Der archäologische Wert neuzeitlicher Gräberfelder wurde lange Zeit unterschätzt, da man bei christlichen Gräbern von einer beigabenlosen Gleichförmigkeit mit geringem Informationswert ausging. Wie falsch diese Einschätzung war hat nicht zuletzt die Fülle an Beigaben, die sich spätestens seit dem 17. Jh. in vielen Gräbern findet, bewiesen. Die in den letzten Jahren vermehrt durchgeführten Ausgrabungen neuzeitlicher Bestattungen haben darüber hinaus das Wissen um den Wandel im Totenritus vergangener Jahrhunderte in nicht unerheblichem Maße ergänzt. Inwieweit auch die Religiösen Konflikte und Umwälzungen des 16. Jh. gräberarchäologisch nachweisbar sind, soll im Folgenden näher beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
- Religionsgeschichtlicher Hintergrund: Die Reformation des Todes
- Die psychische Trennung von Lebenden und Toten
- Die physische Trennung von Lebenden und Toten
- Gestaltung der Friedhöfe
- Bestattungen
- Beigaben/Belassungen
- Der Friedhof von Breunsdorf
- Gestaltung des Friedhofs in der Neuzeit
- Bestattungen
- Beigaben/Belassungen
- Zusammenfassung und Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Reformation auf die Bestattungs- und Beigabensitte des 16. Jahrhunderts, insbesondere im Kontext der Gestaltung protestantischer Friedhöfe. Sie beleuchtet die Veränderung des Totenritus im Vergleich zur katholischen Tradition und analysiert die gräberarchäologischen Beweise für diese Veränderungen.
- Die Reformation des Todes: Die psychische und physische Trennung von Lebenden und Toten
- Die Umgestaltung der Friedhöfe: Vom Ort der Seelenruhe zum Ort des Andenkens
- Bestattungspraktiken: Wandel und Kontinuitäten
- Beigaben und Belassungen: Veränderungen in der materiellen Kultur
- Der Friedhof von Breunsdorf als Fallstudie: Analyse der archäologischen Befunde
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel analysiert die religionsgeschichtlichen Hintergründe der Reformation des Todes und beleuchtet die Veränderungen in der Beziehung zwischen Lebenden und Toten. Es konzentriert sich auf die Abschaffung des Fegefeuers und die damit einhergehende Umdeutung des Totenritus. Kapitel zwei untersucht die Gestaltung der Friedhöfe im Kontext der reformatorischen Lehre und beleuchtet die zunehmend pragmatische und hygienische Betrachtung des Bestattungsortes.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit Themen wie Reformation, Tod, Bestattung, Beigaben, Gräberarchäologie, Friedhofsgestaltung, protestantische Theologie, Fegefeuer, Totenritus, materiellen Kultur und dem Wandel des Totenverständnisses im 16. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen zu protestantischen Friedhöfen
Wie veränderte die Reformation den Totenritus?
Durch die Abschaffung des Fegefeuers änderte sich die Beziehung zu den Toten; Gebete für die Verstorbenen verloren an theologischer Bedeutung.
Was bedeutet die "physische Trennung" von Lebenden und Toten?
Friedhöfe wurden aus hygienischen und pragmatischen Gründen zunehmend aus den Stadtzentren an den Stadtrand verlegt.
Gab es Beigaben in protestantischen Gräbern?
Entgegen früherer Annahmen finden sich ab dem 17. Jahrhundert vermehrt Beigaben, was auf einen Wandel in der Bestattungskultur hindeutet.
Was ist das Besondere am Friedhof von Breunsdorf?
Der Friedhof dient als archäologische Fallstudie, um den Wandel der Bestattungssitten in der Neuzeit konkret nachzuweisen.
Wie wandelte sich die Gestaltung der Friedhöfe?
Der Friedhof entwickelte sich vom reinen Ort der Seelenruhe hin zu einem Ort des Andenkens und der geordneten Bestattung.
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- Svenja Muche (Author), 2007, Protestantische Friedhöfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83790