Phillip II. im Urteil der Zeitgenossen und späterer Historiker


Hausarbeit, 2006

19 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung:

2. Quellensituation

3. Einleitung Hauptteil:
3.1 Hauptteil : Quellenauswertung

4. Fazit:

5. Anhang:

Literaturverzeichnis:

Sekundärliteratur:

1. Einleitung:

Philipp II. galt schon unter seinen Zeitgenossen als einer der herausragendsten Herrscherpersönlichkeiten der Antike.[1] Angesichts der Entwicklung Makedoniens und der Erfolge Philipps in seiner Regierungszeit kann an dieser Einschätzung auch kein Zweifel geübt werden. Allein die Beurteilung seiner Person, seines Charakters, seiner Absichten hat schon zu Lebzeiten Philipps große Kontroversen unter den Griechen hervorgerufen. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nun mit diesen Kontroversen und versucht ein Bild Philipps II. zu zeichnen bzw. aus den überlieferten Quellen zu rekonstruieren. Wie wurde Philipp zu Lebzeiten beurteilt und welches Bild haben die nachfolgenden Historiker von ihm gezeichnet. Zu welcher Einschätzung kann oder muss der heutige Leser kommen, wenn er sich an einer Charakterstudie Philipps anhand der überlieferten Quellen versucht?

Meine ursprüngliche Absicht, durch einen „plutarch’schen“ Vergleich der beiden Herrscherpersönlichkeiten „Philipp II. und sein Sohn Alexander der Große“ die wesentlichen Charakterzüge, -Unterschiede wie Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, habe ich in Anbetracht des Umfanges, der den Rahmen einer Hausarbeit doch gänzlich sprengen würde, aufgeben müssen. So möchte ich einen solchen Vergleich nur an den Stellen heranziehen, wo er in der Tat primär eine prägnante und wichtige Perspektive auf die Beurteilung Philipps zulässt und nach sich zieht.

2. Quellensituation

Bevor ich auf die Quellen und die Auswertung dieser im Konkreten eingehen werde, ist es geboten zuvor auf die Quellensituation im Allgemeinen aufmerksam zu machen:

Alle zeitgenössischen Geschichtswerke sind uns leider nur noch als Fragmente erhalten bzw. nur dem Namen nach bekannt. Dazu zählen die Werke des Anaximenes, des Theopompos und des Ephoros von Kyme (gesammelt in: Die Fragmente der griechischen Historiker). Allerdings dienten sie zum Teil als Vorlagen für spätere, wenigstens teilweise erhaltene Werke.

Eine wichtige Darstellung ist das 16. Buch der Universalgeschichte Diodors, der unter anderem Ephoros und Theopompus zur Vorlage hatte. Er bietet trotz zahlreicher chronologischer Mängel und historiographischer Schwächen die bedeutendste fortlaufende Erzählung der Ereignisse von 359-336.[2] Diodor kompilierte diese Arbeit ca. 60-30 v.Chr.

Eine weitere durchlaufenden Abriss bietet Justin oder Iustinus aus dem 3.Jhdt. n.Chr.

Diese Quelle ist gewissermaßen ein Exzerpt von einem Zehntel der Vorlage des Textes von Pompeius Trogus aus augusteischer Zeit, dessen Originaltexte leider nicht überliefert sind. Johannes Engels schreibt zu der Qualität des Textes von Justin:

„Noch stärker als bei Diodor wird die teils teleskopartige Verkürzung der Darstellung Justins durch krasse Missverständnisse, sachliche Ungenauigkeiten, störendes rhetorisches Beiwerk und Anekdotisches belastet. Diese methodisch-historiographischen Schwächen haben aber der enormen Popularität Justins als eines Schulautors in der Spätantike und im Mittelalter nicht geschadet.“[3]

Von sehr großer Bedeutung sind vor allem aber auch die erhaltenen Reden aus der Zeit Phillips, wie die von Demosthenes, Isokrates und Aischines, die zum Teil vollständig oder zumindest in inhaltsreichen Fragmenten vorliegen. Trotz ihrer natürlich gattungstechnisch bedingten, sehr subjektiven Intention und Prägung, die eine sehr vorsichtige Interpretation erfordert, werde ich dennoch diese Quellen in den Vordergrund meiner Arbeit stellen.

Denn gerade die kritische und vor allem zeitgenössische und damit direkte Auseinandersetzung mit Philipp II ist m.E. nach an Authentizität durch keine andere vorhandene Quelle zu überbieten.

3. Einleitung Hauptteil:

Ich habe mich nun an dieser Stelle dafür entschieden, die Erörterung auf Grundlage der Reden des wohl schärfsten Kritikers Philipps in seiner Zeit zu beginnen.

Demosthenes erscheint mir gerade in dieser Funktion als großer attischer Kontrahent als die bedeutendste Quelle, um eine Beurteilung Philipps zu beginnen, da man natürlich gerade bei Demosthenes davon ausgehen kann, dass Philipp hier sein kritischstes Portrait gefunden hat. Deshalb möchte ich von Demosthenes ausgehend versuchen, dieses Bild meinerseits einer kritischen Analyse zu unterziehen und die jeweiligen Anschuldigungen unter Einbeziehung anderer zeitgenössischen Redner als auch der späteren Historiker einer Prüfung unterwerfen.

3.1 Hauptteil : Quellenauswertung

Wie erwähnt war der Athener Demosthenes schon zu Lebzeiten einer der entschiedensten politischen Gegner Philipps. Seine zeitgenössischen Reden gegen Philipp sind vor allem auch aufgrund ihrer rhetorischen Qualität in die Geschichte eingegangen. Als Abgesandter der 2. athenischen Gesandtschaft zur Ratifizierung des Philokratischen Friedens wies er als einziger die Gastgeschenke ab, die ihm Philipp wie den übrigen Gesandten machen wollte.[4]

Diese Geste verdeutlicht neben der ostentativen Ablehnung einerseits, auch das innerpolitische, komplizierte Ränkespiel der athenischen Parteien andererseits, - zwischen der „promakedonischen Friedenspartei“[5] um Eubulos, Aischines und Philokrates und der Gegenpartei um Demosthenes.[6] Demosthenes versuchte im Gegensatz zu der Friedenspolitik seiner Gegner, eine Allianz zwischen den Griechen aufzubauen, um die Vormachtstellung Philipps durch ein militärisches Gegengewicht zu brechen. Seine Zustimmung zum philokratischen Frieden 346, die ihn in die Gefahr der Unglaubwürdigkeit in Athen brachte, war natürlich der Tatsache geschuldet, dass Athen angesichts seiner geschwächten Position realistisch keine bessere Möglichkeit hatte, als zu diesem Zeitpunkt den Friedensvertrag und den damit verbundenen Zeitgewinn zu ratifizieren.

Demosthenes verdeutlicht in seinen öffentlichen Reden vor allem immer wieder nachdrücklich, dass Philipp ein falscher und geltungssüchtiger Tyrann ist, der nicht aus eigener Kraft, sondern gerade aus der Nachlässigkeit der Athener zu solcher Macht aufsteigen konnte.

„Denn Philipp ist nicht so sehr durch seine Stärke als durch unsere Gleichgültigkeit zu solcher Macht herangewachsen..“ (Demosthenes, Erste Rede gegen Philipp, 11)

und weiter:

„Denn ihr habt es ja, Männer von Athen, vor Augen, welchen Gipfel der Unverschämtheit dieser Mensch erreicht hat; er lässt euch nicht einmal die Wahl, zu handeln oder Ruhe zu halten, sondern er droht und führt, wie man sagt, übermütige Reden und kann sich nicht mit dem begnügen, was er in seine Gewalt gebracht hat, sondern er reißt immer noch mehr an sich und sucht uns, die wir zögern und untätig dasitzen, ringsum von allen Seiten zu umgarnen.“

(Demosthenes, Erste Rede gegen Philipp, 9)

Demosthenes versucht vor allem auch Philipp charakterlich schlecht und unglaubwürdig dastehen zu lassen. Er erklärt sogar, warum er versucht, Philipp zu verunglimpfen und als unmoralisch zu charakterisieren:

„Ihn nun wortbrüchig und unglaubwürdig zu nennen, ohne Beweise dafür zu erbringen, könnte man mit Recht als bloße Verunglimpfung bezeichnen. Das Verfahren aber, alle seine Unternehmungen durchzugehen und aufgrund von alledem diesen Tatbestand zu beweisen, bedarf glücklicherweise nur weniger Worte, außerdem halte ich aus zwei Gründen eine Darstellung für nützlich, einmal, damit Philipp, was auch in Wahrheit zutrifft, moralisch schlecht dasteht, und dann, damit diejenigen, die übergroße Angst vor ihm haben, als ob er unbezwingbar wäre, sehen, dass alle seine Mittel erschöpft sind, mit denen er früher durch Bluffen mächtig erschien, und er mit seinen Verhältnissen geradezu dem Ende zusteuert. (6) Denn auch ich würde auf Philipp mit hohem Respekt und großer Bewunderung blicken, wenn ich sehen würde, dass er durch rechtes Handeln zu seiner Macht emporgestiegen ist... Und überhaupt gibt es niemanden unter denen, die mit Philipp in Beziehung getreten sind, den er nicht betrogen hat. Denn dadurch, dass er jedes Mal den Unverstand derer, die ihn nicht kannten, täuschte und ausnutzte, erweiterte er seine Macht.“ (Demosthenes, zweite olynthische Rede, 5-6)

Die Polemik ist offensichtlich und wohl geradezu gewollt, wobei die Verharmlosung von Philipps militärischer Stärke und seinem politischen Gewicht angesichts der nachfolgenden historischen Ereignisse doch frappierend unrealistisch ist.

„..wenn jemand aber aus Eigennutz und Schlechtigkeit wie dieser zu Macht kommt, so bringt der erste Anlass und zufällige Anstoß alles zum Sturz und setzt ihm ein Ende. Denn unmöglich, unmöglich ist es, Männer von Athen, dass jemand, der Unrecht tut, wortbrüchig ist und betrügt, sich eine andauernde Macht schafft, vielmehr halten sich solche Gebilde nur einmal und für kurze Zeit.“ (Demosthenes, zweite olynthische Rede, 9-10)

Nimmt man Demosthenes hier beim Wort, denke ich, dass auch hier die Ereignisse das Gegenteil bewiesen haben. Mit dem Sieg von Chaironeia konnte Philipp auf eine andauernde Hegemonie über Griechenland hoffen und auch nach seinem Tod war es seinem Sohn Alexander gelungen, - auch wenn dies erst durch schnelle und harte Maßnahmen durchgesetzt werden musste, seine Vormachtstellung zu erhalten.

[...]


[1] Theopomp (FgrHist 115 F 27 = Polyb.8,11,1,Übers.J.Engels) : « Theopomp erklärt gleich am Anfang seiner Geschichte Philipps, der Anlass für ihn, dieses Werk in Angriff zu nehmen, sei gewesen, dass Europa noch nie solch einen Mann hervorgebracht habe wie Philipp, den Sohn des Amyntas »

[2] Vgl. Johannes Engels: Philipp II. Und Alexander der Große, Darmstadt 2006 , S.9

[3] ebd., S.10

[4] Dem. XIX 166-68

[5] der Begriff ist unter Historikern zwar umstritten, verdeutlicht aber doch prägnant die grundsätzlichen Unterschiede..

[6] an dieser Stelle sei auf R. Wüst, S.1ff verwiesen, der den komplizierten Konflikt der Parteiführer in seiner politischen Tiefe sehr gut wiedergibt..

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Phillip II. im Urteil der Zeitgenossen und späterer Historiker
Hochschule
Freie Universität Berlin  (FMI)
Veranstaltung
Phillip II
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V83803
ISBN (eBook)
9783638009461
ISBN (Buch)
9783638914901
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Phillip
Arbeit zitieren
Raoul Hansche (Autor), 2006, Phillip II. im Urteil der Zeitgenossen und späterer Historiker, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83803

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