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Der Erzähler und seine Erzählperspektive im Roman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin

Title: Der Erzähler und seine Erzählperspektive im Roman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin

Term Paper , 2004 , 19 Pages , Grade: 1.5

Autor:in: Stefan Janssen (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Der Roman „Berlin Alexanderplatz“ wird im Allgemeinen als Kompendium moderner Erzählverfahren gesehen. Er bricht radikal mit der Erzähltradition des bürgerlichen Realismus des 19. Jahrhunderts. Dies zeigt sich unter anderem in der häufigen Unterbrechung des Erzählkontinuums, in der Montagetechnik, in der Vielfalt der Stilebenen und dem Einsatz unterschiedlicher Erzählperspektiven. Im exemplarischen Charakter des Erzählten kann von Anfang an eigentlich kein Zweifel bestehen. Autor Alfred Döblin rückt durch Vorwegnahmen und Zusammenfassungen des Geschehens, durch ironische Brechungen der Erzählerrolle, durch scheinbar undiszipliniertes, dadurch amüsierendes und irritierendes Erzählen die Aufmerksamkeit des Lesers auf das Wie der Darstellung und auf die Bedeutung des Erzählten. Der Modus der Erzählung schwankt vom souverän auktorialen Bänkelsänger, der weit außerhalb des Geschehens positioniert ist, bis zum bloßen Reflektor, der sich seinem Stoff ergibt und verschiedenes Material einfach zusammen montiert.
Die Untersuchung der Erzählhaltung bzw. die genaue Betrachtung der Rolle des Erzählers ist daher in „Berlin Alexanderplatz“ sehr komplex. Ich möchte auf der einen Seite den Erzähler und seine Erzählperspektive grob für den gesamten Roman beleuchten, aber auf der anderen Seite auch ins Detail gehen. So unterscheide ich in meiner Ausarbeitung zwischen der Rolle bzw. der Erzählhaltung des Erzählers im Vorspann sowie in den Einleitungen und jener in den eigentlichen Handlungsabläufen in den neun Büchern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ist Döblin ein allwissender Erzähler?

3. Die Rolle des Erzählers und des Lesers

4. Analyse der Erzählhaltung im Außengerüst

5. Analyse der Erzählhaltung im Handlungsablauf

6. Analyse der Erzählhaltung, der Perspektive und des Modus’ am Romananfang

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Ausarbeitung analysiert die komplexe Erzählstruktur in Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob und inwieweit das Werk durch einen allwissenden Erzähler geprägt ist, oder ob die angewandte Montagetechnik und der ständige Perspektivwechsel diese Erzählposition infrage stellen bzw. destruieren.

  • Untersuchung der Erzählhaltung im sogenannten Außengerüst und im konkreten Handlungsablauf.
  • Analyse der Interaktion zwischen Erzähler, Leser und Hauptfigur Franz Biberkopf.
  • Betrachtung der Montagetechnik als Instrument zur Erzählperspektivierung.
  • Deutung der verschiedenen Erzählsituationen (auktorial, personal, neutral) anhand von Textbeispielen.

Auszug aus dem Buch

4. Analyse der Erzählhaltung im Handlungsablauf

Während im Außengerüst die auktoriale Erzählsituation mit ihren Kennzeichen der Berichtform, der Erzähldistanz und Erzählüberlegenheit somit klar bestimmend sei (ebd.), treffe dies im eigentlichen Handlungsablauf nicht im selben Ausmaß zu. Hierzu gibt es zahlreiche Beispiele. Ich beziehe mich auf ein Beispiel von BECKER, der folgenden Textabschnitt (S.13) zu Beginn des Romans analysiert. Er gehört in den Geschehensverlauf der Rückkehr Franz Biberkopfs vom Gefängnis mit der Straßenbahn nach Berlin: „(1) Der Wagen machte eine Biegung, Bäume, Häuser traten dazwischen. Lebhafte Straßen tauchten auf, die Seestraße. Leute stiegen ein und aus. In ihm schrie es entsetzt: (2) Achtung, Achtung, es geht los. (1) Seine Nasenspitze vereiste, über seine Backe schwirrte es. (3) Zwölf Uhr Mittagszeitung, B.Z., Die neueste Illustrierte, Die Funkstunde neu, Noch jemand zugestiegen? (2) Die Schupos haben jetzt blaue Uniformen. (1) Er stieg unbeobachtet wieder aus dem Wagen, war unter Menschen. (2) Was war denn? Nichts, Haltung, ausgehungertes Schwein, reiß dich zusammen, kriegst meine Faust zu riechen. Gewimmel, welch Gewimmel. Wie sich das bewegte. Mein Brägen hat wohl kein Schmalz mehr, der ist wohl ganz ausgetrocknet.“

BECKER (1962, S. 101) analysiert, dass in diesem Abschnitt anfangs kurze Berichtsätze des Erzählers im Imperfekt (1) stehen, die eine auktoriale Erzählsituation erkennen lassen. Der Erzähler wird selbst nicht sichtbar, doch liegt das „Orientierungszentrum“ des Lesers in ihm, dem „auktorialen Medium“. Innerhalb dieser auktorialen Sätze findet ein plötzlicher Perspektivenwechsel von der „Außensicht“ des Erzählers zur „Innensicht“ der Hauptperson statt (2). Ferner werden die Gedanken Biberkopfs, des „personalen Mediums“, wiedergegeben, das so zum Orientierungszentrum des Lesers wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Roman als ein Kompendium moderner Erzählverfahren und umreißt die Komplexität der Erzählperspektiven sowie das Ziel der Arbeit, Ordnung in das Gewirr dieser Erzählsituationen zu bringen.

2. Ist Döblin ein allwissender Erzähler?: Dieses Kapitel diskutiert kontroverse Forschungsmeinungen zur Frage, ob der Erzähler als allwissende, göttliche Instanz fungiert oder ob seine Rolle durch die Montagetechnik und die Dynamik des Romans kontinuierlich relativiert wird.

3. Die Rolle des Erzählers und des Lesers: Hier wird das Verhältnis zwischen dem Erzähler und dem Leser beleuchtet, insbesondere durch die direkte Ansprache des Lesers und den Einsatz des Pronomens „wir“, wodurch der Leser in den Leseprozess aktiv einbezogen wird.

4. Analyse der Erzählhaltung im Außengerüst: Die Analyse konzentriert sich auf die Vorreden und Einleitungen, in denen eine Erzählstimme als Vermittler auftritt, die den Roman strukturiert und eine überlegene Regiehaltung einnimmt.

5. Analyse der Erzählhaltung im Handlungsablauf: Dieses Kapitel zeigt anhand von Textbeispielen, wie innerhalb des eigentlichen Geschehens die Erzählsituationen zwischen auktorialer, personaler und neutraler Darstellung ständig wechseln.

6. Analyse der Erzählhaltung, der Perspektive und des Modus’ am Romananfang: Abschließend wird das erste Kapitel als exemplarisches Kontinuum analysiert, in dem personale Erzählsituationen, innere Monologe und Erzählerstimmen miteinander verschränkt werden.

Schlüsselwörter

Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz, Erzählperspektive, Montagetechnik, Auktorialer Erzähler, Personaler Erzähler, Erzählsituation, Franz Biberkopf, Erzählhaltung, Literaturwissenschaft, Moderne, Erzählprofil, Narratologie, Leseransprache, Innenperspektive

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Erzählstrukturen und Erzählperspektiven in Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Rolle des Erzählers, das Verhältnis zum Leser, die Montagetechnik sowie die wechselnden Erzählsituationen (auktorial, personal, neutral).

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu klären, inwieweit Döblins Erzähler als allwissende Instanz betrachtet werden kann und wie die ständigen Wechsel der Erzählhaltung die Rezeption des Romans beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Analyse von Sekundärliteratur renommierter Literaturwissenschaftler und führt eine detaillierte textimmanente Analyse von Schlüsselszenen des Romans durch.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des „Außengerüsts“ (Vorreden), den eigentlichen „Handlungsablauf“ und eine spezifische Analyse des Romananfangs hinsichtlich Perspektive und Erzählmodus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Montagetechnik, Erzählsituation, Erzählerprofil, auktoriales Erzählen und Perspektivwechsel charakterisieren.

Wie definiert die Arbeit das Verhältnis zwischen Leser und Erzähler?

Durch die häufige Verwendung der ersten Person Plural („wir“) und direkte Anreden baut Döblin eine Vertraulichkeit auf, die den Leser als Mitwisser oder Komplizen des Erzählers integriert.

Welche Rolle spielt die „Stimme des Todes“ im Roman?

Die Arbeit identifiziert den Tod als eine literarische Charakterfigur, die am Romananfang als beobachtende Instanz fungiert und später als interaktive Erzählerfigur auftritt.

Warum ist das „Außengerüst“ für die Analyse so wichtig?

Das Außengerüst ist relevant, da hier der Erzähler explizit als ordnende und kommentierende Instanz auftritt, während im restlichen Text die Erzählsituation durch Montage aufgelöst wird.

Was ist die Schlussfolgerung bezüglich des „allwissenden Erzählers“?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Erzähler zwar als Regisseur auftritt, seine Allwissenheit jedoch durch die montierten Brüche und Perspektivwechsel bewusst relativiert wird.

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Details

Title
Der Erzähler und seine Erzählperspektive im Roman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Germanistik)
Course
Berlin Alexanderplatz
Grade
1.5
Author
Stefan Janssen (Author)
Publication Year
2004
Pages
19
Catalog Number
V83834
ISBN (eBook)
9783638004350
ISBN (Book)
9783638912174
Language
German
Tags
Erzähler Erzählperspektive Roman Alexanderplatz“ Alfred Döblin Berlin Alexanderplatz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Janssen (Author), 2004, Der Erzähler und seine Erzählperspektive im Roman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83834
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