Das Interview als soziale Beziehung


Seminararbeit, 2007

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Soziale Situation Interview
2.1 Besonderheiten der Interviewsituation
2.2 Grad der Gemeinsamkeit
2.3 S-R-Modell und S-P-R-Modell
2.4 Reaktivität
2.5 Artefakte
2.6 Künstlichkeit der Interviewsituation
2.7 Antwortverzerrung

3 Interviewstile

4 Schlussbetrachtung

5 Bibliographie

1 Einleitung

„Befragung bedeutet Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Personen. Durch verbale Stimuli (Fragen) werden verbale Reaktionen (Antworten) hervorgerufen: Dies geschieht in bestimmten Situationen und wird geprägt durch gegenseitige Erwartungen. Die Antworten beziehen sich auf erlebte und erinnerte soziale Ereignisse, stellen Meinungen und Bewertungen dar.“[1]

Befragungen gelten als die rationellste und am häufigsten angewendete Methode zur Markt- und Meinungsforschung in industrialisierten Gesellschaften.[2] Sie nehmen eine dominierende Position in der Forschungspraxis ein.[3] Da jede mündliche Befragung (Interview) eine soziale Situation darstellt, ergibt sich die Frage nach der Aussagekraft der im Interview gewonnenen Daten. Wodurch werden die Antworten beeinflusst oder sogar verfälscht? Zunächst muss bei der Datenerhebung und Datenauswertung beachtet werden, wodurch die soziale Situation Interview charakterisiert ist (Kap. 2).

Dann wird auf die Besonderheiten der Interviewsituation eingegangen – was unterscheidet das wissenschaftliche Interview von einem alltäglichen Gespräch und durch welche Prämissen und Vorgaben ist dieser Unterschied geprägt (Kap. 2.1)? Darauf folgt eine Erläuterung des Modells des Grades der Gemeinsamkeit, das einen Erklärungsansatz für die unterschiedlichen Antwortbereitschaften bietet (Kap. 2.3). Anschließend wird eine der Streitfragen in der Interviewforschung angesprochen, die Auseinandersetzung um das richtige Modell zur Erklärung der gegebenen Antworten. Dazu werden die beiden Modelle zunächst kurz erläutert, um dann auf die Unterschiede einzugehen (Kap. 2.4). Im darauf folgenden Kapitel 2.4 wird auf die Reaktivität, also die Wechselwirkung zwischen Interviewer und Befragten näher eingegangen. Kapitel 2.5 befasst sich mit Meinungen als Artefakte und Antwortverhaltenstendenzen, so zum Beispiel der zu beobachten Bejahungstendenz sowie den ihnen zugrundeliegenden Ursachen. Im Anschluss daran werden die Künstlichkeit der Interviewsituation sowie die Antwortverzerrung näher beschrieben (Kap. 2.6, 2.7).

Der dritte Abschnitt befasst sich mit den Interviewstilen (weich, hart, neutral) und den sie bestimmenden Prämissen und Charakteristiken, sowie den Einsatzmöglichkeiten der verschiedenen Stile. In der Schlussbetrachtung wird abschließend der Versuch unternommen, die eingangs gestellte Frage zu beantworten.

2 Soziale Situation Interview

Zu einem Interview als sozialer Situation gehören nicht nur Interviewer und Befragter, sondern auch die jeweilige Umgebung.

2.1 Besonderheiten der Interviewsituation

Das mündliche Interview kann nicht als eine Form des „normalen“ Gesprächs angesehen werden. Insbesondere drei Faktoren machen es zu einer künstlichen Situation:[4] Erstens sind sich Interviewer und Befragter in der Regel fremd. Für den Interviewer gibt es recht genaue Verhaltensvorschriften, während der Befragte vermeintlich ähnliche Situationen zur Referenz heranziehen wird. Wenn der Befragte den Interviewer beispielsweise mit einem Vertreter vergleicht, ergeben sich Probleme das Einverständnis für die Befragung zu erhalten.[5] Vorausgesetzt wird darüber hinaus, dass der Befragte seine Ansichten für mitteilenswert hält. Zweitens handelt es sich um eine „asymmetrische soziale Beziehung“[6]. Vom Interviewer gehen nahezu alle Aktivitäten aus, indem er alle Fragen stellt, während der Befragte sich passiv verhält und Auskünfte über seine persönlichen Ansichten, Meinungen und Erfahrungen geben soll. Der Befragte ist somit kein Gesprächspartner, sondern „Datenträger“. Drittens wird regelmäßig die Anonymität der Datenauswertung zugesichert. Damit kann der Befragte sicher sein, dass seine Auskünfte für ihn ohne Folgen bleiben. Daher kann der Befragte auch unverbindliche Meinungen äußern, die er bei anderer Gelegenheit für sich behielte.[7] Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass ein Interview niemals ein neutrales Erhebungsverfahren darstellen kann.

2.2 Grad der Gemeinsamkeit

In einem Interview wird von einer asymmetrischen Motivationslage gesprochen: „Der Interviewer ist stärker interessiert, Antworten zu erhalten, als der Befragte, solche zu geben.“[8]

[...]


[1] Atteslander, P.: Methoden der empirischen Sozialforschung. 11. Aufl., Berlin 2006, S. 101.

[2] Vgl. ebd., S. 101f.

[3] Vgl. Kromrey, H.: Empirische Sozialforschung. 11. Aufl., Stuttgart 2006, S. 358f.

[4] Vgl. zur Künstlichkeit der Befragungssituation: Kromrey, Sozialforschung, S.361f.

[5] Kromrey behauptet, dass Mittelschichtangehörige grundsätzlich eher als Arbeiter oder Oberschichtangehörige bereit seien, an einem Interview teilzunehmen, weshalb die Befragung regelmäßig mittelschichtorientiert sei (vgl. ebd., S. 362).

[6] Ebd., S. 362.

[7] S. Kapitel 2.3: Reaktivität.

[8] Atteslander, Methoden, S. 119.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Interview als soziale Beziehung
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Methoden der empirischen Sozialforschung
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V83725
ISBN (eBook)
9783638000857
ISBN (Buch)
9783638910644
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interview, Beziehung, Methoden, Sozialforschung
Arbeit zitieren
Tim Peters (Autor), 2007, Das Interview als soziale Beziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83725

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