Die Ernennung Vespasians zum Feldherren in Judäa

Quellenanalyse


Seminararbeit, 2005

21 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte

3. Quelle 1 – [Ios. Bell. Iud. III 1, 1-3]
3.1. Historische Einordnung der Quelle - Leben und Werk des Flavius Josephus
3.2. Gliederung und Aufbau der Quelle
3.3. Interpretation der Quelle
3.3.1. Neros Umgang mit den Misserfolgen in Judäa (Z. 1-8)
3.3.2. Vespasian als geeigneter Feldherr zur Niederschlagung des Aufstands (Z. 9-27)
3.3.3. Vespasians und Titus’ Weg nach Judäa – Aufbau des Kriegsheeres (Z. 27-32)

4. Quelle 2 – [Suet. Vesp. IV 4-5]
4.1. Historische Einordnung der Quelle – Leben und Werk Suetons
4.2. Gliederung und Aufbau der Quelle
4.3. Interpretation der Quelle
4.3.1. Vespasian als Begleiter auf Neros Griechenlandreise (Z. 1-9)
4.3.2. Die Weissagung der von Judäa ausgehenden Weltherrschaft (Z. 10-15)
4.3.3. Das Vorgehen der Juden zu Beginn des Aufstandes (Z. 16-18)
4.3.4. Erwägungen, die zur Ernennung Vespasians zum Kriegsherren führten (Z. 18-25)

5. Vergleichende Analyse

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Ernennung des späteren Kaisers Vespasian zum Oberbefehlshaber über die römischen Legionen im Jüdischen Krieg. Hierbei wird die Analyse zweier antiker Quellen, zum einen ein Auszug aus der Vespasian-Vita des Sueton, zum anderen ein Abschnitt aus dem „Jüdischen Krieg“ des Flavius Josephus, im Mittelpunkt stehen. Es gilt, die Angaben der Quelle zu erläutern, zu überprüfen und gegebenenfalls zu vervollständigen, wobei ich mich der vorhandenen Sekundärliteratur sowie anderen Quellen bediene.

Bevor ich mich nachfolgend der Interpretation der Quellen widme, sollen zunächst einige kurze Angaben zur Vorgeschichte, also dem historischen Kontext, in dem sich diese Arbeit bewegt, folgen. Die eigentliche Quellenanalyse erfolgt dann zunächst für jede Quelle separat. Unabhängig voneinander werden die Autoren und deren Werk vorgestellt, sowie die Quellen einzeln interpretiert. Abschließend habe ich mich bemüht, die Quellen anhand einiger Aspekte auch vergleichend zu analysieren, wenngleich dieser Teil zugunsten der ausführlicheren Einzelinterpretationen etwas zurücksteht.

Zur Bearbeitung der Quelle in der vorliegenden Hausarbeit stand eine Vielzahl von Literatur zur Verfügung. Neben einigen Monografien, Zeitschriften- und Handbuch-Artikeln, bot mir insbesondere „Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft“ detaillierte Erkenntnisse. Auch ist mir im Laufe der Bearbeitung der Quellen aufgefallen, dass es manchmal durchaus hilfreich sein kann, verschiedene Übersetzungen der gleichen Quelle zu Rate zu ziehen.

Schwierig erschien es mir, bei der Analyse der Quellen über die bloße Erläuterung der Quellenangaben hinauszukommen und die Ebene einer Diskussion aktueller Forschungsergebnisse zu erreichen; möglicherweise war dies aber auch ein zu weit gestecktes Ziel.

2. Vorgeschichte

Die beiden Quellen berichten vom Aufstieg des späteren Kaisers Vespasian zum Feldherren in Judäa. Im Jahre 66 n. Chr. wird ihm dieses Amt vom Kaiser Nero verliehen, der von 54 – 68 n. Chr. Kaiser des Römischen Reiches war.

Die Regierung Neros war in großem Maße geprägt vom Charakter dieses Menschen, der in der Geschichte als grausamer, wahnsinniger Tyrann beschrieben wurde. Er war kein begabter Staatsmann und Politiker, regierte mit Gewalt, Unterdrückung und Verfolgung, und führte das Römische Reich durch seine Verschwendungssucht sowie ausbleibende Kriegsbeute in den finanziellen Ruin. Die Steuerlast nahm enorm zu, und die Legionen waren in einem desolaten Zustand, was Nero zahlreiche Gegner einbrachte.

Genau in dieser Situation kam es nun auch zum Ausbruch des Jüdischen Krieges. Ein vernünftiges Zusammenleben von Römern und Juden in der Römischen Provinz Judäa konnte nicht erreicht werden. Schon seit der Regierung Caligulas saugten die römischen Prokuratoren das Volk aus und verstanden es nicht, auf die religiösen Gefühle der Juden Rücksicht zu nehmen. Diese Spannungen nahmen unter Claudius zu und erreichten unter den Statthaltern der Regierung Neros ihren Höhepunkt. Nach etlichen kleineren Aufständen gegen die Fremdherrschaft kam es nun zum großen Aufstand der Juden gegen Rom, der als 1. Jüdischer Krieg in die Geschichte einging. Der Krieg dauerte von 66 n. Chr. bis zum Jahre 70 n. Chr., als die Römischen Legionen unter Titus (dieser übernahm den Oberbefehl über den Krieg nach der Thronbesteigung seines Vaters Vespasians im Jahre 69) den Tempel in Jerusalem nach langer Belagerung zerstörten, bzw. bis zum Jahre 73 n. Chr., denn hier erst gelang den Römern auch die Zerstörung der Bergfestung Masada.[1]

Im Folgenden werde ich mich im Rahmen der Quellenanalyse nun mit den Anfangsjahren des Jüdischen Krieges sowie ganz speziell der Rolle Vespasians widmen.

3. Quelle 1 – [Ios. Bell. Iud. III 1, 1-3]

3.1. Historische Einordnung der Quelle - Leben und Werk des Flavius Josephus

Der jüdische Feldherr und Geschichtsschreiber Flavius Josephus wurde als Joseph ben Mathitjahu ca. 37/38 n. Chr. in Jerusalem geboren und starb etwa um 100 n. Chr. in Rom.

Über sein Leben berichtet Josephus selbst. Seiner gegen das Lebensende zu verfassten Autobiographie[2] nach entstammte er dem Priesteradel, genauer gesagt der ersten der 24 Priesterklassen. Josephus genoss eine rein jüdische Erziehung, die in erster Linie der Kenntnis der Gesetze und der Auslegung der Heiligen Schriften galt, nicht aber eine wissenschaftliche Schulung, so dass er sich seine Sprachkenntnisse[3] wohl selbstständig aneignete. In seiner Vita rühmt er sich damit, bereits als Vierzehnjähriger in offiziellen Fragen der Gesetzesauslegung konsultiert worden zu sein. Auch berichtet er davon, die 3 jüdischen Schulen der Pharisäer, Sadduzäer und Essener durchlaufen zu haben, was in Anbetracht des Zeitaufwands für eine derartige Bildung aber möglicherweise auch nichts als Prahlerei war. Er schloss sich der pharisäischen Richtung an, und trat als Neunzehnjähriger in den Staatsdienst ein. Sechsundzwanzigjährig unternahm er im Jahre 64 eine Reise nach Rom, konnte dort wie geplant die Freilassung einiger ihm befreundeter Priester erwirken und machte hierbei Bekanntschaft mit der Gemahlin des Kaisers Nero, Poppaea Sabina.[4]

Im Jahre 66 kehrte er nach Jerusalem zurück, wo wenig später der Jüdische Aufstand begann, in dem man Josephus den Oberbefehl über Galiläa übertrug. Auf diesem Posten vor dem Feind habe er gänzlich versagt, da er wohl weder an Kenntnissen noch als Persönlichkeit dem römischen Feldherren gewachsen war.[5] Erfolglos im Kampf gegen die Truppen des Vespasian wurde er im Frühjahr 67 von diesen gefangen genommen, wechselte nach seiner Freilassung[6] im Jahre 69 aber die Seiten und wurde zum Berater der Römer bei der Besetzung Jerusalems. Nach dem Fall Jerusalems siedelte Josephus nach Rom über, wo er als Günstling der Flavier in einer kaiserlichen Villa wohnen durfte und dazu stattliche Einkünfte erhielt. Der jüdische Priester wurde zum Geschichtsschreiber und verfasste hier in griechischer Sprache mehrere Schriften, darunter seine vollständig erhaltenen Hauptwerke „Über den Jüdischen Krieg“ und die „Jüdische Archäologie“.

Das Werk „De bello Judaico“, welches den langen Kampf der Juden gegen Fremdherrschaft, beginnend im Jahre 174 v. Chr. mit der Eroberung Jerusalems durch die Makkabäer bis hin zum großen Aufstand der Juden gegen die Römer in den Jahren 66-70, beschreibt, schrieb Josephus zwischen 75 und 79 n. Chr.; er selbst nahm dabei eine Einteilung in 7 Bücher vor. Sein Ziel war es, im Gegensatz zu anderen eher parteiischen Darstellungen, ein neutrales Bild des Jüdischen Krieges zu zeichnen, das weder den Römern noch dem eigentlichen jüdischen Volk die Schuld am Kriege zuweist, und so zu einer Versöhnung des Judentums mit der römischen Welt beitragen sollte. Dass er mit diesem Anspruch scheiterte, zeigt sich nicht zuletzt auch darin, dass er von seinen jüdischen Landsleuten Zeit seines Lebens als Verräter betrachtet wurde. So ganz lässt sich eine gewisse römerfreundliche Tendenz seiner Darstellung in der Tat nicht leugnen, schließlich sei das Werk auch unter Anregung und Wohlwollen Vespasians persönlich entstanden.[7] Was den Charakter des Werkes angeht, so erweist sich dieser – sicherlich der Tatsache geschuldet, dass Josephus vorzugsweise als Augenzeuge über den Jüdischen Krieg berichtet – als sehr frisch und lebendig.[8]

Des Weiteren vollendete Josephus im Jahre 93/94 n. Chr. das dem Epaphroditos[9] gewidmete Werk „Jüdische Archäologie“, welches die jüdische Geschichte in der Zeit von der Menschenschöpfung bis zum Ausbruch des Aufstandes im Jahre 66 n. Chr. in 20 Büchern schildert.

[...]


[1] vgl. Seyfarth, W.: Römische Geschichte. Kaiserzeit 1, Berlin 1974, S. 133ff

[2] „Vita“ (Mein Leben) erscheint um das Jahr 96 n. Chr.

[3] speziell die der griechischen Sprache, in der er später schrieb. Es sei angemerkt, dass Josephus mit dem Griechischen wohl zeitlebens auf gespanntem Fuß stand, denn selbst bei der Abfassung des Jüdischen Krieges zog er der griechischen Sprache wegen Helfer heran.

[4] vgl. Hölscher, G.: s.v. Josephus [2], RE IX, 2, 1988, Sp. 1935ff

[5] vgl. Weber, W.: Josephus und Vespasian. Untersuchungen zu dem jüdischen Krieg des Flavius Josephus, Berlin [u.a.] 1921, S. 31

[6] Während seiner Gefangenschaft sagte Josephus Vespasian die baldige Herrschaft über das ganze Imperium voraus. Nachdem Vespasian im Juli 69 zum Kaiser wurde, schenkte er Josephus die Freiheit. Seitdem führte J. als Freigelassener des Flaviers, wie es Sitte war, den Geschlechtsnamen Flavius und erhielt das römische Bürgerrecht.

[7] vgl. Schalit, A.: Die Erhebung Vespasians nach Flavius Josephus, Talmud und Midrasch. Zur Geschichte einer messianischen Prophetie, in: ANRW II, 2, 1975, S. 261

[8] vgl. Hölscher, G.: s.v. Josephus [2], RE IX, 2, 1988, Sp. 1943

[9] Es handelt sich hierbei (wenn nicht um eine unbekannte Person) entweder um den Freigelassenen Neros, der ab 62 dessen Staatssekretär war, oder um den griechischen Grammatiker M. Mettius Epaphroditus, der wohl eine 30.000 Bände umfassende Bibliothek besaß.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Ernennung Vespasians zum Feldherren in Judäa
Untertitel
Quellenanalyse
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar zur Geschichte des Altertums: Die Flavier
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V83811
ISBN (eBook)
9783638001144
ISBN (Buch)
9783638910729
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ernennung, Vespasians, Feldherren, Judäa, Proseminar, Geschichte, Altertums, Flavier, Kaiser, Feldherr, Vespasian, Antike, Rom
Arbeit zitieren
Matthias Buchholz (Autor), 2005, Die Ernennung Vespasians zum Feldherren in Judäa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83811

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