gedächtnissysteme nach Tulving und die konkrete Anwendung dieser Modelle auf die Romanfigur Bodoni.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie „retrograde Amnesie“, „Tulving-Modell“, „Identitätsrekonstruktion“ und „Umberto Eco“ beschreiben.

Warum spielt das prozedurale Gedächtnis für Bodoni eine so große Rolle?

Obwohl Bodoni sein autobiographisches Gedächtnis verloren hat, funktionieren seine motorischen Abläufe (prozedurales Gedächtnis) intakt, was ihm ein minimales Maß an Alltagsbewältigung ermöglicht.

Welche Bedeutung hat die „geheimnisvolle Flamme“ als Metapher?

Sie symbolisiert die Hoffnung auf die Wiedererlangung der Identität und dient als konstanter, roter Faden, dessen Erlöschen schließlich den endgültigen Verlust des Lebenssinns und den Tod des Protagonisten einläutet.

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Details

Title
Gedächtnissysteme am Beispiel Umberto Ecos „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Institut)
Grade
1,7
Author
Kerstin Hartwich (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V83674
ISBN (eBook)
9783638908702
ISBN (Book)
9783640667574
Language
German
Tags
Gedächtnissysteme Beispiel Umberto Ecos Flamme Königin Loana“
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kerstin Hartwich (Author), 2007, Gedächtnissysteme am Beispiel Umberto Ecos „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83674
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